216) 2. Adventsonntag 2016) Familienweihe 2) CHRISTS- UND MARIENWEIHE UND SAKRAMENT DER HL. TAUFE

         

2. Adventsonntag A) 2016

FAMILIENWEIHE 2) CHRISTUS- UND MARIENWEIHE UND SAKRAMENT DER HL. TAUFE

Predigt  von Pf. Stephan Müller

        

Herz-Jesu und Marienweihe im Leben der Kirche

        

Eine Weihe an Christus durch Maria hat sich schon sehr früh in der Kirche herausgebildet. Sie lässt sich seit Ildefons von Toledo (+667) und Johannes von Damaskus (+749) nachweisen. Ildefons von Toledo sagt in einem Gebet: „Gewähre mir Maria, Gott und dir anzuhängen, deinem Sohn und dir zu dienen, deinem Sohn und dir nachzufolgen; ihm als Herr der Heere, dir als Magd des Herrn.“ Der hl. Bonaventura (+1274) gibt den Rat, sich durch eine Weihe ganz Christus hinzugeben: „Behaltet nichts von euch für euch zurück, damit der euch ganz aufnehme, der sich ganz an euch hingibt!“

        

Auf Einladung des Herrn hin hat sich die hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690) dem Herzen Jesu geweiht. Das führte zu einer Vertiefung ihrer Ordensberufung. Dann hat sie, auch auf Einladung des Herrn hin, ihre Mitschwestern angeleitet, dasselbe zu tun. In ihren Schriften finden sich Gebete für eine persönliche Weihe an das Heiligste Herz Jesu. Eines dieser Weihegebete wurde unter der Nummer 780/6 in das Gotteslob von 1970 aufgenommen.

        

Ganz im Geist der Kirche gibt der hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort (1673-1716) eine  theologische Zusammenfassung der Weihe an Christus durch Maria und sieht sie ganz auf die Entfaltung der Taufgnade hin bezogen.

        

Was viele Jahrhunderte lang in der Frömmigkeit einzelner Gläubiger gepflegt wurde, führte allmählich auch zu öffentlichen Weiheakten in der Kirche und in der Gesellschaft, auch in Pfarrgemeinden und in den Familien. Offizielle Weiheakte der Kirche waren zB die Weltweihe an das Heiligste Herz Jesu durch Papst Leo XIII. im Jahr 1899 und die Christkönigsweihe von Papst Pius XI. im Jahr 1929. Erinnern wir uns daran, dass Papst Johannes Paul II. bei seinen vielen Pastoralreisen in alle Welt sehr oft Diözesen und Länder der Gottesmutter Maria geweiht hat. Bei seinem Österreichbesuch 1983 hat Johannes Paul II. am 13. September in Mariazell unser Vaterland Österreich der Gottesmutter Maria geweiht.

        

Als Beispiel für einen öffentlichen gesellschaftlichen Akt der Weihe erinnern wir uns nochmals an das Tiroler Herz Jesu Gelöbnis vom 3. Juni 1796. Dieses Gelöbnis wurde zuerst von den Tiroler Landständen, also von den politischen Vertretern des Landes abgelegt. Ein Jahr später wurde es in allen Pfarrgemeinden Tirols vom ganzen Volk vollzogen und als ein Weiheakt verstanden. Wie die Katholiken unseres Landes damals über das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis gedacht haben, bringt Andreas Hofer zum Ausdruck mit seinem Wort: „Wir [unsere  Heimat] haben uns dem liebsten Herzen Jesu verlobt.“

        

Die Erscheinungen der Muttergottes in Fatima 1917 führten dazu, dass sich viele Menschen dem Unbefleckten Herzen Mariens weihten, also der Person der Gottesmutter. Viele Päpste haben die Weihe an Maria sehr empfohlen und dazu konkret auf die Vorbereitung nach den Anregungen des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort verwiesen. Auch heute ist diese Vorbereitung zu empfehlen, da sie mit großem geistlichem Gewinn verbunden ist. Sie findet sich im bekannten „Goldenen Buch.“

        

Für uns ist jetzt wichtig: Was bedeutet eine Weihe an das Herz-Jesu oder die Gottesmutter Maria?

        

Solche Weihen sind zuerst ein Akt der Anbetung Gottes, ein Akt der Anerkennung der Königsherrschaft Christi. Eine Weihe an das Herz Jesu oder an Maria nimmt das erste Gebot Gottes ernst: „Du sollst an den einen Gott glauben.“ Eine Weihe will privat oder öffentlich Gott als GOTT anerkennen und ehren. Gott öffentlich ehren und anerkennen bringt immer Segen.

        

Für den Menschen persönlich ist eine Herz-Jesu oder Marienweihe ein Akt der Hingabe an Gott, an Gott durch Maria, ein sich Gott anvertrauen aus freiem Willen. Mit diesem sich Hinschenken verbunden ist die Bitte um Gottes Führung, Gottes Schutz und Hilfe. Wer sich bewusst – in Freiheit und Liebe – Gott anvertraut, ihm um Schutz und Hilfe bittet, für den kann Gott auch mehr tun. Christus sagt: „Bittet, dann wird euch gegeben!“ (Mt 7,7).

