193) Hochfest der Allerheiligten Dreifaltigkeit 2016: DARUM BETEN WIR AN - ANBETUNG ALS GRUNDHALTUNG

Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit 2016

"SO BETEN WIR AN" (PRÄFATION)

DIE ANBETUNG GOTTES ALS GRUNDHALTUNG DES MENSCHEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Das gesamte Alte Testament spricht vom Vater und verheißt den Sohn. Christus spricht oft vom Vater. Er selbst ist der Sohn. Er verkündet den Heiligen Geist, den der Vater und Er senden werden. Christus hat den zwölf Aposteln das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit als Glaubensgeheimnis geoffenbart.

           

Das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit liegt uns näher, als wir vielleicht meinen. Es gehört zum Wesen der Liebe, dass sie sich schenken und mitteilen will. Ein Mensch für sich allein kann nicht in die Beziehung der Liebe treten; zum Lieben braucht es mindestens zwei Personen. Die menschliche Fähigkeit zu lieben - wir denken dabei besonders an die Ehe - verweist uns auf Gott. Da Gott die Liebe ist, muss es in Gott einen Austausch der Liebe geben. Zum Geheimnis Gottes gehört die innergöttliche schenkende und empfangende Liebe der drei Göttlichen Personen. Ein Gott in drei Personen. Im Wesen und im Wirken Eins.

           

Die Kirche hat das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zwar in vernunftgemäße Begriffe gefasst, doch sie hat es immer als Geheimnis verehrt und hochgehalten, das uns ganz und gar übersteigt. Könnten wir Gott begreifen, wären wir ja größer als Gott. Angesichts dieses unaussprechlichen Geheimnisses Gottes bekennt die Kirche in der Dreifaltigkeits-Präfation schlicht und einfach: "Darum beten wir an!" Vor dem Geheimnis Gottes können wir nur niederknien und anbeten, staunen und uns freuen. Die Anbetung Gottes ist eine Antwort auf die Offenbarung der Dreifaltigen Liebe Gottes. Die Anbetung ist uns deshalb sozusagen uns ins Blut geschrieben. Der heutige Feiertag verweist uns auf die Tugend der Anbetung Gottes. Die Kirche gibt uns eine wertvolle spirituelle Erschließung der Anbetung. Dazu einige Impulse aus dem Katechismus der Katholischen Kirche. Es ist sicher für jeden etwas dabei.

           

- Wer Gott anbetet, erkennt nicht nur allgemein an, dass es "irgendetwas" schon geben muss, irgendein "höchstes Wesen" (französische Revolution) gibt, oder dass Gott allgemein existiert. Das alles ist zu wenig.

- Anbetung bedeutet leben im Bewusstsein, dass Gott auch mein Schöpfer und mein Erlöser ist. Es ist ein persönlicher Bezug gegeben.

- Anbetung bedeutet anerkennen, dass Gott Herr und Meister von allem ist. Gott leitet das Geschick der Welt, nicht irgendwelche Verschwörer. Wer Gott anbetet, will sich auch in seinem konkreten Leben von Gott führen und leiten lassen. Firmlingen und Jugendlichen sage ich gerne: Lasst euer Leben durch die Sonntagsmesse und die persönliche Beichte von Christus leiten.

- Wer Gott anbetet, kann und will vertrauen, dass Gott unendliche und barmherzige Liebe ist, die es gut mit uns und mit mir meint.

- In Ehrfrucht und absoluter Unterwerfung die Nichtigkeit des Geschöpfes anerkennen. Wer Gott anbetet, ist sich bewusst: Aus mir selbst bin ich nichts und vermag ich nichts. Ohne Gott und seine Gnade bin ich verloren. Mein Dasein und alles, was ich bin und habe, verdanke ich Gott.

- Wie Maria im Magnificat Gott loben und preisen. Das tun wir in der feierlichen Liturgie der Kirche und auch im stillen persönlichen Lobpreis.

