207) 28. Sonntag im Jahreskreis 2016 - Erntedank: DIE HALTUNG DER DANKBARKEIT

28. Sonntag im Jahreskreis C) 2016

„ER WARF SICH VOR DEN FÜSSEN JESU ZU BODEN UND DANKTE IHM" (Lk 17,16)

DIE HALTUNG DER DANKBARKEIT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Wir feiern heute das Erntedankfest. Die Erntegaben, die wir gebracht haben, sind ein Zeichen der Dankbarkeit. Danke den Jungbauern, die die Gaben in der Kirche vorbereitet haben. Im Jahr 2004 hatte das Erntedankfest einen ganz eigenen Charakter. Das Jahr 2004 war ein Trockenjahr. Im Frühjahr und Sommer ist auch dabei kaum Regen gefallen. Auf den Feldern ist fast nichts gewachsen. Erinnert ihr euch noch, wie bereits im Frühsommer alles braun und vertrocknet war? Ich habe noch Photos von einer Tour auf dem Stubaier Gletscher im Sommer 2004. Die Gletscher waren damals stark abgeschmolzen, alle Spalten offen, das blanke Eis sichtbar, ein trostloser Anblick. In einem Dorf in Bayern hat beim Erntedankfest 2004 eine Bäuerin statt den üblichen Früchten etwas anderes zum Gottesdienst gebracht: Einen kleinen Korb mit Gras und eine Gießkanne mit Wasser.

           

In vielen Regionen der Welt herrscht andauernd Trockenheit. Die Folge ist der Hunger für Millionen von Menschen. Der Hunger ist eines der großen globalen Probleme. Wir hatten heuer ein ausgesprochen gesegnetes Wachstumsjahr. So können wir Erntedank feiern. Mit dem Erntedankfest ist es so wie mit anderen jährlich wiederkehrenden Feiern: zB Muttertag, Vatertag, Hochzeitstag… Es wäre zu wenig, einer Mutter, einem Vater, einem lieben Menschen, dem Ehepartner nur ein Mal im Jahr einen Dank zu sagen. Was ist die übrige Zeit? Genügt es, ein Mal im Jahr dem Herrgott für die Ernte zu danken?

           

Das heutige Wort Gottes zeigt uns zwei Beispiele der Dankbarkeit:

           

In der Lesung ging es um den Syrer Naaman, er war ein Heide. Dieser Naaman hatte Aussatz. Das war für ihn das Todesurteil. Eine Israelitin hat diesen Mann auf den einzigen und wahren Gott Jahweh in Israel verwiesen. Durch die Vermittlung des Propheten Elischa wurde dieser schwerkranke Mann geheilt. Was tat er nach seiner Heilung? Voller Freude machte er sich mit seinem Gefolge auf den Weg zurück zum Propheten Elischa. Er wollte ihm danken. Dieser Naaman kam durch die Heilung auch zum Glauben an den Gott Israels, den wahren Gott. Er sagte: "Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel" (2 Kön 5,15).

           

Das Evangelium berichtet von zehn Aussätzigen, die Christus geheilt hat. Neun von diesen zehn Männern gehen nach der Heilung ihres Weges. Sie hatten viel aufzuholen. Durch den Aussatz waren sie vom Leben von jeder Gemeinschaft ausgestoßen. Jetzt wollen sie leben. Und sie vergessen auf Gott. Ganzheitlich geheilt waren sie nicht. Geheilt war zwar ihr Körper, nicht aber ihre Seele. Sie haben trotz der erlangten Gesundheit nicht zu Gott gefunden. Ganz anders der eine Mann, der zu Christus zurückkehrte. Er wollte Christus danken. Der Dank dieses Mannes war groß. Er hat sich sogar vor Christus niedergeworfen und ihn angebetet. Das ist die wahre Heilung, die ganzheitliche Heilung. Er ist fähig geworden, an Christus zu glauben. Er hat die Quelle des Lebens gefunden: Gott.

           

Wie ist es bei uns? Wir haben ein Problem, ein Anliegen, eine Not… Wenn es nicht gut geht, bitten wir Jesus Christus im Hilfe, oder die Muttergottes, einen Heiligen… Und dann? Wie oft hat uns der Herr schon geholfen. Sind wir wie die neun Männer, die nach der Heilung ihres Weges gegangen sind? Ist es uns ein Anliegen, Gott zu danken? Die wahre Heilung, das wahre Gesundsein besteht nicht darin, dass wir frei von Krankheiten sind. Die wahre Heilung ist die innere Heilung: Wenn wir fähig geworden sind, wie der Mann aus Samarien, uns vor Jesus Christus niederzuwerfen, dh an ihn zu glauben, uns an sein Wort und sein Gebot zu binden… Die wahre Heilung besteht darin, wenn unser Herz Gott als die Quelle des Lebens und die Quelle der Liebe gefunden hat, wenn wir mit Gott leben… Der wichtigste im Leben ist Gott. Theresia von Avila – ihr Gedenktag ist am 15. Oktober – sagt: „Wer Gott hat, hat alles. Gott allein genügt.“

           

Die Dankbarkeit will eine Grundhaltung im Leben sein. Die Dankbarkeit ist auch ein Weg, der zu Gott führt. Danken hat mit denken zu tun. Wer denkt, beginnt zu danken. Wer dankt, beginnt zu denken. Eine traurige Geisteshaltung in den Wohlstandsländern ist die Abstumpfung des Herzens. Wer das Danken nicht mehr pflegt, der verlernt vielleicht auch das Denken, der erkennt nicht mehr, was er aus der Güte Gottes und der Güte der Menschen jeden Tag empfängt. Dann wird mit der Zeit alles gleich, alles fad, alles ohne Ziel, alles ohne Sinn… Dann ist es nicht mehr weit zu den Gedanken: Wozu lebe ich überhaupt, man ist sich nichts mehr wert… Wir müssen heute kämpfen gegen die Abstumpfung des Herzens. Wer sich ständig berieselt zB mit Lärm, Aktivismus, der kann nur schwer hören und denken. Wer bewusst trainiert zu danken, der trainiert das Denken, der trainiert das Hören, der trainiert das Herz.

           

Zum Abschluss drei Formen, die Dankbarkeit zu üben:

           

Der tägliche Erntedank daheim ist das Tischgebet vor und nach den Mahlzeiten. Das Tischgebet erhält uns im Bewusstsein, dass Gott der Geber alles Guten ist. Wer das Tischgebet daheim nicht mehr kennt, kann am besten bereits heute wieder damit beginnen. Die Ministranten verteilen an den Kirchtüren heute ein kleines Blatt mit Vorschlägen für das Tischgebet.

           

Der wöchentliche Dank für die Güte Gottes, für die Gaben der Natur und des Übernatürlichen, ist die Mitfeier der Sonntagsmesse. Die Sonntagsmesse führt uns zur Quelle des Lebens, das ist Gott. Wenn wir Gott so viel danken täten wie wir bitten, an jedem Sonntag wäre das Gotteshaus überfüllt von dankbaren Menschen.

           

Eine grundlegende Haltung der Dankbarkeit im menschlichen Miteinander besteht in den kleinen Worten bitte, danke, Vergelts´Gott. Das hilft uns, im täglichen Leben mit dem Herz füreinander zu empfinden.

           

Der Psalmist betet (Ps 116,12-13): „Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat? Ich will den Kelch des Heiles erheben, und anrufen den Namen des Herrn.“

           

Amen.

 

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