217) Stephanstag 2016: DIE SCHÜTZENDE GNADE DES HEILIGEN

Stephanstag 2016

„Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt,

und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz“ (Weish 6,10).

DIE SCHÜTZENDE GNADE DES HEILIGEN

Predigt von Pf. Stephan  Müller

        

Der heutige Stephanstag stellt das Weihnachtsgeschehen in die Realität hinein: Annahme und Ablehnung des Erlösers. Der hl. Stephanus war Diakon in der Urgemeinde von Jerusalem. Er steht für jene Israeliten, die Christus als ihren Messias und Erlöser angenommen haben. Dass Stephanus kein religiöser Fanatiker war, sondern eine aufrichtige Liebe nicht nur zu Christus, sondern auch zu seinem Volk hatte, sehen wir an dem, dass er sterbend seinen Mördern vergeben und für sie gebetet hat. Sein Sterben durch die Steine des Volkes macht uns etwas von der Tragik bewusst, die damals in Jerusalem, zur Zeit der ersten Christen, herrschte.

        

Diese biblisch-historische Situation ist nicht weit von uns entfernt. Es gibt den jährlichen Weltverfolgungsindex. Das ist ein Bericht über die weltwiete Situation verfolgter Religionen und religiöser Gruppen. In diesem Weltverfolgungsindex befindet sich der christliche Glaube an erster Stelle. Das Christentum ist gegenwärtig die am meisten verfolgte Religion. In über 50 Ländern werden über 100 Millionen Christen verfolgt (Stand 2016). Verfolgung hat die Spannweite von Behinderung, Einschränkung Diskriminierung, blutiger Verfolgung, Zerstörung des Lebensraumes und der christlichen Existenz bis hin zum Martyrium.

        

In unserer westlichen europäischen Welt erleben wir eine zunehmende Zurückdrängung des Christlichen aus der Öffentlichkeit, auch eine zunehmende Ablehnung oder Feindseligkeit gegenüber dem Christlichen, Stichwort: Kreuze in der Öffentlichkeit. Das, was in der westlichen Welt zur Zeit noch vorherrschend ist, wurde schon von Johannes Paul II. angesprochen. Er hat im Blick auf Europa von einer stillschweigenden Apostasie, dh Glaubensabfall, gesprochen. Still und leise verlassen die Menschen die Kirche, den Glauben und Christus. Vielfach sind es nur noch 5 % oder noch weniger Katholiken, die den Weg in eine Kirche finden (Johannes Paul II. Ecclesia in Europa, 28.6.2003).

        

Der hl. Stephanus war ein Zeuge des Glaubens. Er hatte es in seinem Umfeld nicht leicht, den Glauben zu bekennen. Warum ist es für uns heute so schwierig geworden, den Glauben zu bewahren oder zu leben? Unsere Situation ist sicher sehr komplex. Doch so viel kann man sagen: Die vorherrschenden Ideologien leiten uns nicht zum Erlöser in der Krippe und am Kreuz. Machen wir uns einige dieser Ideologien kurz bewusst: Der Materealismus hat eine Konzentration auf das Innerweltliche gebracht, der Mensch geht im Diesseits auf. Der Materialismus zeigt sich auch in der Überbetonung des Äußeren, der innere Mensch, die Seele, und die Herzensbildung, werden vernachlässigt. Der Relativismus hat für viele Menschen allgemein gültige Werte, die von Gott vorgegeben sind, eine objektive Wahrheit, zerstört. Vereinfacht gesagt: Der Mensch stellt sich für sein Leben seinen Wertekatalog selber zusammen. Die Gebote Gottes und die Lehre Christi, geschweige denn die Lehre der Kirche, spielen für viele Menschen in der westlichen Welt, scheinbar auch für so manche Katholiken, keine Rolle mehr. Der Atheismus existiert theoretisch und praktisch, auch innerhalb der Kirche. Man lebt so, als ob es Gott nicht gibt und wir nichts vor Gott zu verantworten hätten. Der Atheismus beginnt mittlerweile auch politische Formen anzunehmen, zB in der Gesetzgebung der Staaten. Der Utilitarismus bevorzugt das, was einem nützt.

