214) Christkönig 2016: Familienweihe 1): CHRISTKÖNIG UND HERZ JESU VEREHRUNG

Hochfest Christkönig C) 2016

Reihe Ehe und Familie im Plan Gottes 26)

FAMILIENWEIHE 1) CHRISTKÖNIG UND HERZ JESU VEREHRUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller

        

1) Christkönig – die biblische Grundlegung der Familienweihe

        

Die Offenbarung hat die menschliche Einrichtung des Königtums aufgegriffen, um uns etwas über Gott zu sagen. Die Lehre vom Königtum Gottes finden wir zuerst im Alten Testament, dort ist Gott der König seines Volkes Israel. In den Psalmen zB wird Gott oft als König angesprochen. Das Königtum Gottes im Alten Bund beinhaltete: Gott ist der Hirte, der sein Volk leitet; Gott ist der Geber des Bundesgesetzes, welches das Leben schützt, und Gott ist der Richter, vor dem der Mensch sein Leben zu verantworten hat. In Jesus Christus erfüllt und vollendet sich das Königtum Gottes. Vor dem Römischen Statthalter Pilatus sagt Christus als Gefangener: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“

(Joh 18,37). Dieses Zeugnis legt Christus mit seinem Leben ab, es findet seinen Höhepunkt am Kreuz. Christus ist der Gekreuzigte König der Liebe und Wahrheit.

        

Der Christushymnus des Kolosserbriefes – die heutige Lesung - handelt in feierlichen Worten vom Königtum Christi. Warum ist Christus König? Christus ist König, weil er der Sohn Gottes ist, der Schöpfer, unser Erlöser, das Haupt der Kirche, der Gekreuzigte und der Auferstandene, der einzige Weg zum ewigen Heil, der Gute Hirt, der Weltenrichter. Das alles ist Jesus Christus für uns, deshalb gilt, wie es in diesem Hymnus heißt: „In allem hat er den Vorrang!“ Die Präfation von Christkönig beschreibt, wie das Königreich Christi beschaffen ist: Es ist das Reich der Wahrheit, des Lebens, der Heiligkeit, der Gnade, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

        

Das Bild vom Königtum gibt uns eine Zusammenfassung der Würde, Hoheit und des Anspruchs, den Christus als Sohn Gottes hat. Das Königtum ist auch ein Bild für alle Gaben der Erlösung, die vom Kreuz kommen, die aus dem durchbohrten Herzen des Königs strömen und uns offenstehen, sodass wir kommen, und voller Freude aus den „Quellen des Heiles“ schöpfen können, wie der Prophet Jesaja sagte.

        

Der hl. Apostel Paulus war ein Mann, der Christus und sein Königtum tief erkannt hat. Deshalb schreibt er im ersten Korintherbrief sozusagen voller Begeisterung: „Er muss herrschen!“ (1 Kor 15,25). Wenn wir im Zeichen des Christkönigsfestes fragen: „Wer ist ein Christ?“, dann können wir auch diese Antwort geben: Ein Christ ist ein Mensch, der Christus, den König, in sein Leben aufgenommen hat, der Christus über sich herrschen lässt, dh Ihm ermöglicht, über ihn zu verfügen: Über das Denken, über die Liebe und über den Willen. Und so geht ein Christ den Weg der Christus- und Kreuzesnachfolge zum ewigen Leben. Christus hat uns am Kreuz gezeigt, dass das Königtum Gottes eine Herrschaft der Liebe und Wahrheit ist. Wo Gott herrscht, haben wir Anschluss am Leben Gottes und an allen seinen Gaben. Wo der Mensch sich der Herrschaft Gottes entzieht, schneidet er sich selber vom Leben ab. Außerhalb der Königsherrschaft Gottes herrscht der Tod. Ein Lied, das wir gerne singen, bringt das zum Ausdruck: „O Jesu, all mein Leben bist Du, ohne Dich nur Tod“ (Gotteslob 1975, Nr. 472).

        

Die Kirche ist das Königreich Christi auf Erden. In der Kirche soll etwas vom himmlischen Leben erfahrbar und sichtbar werden. Dass das alles nicht so einfach ist, erfahren wir. Doch zumindest ansatzweise und beginnend sollte es so sein. Die Heiligen der Kirche haben es durch ihre Gottes- und Nächstenliebe am Meisten geschafft, das Himmlische auf der Erde sichtbar zu machen.

