196) Herz Jesu Sonntag 2016: GLAUBT IHR NICHT, SO BLEIBT IHR NICHT

Herz Jesu Sonntag 2016

„GLAUBT IHR NICHT, SO BLEIBT IHR NICHT" (Jes 5,7)

TREUE IM GLAUBEN EINST UND HEUTE

           

Das Symbol des Herzens Jesu ist eine Zusammenfassung des gesamten katholischen Glaubens: Der Dreifaltige Gott der Liebe, die Menschwerdung Gottes, das Geheimnis der Sünder, die Erlösung durch das Kreuzesopfer Christi, das offene Herz Christi für uns Menschen, die Berufung zur Liebe.

           

Zur Zeit des Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnisses war unseren Vorfahren dieser katholische Glaube wichtig. Der Glaube war damals bedroht durch Krieg von außen (französische Revolutionsarmee unter Napoleon Bonaparte), aber auch durch den Geist der Aufklärung. Damit war auch die Heimat bedroht. Die Nachrichten über die Terrorereignisse der französischen Revolution versetzten ganz Europa in Angst und Schrecken. Das Herz-Jesu-Gelöbnis der Tiroler Landstände vom 3. Juni 1796 in Bozen war ein Hilfeschrei zu Christus. Ein Jahr später wurde es bereits in allen Pfarreien des damaligen historischen Tirol feierlich begangen. Die unmittelbare Kriegsgefahr wurde damals zunächst abgewendet. Die napoleonischen Kriege nicht lange danach waren eine weitere Bedrohung. Auch 1809 hat man, geistig gesehen, die Zuflucht vor allem zum Herzen Jesu genommen.

           

Was kann dieses Fest für uns heute bedeuten? Die Verteidigung der Heimat, die heute von katholischen Christen gefordert ist, ist natürlich von anderer Art als zur Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe. Es gibt Kriege in vielen Ländern, Hunger, Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. In der eigenen Heimat sind Grundwerte bedroht. Beispielhaft wollen wir uns nur einiges kurz vor Augen führen:

           

Bedroht ist der Wert des menschlichen Lebens als Solches. Wir haben Parteien und Parteiprogramme, in denen die ungeborenen Kinder nicht mehr geschützt sind. Ein "Recht auf Abtreibung" wird von manchen eingefordert. Der nächste Schritt in dieser Entwicklung lässt sich vorhersehen. Pränatale Untersuchungen zeigen behinderte Kinder an. Die Sorge ist nicht unbegründet, dass der Staat Eltern zwingt, behinderte Kinder abzutreiben.

           

Bedroht sind unsere Sonn- und Feiertage, und damit eine ganze Kultur, die aus dem christlichen Sonntag und den Feiertagen herausgewachsen ist. Unabhängig von der Glaubensdimension gesehen: Ohne Sonn- und Feiertage wird der Mensch ein Sklave der Arbeit, der Wirtschaft... Was geschieht mit den Familien, die am Sonntag nicht mehr beisammen sein können, weil irgendjemand immer arbeiten muss? Wir dürfen in Österreich später einmal nicht hohe Politiker verantwortlich machen, wenn Gesetze kommen, die den Sonn- und Feiertag abschaffen. Die Menschen selbst sind jetzt schon dabei, den Sonntag und die Feiertage abzuschaffen, weil sie von sehr vielen nicht mehr beachtet werden. Im Durchschnitt feiern in Österreich noch 5 % der Katholiken den Sonntagsgottesdienst mit. Wenn wir Christen das Sonntagsgebot nicht halten, ist die Sorge nicht unbegründet, dass eine Zeit kommt, in der in Ländern Europas der Sonntag von einem Feiertag einer anderen Religionsgemeinschaft abgelöst wird.

           

Bedroht ist in unserem Land auch der katholische Glaube. Es werden zwar noch äußerlich ein paar Feiertage gehalten, so wie heute. Doch der Abstand vom katholischen Glauben ist allgemein doch sehr groß geworden. Wir erkennen das besonders an der Einstellung zum allerheiligsten Altarssakrament und zum Ehesakrament. Das, was vielen unserer Vorfahren heilig war, wird heute von vielen Getauften gleichgültig liegen gelassen. ZB das Wort Gottes, der Katechismus, die Sonntagsmesse, die Sakramente, das Heilige usw. Die letzte Bundespräsidentenwahl hat deutlich gezeigt, wie viele Menschen in Österreich denken. Die Politik ist manchmal auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wer eine Partei wählt, die die Abtreibung propagiert, zeigt damit, dass er kein christliches Denken mehr hat. Die Abtreibung ist eine schwere Sünde. Die Kirche hat Katholiken, die eine Abtreibung durchführen, daran mitwirken oder dazu raten, mit der Strafe der Exkommunikation belegt.

