194) Fronleichnam 2016: DIE MENSCHEN VERKOMMEN, WENN SIE KEINE FEIERTAGSKLEIDER MEHR TRAGEN

Hochfest Fronleichnam 2016

„DIE MENSCHEN VERKOMMEN,

WENN SIE KEINE FEIERTAGSKLEIDER MEHR TRAGEN"

ÜBER DIE BEDEUTUNG DER FEIERTAGE

           

Es gibt es mehrere Feiertage, deren Namen ähnlich lauten, doch verschiedenen Inhalte haben. Jemand von euch hat mich gebeten, dieses Thema einmal anzusprechen. Heute ist dazu ein passender Anlass.

           

Den Anfang dieser Feste macht das Kirchweihfest. Das Kirchweihfest ist der Jahrestag der Weihe eines Gotteshauses. Unser Gotteshaus wurde am 2. September 1792 vom Füstbischof von Brixen, Karl Franz von Lodron, geweiht. Die Weihe hat dieses Gebäude zum eigentlichen Gotteshaus gemacht, es wurde allen weltlichen Feiern entzogen und zum eigentlichen Gotteshaus gemacht. Die Weihe reserviert diesen Ort ausschließlich für das Heilige, dh für die Verkündigung des Wortes Gottes, die Sakramente und das Gebet. Diesen Weihetag feiern wir jedes Jahr als Hochfest der Pfarrkirche, an einem Sonntag nahe dem 2. September.

           

Bei der Kirchweihe erhält jedes Gotteshaus einen Heiligen als Schutzpatron. Eine Kirche kann auch einer der drei göttlichen Personen oder einem Glaubensgeheimnis geweiht sein. Das Fest des Schutzpatrons nennen wir das Patrozinium, das Namensfest des Gotteshauses. Der Schutzpatron, den wir erhalten haben, ist die Mater Dolorosa, die Schmerzhafte Muttergottes. Wahrscheinlich haben die Gläubigen damals diesen Wunsch gehabt. Das Patrozinium der Mater Dolorosa lässt vermuten, dass die damalige Bevölkerung unter Armut zu leiden hatte. Bei den Schmerzen der Muttergottes haben die Menschen Trost gefunden. Unser Patrozinium ist am Freitag vor dem Palmsonntag. Es ist trotz Fastenzeit ein Hochfest der Pfarrkirche.

           

Manche Sonn- oder Feiertage sind Prozessionsfeiertage. Das Besondere dieser Feiertage ist die Sakramentsprozession, eine Prozession, in der das Allerheiligste Altarssakrament mitgetragen wird, so wie heute an Fronleichnam. Die Tage der Sakramentsprozessionen wurden von unseren Vorfahren mit größter Feierlichkeit begangen. Auch in katholischen Pfarren anderen Länder und Kulturen ist das so. Äußerlich wurde oder wird alles aufgewendet, was an Schönheit möglich ist: Kostbare Monstranzen, bestickte Traghimmel, Fahnen, Statuen, schöne Volkstrachten. In manchen Pfarreien Südtirols, zB in Kastelruth, gibt es heute noch für die Frauen und Jungfrauen besondere Trachten, die nur zum Gottesdienst und zur Sakramentsprozession getragen werden.

           

Es ist sehr schön, wenn bei der Sakramentsprozession unsere würdigen Volkstrachten getragen werden. Die Trachten sind Ausdruck der Feierlichkeit, dass wir einen kirchlichen Feiertag auch äußerlich zur Ehre Gottes schön begehen. Die Trachten drücken auch die geistigen Werte unserer Vorfahren aus: zB die Sonntagsheiligung. Die Frauentrachten kommen aus einer Zeit, wo man für die Sonntagsmessen eigens eine besondere Tracht angezogen hat. Eine Tracht drückt die Würde der Frau aus, den Wert der Keuschheit und Reinheit. Trotz all dem ist eine Sakramentsprozession natürlich kein Trachtenumzug. Es kann auch jede Frau mitgehen, die keine Tracht trägt, und sie kann auch bei den Trachtenfrauen mitgehen. Bei Trachtenumzügen sieht man, wie die Teilnehmer die Hände in die Hüften stützen, sich und ihre Trachten präsentieren. Dort ist das passend. Bei der Sakramentsprozession präsentieren wir uns nicht. Wir tun etwas anderes: Wir geben ein Zeugnis für Christus, für den Sohn Gottes, gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament des Altares. Wenn wir nicht etwas in der Hand tragen, falten die Hände zum Gebet und beten. Das ist eine Sakramentsprozession im Unterschied zu einem Umzug. Wo wir eine Prozession im Geist des Glaubens begehen, legt sich das Heilige über uns, ein Glanz des Himmel. Und wir spüren auch, dass wir in der Prozession mit dem Herrn gehen, ihm danken, ihn bitten, ihn anbeten. Was jeder einzelne tut und einbringt, auch in den Vereinen, das ist eingebunden in das heilige Schreiten mit Christus, ein blicken auf Christus, der im Zeichen des Kreuzes ganz vorne vorangetragen wird. So ist die Prozession ein Bild der Kirche, ein Bild für den Pilgerweg des Glaubens, den wir als Kirche durch diese vergängliche Welt gehen, der Ewigkeit entgegen.

           

Aus diesen kirchlichen Feiertagen heraus entstand der sogenannte Kirchtag. Der Kirchtag ist nicht an das Patrozinium und nicht an das Kirchweifest gebunden. Der Kirchtag war oder ist ein Tag des Volkstums, meist im Sommer, bei uns, wie ihr wisst, am Herz-Jesu-Sonntag. Beim Kirchtag wurde zB gern zum Volkstanz aufgespielt, es wurde gesungen, die Menschen in einem Dorf haben sich Zeit genommen zum Beisammensein. Es gab keinen Kirchtag ohne Kirche, ohne vorausgehende Heilige Messe. Hinter dem Kirchtag steht das Bewusstsein, dass das gemeinsame Beten die Menschen verbindet. Wo man nicht mehr gemeinsam betet, gibt es auch keine wahre Gemeinschaft mehr.

           

Es gibt den Spruch: "Die Menschen verkommen, wenn sie keine Feiertagskleider mehr tragen." Ohne die kirchlichen Feiertage, ohne den Urfeiertag, den Sonntag, verkommen wir Menschen, wir verlieren uns im Irdischen und Materiellen, unsere menschlichen Beziehungen werden oberflächlich, werden gefährdet, können leicht zerbrechen.

           

Umgekehrt gesehen: Wenn wir Feiertagskleider tragen, wenn wir die kirchlichen Feiertage und den Sonntag äußerlich und auch innerlich begehen, heiligen uns diese Tage. Die Feiertage lenken uns zu Gott, vermitteln uns die höheren und Geistigen Werte des Lebens, die wir im Leben brauchen, verbinden uns untereinander.

           

An den vier Altären hören wir beim Segen die Worte: "Mit himmlischem Segen sei gesegnet dieser Ort und alle, die hier wohnen, " mit gemeint sind auch alle, die hier gekommen und mit uns feiern, "die Früchte der Erde, die Werke unseres Geistes und unserer Hände." Das wünsche ich euch von Herzen, dass dieses Hl. Messopfer und die Fronleichnamsprozession euch alle, und alle, für die wir beten, mit himmlischem Segen erfüllt. Dass Gottes Segen uns mit Gott verbindet, uns hilft in allen unseren Anliegen. Amen.

 

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