210) 31. Sonntag im Jk C 2016: Reihe Ehe im Plan Gottes 25): WAS DER HL. PAULUS DEN EHELEUTEN SAGEN KANN

31. Sonntag im Jahreskreis 2016 - Reihe Ehe im Plan Gottes 25)

„AHMT GOTT NACH UND LIEBT EINANDER“ (Eph 5,1-2)

WAS DER HEILIGE PAULUS DEN CHRISTLICHEN EHLEUTEN SAGEN KANN - zu Eph 5,1-2a.21-33

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Heute ist das Hochfest Christkönig. Christus ist der Gekreuzigte König der Liebe und Wahrheit. Durch die Gottes- und Kirchenkindschaft, die Christus uns in der hl. Taufe geschenkt hat, ruft er uns in die Nachfolge der Liebe. Eine besondere Form die Liebe Christi zu verwirklichen, ist die Berufung zum Ehestand.

           

Johannes Chrysostomus sagt über Paulus: COR PAULI, COR CHRISTI! Dem hl. Paulus war eine tiefe Einsicht in die Liebe des Herzens Jesu geschenkt, deshalb ist Paulus ein Apostel, der uns für unser Leben in der Liebe sehr zu helfen vermag. Paulus hat auch den christlichen Eheleuten für die Christusnachfolge auf dem Weg der ehelichen Liebe viel zu geben. Ein bekanntes Wort des hl. Paulus über die eheliche Liebe ist uns im Brief an die Epheser hinterlassen. Diese Stelle ist die klassische Lesung bei der Brautmesse; ein Mal im Jahr wird sie bei der Sonntagsmesse verkündet. Diese Schriftstelle wird gern umgangen, auch von uns Priestern. Handelt es sich doch um ein schwer verständliches Wort des Apostels. Die Zeit, in der Paulus diese Worte geschrieben hat, war patriarchalisch geprägt. Die Frau war dem Mann untergeordnet. Unsere Zeitsituation ist natürlich völlig anders wie damals. Doch wahrscheinlich haben sich die christlichen Eheleute aller Zeiten nicht leicht getan, Paulus zu verstehen, wenn er z. B sagt: "Der Mann ist das Haupt der Frau... Die Frauen sollen sich in allem den Männern unterordnen...".

           

Versuchen wir, in den Sinn dieser Paulusworte über die christliche Ehe einzudringen. In dieser Lesung sind zwei biblische Grundlehren über die Ehe angesprochen: Paulus sieht die Ehe im Schöpfungsplan Gottes und in ihrem Bezug zur Liebe Christi zu uns Menschen. Diese beiden Inhalte haben wir in unseren Besinnungen über die Ehe bereits behandelt.

           

Paulus will mit seinen Worten über die Ehe besonders das Neue aufzeigen, das durch die Erlösung für die christliche Ehe, für Mann und Frau, gekommen ist. Das Ehesakrament ist eine helfende und heilende Gnade, damit Mann und Frau lernen, in ihrer Ehe und ihrer Liebe den ursprünglichen Schöpfungsplan Gottes zu verwirklichen, ja durch die Erlösung sogar noch höher kommen, als es im Paradies war. Denn die Neuschöpfung durch die Erlösung ist noch wunderbarer und schöner als die Schöpfung vor dem Sündenfall (Kirchengebet). Schauen wir uns die Lesung genauer an.

           

Da ist das oft falsch verstandene Wort an die Männer: „Der Mann ist das Haupt der Frau.“ Paulus will sicher nicht sagen, dass der Mann alles weiß, alles besser kann und die Frau sich fügen solle. "Haupt der Frau" zu sein bedeutet: Als Mann für seine Familie, für seine Frau und seine Kinder, eine Verantwortungs- und Schutzfunktion zu übernehmen, dazu auch Taten zu setzen. "Haupt der Frau" zu sein bedeutet für den Mann, für seine Ehefrau und seine Kinder eine väterliche Liebe entwickeln. Wenn es beim Mann in dieser Verantwortungs- und Schutzfunktion fehlt, muss das die Frau übernehmen. Heute sind viele alleinerziehende Mütter in dieser schwierigen Situation.

