212) Allerheiligen 2016 - Gräbersegnung: CHRISTLICHER ERLÖSUNGSGLAUBE UND REINKARNATION

Hochfest Allerheiligen 2016

„ICH BIN DEIN ERLÖSER" (Jes 43,3)

CHRISTLICHER ERLÖSUNGSGLAUBE UND REINKARNATION

Predigt von Pf. Stephan Müller bei der Vesper zur Gräbersegnung

           

Der Gott der Offenbarung hat uns das Licht geschenkt, das wahre Licht, wie der Apostel Johannes bezeugt (Joh 1,9). Es gibt die Wahrheit über Gott, die Welt, das Leben und auch den Tod und was danach kommt. Ich möchte euch einladen, dass wir uns beim Gedenken an unsere Verstorbenen die Schönheit unsers Glaubens vor Augen führen und das in Beziehung zur Reinkarnation.

           

Die Vorstellung von Reinkarnation kommt vor allem aus den Religionen des Ostens. Sowohl im Hinduismus als auch Im Buddhismus spielt die Vorstellung der Reinkarnation eine wesentliche Rolle, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. In der westlichen Kultur der Antike war diese Idee nicht völlig unbekannt, doch nur eine Randerscheinung, bei kleinen esoterischen Gruppen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Idee der Reinkarnation auch bei uns ausgebreitet, nach Umfrageergebnissen auch bei Christen.

           

Was wird im östlichen Denken unter Reinkarnation verstanden? Nach der Vorstellung der Reinkarnation ist der menschliche Körper nur so etwas wie ein Gefäß, das der Mensch beim Tod ablegt. Nach dem Tod nimmt die Seele wieder einen neuen irdischen Körper an, sie "inkarniert" sich, "re-in-carne, Rückkehr ins Fleisch," im deutschen mit Wiedergeburt übersetzt. Diese Rückkehr ins Fleisch, kann in einen menschlichen oder tierischen Körper hinein erfolgen.

           

Mit der Reinkarnation verbunden ist das Gesetz vom Karma. Unter Karma versteht das östliche Denken: Jede Tat zieht Folgen nach sich, die sich auch in kommende Existenzen hinein auswirken können. Das Schicksal eines Menschen - im Guten wie im Bösen - wird mit diesem Gedanken des Karma erklärt. Das Karma bindet den Menschen an das Rad der Wiedergeburten. Nach der Vorstellung dieser östlichen Relgionen ist es das Ziel des Menschen, im Laufe seiner Existenzen <Karma> abzubauen, bis schließlich keine Wiedergeburt erfolgen muss. In welchen Körper oder in welche sozialen Umstände ein Mensch wiedergeboren wird (zB ob reich oder arm, als hungerndes Baby oder Wohlstandsbaby) hängt davon ab, wie gut der betreffende Mensch sein Leben gelebt hat. Hat ein Mensch durch böse Taten ein "schlechtes Karma", muss er das im nächsten Leben abarbeiten, durch Leiden abarbeiten. Hat ein Mensch durch gute Taten ein "gutes Karma", hat er einen günstigeren Ausgangspunkt für seine nächste Wiedergeburt.

           

Der christliche Glaube lehrt: "Nach dem Tod gibt es keine Reinkarnation" (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1013). Das Wort Gottes ist eindeutig: "Es ist dem Menschen bestimmt ein einziges Mal zu sterben, worauf das Gericht folgt" (Hebr 9,27). Betrachten wir jetzt die Reinkarnation im Licht des christlichen Glaubens. Dazu einige Stichpunkte.

           

a) Die Vorstellung von der Reinkarnation kennt keinen persönlichen Gott. Der Hinduismus ist pantheistisch, dh alles ist göttlich, die ganze Natur und auch der Mensch. Es wird vom Göttlichen Funken im Menschen gesprochen. Auch der Buddhismus kennt keinen persönlichen Gott, er ist nur eine Lebensphilosophie.