           

Das Leben hat vom Schöpfergott seine Ordnung und Gesetze erhalten. Wenn wir gegen die Ordnung der Natur angehen, zB sie vergiften, haben wir die Folgen zu tragen. Wenn wir gegen die Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Lebens angehen, zB die Gesundheit schädigen, haben wir die Folgen zu tragen. Wenn wir gegen die Gesetze des Himmels sündigen, haben wir die Folgen zu tragen.

           

Wir leben nicht im Jahr 1796. Die damaligen Katholiken Tirols haben ihr Glaubenszeugnis gegeben. Was ist uns heute wichtig? Welche Werte wollen wir verteidigen? Wir erneuern heute das Herz-Jesu-Gelöbnis. So ohne weiteres können wir das Bundeslied nicht singen: "Drum geloben wir aufs neue, Jesu Herz dir ewige Treue!" Fragen wir uns, ganz persönlich: Habe ich eine christlich-katholische Lebenshaltung? Will ich mein Leben auf der Grundlage der 10 Gebote Gottes und der Lehre Christi bauen, auf die Kirche, auf den Sakramenten, auf der Sonntagsheiligung? Will ich meinen Glauben öffentlich bezeugen, auch wenn ich Gegenwind erfahre, mich für den Glauben und die Kirche einsetzen? Unsere Vorfahren hatten diesen festen Willen. Das Herz-Jesu-Gelöbnis ist ein einzigartiges und schönes Zeugnis dafür.

           

Beim Propheten Jesaja finden wir das Wort Gottes: "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht" (Jes 7,9). Damals, im 8. Jh. vor Christus, war Jerusalem in großer Kriegsgefahr, dh in der Existenz bedroht. Der Prophet Jesaja sollte das Volk Israel ermutigen zum Glauben an Gott. Jesaja durfte verheißen, dass durch den lebendigen gelebten Glauben an Jahwe diese Not überwunden werden wird. "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht" war auch eine Warnung: Wenn ihr nicht an Gott glaubt, mit eurem Leben aufrichtig glaubt, dann werdet ihr zugrunde gehen.

           

"Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!" Dieses Wort ist immer aktuell, auch für uns heute: Wenn wir nicht aufrichtig unseren Glauben leben, uns bemühen, Gottes Gebote und der Kirche treu zu sein, hat eine Gesellschaft keine Zukunft, auch nicht die Kirche in einem Land, mag sie noch so viel Papier drucken und Diskussionen führen. Natürlich werden in der Gesellschaft viele menschliche Taten gesetzt, zB auf der Ebene der Beziehungen, auf der Ebene der Wirtschaft usw. Doch was nicht durch den Glauben auf Gott gebaut ist, hat keinen bleibenden Wert für das Ewige Leben.

           

"Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht." Wir dürfen es umgekehrt auch als eine Verheißung sehen: "Wenn ihr glaubt, so werdet ihr bleiben!" Was wir auf den Glauben bauen, wird vom Herrgott gesegnet, es hat Bestand, es trägt Frucht für die Ewigkeit. Die Entwicklungen, die auf Europa zukommen, werden wahrscheinlich nicht einfach sein. Doch dürfen wir überzeugt sein, dass alle Treue im Glauben uns nicht nur selbst für das eigene Leben Bestand verleiht, sondern sich auch segensreich auf die Gesellschaft auswirkt.

           

Sehen wir das Herz Jesu Fest als eine Einladung des Herrn an, unser Leben wieder neu auf das sichere Fundament des Glaubens zu stellen, uns an die Güte Christi zu binden. Das Herz Jesu ist die Quelle der Göttlichen Barmherzigkeit, die der Herr am Kreuz für uns geöffnet hat. Diese Quelle fließt im Besonderen im Sakrament der Buße. Der Zugang zum Erbarmen Gottes geschieht durch Glaube und aufrichtige Umkehr.

           

Heiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser, wir vertrauen auf Dich. Amen.

 

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