198) 12. Sonntag im JK C 2016: Reihe Ehe im Plan Gottes 24): WIR WOLLEN ES WIEDER MITEINANDER VERSUCHEN - EHEKRISE

12. Sonntag im Jahreskreis 2016 - Reihe Ehe im Plan Gottes 23)

"WIR WOLLEN ES WIEDER MITEINANDER VERSUCHEN" -

WEGE AUS DER EHEKRISE

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Schon öfters hat jemand bei Gesprächen vor oder nach einer Trennung die eheliche Beziehung so oder ähnlich beschrieben: "Wir haben einander nichts mehr zu geben." Eine Ehekrise ist vermutlich schon weit vorangeschritten, wo Mann und Frau ihre Liebe so beurteilen. Wir haben uns in den Sonntagspredigten tiefgehend mit der christlich-katholischen Ehelehre befasst. Heute soll es uns ein Anliegen sein, nach Hilfen zu fragen, die der Glaube und die Kirche bei Ehekrisen geben.

           

Vor einiger Zeit habe ich ein köstliche Zeugnis über die Bewältigung einer Ehekrise gelesen: "Ehekrach nach 65 Jahren". Es sei hier kurz wiedergegeben. Ein altes Ehepaar war nach 65 Ehejahren noch recht rüstig, sie hatten früh geheiratet. Der Mann war bequem geworden, saß viel vor dem Fernseher, überließ seiner Frau die Arbeiten. Die Frau war ob dieses Verhaltens des Ehegatten immer mehr aufgebracht. Schließlich konnte sie es nicht mehr aushalten und wollte ihren Mann vor die Tür setzen. Der Plan war ausgedacht und ausgeführt. Sie schickte ihn zum Einkaufen mit dem festen Entschluss, ihn nicht mehr in die Wohnung zu lassen. Als es bald nach seinem Weggang immer heftiger an der Haustür polterte, bekam sie es mit der Angst zu tun. Die gute Frau meinte, es seien Einbrecher an der Tür und verständigte die Polizei. Es kamen zwei Polizisten, fanden den aufgebrachten Mann vor der verschlossenen Wohnungstür und dann die verängstigte Frau in der Wohnung. Ein Polizist erfasste die Situation und verhalf den beiden zur Versöhnung. Schließlich machten sich die beiden betagten Eheleute den Vorsatz: "Wir wollen es wieder miteinander versuchen!"

           

Welche Hilfen gibt es, wenn eine eheliche Beziehung in die Krise geraten ist? Ich möchte hier nicht als ein Fachmann für Ehekrisen auftreten. Ein gläubiges Ehepaar mit vielen Jahren Erfahrung könnte uns hier sicher kompetent und wertvoll Zeugnis geben. In unserer Pfarre konnten wir übrigens schon mehrmals durch gute Vorträge von Eheleuten solche stärkenden Zeugnisse erleben. Und doch darf der Priester aus seiner Sicht heraus auch einige Hinweise geben. Ein Priester will auf das Wort Gottes verweisen. Gottes Wort ist Licht und Leben, heißt es sehr oft in den Psalmen. So soll uns das heutige Wort Gottes einige Wege aufzeigen, die aus der Krise führen. Denn ein Weg, den Gott selber mit seinem Wort uns weist, ist immer ein Weg und ein Ausweg aus Krisen und Problemen. Gott lässt uns nicht ohne Hilfen, nur müssen wir sie annehmen.

           

Eine grundlegende Hilfe in allen Krisen, auch in der Ehe, ist es, wenn wir Menschen unser Leben nach den Geboten Gottes ordnen und ausrichten. ZB das Sonntagsgebot halten. Eine Ehe nicht rein menschlich und weltlich sehen, sie durch das Sakrament an Christus binden. Wo wir an die Gebote Gottes gebunden sind, kommt vieles fast von selbst in die Heilung. Erst wenn wir für unser Leben diese Basis aufgebaut haben, können auch die anderen Hilfen greifen.

           

In der zweiten Lesung sagt uns der Heilige Paulus: Es gibt "nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid <einer> in Christus Jesus" (Gal 3,29). Paulus bezieht das auf die Taufgnade. Die Heilige Taufe schafft auf der Ebene der Gnade eine übernatürliche Gemeinschaft zwischen uns Menschen, eine Gemeinschaft, welche die alten Gegensätze und Spannungen, die aus den Folgen der Erbsünde kommen, überwindet. Genau das gilt im Besonderen für die Ehe. Die Ursünde hat die Beziehung von Mann und Frau verwundet, belastet, oft ein Gegeneinander gebracht, ein Herrschen und Beherrscht werden usw. Die ganze Menschheitsgeschichte beschreibt diese Verwundungen. Durch das Ehesakrament wird die Beziehung von Mann und Frau auf der Ebene der Gnade eine übernatürliche Gemeinschaft. Es gibt, wie Paulus sagt, nicht mehr Mann und Frau" als Gegensatz. Das Sakrament macht "eins" in Christus. In einer Krise bedeutet das für ein Ehepaar: Daran denken: "Wir haben das Ehesakrament. Christus hat sich uns geschenkt. Er will uns helfen. Er wird uns helfen." Glauben erwecken an die Gnade des Ehesakramentes. Zu diesem Ursprung zurückkehren.

