197) Reihe Ehe im Plan Gottes 23): RECHTLICHE ANERKENNUNG GLEICHGESCHLECHTLICHER LEBENSGEMEINSCHAFTEN?

11. Sonntag im Jahreskreis 2016 - Reihe Ehe im Plan Gottes 23)

RECHTLICHE ANERKENNUNG GLEICHGESCHLECHTLICHER LEBENSGEMEINSCHAFTEN? - DIE STIMME DER KIRCHE

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Anmerkung: Die langen Zitate wurden in der Predigt nur zusammengefasst vermittelt. Sie sind für die persönliche Vertiefung, zum Nachlesen aus erster Quelle gedacht.

           

Das heutige Wort Gottes handelt vom Ehebruch und auch vom Erbarmen Gottes mit dem einzelnen Menschen, der diese Sünde begangen hat und bereut. Gott kann und will auch einen Ehebruch heilen, eine zerstörte Liebe wieder herstellen. König David war ein frommer König. Die Leidenschaft führte ihn zu einem unerlaubten Begehren, er begehrte die Frau seines Nächsten, das führte zum Ehebruch und daraus zu einem Mord. König David hat aufrichtig bereut und Gott hat ihm vergeben. Es rentiert sich, im 2. Buch Samuel darüber genauer nachzulesen.

           

Es gibt einen „Ehebruch“ eigener Art, dh einen Bruch mit der Wahrheit über die Ehe: Die staatliche Legalisierung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Das ist tatsächlich ein Bruch mit der Ehe im Plan Gottes. Die Kirche sieht darin eine Bedrohung des hohen Gutes der Ehe. In einigen Ländern ist diese Legalisierung bereits verbunden mit der Befähigung zur Adoption von Kindern. Hier haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das ein Katholik nicht neutral übergehen wird.

           

Unter dem Pontifikat von Johannes Paul II. hat das Lehramt der Kirche sehr klar Stellung bezogen. Das entsprechende Dokument trägt den Titel: ERWÄGUNGEN ZU DEN ENTWÜRFEN EINER RECHTLICHEN ANERKENNUNG DER LEBENS-GEMEINSCHAFTEN ZWISCHEN HOMOSEXUELLEN PERSONEN. Das Dokument wurde unter der Führung des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Josef Ratzinger, von Johannes Paul II. am 28. Mai 2003 approbiert. Wir wollen heute die Stimme der Kirche zu dieser Angelegenheit hören. Papst Franziskus lehrt übrigens dasselbe. Ein katholischer Christ soll eine klare Erkenntnis haben von der Würde der ehelichen Berufung und auch eine klare Erkenntnis von Lebensformen, die mit der Würde und Heiligkeit der Ehe nicht vereinbar sind. Wenn wir diese Erkenntnisse haben, werden wir uns auch zielstrebiger für die Würde der Ehe, für die Familie und für den Schutz der Kinder einsetzen können.

           

In der Einleitung des Dokumentes werden wir darauf hingewiesen, dass es in dieser Angelegenheit zunächst um die Einsicht der Vernunft geht, was wir gerne auch als „Hausverstand“ bezeichnen. Die Ehe betrifft das Naturgesetz. Das Naturgesetz besteht aus allgemeingültigen Grundsätzen, die der menschlichen Natur entsprechen. Das Naturgesetz wird mittels der Vernunft aus der menschlichen Natur abgeleitet. Alle staatlichen Gesetze müssten mit dem Naturgesetz übereinstimmen; das ist nicht immer der Fall. Das Naturgesetz ist allgemeingültig, unabhängig von Kultur oder Religion. Deshalb sind die Vernunftargumente der Glaubenskongregation in diesem Dokument nicht nur für die Gläubigen gedacht, sondern für „alle Menschen, die sich für die Förderung und den Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft einsetzen“ (aus der Einleitung).

           

Im ersten Hauptteil (I) verweist der Heilige Stuhl auf die Natur der Ehe und auf die unverzichtbaren Merkmale der Ehe, die dann von der Offenbarung bekräftigt wurden. Damit haben wir uns in Sonntagspredigten bereits intensiv auseinandergesetzt.