           

Der biblisch-katholische Glaube schenkt uns die Erkenntnis des Einen und Dreifaltigen Gottes. Gott ist ein persönlicher Gott, ein Du. "Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,16). "Ich habe dich beim Namen gerufen, mein bist du. Ich bin dein Retter." Der Sohn Gottes ist aus der jungfräulichen Mutter Maria Mensch geworden und in die Zeit eingetreten. Durch die Gnade können wir in eine liebende Beziehung mit dem Schöpfergott eintreten. Gott spricht uns auch an und wartet auf eine Liebesantwort unserer Person, also unseres Herzens. Die Selbstoffenbarung des Dreifaltigen Gottes unterscheidet den christlich-katholischen Glauben grundlegend von allen anderen Religionen.

           

b) Die Vorstellung von der Reinkarnation hat ein kreisförmiges Verständnis der Zeit: Alles kommt und geht und kommt wieder, so wie die Jahreszeiten. Es gibt keinen Anfang und kein Ende der Zeit, die Zeit dreht sich wie ein Rad.

           

Der christlich-katholische Glaube lehrt uns die Wahrheit über die Zeit. Mit der Schöpfung hat Gott auch die Zeit geschaffen. Es gibt einen Anfang und ein Ende der Zeit. Christus ist Mitte und Ziel der Zeit, alles ist "durch ihn und auf ihn hin geschaffen" (Kol 1,16). Christus ist "das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende" (Off 22,13). In diesem Zusammenhang: der Kreis war nie eine christliche Gebetsrichtung. Christliches Beten hat eine Richtung: von der Erde zum Himmel, von der Zeit in die Ewigkeit, versus Dominum - zum Herrn hin, versus orientem - zum Sonnenaufgang hin, dem wiederkommenden Christus, der Blick auf das Kreuz. Die Zelebrationsrichtung versus Dominum erinnert uns an das.

           

c) Die Vorstellung von der Reinkarnation kennt keine Verantwortung des Menschen für sein Leben. Der Mensch hat durch die Wiedergeburt immer neu eine Chance.

           

Der christliche Glaube lehrt, dass wir nur dieses eine Leben auf Erden haben, um durch Glaube und Gute Werke das Ewige Leben zu erlangen oder es auch für immer zu verlieren. Mit dem Tod endet die Möglichkeit, etwas für unser ewiges Heil zu tun. Der christlich-biblische Glaube lehrt uns die Wahrheit von den Letzten Dingen: Das persönliches Gericht nach dem Tod, Fegfeuer, Himmel und Hölle. Es gibt nach dem Tod keine 2. Chance. (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1007.1013)

           

d) Die Vorstellung von der Reinkarnation vertritt einen Leib-Seele-Dualismus. Der Leib ist nach dieser Vorstellung, wie schon angedeutet, nur ein Gefäß, eine Hülle. Das führt zu einer Minderbewertung des menschlichen Körpers.

           

Die christliche Glaube zeigt uns den Menschen als Einheit von Leib und Seele. Der Leib ist nichts Minderwertiges. Im Gegenteil. Durch die hl. Taufe wird der Leib sogar zu einem "Tempel des Heiligen Geistes" (1 Kor 6,19). Die Trennung von Seele und Leib beim Tod ist Folge der Ursünde, nicht Gottgewollt und entspricht nicht der Menschennatur, deshalb ist das Sterben etwas Tragisches und Schmerzliches. Der christliche Erlösungsglaube bezieht mit der Auferstehung auch den Leib mit ein.

           

e) In der Vorstellung der Reinkarnation ist jedes Leiden die Folge karmischer Schuld. Dh Durch das Karma ist das persönliche Schicksal eines Menschen einer streng rationalen Deutung unterworfen: Der Mensch muss leiden, weil er gesündigt hat.

           

Der christliche Glaube weiß auch um unschuldiges Leiden, um Sühneleiden. Christus hat diese falschen menschlichen Schlüsse - Leiden, weil persönliche Schuld auf sich geladen - durchbrochen. Bei der Heilung des Blindgeborenen sagt Christus: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden" (Joh 9,3).

