224) 2. Fastensonntag A) 2017: Offenbarung 2: GOTT GEHT AUF DEN MENSCHEN ZU - STUFEN DER OFFENBARUNG

2. Fastensonntag A) 2017

 „Als mir Gott in seiner Güte seinen Sohn offenbarte“ (Gal 1,15.16)

DER  GOTT  DER  OFFENBARUNG

zum Inhalt und zur Bedeutung der biblischen Offenbarung

2) Gott geht auf den Menschen zu – Die Stufen der Offenbarung (KKK 50-64)

Predigtreihe von Pf. Stephan Müller

        

        

50 Durch seine natürliche Vernunft kann der Mensch Gott aus dessen Werken mit Gewißheit erkennen. Es gibt jedoch noch eine andere Erkenntnisordnung, zu der der Mensch nicht aus eigenen Kräften zu gelangen vermag: diejenige der göttlichen Offenbarung [Vgl. 1. Vatikanisches K.: DS 3015.]. Durch einen ganz freien. Entschluß offenbart und schenkt sich Gott dem Menschen, indem er sein innerstes Geheimnis enthüllt, seinen gnädigen Ratschluß, den er in Christus für alle Menschen von aller Ewigkeit her gefaßt hat. Er enthüllt seinen Heilsplan vollständig, indem er seinen geliebten Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, und den Heiligen Geist sendet.

        

        

DIE OFFENBARUNG GOTTES

        

I Gott offenbart seinen ,,gnädigen Ratschluß"

        

51 ,,Es hat Gott in seiner Güte und Weisheit gefallen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens bekannt zu machen, daß die Menschen durch Christus, das Fleisch gewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und der göttlichen Natur teilhaftig werden" (DV 2).

        

52 Gott, ,,der in unzugänglichem Licht wohnt" (1 Tim 6,16), will die Menschen, die er in Freiheit erschaffen hat, sein eigenes göttliches Leben mitteilen, um sie in seinem einzigen Sohn als Söhne anzunehmen [Vgl. Eph 1,4-5.]. Indem Gott sich offenbart, will er die Menschen befähigen, ihm zu antworten, ihn zu erkennen und ihn weit mehr zu lieben, als sie von sich aus imstande wären.

        

53 Der göttliche Offenbarungsratschluß verwirklicht sich ,,in Taten und Worten, die innerlich miteinander verknüpft sind" und einander erhellen (DV 2). In ihm liegt eine eigenartige göttliche ,,Erziehungsweisheit": Gott teilt sich dem Menschen stufenweise mit; er bereitet ihn etappenweise darauf vor, seine übernatürliche Selbstoffenbarung aufzunehmen, die in der Person und Sendung des fleischgewordenen Wortes Jesus Christus gipfelt.

        

Der hl. Irenäus von Lyon spricht unter dem Bild der gegenseitigen Angewöhnung Gottes und des Menschen wiederholt von dieser göttlichen Pädagogik:

        

,,Das Wort Gottes wohnte im Menschen und wurde zum Menschensohn, damit der Mensch sich gewöhne, Gott aufzunehmen, und Gott sich gewöhne, im Menschen zu wohnen nach dem Wohlgefallen des Vaters" (hær. 3,20,2) [Vgl. z.B. hær. 3,17,1; 4,12,4; 4,21,3].

        

        

II Die Stufen der Offenbarung

        

Gott läßt sich von Anfang an erkennen    

 54 ,,Gott, der durch das Wort alles erschafft und erhält, gewährt den Menschen in den geschaffenen Dingen ein ständiges Zeugnis von sich und hat, weil er den Weg des übernatürlichen Heiles eröffnen wollte, darüber hinaus sich selbst schon von Anfang an den Stammeltern kundgetan" (DV 3). Er hat sie zu einer innigen Gemeinschaft mit sich berufen, indem er sie mit strahlender Gnade und Gerechtigkeit umkleidete.         

55 Diese Offenbarung wurde durch die Sünde unserer Stammeltern nicht abgebrochen. Denn Gott hat sie nach ,,ihrem Fall ... durch die Verheißung der Erlösung zur Hoffnung auf das Heil [wieder]aufgerichtet und ohne Unterlaß für das Menschengeschlecht gesorgt, um allen das ewige Leben zu geben, die in der Beharrlichkeit des guten Werkes nach dem Heil streben"(DV 3).    

Als der Mensch ,,im Ungehorsam deine Freundschaft verlor und der Macht des Todes verfiel, hast du ihn dennoch nicht verlassen ... Immer wieder hast du den Menschen deinen Bund angeboten" (MR, Viertes Hochgebet 118).        

        

Der Bund mit Noach

        

56 Als durch die Sünde die Einheit des Menschengeschlechtes zerbrochen war, suchte Gott die Menschheit zunächst auf dem Weg über jedes einzelne Bruchstück zu retten. Im Bund, den er nach der Sintflut mit Noach schloß [Vgl. Gen 9,9.], äußert sich der göttliche Heilswille gegenüber den ,,Völkern", das heißt gegenüber den Menschen, die ,,in ihren verschiedenen Ländern ..., jedes nach seiner Sprache und seinen Sippenverbänden", geordnet sind (Gen 10, 5). [Vgl. Gen 10,20-31.].       