           

Dann ist da der Satz, den die Frauen nicht gerne hören, weil er wieder leicht missverstanden wird: "Die Frauen sollen sich den Männern unterordnen." Durch das Ehesakrament will Gott dem einen durch den anderen Gnade schenken. Das Ehesakrament spenden sich Mann und Frau ja gegenseitig, einer dem anderen. Diese Ordnung der Gnade geht im Eheleben weiter. Der eine darf dem anderen Vermittler von Gnade, Vermittler einer Erkenntnis, Vermittler der Güte Gottes sein... Wenn wir Menschen allgemein im Leben im Guten aufeinander hören, uns etwas sagen lassen, bringt uns das näher zu Gott und näher zueinander. Das spricht Paulus hier an.

           

Paulus betont sehr die Liebe und die Gemeinsamkeit. Das sind die beiden Schlüssel zum Verständnis aller seiner Aussagen über die christliche Ehe:

           

Der Schlüssel LIEBE: "Ahmt Gott nach und liebt einander", steht am Anfang dieser Lesung. Dann: "Ihr Männer, liebt eure Frauen." Es gilt auch umgekehrt: "Ihr Frauen, liebt eure Männer." Frage: Wann haben die Ehemänner ihrer Ehefrau das letzte Mal einen Kuss gegeben oder ein Zeichen der Liebe? In der Liebe sollen wir Gott nachahmen. Da haben wir viel zu tun. Denn Christus hat uns geliebt bis zu seiner Hingabe am Kreuz. Wer in der Ehe den anderen liebt, der will ihn nicht beherrschen. Die eheliche Liebe achtet den anderen, ehrt den anderen, lässt den anderen etwas gelten, bringt ein Opfer... Die eheliche Liebe will nicht egoistisch fordern, sie will sich selbst dem anderen zum Geschenk machen. Die Frau zu lieben beginnt für den Mann schon vor der Ehe. Der Mann soll besorgt sein, dass ihr nichts geschieht, was ihre Ehre und Würde verletzt; mit anderen Worten, er soll sie rein in die Ehe begleiten. Die Frau liebt den Mann, wenn sie schon vor der Ehe über ihre Reinheit und ihre Würde wacht, auch in der Kleidung. Dadurch hilft die Frau dem Mann, dass er sie achten und in Wahrheit lieben kann. Im Hohenlied des ersten Korintherbriefes beschreibt Paulus sehr konkret und schön das Wesen der christlichen Liebe (1 Kor 13).

           

Der Schlüssel GEMEINSAMKEIT: "Einer ordne sich dem anderen unter." Hier ist die gegenseitige Ergänzung gemeint. Mann und Frau sind vor Gott gleichwertig, aber nicht gleichartig. Diese Verschiedenheit ist von Gott gewollt zur gegenseitigen Ergänzung. In der Genesis sagt Gott über Adam: "Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht" (Gen 2,18). Auch dies gilt umgekehrt über die Frau: "Ich habe ihr eine Hilfe gemacht, die ihr entspricht." In allen Bereichen der Ehe dürfen Mann und Frau einander ergänzen. Dem Mann hilft zB die Ergänzung der Frau, damit er Innerlichkeit lernt, außerhalb der Arbeit Wesentliches zu sehen vermag, was der Frau meist leichter gelingt, oder damit er nicht in der äußeren Arbeit versinkt usw. Der Frau hilft die Ergänzung des Mannes, dass sie im Bereich des Herzens und der Gefühle, die sie besonders für die Mutterschaft benötigt, immer wieder Klarheit und Ordnung bekommt. In allen Bereichen, wo es um Entscheidungen geht, werden christliche Eheleute sich absprechen und gemeinsam entscheiden.

           

Auch im Bereich des Glaubens dürfen sich in der Ehe Mann und Frau einander ergänzen. Die christliche katholische Ehe ist ein gemeinsamer Weg des Glaubens, ein gemeinsamer Weg zum Himmel. Der selige Kaiser Karl sagte nach der Verlobung (1911) zu seiner Braut Zita: „Jetzt müssen wir einander helfen, in den Himmel zu kommen!“ Deshalb ist auch wichtig, dass eine christlich-katholische Ehe auf den gemeinsamen Glauben gebaut ist. Wenn die Eheleute keinen gemeinsamen katholischen Glauben haben, oder einer den Glauben nicht praktiziert, wird es oft sehr schwierig.

           

Maria, Mutter der schönen Liebe! Hilf unseren christlichen Eheleuten, einander zu lieben. Hilf denen, die sich auseinander gelebt haben, hilf denen, die sich getrennt haben, hilf denen, die einen Neuanfang suchen. Hilf denen, die sich auf die Ehe vorbereiten. Amen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.