230) Pfingstsonntag 2017: KOMM, O GEIST DER HEILIGKEIT (1. Teil)

 

 „KOMM, O GEIST DER HEILIGKEIT“ (Pfingstsequenz 1. Teil)

Über das Gnadenwirken des Heiligen Geistes

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Der Heilige Geist ist der große Unsichtbare. Mit allem Unsichtbaren, auch mit dem Heiligen Geist, tun wir uns nicht so leicht. Unser Leben ist in die sichtbare Welt eingebettet. Doch wollen wir nicht vergessen, dass der Glaube uns zum Leben mit der übernatürlichen und unsichtbaren Welt führt. Das Sichtbare verweist uns auf das Unsichtbare, das Leibliche auf das Seelische, das Vergängliche auf das Unvergängliche, das Zeitliche auf das Ewige. Wie ist das mit dem Heiligen Geist? Wenn wir erkennen, was der Heilige Geist bei uns Menschen an Wirkungen hervorbringen will, dann können wir etwas von Ihm erahnen, auch wenn er uns als Dritte Göttliche Person ein Geheimnis bleiben wird. Ich möchte euch einladen, heute und morgen mit mir anhand der Pfingstsequenz auf den Heiligen Geist zu achten. Wie wirkt der Heilige Geist, womit will der Heilige Geist uns beschenken?

           

1) Komm, o Geist der Heiligkeit!

Der Vater und der Sohn hauchen einander die Liebe zu, deshalb wird der Heilige Geist auch Ausgang oder Hauchung genannt. Von da her sein Name Heiliger Geist: Hauchung, Ausgang der Liebe, vom Vater zum Sohn, vom Sohn zum Vater. Heiliger Geist und Geist der Heiligkeit meinen dasselbe. Gott ist der Drei Mal Heilige, wie die Offenbarung sagt. Die Heiligkeit Gottes meint sein Geheimnis, seine Größe, seine Erhabenheit über alle unsere menschlichen Vorstellungen.

           

Das Heilige ist der Wirkungsbereich des Heiligen Geistes. Der Wirkungsbereich des Ungeistes ist die Sünde. Lieben wir das Heilige, gehen wir gerne hinein in den Bereich des Heiligen, wie es uns durch die Kirche und die heiligen Sakramente geschenkt ist und wir werden sein heiligendes Wirken erfahren.

           

Aus des Himmels Herrlichkeit:

Der Heilige Geist ist die Gabe des Himmels. Mit Himmel ist hier Gott gemeint. Christus sendet uns vom Himmel her, also vom Vater her die Gnaden und Gaben des Heiligen Geistes. Die Gaben des Heiligen Geistes sind Geschenke, die Gott uns gibt, wir brauchen sie nicht „erarbeiten oder erleisten“. Das Wichtigste im Leben ist Gnade, es wird uns geschenkt, sagt der hl. Benedikt.

           

Der Heilige Geist legt mit seinen Gaben in unsere Seele die Gnaden des Himmels, über die Freuden und Leiden unseres Lebens den Glanz des Himmels. Von der hl. Elisabeth von Thüringen ist bezeugt: Sie hat oft Stunden des Gebets in der Kirche vor dem Tabernakel verbracht. Wenn sie vom Gebet gekommen ist, hatte ihr Gesicht eine himmlische Ausstrahlung.

           

Sende Deines Lichtes Strahl:

Wie oft sagt die Heilige Schrift, dass Gott Licht ist, und keine Finsternis in ihm ist (1 Joh 1,5). Bei Gott gibt es „keine Veränderung und keine Verfinsterung“ (Jak 1,17). Das Sein und Wirken Gottes ist nicht widersprüchlich, nicht der Zeit und nicht der Mode unterworfen, heute so und morgen anders. Gott ist ewige Wahrheit. Auch die Offenbarungswahrheiten, die von Gott kommen verändern sich nicht. Wir Menschen sind dazu geschaffen, dieses ewige Licht – die Liebe und Wahrheit Gottes aufzunehmen. Das können wir seit dem Sündenfall im Paradies nicht auf einmal, wir würden es nicht ertragen. Die Urchristen haben die hl. Taufe auch „Erleuchtung“ (Hebr 10,32) genannt, mit dem der Weg zum Gott des Lichtes beginnt. Der Heilige Geist will uns durch die Kirche immer wieder einen Strahl seines Lichtes schenken, Erkenntnis Gottes, Selbsterkenntnis, damit wir auf dem Weg zum Licht Gottes, der in der hl. Taufe begonnen hat, wachsen und reifen. Auch die Armen Seelen im Fegfeuer erhalten vom Heiligen Geist Strahlen des Lichtes, sie gehen durch eine Läuterung hindurch der Schau des Ewigen Lichtes entgegen. Helfen wir ihnen durch unser Gebet!

           

2) Vater aller Armen Du,

Gemeint sind die Armen im Sinn der ersten Seligpreisung: „Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich“(Mt 5,3). Arm vor Gott ist derjenige Mensch, der vor Gott Kind geworden ist, demütig, der weiß, dass er aus sich selbst nicht ist und nichts vermag, der weiß, dass er alles Gott verdankt, mit Gottes Gnade und Hilfe stark und ausdauernd sein kann. Das sind die wahren Armen: Menschen, die arm an Sünde und reich an Gnade geworden sind.