- Sich vor Gott demütigen. Das meint nicht, sich selber schlecht machen. Sich demütigen meint, sich in der Wahrheit Gottes sehen, vor Gott ein Kind sein, mit einem schlichten Herzen, vor Gott knien können. Der Teufel kann und will nicht knien!

- Dankbar anerkennen, dass Gott Großes getan hat. Die großen Werke Gottes sind die Schöpfung und die Erlösung. Die Kirche dankt dafür in jeder Sonntagsliturgie. Die Sonntagsmesse können wir auch zum persönlichen Danken machen für alles, was Gott in unserem Leben Großes, Schönes, Gnadenvolles, Barmherziges, Wundervolles... getan hat.

- Anerkennen, dass Gottes Name heilig ist. Das bedeutet, die Transzendenz Gottes anerkennen, das Geheimnis Gottes, das Heilige heilig halten, kein Sakrileg begehen...

           

Das alles ist mit Anbetung gemeint. Wir merken: Hier geht es um eine Grundhaltung des Menschen überhaupt. Wir können auch sagen: In der Anbetung geht es um eine Grundeinstellung zum Leben.

           

Wenn wir Menschen Gott nicht anbeten, beten wir jemand oder etwas anderes an, bewusst oder unbewusst. Wo Gott vom Menschen nicht mehr angebetet wird, gerät alles aus den Fugen, es kommt alles durcheinander.

           

Der Katechismus spricht dann noch von der Frucht der Anbetung, was Gott uns schenkt, wenn wir ihn anbeten:

           

"Die Anbetung des einzigen Gottes befreit den Menschen von der Selbstbezogenheit, von der Sklaverei der Sünde und der Vergötzung der Welt." (KKK 2097)

           

Die Anbetung befreit von der Selbstbezogenheit, der Ichbezogenheit. Wer sich dem DU Gottes zuwendet, wird ein innerlich freier Mensch, wird von der Sünde frei, von der Vergötzung der Welt. Der Geist des Diesseits, des Materialismus ist sehr stark. Allgemein sind die Einflüsse, die den Glauben bedrohen, sehr stark, bis in den Bereich des Dämonischen. Auch deshalb ist die Anbetung Gottes so dringlich.

           

SO BETEN WIR AN. Schließen wir uns dieser Erkenntnis der Kirche an. Beten auch wir gerne Gott an. Beten wir Gott an mit unserem Leben. Damit uns das gelingt, hilft uns das Hl. Messopfer als höchster Akt der Anbetung, die Eucharistische Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Denken wir auch an eine bewusst vollzogene Kniebeuge in der Kirche, um Gott anzubeten. Wenn etwas Schweres oder Mühsames von uns verlangt ist, können wir auch einen Akt der Anbetung Gottes setzen, zB: "Herr, das tue ich aus Liebe zu Dir, um Dich als meinen Schöpfer und Erlöser anzubeten.

           

Dreifaltiger Gott der Liebe, Vater, Sohn und Heiliger Geist, wir beten dich an und danken Dir. Amen.

           

Quellenangabe - Ergänzung zum persönlichen Vertiefung

Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 2096 und 2097:

           

"Der erste Akt der Tugend der Gottesverehrung ist die Anbetung. Gott anbeten heißt, ihn als Gott, als den Schöpfer und Retter, den Herrn und Meister von allem, was ist, als unendliche und barmherzige Liebe anzuerkennen. Jesus beruft sich auf das Buch Deuteronomium 1 und sagt: <Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen> (Lk 4,8)."

           

           

"Gott anbeten heißt, in Ehrfurcht und absoluter Unterwerfung die <Nichtigkeit des Geschöpfs> anzuerkennen, welches einzig Gott sein Dasein verdankt. Gott anbeten heißt, wie Maria im Magnificat ihn zu loben, ihn zu preisen und sich selbst zu demütigen, indem man dankbar anerkennt, daß er Großes getan hat und daß sein Name heilig ist [Vgl. Lk 1,46-49]."

           

 

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