        

Seit einigen Jahrzehnten gibt es noch ein  Phänomen: Das HEILIGE innerhalb der christlichen Religion wird immer zunehmend säkularisiert, profanisiert. ZB die Kirchen werden zu Mehrzweckräumen umgestaltet, in Kirchen wird Theater gespielt, gegessen und getrunken. Umgekehrt: Weltliches wird immer mehr sakralisiert. ZB an die Stelle des Sonntages und der kirchlichen Feiertage treten Ersatzkulte und Ersatzfeiern, zB Halloween statt Allerheiligen, Krampusumzüge statt Nikolaus usw.  Manche Sportveranstaltungen werden mit kultischen Ritualen „zelebriert“. Das sind nur einige ganz wenige Andeutungen zur momentanen geistigen, weltanschaulichen Situation in Europa und auch bei uns in Tirol.

Selbstverständlich finden wir in Westeuropa und bei uns auch das Glaubenszeugnis des Erzmärtyrers. Überall gibt es tapfere Christen, Familien, einzelne Menschen, Eltern, Großeltern.... Die den Glauben, die Treue zu Christus und seiner Kirche in Westeuropa, auch in Tirol, weitertragen, sind eine kleine Schar geworden. Diese kleine Schar wird, wie es ausschaut, auch tiefer, stärker, missionarischer. Christus sagt: „Fürchte die nicht, du kleine Herde!“ (Lk 12,32).

        

Christliche Eltern werden sich manchmal sicher Gedanken machen, was sie für ihre Kinder tun können, damit sie den Glauben bewahren. Dass wir in unserer Situation einen besonderen Schutz nötig haben, um von diesem allgemeinen Glaubensverfall nicht mitgerissen zu werden, ist uns, denke ich, bewusst.

        

Christus gibt uns mit dem Weihnachtsgeheimnis auch Licht für unsere Sorgen, wie es im Glauben weitergeht, wie wir treu bleiben können. Die Nacht der Erde wurde in Bethlehem zur Heiligen Nacht. Das Heilige ist vom Himmel herabgekommen, herein in das Unheilige der Sünde und Gottesferne der Menschheit. Die ersten Menschen an der Krippe haben das Heilige Empfangen, die Gnade der Erlösung, das hat sie innerlich zu neuen Menschen gemacht. So sind sie in ihr Leben zurück: erlöst, geheiligt, gestärkt, von himmlischem Schutz umgeben. Das gilt von den Hirten, das gilt von den Heiligen Drei Königen. Durch das Heiligen, das in ihrer Seele war, das sie wie ein Schutzwall umgeben hat, konnten sie in ihrer Umgebung den Glauben an Christus leben.

        

Was bedeutet das für uns? Unsere Kinder, unsere jungen Menschen, die Erwachsenen, wir alle, wir brauchen das Heilige, um in unserer Zeit als katholische Christen leben und überleben zu können. Wir benötigen eine tiefe Bindung an das Heilige. Ein Wort Gottes sagt es uns so: „Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt,  und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz“ (Weish 6,10).

        

-         Wir brauchen die Bindung an den Heiligen schlechthin, Jesus Christus, er ist der Heilige Gottes. Diese Bindung an Christus ist uns durch die hl. Taufe und Firmung geschenkt. Wenn wir uns immer wieder an die Tauf- und Firmgnade erinnern, zB beim Weihwasser-nehmen, leitet uns das an, das Taufversprechen zu leben.

-         Wir brauchen die Bindung an das Heilige der Lehre Christi, die heilige Lehre unseres Glaubens. Wer sich an den Heiligen Glauben bindet, sich in den Glauben vertieft, daran festhält, wird Schutz haben von allen Formen des Unglaubens, Irrglaubens und Aberglaubens usw.

-         Wir brauchen die Bindung an das Heilige der Liturgie. Je stärker das Heilige in der Liturgie hervortritt, desto wirksamer ist das Heilige für unser Leben.

-         Wir brauchen die Bindung an das Heilige des Sonntags und der Sonntagsmesse. Wer mit der Sonntagsmesse lebt, wird von Christus geführt.

Ich möchte unseren Eltern eindringlich raten und bitten: Führt eure Kinder zu einer tiefen Bindung an das Heilige. Das wird ihren Glauben und ihr ganzes Menschsein schützen. Das sind nicht meine Gedanken. Das sagt uns das Wort Gottes: „Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt,  und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz.“ Das Heilige, das das Göttliche Kind auf die Erde gebracht hat, ist der tiefste Schutz, denn wir für unser Glauben, unser Lieben, unser Menschsein haben können.

        

Christus ist uns geboren, kommt, lasset uns anbeten. Amen.

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