        

Herz-Jesu und Marienweihe und das Sakrament der hl. Taufe

        

Eine Frage ist berechtigt: „Braucht es so eine Weihe?“ Streng dogmatisch-theologisch gesehen nicht, weil wir getauft sind. Die Taufgnade, die durch die Firmung vollendet wird, beinhaltet von Seiten Gottes die dreifache Gnade: Tilgung der Erbsünde, Vermittlung der Heiligmachenden Gnade (Gnadenstand), Aufnahme in die Kirche Christi. Von Seiten des Menschen beinhaltet die Taufe die Annahme des Glaubens und eine vollkommene Lebensübergabe an Gott. Ein Getaufter hat sich mit seiner ganzen Person Christus hingeschenkt. Mehr Weihe und Hingabe an Gott, als bei der Taufe geschieht, ist in dieser Hinsicht also gar nicht möglich. In der hl. Taufe geschieht, wenn wir so sagen wollen, die Weihe an Gott schlechthin. Das Sakrament der Priesterweihe oder die Weihe Gottgeweihter in den evangelischen Räten sind Gnaden und Berufungen, die auf die Taufgnade aufbauen.

        

Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt uns über die Taufgnade:

        

KKK 1265: „Die Taufe reinigt nicht nur von allen Sünden, sondern macht den Neugetauften zugleich zu einer <neuen Schöpfung> (2 Kor 5,17), zu einem Adoptivsohn Gottes [Vgl. Gal 4,5-7]; er hat <an der göttlichen Natur Anteil> (2 Petr 1,4), ist Glied Christi [Vgl. 1 Kor 6,15; 12,27], <Miterbe> mit ihm (Röm 8, 17) und ein Tempel des Heiligen Geistes [Vgl. 1 Kor 6,19].“

        

KKK 1266: „Die heiligste Dreifaltigkeit gibt dem Getauften die heiligmachende Gnade, die Gnade der Rechtfertigung, die

- ihn durch die göttlichen Tugenden befähigt, an Gott zu glauben, auf ihn zu hoffen und ihn zu lieben;

- ihm durch die Gaben des Heiligen Geistes ermöglicht, unter dem Ansporn des Heiligen Geistes zu leben

  und zu handeln;

- ihn durch die sittlichen Tugenden befähigt, im Guten zu wachsen.

        

So wurzelt der ganze Organismus des übernatürlichen Lebens des Christen in der heiligen Taufe.“

        

Alles, was wir für unseren Glaubensweg benötigen, ist in der Taufgnade grundgelegt. Die Taufgnade ist nicht etwas Fertiges, sie ist eine Anfangsgnade, gleichsam wie ein Samenkorn, sie muss durch ein christliches Leben entfaltet werden. Die Entfaltung der Taufgnade geschieht nur durch unser persönliches Mitwirken mit der Gnade Gottes. Es braucht dazu bewusste Willensentscheidungen, die wir in Freiheit und Liebe setzen. Wir entfalten die Taufgnade zB durch das Gebet, die Sakramente, die Sonntagsheiligung, das Leben nach den 10 Geboten Gottes, durch tätige Nächstenliebe, das Zeugnis für den Glauben in der Öffentlichkeit usw. Genau hier ist die Herz-Jesu- und Marienweihe verankert. Es geht um die Entfaltung der Taufgnade. Und es geht, auf die Taufgnade aufbauend, um die Entfaltung der persönlichen Lebensberufung eines jeden, im Ehesakrament, Priestertum oder Gottgeweihten Leben.

        

Die Entfaltung der Taufgnade ist aus mehreren Gründen für uns nicht so einfach. Die meisten Menschen werden in unserem kirchlichen Bereich als Kleinkinder getauft. Sie konnten bei ihrer Taufe ihre persönliche Entscheidung für Christus und den Glauben noch nicht geben. Die Kindertaufe ist trotzdem wichtig. Die Taufgnade hilft dem Getauften, Gott zu erkennen, im späteren Leben auch persönlich JA zu sagen. Ein weiterer Grund, warum die Entfaltung der Taufgnade mühsam ist: Viele Getaufte leben leider nicht entsprechend der Taufberufung, sondern führen ein Leben, so als ob sie nicht getauft wären. Die Heilige Schrift nennt diese Menschen Heiden. Die Kirche kennt also das Phänomen der Getauften „Heiden“.

        

Eine weitere Beschwernis zur Entfaltung der Taufgnade liegt auch in uns selber: Wir haben als Folge der Erbsünde die Konkupiszenz, dh eine zur Sünde geneigte Menschennatur. Die Konkupiszenz ist uns von Gott nach der Tilgung der Erbsünde in der Taufe belassen, damit wir uns im guten Kampf bewähren und Verdienste für die Ewigkeit sammeln können.

        

Eine schöne hilfreiche Form, die persönliche Willensentscheidung für ein Leben mit Christus und dem Katholischen Glauben zu geben oder zu bekräftigen, ist die Herz-Jesu- und Marienweihe.

        

Die Familienweihe und alle anderen Formen der Herz-Jesu- oder Marienweihe wollen also nichts anderes als eine Hilfe sein, die Taufgnade zu entfalten, weil dort alles grundgelegt ist, was wir für unseren Weg zum Heil benötigen. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort nennt die Weihe an Maria – die vollkommene Hingabe an Jesus durch Maria - nichts anderes als eine „vollkommene Bekräftigung des Taufgelübdes.

        

Die Familienweihe steht also nicht neben der Kirche. Sie ist auch kein Ersatz für die Sakramente. Das Gegenteil ist der Fall. Die Familienweihe an die beiden Heiligsten Herzen ist zutiefst mit dem kirchlichen Leben und den hl. Sakramenten verbunden, vor allem mit der hl. Taufe.

        

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