221) Sonntag Septuagesima 2017: GEISTLICHE IMPULSE DER SEPTUAGESIMA

Sonntag Septuagesima 2017

GEISTLICHE IMPULSE DER SEPTUAGESIMA

Predigt von Pf. Stephan Müller

        

Heute beginnt im Kirchenjahr eine sogenannte geprägte Zeit, die Vorfastenzeit, die zweieinhalb Wochen vor der Fastenzeit, lateinisch Septuagesima -70. Diese geprägte Zeit ist schon seit dem hl. Papst Gregor dem Großen bezeugt, seit 1400 Jahren. Papst Gregor hat die Sonntage der Vorfastenzeit gefeiert, mit den gleichen Gebeten und Lesungen, die heute noch im Messbuch der Kirche stehen. Wir wollen heuer als Pfarrgemeinde zum ersten Mal die Möglichkeit aufgreifen, diese Vorfastenzeit liturgisch zu feiern. Die drei Sonntage dieser Zeit ragen heraus. Sie werden symbolisch der 70. – 60. und 50. Tag vor Ostern genannt. Lateinisch: Septuagesima, Sexagesima, Quinquagesima. Mit dem heutigen Tag beginnt eine dreistufige Vorbereitung auf das Osterfest:

        

a) Die Vorfastenzeit: Sie dauert von heute bis zum Aschermittwoch. Vom heutigen Tag an

    entfällt in der Liturgie das Halleluja und das Gloria, außer an Herrenfesten und

    Heiligenfesten. Die liturgische Tagesfarbe ist bereits das Violett.

b) Die eigentliche Fastenzeit..

c) Die Passions- oder Leidenszeit: Das ist die Woche vor der Karwoche und die Karwoche.

        

Die Vorfastenzeit ist natürlich keine Fastenzeit. Das deutsche Wort „Vorfastenzeit“ ist keine Übersetzung des lateinischen Wortes Septuagesima (70). Also keine Sorge, die Fastenzeit dauert bei uns nicht zweieinhalb Wochen länger als an anderen Orten. Die Vorfastenzeit ist eine Einstimmung auf die Fastenzeit. Die Kirche will uns am Aschermittwoch die Fastenzeit nicht unvorbereitet beginnen lassen. Sie leitet uns an, in der Vorfastenzeit ein „geistiges Werkzeug“ zu richten. Man kann es auch so sagen: Die Vorfastenzeit spricht Herzenshaltungen an, die uns dann für das rechte Durchleben der Fastenzeit nützlich sind.

        

Im Evangeliumgleichnis erzählt Christus von einem Hausvater, der Arbeiter in seinen Weinberg ruft. Der Hausvater ist Gott Vater im Himmel, der uns erschaffen hat. Kein Mensch ist ein Zufallsprodukt oder Ergebnis der Evolution. Wir verdanken unser Leben Gott, dem himmlischen Vater, der uns zum Leben gerufen hat, der uns durch das Kreuz und die Auferstehung seines Sohnes erlöst hat. Der himmlische Vater ruft uns Menschen in seinen Weinberg. Der Weinberg des himmlischen Vaters ist die Kirche. Christus hat die Kirche gegründet, damit wir aus der Verlorenheit der Sünde und der Zeit zum ewigen Leben gelangen. Die Kirche ist die Arche des Heils, wie die Kirchenväter gerne gesagt haben.

        

Gott hat uns durch die Heilige Taufe in die Kirche gerufen. Wir gehören zu denen, die diesen Ruf zur ersten Stunde empfangen haben, dh schon am Anfang unseres Lebens. Das ist eine große Ehre, ein Geschenk. Manche Menschen erfahren den Ruf in die Kirche Gottes erst zur sechsten oder neunten Stunde, also später im Leben. Sie erhalten den Denar ausbezahlt, dh sie werden genauso beschenkt.

        

Einige kurze geistliche Impulse aus der heutigen Liturgie:

        

a) Im Brevier beginnt heute die Lesung des Schöpfungsberichtes, die Urgeschichte im Paradies. Es gibt den großen Heilsplan Gottes mit der Welt. Niemand kann diesen Plan Gottes vereiteln, auch wenn es wegen dem Unheil in der Welt manchmal so aussieht. Durch die hl. Taufe hat Gott uns persönlich in diesen Heilsplan hineingerufen. Die Vorfastenzeit mit ihrem Wort Gottes will uns sensibel machen für die Heilsgeschichte, für eine gläubige Sicht der Welt und unseres  Lebens. Wenn wir wie Maria den Weg des Glaubens gehen, geben wir Gott die Möglichkeit, seinen Heilsplan auch mit unserem Leben zu verwirklichen.

        

b) Die Vorfastenzeit will uns wieder mehr empfänglich machen für den Ruf Gottes hier und heute: „Geh auch du in meinen Weinberg!“ Mit anderen Worten: „Öffne dich dem Wort Gottes. Stell dich zur Verfügung. Lass dich von Gott rufen!  Lass dich von der Kirche rufen!“ Alle Christusnachfolge beginnt in der inneren Bereitschaft, auf Gott zu hören; beginnt im Verlangen, ein lebendiges Glied im Weinberg der Kirche zu sein. Dieser Aspekt kann uns sagen: Bei den geistlichen Übungen der Fastenzeit geht es nicht um eine Ich-Konzentriertheit. Alles, was wir tun, soll uns tiefer an die Kirche binden, soll uns in der Kirche zu Mitarbeitern am Heilsplan Gottes machen.

        

c) Die heutige Lesung macht uns bewusst, dass das Arbeiten im Weinberg der Kirche – das christlich/katholische Leben – mit einem geistigen Kampf verbunden ist, wie bei einem Wettlauf, sagt der hl. Paulus. Die Vorfastenzeit will uns für diesen geistigen Wettkampf stärken, den wir dann in der Fastenzeit als Tugendkampf auf uns nehmen.

        

d) Die Vorfastenzeit stellt uns schon das herrliche Ziel vor Augen. Da ist der Denar, der Lohn, den der Hausvater jedem ausbezahlt, der gearbeitet hat. Dieser Denar ist ein Symbol für die Hilfe und Barmherzigkeit Gottes in allen Nöten unseres Lebens. Im Introitus hat es geheißen: „Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich erschreckten die Fluten des  Verderbens. In einer Not rief ich zum Herrn und schrie zu meinem Gott. Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen, mein Hilfeschrei drang an sein Ohr“ (Ps 18,5-7). Dann ist der Denar ein Symbol für den Lohn der ewigen Glückseligkeit, den Gott jeden gibt, die sich von ihm rufen haben lassen.

        

Der Weg zum Osterfest ist wie der Aufstieg auf einen hohen Berg. Die Kirche will uns schrittweise zu einem frohen Osterhalleluja emporführen. Papst Gregor der Große sagte: „Wer einen hohen Berg erklimmen will, tut das nicht in Sprüngen, sondern schrittweise und langsam.“

        

Ich wünsche uns allen eine schöne und gesegnete erste Phase des Aufstiegs zum Osterfest. Amen.

         

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