        

57 Die zugleich kosmische, gesellschaftliche und religiöse Ordnung der Vielzahl der Völker [Vgl. Apg 17,26-27], die von der göttlichen Vorsehung der Obhut der Engel anvertraut wurde [Vgl. Din 4,19; 32,8 LXX.] soll den Stolz einer gefallenen Menschheit dämpfen, die in einmütiger Schlechtigkeit [Vgl. Weish 10,5] sich selbst zu einer Einheit in der Art von Babel [Vgl. Gen 11,4-6.] machen möchte. Doch infolge der Sünde [Vgl. Röm 1,18-25.]droht diese vorläufige Ordnung immer wieder in die heidnische Abwegigkeit der Vielgötterei und der Vergötzung des Volkes und seines Führers abzugleiten.

        

58 Der Bund mit Noach bleibt so lange in Kraft, wie die Zeit der Völker dauert [Vgl. Lk 2l,24.], bis zur Verkündigung des Evangeliums in der ganzen Welt. Die Bibel verehrt einige große Gestalten der ,,Völker": ,,Abel den Gerechten", den Priesterkönig Melchisedek [Vgl. Gen 14,18.] als ein Abbild Christi [Vgl. Hebr 7,3.], die gerechten ,,Noach, Danel und Ijob" (Ez 14,14). So bringt die Schrift zum Ausdruck, zu welch hoher Heiligkeit die gelangen können, die dem Noachbund entsprechend darauf harren, daß Christus kommt, ,,die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln" (Joh 11,52).

        

        

Gott erwählt Abraham

        

59 Um die versprengte Menschheit wieder zur Einheit zusammenzuführen, erwählt Gott Abram und ruft ihn aus seinem Land, von seiner Verwandtschaft und aus seinem Vaterhaus [Vgl. Gen 12,1.], um ihn zu Abraham, das heißt zum ,,Stammvater einer Menge von Völkern" (Gen 17,5) zu machen: ,,In dir sollen gesegnet werden alle Völker der Erde" (Gen 12,3 LXX). [ 10 Vgl. Gal 3,8.] 

        

60 Das aus Abraham hervorgegangene Volk wird zum Träger der den Patriarchen gemachten Verheißung, zum auserwählten Volk [Vgl. Röm 11,28.], das dazu berufen ist, die Sammlung aller Kinder Gottes in der Einheit der Kirche [Vgl. Joh 11,52; 10,16.] vorzubereiten. Dieses Volk wird zum Wurzelstock, dem die gläubig gewordenen Heiden eingepfropft werden [Vgl. Röm 11,17-18.24.].

        

61 Die Patriarchen, die Propheten und weitere große Gestalten des Alten Testamentes wurden und werden in allen liturgischen Traditionen stets als Heilige verehrt.

        

Gott bildet sich sein Volk Israel heran

        

62 In der Zeit nach den Patriarchen machte Gott Israel zu seinem Volk. Er befreite es aus der Sklaverei in Ägypten, schloß mit ihm den Sinaibund und gab ihm durch Mose sein Gesetz, damit es ihn als den einzigen, lebendigen und wahren Gott, den fürsorglichen Vater und gerechten Richter anerkenne, ihm diene und den verheißenen Erlöser erwarte [Vgl. DV 3].

        

63 Israel ist das priesterliche Volk Gottes [Vgl. Ex 19,6.], über dem ,,der Name des Herrn ... ausgerufen ist" (Dtn 28,10). Es ist das Volk derer, ,,zu denen Gott zuerst gesprochen hat" (MR, Karfreitag 13: große Fürbitte 6), das Volk der ,,älteren Brüder" im Glauben Abrahams.

        

64 Durch die Propheten bildet Gott sein Volk heran in der Hoffnung auf das Heil, im Harren auf einen neuen, ewigen Bund, der für alle Menschen bestimmt ist [Vgl. Jes 2,2-4.] und in die Herzen geschrieben wird [Vgl. Jer 31,31-34; Hebr 10,16.]. Die Propheten künden eine radikale Erlösung des Gottesvolkes an, die Reinigung von allen seinen Vergehen [Vgl. Ez 36], ein Heil, das alle Völker umfassen wird [Vgl. Jes 49,5-6; 53,11.]. Vor allem die Armen und Demütigen des Herrn [Vgl. Zef 2,3.]werden zu Trägern dieser Hoffnung.

        

Heilige Frauen wie Sara, Rebekka, Rahel, Mirjam, Debora, Hanna, Judit und Ester erhalten die Heilshoffnung Israels lebendig; deren reinste Gestalt ist Maria. [Vgl. Lk l,38.]

        

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.