213) 33. Sonntag im Jahreskreis C 2016, Cäcilienmesse der Musikkapelle: DIE SPRACHE DER MUSIK UND UNSER LEBEN

33. Sonntag im JK C 2016 – Cäcilienmesse der Musikkapelle Imsterberg

DIE SPRACHE DER MUSIK UND UNSER LEBEN

Predigt von Pf. Stephan Müller

Der Inhalt des heutigen Sonntagsevangeliums wird auch am 1. Adventsonntag angesprochen. Deshalb wollen wir heute bei der hl. Cäcilia verweilen. In ihrem Tagesgebet hat es geheißen: „Gott, du hast uns geschaffen, dass wir dich loben und preisen!“

Ein schönes Musikstück - zB bei einer Blasmusik, bei einem Orchester, bei der Kammermusik, auch bei der Orgel, der Königin der Instrumente - kann nur zustande kommen durch das Zusammenwirken verschiedener Instrumente und verschiedener Stimmen. Damit das möglich wird, folgt die Musik auch einer inneren Gesetzmäßigkeit, sie ist auf Grundregeln aufgebaut. Ohne die Beachtung dieser Gesetzmäßigkeit oder Grundregeln, gäbe es nur eine einzige Musikkapelle auf der ganzen Welt, nämlich die „Bremer Stadtmusikanten,“ wie wir sprichwörtlich sagen, wo jeder einfach darauf losspielt ohne etwas zu können oder zu wollen.

Für diese Gesetzmäßigkeit oder diese Grundregeln der Musik wurden im Laufe Zeit der Symbole und Zeichen entwickelt. Mit Hilfe dieser Zeichen können wir die Kunst der Musik erlernen, allein oder auch gemeinschaftlich. Denken wir darüber nach, was die Musik uns durch diese Zeichen für unser Leben sagen kann.

a) Die Notenzeilen und Noten

Ein  Komponist, der ein musikalisches Kunstwerk sozusagen geistig vor sich hat, muss es in die Gesetzmäßigkeit der Notenzeilen und Noten hinein formen. Die Zeilen geben den Noten eine Bahn, ein Richtung, so kann ein Komponist sein Kunstwerk ausdrücken und anderen vermitteln. Ohne Zeilen und Noten wären die Töne eines Musikstückes wie ein im Herbst vom Wind durcheinander gewirbelter Haufen voller Laub, ein Durcheinander.

Viele Musiker haben erkannt und erkennen, dass die Musik einen Gottesbezug hat, uns auf Gott verweist. Einen von ihnen möchte ich beispielhaft erwähnen: Johann Sebastian Bach. Für Bach ist Musik Aufblick zum Vater und Schöpfer der Gestirne. Was ist damit gemeint? Im Weltall, konkret zB in unserem Sonnensystem, erkennt der Mensch eine großartige Ordnung, wie in einem Uhrwerk, zB die Umlaufbahn der Planeten. In dieser Ordnung spiegelt sich die Liebe, Weisheit und Allmacht des Schöpfergottes. Wenn diese Ordnung in unserem Sonnensystem nicht genauestens funktionieren würde, wäre das Leben auf der Erde nicht möglich. Bach sagt, diese Ordnung der Gestirne, die wir Menschen bewundern, muss sich in der Musik spiegeln. Anders gesagt: Echte Musik ist an die ewigen Gesetze Gottes gebunden, an die Schöpfungsordnung. Diese Ordnung drückt sich im System der Zeilen und Noten aus. Wenn Musik sich nicht in diese Ordnung der Gestirne einfügt, entsteht Chaos. Beides ist in der Musik möglich. Musik, die die Gesetze der Gestirne spiegelt, wird  schön, sie spiegelt die Schönheit und Weisheit des Schöpfergottes. Innerhalb dieser Ordnung in der Musik sind die herrlichsten musikalischen Kunstwerke aller verschiedenen Epochen und Stilrichtungen entstanden. Sogar Komponisten, die Gott nicht erkannt haben, haben großartige Kunstwerke komponiert. Manche Musiker haben durch diese Gabe der Musik zu Gott gefunden.

Musik, die die Gesetze der Gestirne missachtet, aus der Ordnung ausbricht, verliert die Schönheit, kann bis zur Hässlichkeit verfallen. Und Hässlichkeit ist die Sprache der Dämonen. Schöne Musik baut auf, hässliche Musik kann so weit sinken, dass sie schädliche Auswirkungen zeigt.

Für unser Leben bedeutet das: Unser Leben braucht eine übernatürliche Ordnung, damit es sich entfalten kann, damit wir aufblühen und es uns gut geht. Diese übernatürliche Ordnung sind die 10 Gebote Gottes. Es ist wie in der Musik. Wie die Zeilen und die Noten, so lenken die Gebote unser Leben, unsere „Lebensmelodie“. Wenn wir Menschen in die Ordnung der 10 Gebote Gottes hineingehen, geht es uns gut, wir entfalten uns. Wenn wir an den Gesetzen Gottes vorbeileben, entsteht Chaos, es geht uns nicht gut.

b) Die verschiedenen Notenschlüssel

Es gibt verschiedene Notenschlüssel, die für unterschiedlichen Instrumente und Stimmen geschaffen wurden. Eine Musikkapelle nimmt diese musikalische Verschiedenheit, die durch die Notenschlüssel entsteht ernst. Die Kunst besteht darin, die verschiedenen Notenschlüssel zu beachten und zu einem Musikstück zu vereinen. Ein musikalisches Lob unserer Musikkapelle. Es gelingt euch gut, die verschiedenen Notenschlüssel zu einer Harmonie zu vereinen. Auch ein Vergelt’s Gott für das Mitwirken bei Feiertagen während des Kirchenjahres.

