203) 21. Sonntag im Jahreskreis 2016: DIE SORGE UM DAS EWIGE HEIL

21. Sonntag im JK C) 2016

"SIND ES NUR WENIGE, DIE GERETTET WERDEN?"(Lk 13,23)

DIE SORGE UM DAS EWIGE HEIL

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Christus wandert in Israel von Dorf zu Dorf und predigt. Da fragt ihn einer: "Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?" Das ist die Frage nach dem ewigen Heil in der jenseitigen Welt. Eine solche Frage konnte nur ein gläubiger Israelit stellen, der durch das Gotteswort um all das gewusst hat, was über das Leben nach dem Tod im alten Bund geoffenbart war: Dass es eine ewige Glückseligkeit gibt und dass der Mensch das ewige Heil auch verlieren kann.

           

Wie sieht es heute aus? Müssen wir nicht sagen, dass allgemein die Frage nach dem Ewigen Heil wenig präsent ist? Auch in der Kirche selbst steht oft das Weltliche im Vordergrund, nicht das ewige Heil und die Vermittlung der Heilsgnaden, was die eigentliche Sendung der Kirche ist. Dort, wo die Kirche verweltlicht ist, ist die Frage nach der Rettung der Seele wahrscheinlich für die meisten Getauften keine brennende Frage mehr. Wenn, dann sind es heute wahrscheinlich nur noch einige wenige fromme Menschen, die sich diese Frage stellen, die sich vielleicht Sorgen machen um das Seelenheil ihnen nahe stehender Menschen.

           

Was sagt uns Christus? Jesus gibt uns keine unmittelbare Antwort nach der Zahl der Geretteten. Warum nicht? Wenn er sagen würde, dass viele verloren gehen, würden wir in ständiger Angst leben. Wenn er sagen würde, dass sehr viele gerettet werden, dann würden wir uns wahrscheinlich kaum anstrengen. Die Antwort, die Christus uns gibt, macht uns den Ernst der Lage bewusst und gibt uns auch Hoffnung.

           

Da sind die Worte vom Ausschluss aus dem Reich Gottes: "Dann werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selber aber ausgeschlossen seid." Es ist das eine Warnung vor einer allzu großen Selbstsicherheit. Die Propheten haben die Israeliten oft gewarnt vor dieser falschen Selbstsicherheit: "Wir haben den Tempel! Wir sind das auserwählte Volk!" Für uns: Ich bin doch getauft, ein anständiger Mensch, ein guter Christ, ein Priester... Ein Drittel der Worte Christi sind Warnung vor dem Heilsverlust.

           

Dann ist da das Bild von der Tür. Christus selbst ist die Tür zum Heil. Er sagt es auch im Gleichnis vom Guten Hirten: "Ich bin die Tür. Wer durch mich eingeht, wird gerettet werden" (Joh 10,9). Durch die Tür gehen bedeutet, Christus nachzufolgen, an ihn zu glauben, ihn zu lieben. Dass die Tür eng ist, bedeutet nicht, den Menschen heute zu sagen: "Ihr seid alle auf dem rechten Weg, macht nur so weiter!" Dass die Tür eng ist bedeutet nicht, dass Gott ein nicht mehr zurechnungsfähiger Ur-Großvater ist, der nicht mehr gut sieht und hört, der vieles nicht mehr mitbekommt. Dass die Tür eng ist bedeutet, dass das Hindurchgehen Anstrengung kostet. Aber diese enge Tür führt in das Leben Gottes, in die Freiheit der Kinder Gottes.

           

Christus verwendet heute das Bild von der verschlossenen Himmelstür. Wenn Gott die Tür des Himmels vor uns verschließt, dann sind wir draußen. Beim Gericht werden uns keine Ausreden helfen. Einem Geistlichen habe ich einmal gesagt: "Die Priesterweihe ist eine große Gnade, aber auch eine Heilsgefährdung, wenn diese Gnade missbraucht wird. Auch die hl. Taufe ist eine große Gnade, doch auch eine Heilsgefährdung, wenn diese Gnade missbraucht wird, gleichgültig liegen gelassen wird. Die hl. Taufe, die Priesterweihe, die Bischofsweihe, das Ehesakrament nützen uns nichts, ja sie werden uns sogar zum Gericht, wenn wir uns nicht bemühen, auch katholisch zu leben. Die ewige Seligkeit wird uns nicht einfach nachgeworfen, ohne dass wir selbst dazu etwas getan haben. Der hl. Kirchenvater Augustinus lehrt: "Gott hat uns ohne unser Mitwirken erschaffen, aber er kann uns nicht ohne unser Mitwirken erlösen." Dass wir auch selber etwas zur ewigen Seligkeit beitragen müssen, soll uns tief bewusst sein. Darin zeigt sich auch die Freiheit und Würde des Menschen.

           

"Müht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen." Das Wort von der Mühe mit allen Kräften gilt uns allen. So richtet sich die Frage an uns alle: Setze ich wirklich alle Kräfte daran, den Weg der Nachfolge Christi zu gehen? Halte ich mich an die Gebote Gottes? Strebe ich nach Bekehrung des Herzens, nach der Besserung meines Lebens? Versuche ich, die Gottes- und Nächstenliebe durch konkrete Taten zu verwirklichen? Wie viele Angebote zu Gebet, Gottesdienst und Glaube gibt es in dieser Pfarre? Nütze ich das? Manche vertrösten sich vielleicht auf später... Wenn ich Zeit habe, werde ich dies tun, dieses ändern... Wer sagt dir, dass Du diese Zeit haben wirst? "Heute König, morgen tot" (Sir 10,10), warnt uns die Bibel.

           

Christus gibt auch fremden Menschen und Völkern die Hoffnung auf die ewige Seligkeit. "Man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen."

           

Die Muttergottes und viele Heilige sind durch die enge Tür gegangen. Das ist für uns ein Ansporn und eine Einladung. Es lohnt sich nicht nur für die Ewigkeit, sondern schon für das Leben auf dieser Welt, alle Kräfte aufzuwenden, um den Weg der Christusnachfolge zu gehen und auf diesem Weg treu zu bleiben.

           

Maria, Pforte des Himmels, bitte für uns. Amen

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