           

f) Nach der Vorstellung der Reinkarnation muss der Mensch nach seinem Tod sein Karma selbst abtragen, durch Leiden abarbeiten, indem er dazu eben immer wieder neu geboren wird.

           

Der biblisch-katholische Glauben kennt das Fegfeuer. Die Lehre vom Fegfeuer bedeutet nicht, dass die Seele selber Schuld abarbeiten muss - wie beim Karma. Das Fegfeuer ist eine Gnade, in der die Seele von Sünden und zeitlichen Sündenstrafen im reinigenden Feuer der Liebe und Wahrheit Gottes geheilt wird. Das Fegfeuer ist ein Wirken der Heiligkeit Gottes an der Seele. Die Seele kann im Fegfeuer aktiv für sich selbst nichts mehr tun.

           

g) Die Vorstellung von der Reinkarnation kennt keinen Erlöser.

           

Der christlich-katholische Glaube offenbart uns den Erlöser Jesus Christus, den Sohn Gottes, der uns geliebt und sich für uns hingegeben hat (vgl. Gal 2,20). Christus hat uns durch seinen Erlösertod am Kreuz gerettet, er hat den Tod besiegt. Er ist mit seinem Leib auferstanden, nicht re-inkarniert. Es gibt keinen anderen Erlöser als den einen Erlöser Jesus Christus. Christus bietet den Menschen durch die Kirche und die Sakramente die Erlösung an. Durch Glaube und Bekehrung gehen wir den Weg der Erlösung. Christentum ist keine abstrakte Lehre, sondern ein personaler Weg mit unserem Heiland und Erlöser. Der Name Jesus bedeutet ja Retter, Erlöser.

           

h) Die Vorstellung von der Reinkarnation kennt keine Erlösung. Der Tod und das Böse kommen nie an ein Ende. Es gibt in diesem System vom ewigen Kreislauf keine Gnade und keine Barmherzigkeit. Im Hinduismus will der Mensch diesem Kreislauf durch die Wiedergeburt entrinnen. Im Buddhismus will der Mensch entrinnen durch das Eingehen ins "Nirvana", das ist die Auflösung ins Nichts.

          

Der christlich-katholische Glaube lehrt und schenkt uns die Erlösung. Der Mensch ist nicht für immer in der Zeit gefangen, nicht immer vom Leid bedrängt, nicht immer vom Tod bedroht. Gott "wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen" (Off 21,4). Christus hat uns erlöst von Sünde, Tod und Teufel, fassen die Kirchenväter die biblische Lehre zusammen.

           

Die hinduistisch-buddhistische Reinkarnationslehre hat in unseren Tagen noch eine neue Mischform durch Esoterik und Evolution gefunden. Das östliche "Rad der Wiedergeburt" wurde umgedeutet zu einer "Spirale der ständigen Höherentwicklung", auch Weg der Erleuchtung genannt. Auch der christliche Weg wird als ein Weg zum Licht, ein Weg zur Erleuchtung beschrieben, aber in einem ganz anderen Sinn: Die christliche Erleuchtung kommt nicht aus uns selber, sondern durch den Erlöser Jesus Christus, durch die Gnade des Heiligen Geistes.

           

Wir können abschließend sagen: Die Vorstellung von der Reinkarnation ist aus christlicher Sicht ein menschlicher Versuch, auf die Probleme von Schuld, Leid, dem Tod und der Zeit einen Ausweg zu finden. Es ist eine Lehre ohne Trost und Hoffnung, eine tiefe Unwahrheit und mit dem christlichen Glauben natürlich unvereinbar.

           

Danken wir für den Erlösungsglauben, den uns die Kirche vermittelt. Dieser Glaube kann uns auch heute tragen und erfüllen. Maria, du Ersterlöste und Urbild des erlösten Menschen, führe uns zur Gemeinschaft mit unserem Erlöser Jesus Christus, und wende den Armen Seelen im Fegfeuer die Erlösungsgnaden zu, die aus dem Opfer Christi fließen. Amen.

           

 

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