           

Aller Herzen Licht und Ruh,

Wenn wir Menschen in unserem Gewissen für das Licht des Heiligen Geistes offen sind – für Gottes Wahrheit, Gottes Gebot, Gottes Lehre – dann führt uns der Heilige Geist zum Licht und zur Ruhe des Herzens. Licht des Herzens meint die sichere innere Gewissenseinsicht. Wer in seinem recht gebildeten Gewissen etwas als vor Gott richtig erkannt hat, hat in seinem Gewissen ein klares Licht, eine klare moralische Gewissheit, die inneren Halt gibt, auch wenn es „die Leute“ nicht verstehen. Die Ruhe des Herzens ist der Friede des Gewissens. Der innere Friede, der Friede eines reinen und guten Gewissens, ist die beste Klostermauer, der stärkste Schutz, den wir im Leben haben können. Gegen ein gutes und reines Gewissen vermag niemand etwas auszurichten. Der Volksmund sagt auch: „Ein reines Gewissen ist das beste Ruhekissen!“

           

Komm mit Deiner Gaben Zahl!

Hier erinnern wir uns, dass wir alle Gnaden, Geschenke, Tugenden, guten Anlagen usw. bereits in der Heiligen Taufe empfangen haben. Die Firmung schenkt die Vollendung der Taufgnade. Um die Gaben des Heiligen Geistes zu bitten ist so zu verstehen, dass wir immer wieder auf die Tauf- und Firmgnade besinnen, die Taufgnade bestärken, vertiefen und entfalten.

           

3) Tröster in Verlassenheit,

Es gibt Menschen die verlassen sind, von Angehörigen und Freunden im Stich gelassen, allein gelassen in körperlichen oder seelischen Nöten. Die Vereinsamung des Menschen, gerade in den Wohlstandsländern, niemanden haben, von dem man sich verstanden weiß, dem man sich öffnen kann, das ist eine der größten Nöte. Hier ist es für uns gut, offen zu sein, damit der Heilige Geist uns zu Menschen schicken kann, die in Verlassenheit sind, die einen Besuch, ein Zuhören, ein Wort benötigen.

           

Labsal voll der Lieblichkeit,

Wir könnten die Labsal, diese Gabe des Heiligen Geistes mit Erfrischung bezeichnen. Beim Schwitzen der Arbeit oder des Sports wissen wir, was eine Erfrischung, ein Getränk, eine Dusche für den Körper bedeutet. Labsal meint Erfrischung der Seele. Auch die Seele kann sich unter Arbeit, geistiger Bedrängnis und Not erschöpfen. Da ist es der Heilige Geist, der uns innerlich erfrischt, wieder zum Weitergehen verhilft.

           

Komm, Du süßer Seelenfreund!

Denken wir manchmal daran, dass wir diesen Seelenfreund haben. Der Heilige Geist ist zuerst der Freund und Helfer für alle geistig-seelischen Angelegenheiten. Da ist er Spezialist. Er ist der Geber und Lehrer des inneren Lebens. Ein Zeichen der Zeit ist die Veräußerlichung, auch in der Kirche. Der Heilige Geist ist der Seelenfreund, der uns die Pflege des inneren Lebens lehrt. Wir brauchen in der heutigen Situation im Leben der Kirche nicht veräußerlichte weltliche Feste. Wir brauchen die kirchlichen Feste, durch die der Heilige Geist, der Seelenfreund uns wieder innerlich erfüllen kann. Daraus kann die Kirche auch wieder missionarisch werden.

           

4) In Ermüdung schenke Ruh,

Leben und Arbeit ermüdet. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch zur Ruhe kommen. Jeder Werktag braucht auch Phasen der Ruhe, die Ruhe der Nacht, Zeiten des Gebetes. Das Sonntagsgebot schenkt uns durch Hl. Messopfer und Arbeitsruhe für die Woche einen Tag der Ruhe. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Wir dürfen den Wert unseres Lebens nicht von unserer Leistung her definieren. Wir haben unseren Wert nicht durch das, was wir leisten, sondern durch das, was wir sind: Menschen, von Gott erschaffen von Christus durch die Sakramente erlöst. Der Heilige Geist führt uns durch die Sonn- und Feiertage zur Ruhe und damit zu den geistigen Dimensionen des Lebens. Wer sich vom Heiligen Geist nicht mehr zur Ruhe führen lässt, wird rast und ruhelos, er verliert die geistigen Dimensionen des Lebens, er stumpft religiös und menschlich immer mehr ab.

           

In der Glut hauch Kühlung zu,

Hier ist die Glut der Leidenschaft gemeint. Es gibt Tugend aus Leidenschaft. Und es gibt Leidenschaft, die zur Sünde führt. Es gibt in der Sprache der Heiligen Schrift die Glut des Zorns usw. Diese Gluten will der Heilige Geist kühlen und lindern, sodass wir wieder in der Liebe handeln können. „Im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott recht ist“ (Jak 1,20). Es gibt auch die Glut der Erregung im Bereich des Gemüts, des Gefühle und Affekte, das will der  Heilige Geist kühlen. Das gilt auch für unser Beten: Wir dürfen im Gebet nicht die Erregung des Gefühls suchen, das „high“ werden... Christliches Beten ist im Unterschied zu heidnischen Praktiken nüchtern und vernunftgemäß. Der Heilige Geist stachelt beim Gottesdienst unser Gemüt nicht auf wie bei einer Oktoberfeststimmung, er kühlt die Glut der Leidenschaft und Erregung, damit er uns im Licht der Vernunft ansprechen kann, damit unser Verstand und Wille nie ausgeschaltet werden sondern mitwirken und zu Taten entscheiden kann.

           

Tröste den, der trostlos weint.

Es gibt Menschen, die trostlos weinen, das sind jene, die niemanden haben, der sie liebt, von allen im Stich gelassen, nicht mehr wissen, wie es weitergeht, keinen Ausweg mehr sehen. Doch einen gibt es, der uns Menschen nie alleine lässt: Den Heiligen Geist, den Tröster. Doch der Tröstergeist will sich gerade auch der Menschen bedienen, um trostlos Weinenden zu Hilfe zu kommen.

            

 

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