           

Im Evangelium sagt Christus: "Wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich" (Lk 9,23). Die Ehe ist auch eine Form von Kreuzesnachfolge. Man darf eine Schwierigkeit auch als ein Kreuz sehen, das man trägt. Man darf auch den Ehepartner als Kreuz sehen, das man trägt. Damit meine ich nicht, dass man alles schweigend hinnimmt. Doch die Liebe will auch erlitten werden. Wir haben im Deutschen das Wort: "Ich kann dich gut leiden!" Paradox, doch es ist so: Liebe und Leiden gehören zusammen. Die Liebe kann so stark werden, dass man die Kraft und den Mut aufbringt, aneinander auch zu leiden. Unsere Leiden sollten natürlich nicht selbst gemacht sein. Doch wo wir unsere Leiden mit dem Kreuz Christi vereinigen, wächst und reift die Liebe. Insofern ist eine Krise immer auch eine Chance, um zu wachsen, um wieder neu zueinander zu finden, tiefer als vorher in der Krise. Erst vor kurzem hat mir eine Ehefrau berichtet, wie sie eine jahrelange schwere Ehekrise überwunden hat und ihre Liebe wieder ganz neu schön geworden ist. Das Ehepaar hat auch mit dem Priester eine Eheerneuerung gemacht.

           

In der ersten Lesung hören wir sehr wertvolle Wegweisungen zur Überwindung von Krisen:

           

"Über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebetes ausgießen" (Sach 12,10). Der Geist des Mitleids. Mit dem anderen Mitleid haben, Nachsicht haben, verzeihen können. Ich denke, dass das Einander verzeihen eine Tugend ist, die wir im Alltag im Kleinen immer wieder zu üben haben. "Bitte, Danke, Entschuldige bitte, verzeih mir!" Das sind kleine Worte mit großer Wirkung. Wer gläubig denkt weiß, dass auch der Ehepartner an der Konkupiszenz leidet, seine Schwächen hat, dann ist es leichter, den Geist des Mitleids zu leben.

           

Der Geist des Gebetes. Die Selige Mutter Teresa sagt: "Eine Familie, die zusammen betet, wird immer beisammen bleiben." Ein Ehepaar, das zusammen betet, wird immer wieder den Weg zueinander finden. Wie schön ist das, wenn ein Ehepaar miteinander zB die Hl. Messe mitfeiert, bei Tisch betet, ein gemeinsames Morgen- oder Abendgebet vollzieht. Wenn es in einer größeren Krise zu einer Trennung von Tisch und Bett kommt, muss man auch ins Gebet gehen, damit man fähig wird, nach dem Willen Gottes zu handeln.

           

"Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben" (Sach 12,10). In Krisen sind wir in Gefahr, um uns selbst zu kreisen, um Probleme zu kreisen, es tritt eine Blickverengung ein, man hat keinen klaren Blick für die Realität. In dieser Situation hilft es uns, wenn wir aufblicken zum Durchbohrten, zu Christus, zum Kreuz, zum Herzen Jesu. Dem Durchbohrten begegnen wir im Heiligen Messopfer. Für ein Ehepaar bedeutet der Aufblick zum Durchbohrten der Gang zur Quelle, der Ganz zum Altar. Das Ehesakrament wird nicht zufällig im Gotteshaus beim Altar empfangen, beim Altarssakrament, beim Durchbohrten, der die Quelle der Liebe ist. Ich sage den Brautleuten immer gerne: Ihr müsst nach der Trauung regelmäßig zu dieser Quelle zurückkehren, an jedem Sonntag, an jedem gebotenen Feiertag. Beim Heiligen Messopfer könnt ihr aus dem Herzen des Durchbohrten wieder Liebe tanken. Wenn die eheliche menschliche Liebe nicht aus der Quelle der Göttlichen Liebe genährt wird, hat sie keine Chance zum Durchhalten.

           

Es wird "eine Quelle fließen zur Reinigung von Sünde und Unreinheit" (Sach 13,1). Diese Quelle, die der Prophet Sacharia hier im alten Bund prophezeite, hat uns Christus im Bußsakrament geschenkt. Nicht zuletzt ist das Bußsakrament die große Hilfe in der Krise. Warum? Bei Krisen sind wir in Gefahr, Schuldzuweisungen zu machen, den Fehler beim anderen zu suchen, den anderen anzuklagen und Vorwürfe zu machen. Bei der Hl. Beichte tun wir das Gegenteil. Wir beichten nicht die Sünden der anderen, sondern die eigenen. Wir klagen nicht die anderen an, sondern uns selbst, und das ist sehr heilsam. Die Beichte hilft, dass sich jemand fragt: "Wo habe vielleicht ich eine Krise verursacht. Wo kann ich einen kleinen Beitrag zur Überwindung versuchen, wo kann ich einen ersten Schritt machen, wo kann oder soll ich mich ändern...? Noch vieles bewirkt das Bußsakrament in einer Krise: Wer sich selbst die Vergebung Gottes schenken lässt, der tut sich viel leichter, dem anderen zu vergeben. Die aufrichtige Beichte und Umkehr schenkt den Frieden der Seele; wer selber Frieden im Herzen hat, kann viel leichter Schritte zum Frieden setzen. "Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen" (Eph 4,26).

           

"Wir haben einander nichts mehr zu geben." Doch Gott hat uns Vieles zu geben, das uns hilft und Krisen überwindet und damit Eheleute zueinander sagen können: "Wir wollen es wieder miteinander versuchen. Amen.

 

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