227) Ostersonntag 2017: EXSULTET - DER OSTERJUBEL DER KIRCHE

 

Ostersonntag  2017

 „EXSULTET“ - DER OSTERJUBEL DER KIRCHE

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Bei der Feier der Osternacht wird - ihr erinnert euch - nach dem Einzug der Osterkerze in die dunkle Kirche vom Priester bzw. vom Diakon das Exsultet gesungen, ein feierlicher österlicher Lobgesang. Nach dem lateinischen Anfangswort EXSULTET – „frohlocket“, wird es so bezeichnet. Das Exsultet ist einer der schönsten Gesänge der Römischen Liturgie. Das Exsultet besingt das Geheimnis der hochheiligen Nacht der Auferstehung Christi. Die älteste erhaltene Textfassung des Exsultet reicht ins Ende des 4. Jahrhundert zurück, aus dem Gebiet von Norditalien. Der Verfasser ist unbekannt, wird jedoch meist mit dem hl. Ambrosius von Mailand bzw. mit seinem theologischen Einfluss in Verbindung gebracht.

           

Das Exsultet ist wie eine ausgereifte Frucht der österlichen Freude. Die Kirche kennt nicht nur den Ernst, die Buße, das Opfer, den Verzicht, die Ermahnung, die Zurechtweisung usw. Die Kirche kennt natürlich auch die Freude. Die Kirche kennt die Freude sogar im Höchstmaß, in der höchsten Steigerung. Das nennt die Kirche frohlocken. Die Fastenzeit dauert übrigens 40 Tage, die Osterzeit dauert 50 Tage!

           

Das Frohlocken meint nicht eine emotionale Entgleisung, nicht die Verwirrung des Gefühls, nicht ein oberflächliches in Stimmung geraten, ein high werden usw. Das Frohlocken meint eine Freude, die nicht von der Welt kommt. Eine Teilhabe an der Freude, die aus dem Kreuz und der Auferstehung Christi hervorgeht.

           

Können wir in der heutigen Welt frohlocken? In einer Welt voller Elend, voller Kriege, voller Christenverfolgung, in einer Kirche mit so viel Schwierigkeiten und Problemen? Christus sagt einmal: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis, aber habt Mut, ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33). Die Freude, das Frohlocken, ist eine Gabe, die Gott uns gerade in der Bedrängnis gibt. Gott will uns in der Bedrängnis die wahre Freude geben, die nur er geben kann. Wer durch den wahren Glauben mit Gott lebt, der darf das auch erfahren, immer wieder, dass Gott uns in der Bedrängnis mit seiner Freude erfüllt.

           

Die Kirche hat allen Grund zur Freude, zum Frohlocken. Sie ist sich bewusst, was Christus, ihr himmlischer Bräutigam, ihr durch seine Liebe am Kreuz und durch seine Auferstehung erworben hat: Das Exsultet drückt auch aus, warum die Kirche sich so freut. An jedem Osterfest will uns die Kirche von neuem zu den übernatürlichen Quellen der wahren Freude führen:

           

- Die Kirche frohlockt, weil Christus mit seinem Blut Adams Schuld bezahlt, und den Schuldbrief ausgelöscht hat. Die Vergebung der Sünden ist von Christus vollzogen, wir brauchen sie nur noch in den Sakramenten annehmen.

           

- Die Kirche frohlockt, weil das wahre Lamm geschlachtet ist: Dh der Erlösertod Christi ist vollzogen. Aus dem Opfertod Christi, der im Hl. Messopfer unblutig gegenwärtig wird, dürfen wir leben. Das Hl. Messopfer ist die Quelle aller Gnaden. Wir können sie annehmen, oder daran vorbeileben…

           

- Die Kirche frohlockt, weil das Blut des Lammes die Türen der Gläubigen heiligt. Dh unsere Seelen werden in den Hl. Sakramenten immer neu durch das Kostbare Blut Christi, gereinigt, genährt, belebt, gestärkt. Noch mehr:

           

- Die Kirche frohlockt, weil wir durch das Blut des Lammes bewahrt werden vor Tod und Verderben. Ist uns das bewusst, dass uns das Blut des Lammes vor dem ewigen Tod und dem ewigen Verderben retten will? Im weiteren Sinn werden wir durch das Kostbare Blut Christi, das wir im Hl. Messopfer unter uns haben, auch vor zeitlichem Verderben und Nöten bewahrt. Freilich können wir diese Gnade nur dann empfangen, wenn wir das Hl. Messopfer im Glauben annehmen und durch unsere Mitfeier schätzen.

           

- Die Kirche frohlockt, weil sie erkennt, dass Christi Tod und Auferstehung die Ketten des Todes zerbrochen hat. Hier ist zuerst wieder der ewige Tod gemeint.

           

- Die Kirche frohlockt, weil sie die unfassbare Liebe des Vaters erkennt, die, um uns zu erlösen, den Sohn dahin gab!

           

Die Kirche frohlockt, weil das alles im Sakrament der hl. Taufe heute Wirklichkeit wird. Die Osternacht war und ist der Tauftermin der Kirche. „Dies ist die Nacht, die heute auf der ganzen Welt alle, die an Christus glauben, scheidet von den Lastern der Welt, dem Dunkel der Sünde entreißt, ins Reich der Gnade heimführt und einfügt in die heilige Kirche.“ Die Gnade der Erlösung ist so groß, dass das Exsultet keine Hemmung hat, uns ins Bewusstsein zu rufen: „Wahrhaftig, umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet.“

           

Das Exsultet – der Osterjubel der Kirche. Die Kirche frohlockt, weil sie im Glauben die Wahrheit erkennt, weil sie erkennt, was Christus uns durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung geschenkt hat.

           

Die Freude am Heilswirken Gottes ist auch für uns heutige Menschen, mit unseren heutigen Leiden, Problemen und Tränen die Quelle der wahren Freude. Diese Freude bietet Gott allen an. Allen steht sie offen, die sich durch die Kirche zu Christus führen lassen, die umkehren und glauben. Die vielen verfolgten Christen unserer Zeit haben wahrscheinlich nur diese Freuden, dafür aber sehr tief.

           

In der Osterzeit können wir an der Hand der Kirche ein wenig in die Schule der Freude gehen und die Osterzeit zu einer Zeit der Freude, des Jubels, machen.

           

Möge die Gottesmutter Maria, die nach der Überzeugung der kirchlichen Tradition als erste den Auferstandenen sehen durfte, uns zur österlichen Freude geleiten und uns in dieser Freude erhalten. Amen.

 

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