199) Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus 2016: KATHOLISCH GLAUBEN

Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus 2016

"DU BIST DER MESSIAS, DER SOHN DES LEBENDIGEN GOTTES" (Mt 16,16)

KATHOLISCH GLAUBEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

"Für wen halten die Leute den Menschensohn?" Wir kennen die Antwort des hl. Apostels Petrus: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes." Petrus hat als erster Papst, vom Heiligen Geist erleuchtet, das erste Christusdogma ausgesprochen: die wahre Gottheit Christi. Auf diesen Glauben des Petrus hat Christus seine Kirche gegründet.

           

Verweilen wir heute bei diesem Glaubensbekenntnis des hl. Apostels Petrus. Das Messiasbekenntnis des Petrus war katholisch im eigentlichen Sinn. Von der Wortbedeutung her heißt katholisch "allgemein, allumfassend". Wir erkennen, dass das Messiasbekenntnis des Petrus in mehrfacher Weise katholisch, also alles umfassend war:

           

Petrus hat die Gottheit Christi bekannt, und damit hat er alles umfasst, was zum Geheimnis Christi gehört, auch das, was er noch nicht gewusst oder noch nicht verstanden hat; auch das war eingeschlossen, was Christus den Aposteln erst später mitgeteilt und übergeben hat, zB das Hl. Messopfer und die übrigen Sakramente. Auch von ihm selber her gesehen war sein Glaubensbekenntnis katholisch, alles umfassend, also nicht im dogmatischen, im menschlichen Sinn: Sein Messiasbekenntnis umfasste seine ganze Person, er hat es mit ganzem Herzen gesprochen, ohne Zweifel, ohne wenn und aber. Mit seinem ganzen Sein und Wesen hat Petrus das Bekenntnis zur Gottheit Christi abgelegt. Für diesen Christusglauben hat Petrus gelebt, für diesen Christusglauben ist er wie sein Meister am Kreuz gestorben.

           

Was bedeutet das für uns? Auch für uns ist wichtig, ein im Sinn des Wortes katholisches Christusbekenntnis abzulegen: Unser Glaubensbekenntnis muss, wie bei Petrus, das ganze Christusgeheimnis umfassen. Unser persönlicher Glaube ist katholisch, alles umfassend, wenn wir die ganze Offenbarung bejahen. Wir haben es in gewisser Weise leichter als Petrus. Petrus hat damals in Cäsarea Philippi noch vieles nicht gewusst. Er musste sozusagen dem Herrn einen Vorschussglauben geben. Wir haben die abgeschlossene Offenbarung, die Christus den Aposteln übergeben, und die von der Kirche bis zum heutigen Tag weiter gegeben wurde. Wir können das durchdenken, fragen, ob es vernünftig ist, wir haben das Zeugnis vieler Heiliger usw. Unser Glaubensbekenntnis soll, wie bei Petrus, auch aus ganzem Herzen gegeben werden, ohne Zweifel, ohne wenn und aber. Unser Glaubensbekenntnis soll unsere ganze menschliche Person umfassen: Unsere Liebe, unsere Vernunft, unseren freien Willen, unsere Lebenshaltung usw.

           

Unser persönliches Glaubensbekenntnis wäre nicht katholisch, nicht alles umfassend: Wenn wir den Inhalt des Glaubens selektieren, wenn wir nur Teile nach unserem Belieben auswählen, anderes ausblenden oder ablehnen. Ein solcher Glaube wäre selbstgemacht und wertlos (Benedikt XVI). Wer einen Teilbereich des katholischen Glaubens ablehnt, lehnt den ganzen Glauben ab, der Glaube ist nicht teilbar; auch Christus ist nicht teilbar. Wird heute von den Katholiken im katholischen Sinn geglaubt? Es gibt überall Gläubige, die in großer Treue am wahren katholischen Glauben festhalten, manchmal unter großen Schwierigkeiten oder Verfolgung. Doch es ist offen sichtbar, dass in der westliche Welt heute so manche Katholiken nicht mehr katholisch glauben, den Glauben nicht mehr kennen, einen Auswahlglauben pflegen. Es gibt auch die offene Ablehnung der katholischen Glaubenswahrheiten... Unser persönliches Glaubensbekenntnis wäre nicht katholisch, nicht alles umfassend, wenn wir nur aus halben Herzen glauben, wenn wir ständig hinterfragen, wenn in der Taufurkunde zwar katholisch geschrieben steht, aber das Leben eine andere Sprache spricht.