Für unser Leben kann das bedeuten: Der Schöpfergott hat in die Schöpfung viele verschiedene Notenschlüssel“ hineingelegt, dh viele Unterschiede: Der Unterschied der verschiedenen Jahreszeiten; Mann und Frau, Tag und Nacht usw. Bleiben wir beim Menschen. Die Unterschiede, die Gott geschaffen hat, wollen heute so manche verwischen, man will den Unterschied zB zwischen Mann und Frau auflösen, die Gender-Ideologie. Wie in der Musik müssen diese Unterschiede bestehen bleiben, weil sie auf Einheit und Harmonie hin angelegt sind. Auch in der Einheit und Harmonie bleibt das je Eigene und Besondere bestehen. In der Ehe, wenn es dort gut geht: Der Mann wird noch mehr Mann, draus wächst die männliche Vaterschaft, die Frau wird noch mehr Frau, draus wächst die weibliche Mutterschaft; und doch entsteht in einer guten Ehe eine tiefe Verbundenheit von Mann und Frau. So ist es in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit vorgebildet. Die Unterschiede der drei Göttlichen Personen bleiben in der Einheit des göttlichen Wesens bestehen. Auch das Leben mit dem Kirchenjahr kennt verschiedene solche „Notenschlüssel“. Die Unterschiede der verschiedenen geprägten Zeiten und Feste. Wer damit lebt, sich in diese Spannung und Abwechslung hineinbegibt, wird in seinem Leben tief bereichert.

c) Dur und Moll

Ein Musikstück ist sehr abwechslungsreich, es kann nicht ständig ein Höhepunkt sein, deshalb der Wechsel in Dur und Moll, im Tempo, in den Tonarten.

Unser Leben kann nicht nur aus Höhepunkten oder Hochstimmung bestehen. Es gibt Höhen und Tiefen, Festzeiten und schlichte Zeiten. Der Gegensatz und die Spannung, die dadurch entsteht, gehört zum Leben. Nur Hochstimmung, nur Feiern usw. führt zur Langeweile, zur Übersättigung. Man ist dann mit nichts mehr zufrieden, man hat keine richtige Freude mehr, zuletzt keinen Sinn mehr im Leben. Christus sagt: „Ich bin das Leben“ (Joh 11, 25). Der katholische Glaube, wenn wir ihn ernst nehmen, wenn wir ihn zu leben versuchen, führt uns zu einem erfüllten Leben.

d) Zwei Zeichen, die den Ton erhöhen oder erniedrigen: Kreuz und B

Oft wird eine Melodie um einen halben Ton erhöht oder erniedrigt, dazu das Kreuz und das B.

Das B in unserem Leben: Es gibt Dinge, die unser Leben erniedrigen, das ist die Sünde. Die Sünde kann so erniedrigen, dass sie das Leben, die Liebe zerstört. Das Neuwerden geschieht durch das Sakrament der Buße. Das Musikzeichen Kreuz, das die Note um einen halben Ton erhöht: In unserem Leben sind das die Ereignisse, die wir in der Glaubenssprache „ein Kreuz tragen“ nennen. Die Kreuze im Leben erhöhen uns, wenn wir sie gläubig tragen. Das ist das Geheimnis des Kreuzes Christi.

e) Die Zeichen unter den Noten

Beim Musizieren schauen wir nicht nur auf die Noten, sondern auch auf die Zeichen, die der Komponist darunter gesetzt hat: p, pp, f, ff, andante, adagio, presto… das Pausenzeichen; Jemand hat gesagt: Das wichtigste in der Musik sind die Pausen. Manche moderne Musik hat unter den Noten keine Zeichen mehr, eine Überbetonung von Rhythmus und Lautstärke, bewusst in Kindermelodien komponiert. Damit wurde Musik zur Dauerberieselung; Stichwort Radio. Echte Komponisten aller Zeiten waren Meister im Vergleich zur heutigen Berieselungs- und Unterhaltungsmusik.

Wir können im Leben nicht nur Lautstärke und Tempo haben. Wir brauchen die Zeiten der Stille, lernen, dem anderen Zuzuhören. Wir brauchen auch Pausen im Leben, wo das f oder presto gebremst oder ausgesetzt wird. Das ist zB der christliche Sonntag und die Feiertage.

f) Leitung

Gute Musik braucht eine gute Leitung, ohne das geht es nicht.

Die Welt ist wie ein großes Orchester. Auch die Welt benötigt eine Leitung. Die Welt braucht Gott. Eine Welt ohne Gott funktioniert nicht. Der Humanismus ohne Gott geht nur so lange gut, als die Eigeninteressen des Einzelnen nicht in Gefahr sind.

g) Harmonie und Disharmonie

Die Musik besteht nicht nur aus Harmonie. Die schönsten Musikstücke enthalten ganz bewusst Dissonanzen. Dann aber lösen sie sich in Harmonie und Schönheit auf.

Unser Leben ist keine ständige Harmonie. Auch unser Leben kennt Disharmonie. Wir leben nicht mehr im Paradies, wir haben die Konkupiszenz, die Folgen der Erbsünde zu tragen, wir leben in der Heilsgeschichtlichen Spannung zwischen Gut und Böse, es gibt im Leben Konflikte, Spannungen, Krisen usw. All diese Dinge sind nicht von vorn herein schlecht. Sie gehören - von der Erbsünde her gesehen - zu unserem Leben dazu. An diesen Dingen können wir menschlich und auch im Glauben wachsen und reifen. Mit Gottes Hilfe dürfen wir durch diese Disharmonien hindurch auch zur Harmonie finden, zum Frieden Gottes.

Die Sprache der Musik. Eine Schule des Lebens. Amen.

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