222) Sonntag Quinquagesima 2017: MIT CHRISTUS NACH JERUSALEM HINAUFGEHEN

Sonntag Quinquagesima 2017

„WIR GEHEN JETZT NACH JERUSALEM HINAUF“(Lk 18,31)

GEISTIGER AUFSTIEG NACH JERUSALEM

Predigt von Pf. Stephan Müller

        

Der Kerngedanke des heutigen Evangeliums ist der Aufstieg nach Jerusalem. Christus sagt den Aposteln: „Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf.“ Das Wort vom „Hinaufgehen nach Jerusalem“ hat zunächst einen historischen Hintergrund. Wenn die gläubigen Juden aus Galiläa nach Jerusalem gehen wollten, haben sie meist nicht den kürzeren Weg durch Samaria genommen, sie wollten nicht mit den Samaritern in Kontakt kommen. Sie haben den längeren Weg durch den Jordangraben genommen, kamen nach Jericho, das 250 m unter dem Meeresspiegel liegt, und mussten dann durch die Wüste Juda nach Jerusalem hinauf gehen. Jerusalem liegt 800 m über dem Meeresspiegel. Von daher kommt die Redewendung der Israeliten: „Wir gehen hinauf nach Jerusalem.“

        

Das Hinaufgehen nach Jerusalem bekommt bei Christus eine geistige Bedeutung. Nach diesem geflügelten Wort vom Hinaufgehen nach Jerusalem gibt Jesus eine der sogenannten Leidensankündigungen. Christus sagt den Aposteln ganz konkret verschiedene Phasen seiner Passion voraus: Er wird den Heiden ausgeliefert, verspottet, misshandelt, angespien, gegeißelt und getötet. Bei Christus sind Gottheit und Menschheit in der einen Person vereint. Deshalb hat Christus als Mensch auch alles Göttliche Wissen. Er weiß genau, welche Leiden auf ihn zukommen. Hier spüren wir die Liebe des Herzens Jesu, das alle diese Leiden sieht und doch bewusst auf sich nimmt, aus Liebe zu uns. Christus hat aber nicht nur sein Leiden, sondern auch seine Auferstehung vorausgesagt.

        

Von den Aposteln heißt es an dieser Stelle heute: „Sie verstanden nichts davon… Sie begriffen nicht, was damit gemeint war.“ Erst nach Ostern und Pfingsten konnten die Apostel das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi begreifen. Christus ist durch das Kreuz zur Auferstehung gegangen. Der himmlische Vater und er selber wollten keinen anderen Weg. Kreuz und Auferstehung Christi war dann der Hauptinhalt der Apostolischen Predigt. Der hl. Paulus schreibt den Korinthern: „Ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor 2,2).

        

Das Hinaufgehen nach Jerusalem gibt uns die heutige Liturgie gleichsam als ein Programm für die Fastenzeit mit auf den Weg. Gleichzeitig erkennen wir darin eingeschlossen auch so etwas wie ein christliches Lebensprogramm: Der Aufstieg zum himmlischen Jerusalem, zum ewigen Leben bei Gott im Himmel.

        

Drei Aspekte der heutigen Liturgie für unser  Hinaufgehen nach Jerusalem – zum Jerusalem des Osterfestes und zum Jerusalem des Himmels:

        

a) Was uns nach oben führt, ist das Kreuz Christi. Es gibt auch für uns keinen anderen Weg als jenen, den Christus gegangen ist. Durch Kreuz zur Auferstehung. Das gilt für unseren Alltag, das gilt für unsere Sorgen und Schwierigkeiten, das gilt für die Kranken, das gilt für die Predigt der Kirche. Ist es in der Kirche nicht manchmal auch so, wie es den Aposteln vor Pfingsten ergangen ist, wo sie vom Kreuz Christi noch nichts begriffen haben? Am Kreuz und am Leiden Christi wird oft Ärgernis genommen. Manche wollen es nicht gerne haben, wollen es nicht sehen. Manche nehmen Anstoß am Kreuz der katholischen Verkündigung, sie wollen am liebsten nur Angenehmes hören, nicht die Botschaft vom Kreuz. Wieder andere nehmen Anstoß am Kreuz des Hl. Messopfers; die Heilige Messe sollte sozusagen nur eine „nette Feier“ sein, uns in eine schöne Stimmung bringen, doch das Kreuzesopfer und das Heilige wollen manche nicht mehr. Wollen wir das Kreuz Christi wirklich nicht mehr? Ein Christentum ohne Kreuz ist kein Christentum mehr.

        

b) Ein zweiter Aspekt der heutigen Liturgie. Das Hinaufgehen nach Jerusalem ist auch der Aufstieg zum Licht, zum Osterlicht, könnten wir sagen. An das erinnert uns die Heilung des Blinden im heutigen Evangelium. In der Fastenzeit nach Jerusalem hinaufgehen bedeutet, sich inneres Licht schenken lassen. Die Quelle des Lichtes für das Gewissen ist das Kreuz, das Bußsakrament, der wahre Glaube. Deshalb gehört der Empfang des Bußsakramentes wesentlich hinein in die Fastenzeit und überhaupt in unser Leben.

        

c) Ein dritter und letzter Aspekt der heutigen Liturgie. Das Hinaufgehen nach Jerusalem ist auch der Aufstieg der Liebe. Davon handelt die heutige Lesung. In der Fastenzeit geht es um ein Wachsen in der Liebe. Wir brauchen in der Fastenzeit keine Superleistungen erbringen. Doch das, was wir tun, wollen wir aus Liebe tun. ZB kann sich jemand sagen: „Aus Liebe zu Christus feiere ich das Hl. Messopfer mit, bete ich eine Kreuzwegandacht mit, will mit dem Beten des Kreuzweges mein Leben in die heilenden und erlösenden Wunden Christi hineinlegen. Über einen solchen Liebesakt freut sich der Herr und wird ihn segnen. Der Kreuzweg ist eine Schule der Liebe. Wenn wir in der Fastenzeit einen Verzicht auf uns nehmen, einem Mitmenschen etwas Gutes tun usw. Tun wir es aus Liebe. So geben wir Liebe und wachsen selber in der Liebe.

        

„Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf.“ In der Fastenzeit mit Christus hinauf gehen nach Jerusalem. Der Aufstieg zum Jerusalem des Osterfestes. Der Aufstieg zum Jerusalem des Himmels. Was uns nach oben führt: Das Kreuz, die innere Reinigung, der Weg der Liebe.

        

Maria,  Mater Dolorosa, hilf uns, geh mit uns und geleite uns hinauf nach Jerusalem

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