028) 19. Sonntag im JK B 2012: Murrt nicht! (Joh 6,43)

19. Sonntag im JK B 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie: „MURRT NICHT!“(Joh 6,43) LOBPREIS HEILT VOM MURREN

 

Wir gehen mit dem hl. Apostel Johannes durch das 6. Kapitel seines Evangeliums. Was Christus will, ist immer deutlicher zu erkennen. Es geht um die Eucharistie. Zuerst war die Brotvermehrung. Dann kündigt er das Himmelsbrot an. Schließlich sagt er, dass ER SELBST dieses lebendige Brot ist. Und dann werden seine Worte – heutiges Evangelium - noch „steiler“, unfassbarer: Christus sagt, dass dieses Brot sein eigenes Fleisch und Blut sein wird, das wir essen und trinken sollen.

 

Die Zeitgenossen Jesu haben sich mit diesen Aussagen nicht leicht getan. Es war nie leicht, diese Worte annehmen zu können. Wie haben die Leute damals reagiert? Sie beginnen menschlich zu denken: „Ist das nicht der Sohn Josefs?“ „Was will denn der?“ Sie beginnen zu murren. Die erste eucharistische Lehre Christi findet nicht die große Zustimmung. Im Gegenteil. Jesus erntet ein großes Murren.

 

Jesus sagt uns heute: „Murrt nicht!“ Diese Thematik betrifft einerseits unser geistliches Leben, andererseits die allgemeine gesellschaftliche und kirchliche Großwetterlage. „Murrt nicht!“ Was meint Christus damit? Ich denke, er meint mit dem Murren nicht Probleme und Spannungen, die es im menschlichen Zusammenleben gibt, an denen wir auch wachsen können. Manchmal muss man dem anderen einfach auch sagen was man denkt oder fühlt, damit sich etwas abklärt. Das hat nichts mit Murren zu tun. Er meint auch nicht, dass wir alles, was wir in der Gesellschaft oder im Bereich der Kirche hören, kritiklos und unwidersprochen hinnehmen. Gott hat uns einen Verstand zum Denken und ein Gewissen zur Unterscheidung und Entscheidung gegeben.

 

Das Murren, das Jesus meint, betrifft die Beziehung der Seele zu Gott, die Beziehung des Schöpfers zu seinem Geschöpf. Es geht um die Haltung des Glaubens und der Liebe der Seele zum Schöpfergott. In diesem Bereich können wir das Murren ansiedeln, das Jesus anspricht. Das Murren ist eine Störung im Vertrauens- und Liebesverhältnis, die sich zwischen Gott und dem Menschen einschleicht. Die Wurzel des Murrens ist der Hochmut, wenn der Mensch seine Geschöpflichkeit nicht anerkennen will. Mit anderen Worten: Die Gefahr zum Murren ist gegeben, wenn ein Mensch nicht im Einklang mit den Geboten Gottes lebt und sich dann bewusst oder unbewusst gegen seinen Gott und Schöpfer auflehnt. Wir finden dazu einige biblische Beispiele: Denken wir an Adam und Eva. Sie Murren und verlieren das Paradies. Die Israeliten, die beim Auszug aus Ägypten gegen Moses und gegen Gott gemurrt haben, durften zur Strafe nicht ins Gelobte Land einziehen. Sie mussten in der Wüste sterben. Denken wir an Judas. Er murrt, als Maria bei der Salbung der Füße Jesu das kostbare Nardenöl ausgießt. Es ist in seinen Augen eine Verschwendung. Wir kennen das Ende des Judas. Die Israeliten, die die eucharistische Rede Jesu hören, murren. Das Murren führt dann, wie wir noch hören werden, zur ersten großen Spaltung und Scheidung im Jüngerkreis. Viele trennen sich von Christus.

 

Diese Art von Murren entfernte die Menschen von Gott. Davor will Jesus uns bewahren.

 

a) Es gibt das stille Murren des Herzens. Niemand sieht und hört es, nur Gott. Ein Beispiel dafür ist der Prophet Elija in der heutigen ersten Lesung. Elija murrt gegen Gott. Er ist mit seinem Schicksal nicht mehr zu frieden. Er ist frustriert und deprimiert, könnten wir heute sagen. Es bleibt ihm nur mehr, gegen Gott zu murren. Dieses Murren war eine Undankbarkeit Gott gegenüber. Gott hat ihm mit seiner Berufung so viel gegeben. Er durfte in Israel für Gott Großes wirken. Er hätte allen Grund gehabt zu danken. Mit Gottes Hilfe konnte er diese Versuchung überwinden.

 

b) Dann gibt es ein offenes Murren. Das offene Murren gegen Gott, gegen Gottes Willen. Wie viel wird gegen Gott gemurrt, wird Gott zur Rechenschaft gezogen für Dinge, die doch die Menschen vielfach selber verursachen. Es gibt Menschen, die machen den Herrgott zum Lückenbüßer. Und wenn er dann nicht gleich zur Stelle ist, wird gemurrt.

 

Das stille oder laute Murren kennt viele Adressaten: Gott, die Kirche, der Papst, die kirchliche Lehre, die Priester, die den Glauben verkünden, das Heilige, der Gottesdienst… Es gibt auch das Murren des Ungehorsams und der Auflehnung. Ist das Murren in der heutigen Gesellschaft und Kirche nicht bald wie eine Seuche geworden?

 

Egal, wie das Murren ausschaut. Jesus sagt uns heute: Murrt nicht!“ Das Murren bringt keinen Segen. Nach der heutigen 2. Lesung kann das Murren eine Beleidigung des Heiligen Geistes genannt werden, eine Sünde gegen den Heiligen Geist. Das Murren ist ein Gift, das das geistliche Leben der Seele vergiftet und uns von unserem Gott und Schöpfer entfernt. Hüten wir uns vor dem Murren.

 

Das Gegenteil vom Murren, und das Heilmittel zur Überwindung des Murrens ist der Lobpreis. In allen Situationen, wo wir die Versuchung des Murrens zu bestehen haben, gibt es ein einfaches Mittel, diese Versuchung zu überwinden: der Lobpreis Gottes.

 

Statt dem stillen Murren: ein stiller Lobpreis im Herzen, z.B.: „Gott, ich danke Dir für Deine Liebe, für deine Vorsehung. Ich vertraue Dir, Du wirst weiter für mich sorgen.“

 

Statt dem lauten Murren: ein lauter Lobpreis, ein Lied singen, ein öffentliches Bekenntnis zu Gott, zur Kirche, zum Papst…

 

In wenigen Tagen feiern wir Maria Himmelfahrt. Maria war ein Mensch, der seine Beziehung zum Schöpfer ganz im Einklang mit dem Willen Gottes gelebt hat. Bei Maria gab es in der Beziehung zu Gott, in Glaube und Liebe, kein Murren. Sie hat geglaubt, geliebt, gedient. In dieser demütigen Haltung ist sie durchs Leben gegangen. Wegen dieser Demut hat Gott sie im Himmel erhöht über Engel und Menschen. Maria möge uns helfen, diesen Weg zu gehen. In Glaube, in Liebe, in Hingabe und Vertrauen. Amen.

 

 


 

 

 

 


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