           

Dann wird zunächst allgemein die christliche Lehre über die Homosexualität in Erinnerung gerufen - aus Abschnitt 4:

           

"Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn bei den homosexuellen Handlungen bleibt « die Weitergabe des Lebens [...] beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen». "Homosexuelle Beziehungen werden «in der Heiligen Schrift als schwere Verirrungen verurteilt... (vgl. Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10). Dieses Urteil der Heiligen Schrift erlaubt zwar nicht den Schluss, dass alle, die an dieser Anomalie leiden, persönlich dafür verantwortlich sind, bezeugt aber, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind  ». Dieses moralische Urteil, das man bei vielen kirchlichen Schriftstellern der ersten Jahrhunderte findet, wurde von der katholischen Tradition einmütig angenommen. Nach der Lehre der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen «  mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen  ». Diese Personen sind wie die anderen Christen gerufen, ein keusches Leben zu führen. Aber die homosexuelle Neigung ist «  objektiv ungeordnet  », (Katechismus der Katholischen Kirche 2358) und homosexuelle Praktiken gehören «  zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen  » (Katechismus der Katholischen Kirche 2396).

           

Der dritte Hauptteil trägt die Überschrift: RATIONALE ARGUMENTE GEGEN DIE RECHTLICHE ANERKENNUNG HOMOSEXUELLER LEBENSGEMEINSCHAF- TEN.

           

Aus Abschnitt 6: „Um zu verstehen, weshalb es notwendig ist, sich in dieser Weise den Instanzen entgegenzustellen, die die Legalisierung der homosexuellen Lebensgemeinschaften anstreben, bedarf es einiger spezifischer ethischer Erwägungen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegen.“

           

In Bezug auf die rechte Vernunft

           

Aus Abschnitt 6: „Gesetzgebungen zu Gunsten der homosexuellen Lebensgemeinschaften widersprechen der rechten Vernunft, weil sie der Lebensgemeinschaft zwischen zwei Personen desselben Geschlechts rechtliche

Garantien verleihen, die jenen der ehelichen Institution analog sind. In Anbetracht der Werte, die auf dem Spiel stehen, könnte der Staat diese Lebensgemeinschaften nicht legalisieren, ohne die Pflicht zu vernachlässigen, eine für das Gemeinwohl so wesentliche Einrichtung zu fördern und zu schützen, wie es die Ehe ist.“

           

„Man kann sich fragen, wie ein Gesetz dem Gemeinwohl widersprechen kann, das niemandem eine besondere Verhaltensweise auferlegt, sondern sich darauf beschränkt, eine faktische Gegebenheit zu legalisieren, die dem Anschein nach niemandem Unrecht zufügt. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, vor allem den Unterschied zu bedenken zwischen dem homosexuellen Verhalten als einem privaten Phänomen und demselben Verhalten als einer im Gesetz vorgesehenen und gebilligten sozialen Beziehung, aus der man eine der Institutionen der Rechtsordnung machen möchte. Das zweite Phänomen ist nicht nur schwerwiegender, sondern hat eine sehr umfassende und tiefgehende Tragweite und würde die gesamte soziale Struktur in einer Weise verändern, die dem Gemeinwohl widerspräche. Staatliche Gesetze sind Strukturprinzipien des Lebens der Menschen in der Gesellschaft, zum Guten oder zum Bösen. Sie spielen «  eine sehr wichtige und manchmal entscheidende Rolle bei der Förderung einer Denkweise und einer Gewohnheit  ». (14) Lebensformen und darin sich ausdrückende Modelle gestalten das gesellschaftliche Leben nicht nur äußerlich, sondern neigen dazu, bei den jungen Generationen das Verständnis und die Bewertung der Verhaltensweisen zu verändern. Die Legalisierung von homosexuellen Lebensgemeinschaften würde deshalb dazu führen, dass das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde.“

           

In biologischer und anthropologischer Hinsicht

           

Aus Abschnitt 7: "Den homosexuellen Lebensgemeinschaften fehlen ganz und gar die biologischen und anthropologischen Faktoren der Ehe und der Familie, die vernünftigerweise eine rechtliche Anerkennung solcher Lebensgemeinschaften begründen könnten. Sie sind nicht in der Lage, auf angemessene Weise die Fortpflanzung und den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten.[ …] Den homosexuellen Lebensgemeinschaften fehlt auch gänzlich die eheliche Dimension, welche die menschliche und geordnete Form der geschlechtlichen Beziehungen ausmacht. Sexuelle Beziehungen sind menschlich, wenn und insoweit sie die gegenseitige Hilfe der Geschlechter in der Ehe ausdrücken und fördern und für die Weitergabe des Lebens offen bleiben."

