208) 29). Sonntag im Jahreskreis C 2016: DIE TUGEND DER BEHARRLICHKEIT

29. Sonntag im Jahreskreis C) 2016

„ALLEZEIT BETEN UND DARIN NICHT NACHLASSEN“ (Lk 18,1)

DIE TUGEND DER BEHARRLICHKEIT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Das heutige Wort Gottes spricht eine Tugend an, die Tugend der Beharrlichkeit. Was bedeutet Beharrlichkeit? Beharrlichkeit bedeutet, in einer Tugendübung, einer Aufgabe, einer Sache beständig zu sein, ausdauernd, nicht den Mut zu verlieren, wenn der Erfolg noch nicht zu erkennen ist, nicht aufhören, wenn es Widerstände gibt, nicht gleich das „das Handtuch zu werfen“, wie wir gerne sagen. Beharrlichkeit üben kann manchmal eine Zeitlang viel Mühe und Schweiß kosten. "Von Nichts kommt nichts," sagen wir gerne! Um ein Ziel zu erreichen, brauchen wir Beharrlichkeit.

           

Im Evangelium geht es zunächst um die Beharrlichkeit im Gebet. „In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten.“ Dieser Hinweis des hl. Evangelisten Lukas gibt uns bereits eine Deutung des heutigen Evangeliums, des Gleichnisses von der Witwe und dem ungerechten Richter: Wir sollen im Gebet nicht nachlassen. Die Witwe ist so ausdauernd, so beharrlich in ihrem Bitten, dass der Richter schließlich kapituliert und ihr hilft. Christus sagt, dass unser Gebet auch so sein soll: „Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht unverzüglich zu ihrem Recht verhelfen?“ Wie ist unser persönliches Beten? Beten wir nur, wenn wir dazu aufgelegt sind, in Stimmung sind, das Bedürfnis dazu verspüren? Solche Gebete helfen uns nicht weiter. Das Gebet muss eine Lebenshaltung sein, fest mit dem Alltag und dem Leben verbunden, unabhängig davon, was wir dabei empfinden oder nicht. Unser Gebet soll beharrlich sein. Christus hat dem beharrlichen Gebet Erhörung verheißen.

           

Christus spricht noch einen Bereich an, wo die Beharrlichkeit wichtig ist: der Glaube. Vor 500 Jahren lebte der hl. Petrus Canisius. Zu seiner Zeit waren die Wirren der Reformation. Die Kirche war in Europa in ihrer Existenz bedroht. Ganze Gebiete und Länder haben sich von der Kirche und dem katholischen Glauben abgewandt, viele andere haben die religiöse Praxis aufgegeben, auch in Tirol. Wie ein Apostel durchwanderte Petrus Canisius ganz Mitteleuropa, um den katholischen Glauben zu verkünden, um mit Güte, ohne Polemik, und Klarheit den katholischen Glauben zu verkünden und die Menschen wieder zur Kirche zurückzuführen. Er war in Wien, Augsburg, Ingolstadt, Freiburg, Innsbruck, Hall. Als er Domprediger in Augsburg war, sind in einem einzigen Jahr etwa 900 Menschen zur katholischen Kirche konvertiert. Petrus Canisius hat aber auch andere Situationen gekannt: in Wien waren bei Predigten manchmal nur ein paar Leute versammelt.

           

Petrus Canisius hatte so etwas wie ein Leitmotiv. Schon mit 17 Jahren hat er es als Student in bemalten Großbuchstaben auf die erste Seite seines Schulheftes geschrieben: „PERSÉVERA“. Es heißt zu Deutsch „halte durch, sei beharrlich!“. Dieser Wille zur Entschlossenheit, zur Ausdauer, zur Standhaftigkeit, hat sein Leben und Wirken geprägt. Er hat sich von den großen Turbulenzen seiner Zeit nicht verunsichern, von Widerständen und Misserfolgen nicht beirren lassen. Er ist in der Haltung des Glaubens beharrlich seinen Weg gegangen und seiner priesterlichen Sendung bis zum Tod treu geblieben.

           

Dass Petrus Canisius unser Diözesanpatron ist, ist sicher kein Zufall. Dieser Mann hat uns etwas zu sagen. Wir erleben nicht nur, dass sich viele Menschen von der Kirche und dem katholischen Glauben abwenden. Noch mehr: Innerhalb der Kirche versuchen manche, den katholischen Glauben umzudeuten, zu verändern.

Auch uns kann deshalb das Leitmotiv des hl. Petrus Canisius eine Hilfe sein: PERSÉVERA. Was heißt, im Glauben beharrlich sein? Im Glauben beharrlich sein bedeutet, in den Grundvollzügen des Glaubens treu und konsequent zu sein: im täglichen Gebet, in der regelmäßigen Beichte, in der wöchentlichen Mitfeier der Sonntagsmesse, in der tätigen Nächstenliebe. Wer in diesen Grundschritten des Glaubens nicht beharrlich ist, wird nicht nur keinen reifen Glauben erreichen, er wird in der heutigen Gesellschaftssituation im Glauben leicht Schiffbruch erleiden. Die Frage, die Christus heute im Evangelium aufwirft, ist aktuell: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“ (Lk 18,8) Welchen Glauben wird der Herr in seiner Kirche - dh bei den Gliedern der Kirche - vorfinden? Den Glauben, den er den Apostel geoffenbart, den die Apostel weitergegeben haben, den die Kirche bis zum heutigen Tag weitergegeben hat, durch alle Jahrhunderte hindurch? Oder einen verwässerten Glauben, einen veränderten Glauben, einen selbstgemachten Glauben…Die Heilige Schrift sagt: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8). Der katholische Glaube entfaltet sich im inneren Erkennen, doch er verändert sich nicht. Wir können als Kirche nur leben, wenn wir im Glauben beharrlich sind, gebunden an Christus, den „Urheber und Vollender unseres Glaubens“ (Hebr 12,2), wie der Hebräerbrief sagt.

           

Beharrlich sein im Glauben bedeutet, an der Lehre des Glaubens festzuhalten, das zu glauben und zu leben versuchen, was die Kirche im Credo immer geglaubt hat. Die drei Katechismen des hl. Petrus Canisius, die fast 500 Jahre lang in Verwendung waren, sind wie ein geistiges Menü, in dem uns der Glaube für Vernunft und Herz als gesunde geistliche Speise zubereitet ist. Man könnte diese Bücher sicher heute noch mit Gewinn lesen. Sein Katechismus für das Volk war so beliebt, dass man ihn nicht Katechismus, sondern "CANISI" genannt hat.

           

Liebe Gläubige! Es gibt die offiziellen Katechismen der Kirche, die in jeder Buchhandlung bestellt werden können. Ein solches Buch gehört in jedes katholische Haus.

           

Maria, du Mutter des Glaubens! Hilf uns, die Tugend der Beharrlichkeit zu erlangen. Gott hat uns verheißen: "Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben" (Offb 2,10). Amen.

 

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