           

Wann ist eine Glaubenshaltung katholisch? Diese Frage hat Katholiken und Nichtkatholiken immer wieder beschäftigt, besonders in Zeiten der Verwirrung und Unsicherheit. Der hl. Kirchenvater Vinzenz von Lerin. hat uns in dieser Sache etwas sehr Aktuelles zu sagen. Er lebte als Mönch auf einer kleinen Insel an der Südküste Frankreichs. Heute noch befindet sich auf dieser Insel nur ein Kloster, man kann es besuchen. Vinzenz von Lerin starb um das Jahr 450. Vinzenz von Lerin verfasste um 435 eine Schrift, "Commonitoria". Er wollte in der damaligen Verwirrung den einfachen und gebildeten Menschen einen Maßstab in die Hand geben, mit dem sie den wahren katholischen Glauben von der Irrlehre unterscheiden können. Dieser Maßstab lautet: Katholisch ist, "was überall, was immer und was von allen geglaubt wurde." Überall: In allen Ländern und Kontinenten, in denen das Evangelium gebracht wurde, ist von den Glaubensboten der gleiche Glaube verkündet worden. Immer: Von den Aposteln an bis zum Jahr 2016 hat der Glaube die gleichen Inhalte. Von allen: Alle Katholiken bekennen den gleichen Glauben.

           

Nie kann etwas katholischer Glaube werden, was nur in einer Teilkirche, zB in einer Diözese oder in einem Orden, entwickelt wurde. Nie kann etwas katholischer Glaube werden, was mit der gesamten Zeitepoche der Kirche nicht vereinbar ist. Nie kann etwas katholischer Glaube werden, was sich nur da und dort eine Gruppe von Katholiken ausgedacht hat. Katholischer Glaube ist, immer wurzelnd in der Heiligen Schrift, nur das, was von der Kirche überall, immer und von allen geglaubt wurde. Bis heute gilt dieser Maßstab für das katholische Verständnis des Glaubens: überall, immer und von allen.

          

Ein Beispiel aus der jüngeren Kirchengeschichte. Unter Papst Johannes Paul II. ist die Frage nach dem Frauenpriestertum aufgetreten, gefordert von manchen Gruppen, vor allem im deutschen Sprachraum. Johannes Paul II. hat diese Frage nach dem Traditionsverständnis der Kirche geprüft und eine Lehramtliche dogmatische Letztentscheidung getroffen. Er hat erklärt: Die Priesterweihe ist Männern vorbehalten, die Kirche besitzt keinerlei Vollmacht, Frauen das Sakrament der Priesterweihe zu spenden; und dies betrifft die göttliche Verfassung der Kirche. Seine Begründung: Das Beispiel Christi, der Männer zu Aposteln berufen hat. Und: Das ist in Bezug auf die Priesterweihe der katholische Glaube, der in der Kirche bisher überall, immer und von allen festgehalten wurde. Aus diesem Grund kann das Frauenpriestertum nie katholisches Glaubensgut werden. Die Frau hat einen anderen Auftrag, eine andere Berufung. Johannes Paul II. sagt noch dazu: Die Größten in der Kirche oder im Himmel sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen, allen voran Maria. (ORDINATIO SACERDOTALIS, 22.5.1994) Ganz dasselbe gilt zB auch für die Unauflöslichkeit der christlich/katholischen Ehe und der daraus folgenden Lehre über den Kommunionempfang.

           

Das Messiasbekenntnis des Petrus. Auch wir wollen nach dem Vorbild des hl. Apostels Petrus glauben. Wir wollen mit unserem persönlichen Glaubensakt das ganze Christusgeheimnis bejahen und annehmen. Und wir wollen unser Bekenntnis aus ganzem Herzen geben, es soll unsere ganze Persönlichkeit umfassen.

           

Petrus bekommt für sein Messiasbekenntnis nicht nur ein Lob vom Herrn. Christus preist ihn selig und sagt, dass er diese Erkenntnis nicht aus Fleisch und Blut hat, also nicht aus sich selbst, sondern vom Vater im Himmel. Christus nennt ihn selig. Das bedeutet: Er ist von Gott gesegnet, geliebt, behütet, geführt, mit allem Segen des Himmels umgeben. Der ganze Segen des Glaubens ist über ihn gekommen.

           

Auch wir sind selig, wenn wir glauben wie Petrus, im katholischen Sinn. Auch uns gilt die Seligpreisung Christi. Wenn wir in Wahrheit glauben, am wahren Glauben festhalten, kommt der ganze Segen des Glaubens über uns. Der Glaube hilft uns im Leben, er ist die Quelle tiefer Freude und Seligkeit im Leben. Und der Glaube führt zur ewigen Glückseligkeit im Himmel. Amen.

           

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.