           

"Wie die Erfahrung zeigt, schafft das Fehlen der geschlechtlichen Bipolarität Hindernisse für die normale Entwicklung der Kinder, die eventuell in solche Lebensgemeinschaften eingefügt werden. Ihnen fehlt die Erfahrung der Mutterschaft oder der Vaterschaft. Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch, diesen Kindern Gewalt anzutun in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwerwiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist. Demgemäß ist das oberste zu schützende Interesse in jedem Fall das Interesse des Kindes, das den schwächeren und schutzlosen Teil ausmacht."

           

In sozialer Hinsicht

           

Aus Abschnitt 8: „Wenn die Ehe zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts in rechtlicher Hinsicht nur als eine mögliche Form der Ehe betrachtet würde, brächte dies eine radikale Veränderung des Begriffs der Ehe zum schweren Schaden für das Gemeinwohl mit sich. Wenn der Staat die homosexuelle Lebensgemeinschaft auf eine rechtliche Ebene stellt, die jener der Ehe und Familie analog ist, handelt er willkürlich und tritt in Widerspruch zu seinen eigenen Verpflichtungen."

           

„Um die Legalisierung der homosexuellen Lebensgemeinschaften zu stützen, kann man sich nicht auf das Prinzip der Achtung und der Nicht-Diskriminierung jeder Person berufen. Eine Unterscheidung unter Personen oder die Ablehnung einer sozialen Anerkennung oder Leistung sind nämlich nur dann unannehmbar, wenn sie der Gerechtigkeit widersprechen.(16) Wenn man den Lebensformen, die weder ehelich sind noch sein können, den sozialen und rechtlichen Status der Ehe nicht zuerkennt, widerspricht dies nicht der Gerechtigkeit, sondern wird im Gegenteil von ihr gefordert.“

           

„Auch auf das Prinzip der rechten persönlichen Autonomie kann man sich vernünftigerweise nicht berufen. Eine Sache ist es, dass die einzelnen Bürger frei Tätigkeiten ausüben können, für die sie Interesse hegen, und dass diese Tätigkeiten im Großen und Ganzen in den allgemeinen bürgerlichen Freiheitsrechten Platz haben. Eine ganz andere Sache ist es, dass Tätigkeiten, die für die Entwicklung der Person und der Gesellschaft keinen bedeutsamen, positiven Beitrag darstellen, vom Staat eine eigene qualifizierte rechtliche Anerkennung erhalten. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften erfüllen auch nicht in einem weiteren analogen Sinn die Aufgaben, deretwegen Ehe und Familie eine eigene qualifizierte Anerkennung verdienen. Es gibt jedoch gute Gründe zur Annahme, dass diese Lebensgemeinschaften für die gesunde Entwicklung der menschlichen Gesellschaft schädlich sind, vor allem wenn ihr tatsächlicher Einfluss auf das soziale Gewebe zunehmen würde.“

           

Im vierten Teil geht es um VERHALTENSWEISEN DER KATHOLISCHEN POLITIKER IN BEZUG AUF GESETZGEBUNGEN ZU GUNSTEN HOMOSEXUELLER LEBENSGEMEINSCHAFTEN

           

Aus Abschnitt 10: „Wenn alle Gläubigen verpflichtet sind, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben, dann sind es die katholischen Politiker in besonderer Weise, und zwar auf der Ebene der Verantwortung, die ihnen eigen ist.“

           

"Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzesentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzesentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung."

           

"Wenn ein Gesetz zu Gunsten homosexueller Lebensgemeinschaften schon in Kraft ist, muss der katholische Parlamentarier auf die ihm mögliche Art und Weise dagegen Einspruch erheben und seinen Widerstand öffentlich kundtun: Es handelt sich hier um die Pflicht, für die Wahrheit Zeugnis zu geben."

           

Das SCHLUSSWORT des Dokuments - Abschnitt 11:

           

„Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.“

           

 

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