        

2) Herz-Jesu-Verehrung und Familienweihe

        

Christus hat im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder Gnaden gegeben, um uns Menschen an sein Königtum zu binden, an sein königliches Herz zu ziehen, der Quelle des Lebens. Eine besondere Gnade, die sich wie ein roter Faden durch die Kirchengeschichte zieht, ist die Herz-Jesu-Verehrung. Die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu ist so alt wie die Kirche selbst, sie entstand auf Golgota in der Kreuzesstunde. Die Verehrung des Herzens Jesu hat dann in jeder Zeitepoche ihre eigene Ausdrucksform gefunden. Die Kirchenväter liebten den Aufblick zum Durchbohrten und die Betrachtung der hl. Kirche und der hl. Sakramente, die sie in Blut und Wasser, die aus der Seitenwunde Jesu fließen, versinnbildlicht sehen. Das Frühmittelalter liebte es, Jesus nicht leidend, sondern als den verklärten und triumphierenden König am Kreuz darzustellen. Im Hochmittelalter trat durch Mystiker - zB die hl. Gertrud, die hl. Mechthild - die Betrachtung des Gekreuzigten und seiner Leiden in den Mittelpunkt.

        

In der Zeit der Aufklärung, als die menschliche Vernunft einseitig überbetont und gegen den Glauben gestellt wurde, kam es zu einem neuen Aufbruch der Herz-Jesu-Verehrung in der Kirche. Christus hat im 17. Jh. die hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690) als Werkzeug erwählt, um die Menschen wieder auf das Herz und die Liebe zu verweisen. Mehrfach ist Christus in Paray Le Monial, Frankreich, der hl. Margareta Maria Alacoque erschienen. Sie wurde die „Botin des Herzens Jesu“. Ihre Visionen und Offenbarungen, die von der Kirche bestätigt wurden, führten zu einer weltweiten Herz-Jesu-Verehrung. Diese Verehrung war tief eucharistisch, sakramental und kirchlich. Der selige Papst Pius IX. hat 1856 das Herz-Jesu-Fest für die ganze Kirche eingeführt.

        

Auch in unserer Heimat Tirol fand die Herz-Jesu-Verehrung gute Aufnahme. Die Volksmissionen der Jesuiten und Kapuziner im 18. Jh. verstanden es, die Menschen zum Herzen des Erlösers hinzuführen. Als eine besondere Frucht der Herz-Jesu-Verehrung in unserem Land kann das Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis vom 3. Juni 1796 bezeichnet werden. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war in vielen Stuben beim Kreuz im Herrgottswinkel auch ein Herz-Jesu und Herz-Mariä Bild angebracht. Wie die Familien unseres Landes diese Verehrung pflegten, sehen wir beispielhaft an der Familie des hl. Joseph Freinademetz. Seine Eltern hatten in der Stube sogar einen Hausaltar, wo sich die ganze Familie zum täglichen Gebet einfand. In manchen kinderreichen Familien wurde in der Nacht vor dem Herz-Jesu-Freitag beim Herz-Jesu-Bild in der Stube nächtliche Anbetung gehalten, wo sich die einzelnen Familienmitglieder für je eine Stunde abwechselten. Ein solches Zeugnis ist mir aus dem 20. Jahrhundert aus Osttirol bekannt. In den letzten Jahrzehnten wurde der Herrgottswinkel leider immer mehr von einem neuen „geistigen Zentrum“ der Familie abgelöst: dem Fernseher. In nicht wenigen Familien wurde der Fernseher zum neuen „Hausaltar“.

        

In den Erscheinungen an die hl. Margaretha Maria Alacoque hat Christus wiederholt den Wunsch geäußert, dass sich die christlichen Familien seinem Heiligsten Herzen weihen sollten. Er hat versprochen, dass er in jenen Familien, die diese Weihe vollziehen, mit seiner Liebe herrschen will und dass er die Familien segnen wird, in denen das Bild seines Heiligsten Herzens aufgestellt und verehrt wird.

        

Dieser Herzenswunsch des Herrn - dass sich die Familien seinem Heiligsten Herzen weihen - ist nicht ohne Antwort geblieben. Die Familienweihe an das Heiligste Herz Jesu hat sich mit der Zeit in der ganzen katholischen Welt verbreitet, meist verbunden mit der Weihe der Familie an die Gottesmutter Maria. Anfang des 20. Jh. wurde P. Matteo vom hl. Papst Pius X. als Apostel in die ganze Welt gesandt, um die Weihe der Familien an das Heiligste Herz Jesu zu verbreiten. Seither nennt man die Familienweihe auch gerne die Thronerhebung des Herzens Jesu, weil ein Herz-Jesu-Bild gleichsam wie ein Thron einen Ehrenplatz in der Familie erhält.         

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.