188) 3. Sonntag der Osterzeit 2016: Reihe Ehe im Plan Gottes 19): STELLENWERT DER ZIVILEN TRAUUNG

3. Sonntag der Osterzeit 2016

Reihe Ehe im Plan Gottes 19)

„FOLGE MIR NACH“ (Joh 21,19)

STELLENWERT EINER NUR ZIVILEN TRAUUNG VON KATHOLIKEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Nach der österlichen Begegnung am See Genezareth sagt der Herr zu Petrus. „Folge mir nach!“ Nach der dreimaligen Verleugnung vom Gründonnerstag und den Osterereignissen war das eine neue Bekräftigung seiner Apostel-Berufung. „Folge mir nach“! Der Gedanke ist uns vielleicht ungewohnt: Auch jedem christlichen Ehemann und jeder christlichen Ehefrau sagt der Herr dieses Wort: "Folge mir nach!" Die Berufung des Petrus und auch die christlich/katholische Ehe ist eine Berufung zur Christusnachfolge. Dabei ist die Ehe nicht weniger heilig als die priesterliche Berufung des Petrus. Das Besondere der ehelichen Berufung: Es ist eine Berufung zweier Menschen zu einem Leben in Einheit. Die Quelle dieser Einheit ist Christus selbst. Er ist der Dritte im Bund. Ein christlich-katholisches Ehepaar hat die Ehre, ein Abbild des Neuen Bundes zu sein, ein Abbild der unwiderruflichen Liebe Christi zu uns Menschen, ein Zeichen seiner Gegenwart unter uns. Die Ehe ist ein österliches Sakrament, in das Christus den neuen Wein der erlösten und neuen Liebe gelegt hat. „Folge mir nach“!

           

Das österliche Licht lässt uns auch das erkennen, was im Bereich der Ehe nicht dem Plan Gottes entspricht, die sogenannten irregulären Situationen. Zu den irregulären Situationen zählt auch die nur zivile Trauung von Katholiken. Der hl. Papst Johannes Paul II. lehrt darüber in FAMILIARIS CONSORTIO (Abschnitt 82) folgendes:

           

Immer häufiger gibt es Katholiken, die es aus weltanschaulichen oder praktischen Gründen vorziehen, nur eine Zivilehe einzugehen, während sie die kirchliche Eheschließung ablehnen oder wenigstens hinausschieben. Diese Situation kann nicht ohne weiteres mit der jener gleichgesetzt werden, die ohne jede offizielle Bindung zusammenleben; denn hier findet sich wenigstens eine bestimmte Verpflichtung zu einem fest umschriebenen und wahrscheinlich dauerhaften Lebensstand, wenn auch mit einem solchen Schritt oft der Blick auf eine eventuelle Scheidung verbunden ist. Indem solche Paare die öffentliche Anerkennung ihrer Bindung durch den Staat suchen, zeigen sie sich bereit, mit den Vorteilen auch die Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Trotzdem ist auch diese Situation für die Kirche unannehmbar.

           

In wenigen Sätzen spricht Johannes Paul II. hier einiges an:

           

Johannes Paul II. erkennt an, dass eine rein zivile Trauung moralisch anders zu beurteilen ist als die Situation jener Paare, die ohne jede Verpflichtung zusammenleben. Wer standesamtlich heiratet, nimmt doch gewisse Verpflichtungen auf sich.

           

Trotz der Anerkennung gewisser Werte einer reinen Ziviltrauung ist für die Kirche, also für uns Katholiken, eine reine Ziviltrauung unannehmbar, wie Johannes Paul II. sich ausdrückt. Das ist eine sehr deutliche Aussage. Johannes Paul II. lehrt hier nichts Neues. Das ist die allgemeine Ehelehre der Kirche.

           

Wir wollen die Frage so stellen: Warum ist eine reine Ziviltrauung für uns Katholiken zu wenig? Es gelten die gleichen Argumente, die Johannes Paul II. für die „Ehe auf Probe“ und die „freien Verbindungen“ anführt. Sie brauchen hier nicht wiederholt zu werden. Vom heutigen Evangelium her – „Folge mir nach!“ können wir sagen: Der Empfang des Ehesakramentes bedeutet für die Brautleute auch ein JA zur Ehe als Berufung zur Christusnachfolge, das Eintreten eines Brautpaares in die Ehe im Herrn, wie Paulus sagt. Das ist mit der Ziviltrauung nicht ohne weiteres gegeben.

           

Noch etwas muss sehr deutlich gesagt werden: Das Eheverständnis unserer heutigen Staaten deckt sich nicht mit unserem christlich-katholischen Eheverständnis. Für den Staat ist die Ehe ein Vertrag, vor allem zur Regelung der vermögensrechtlichen Belange. Das ist natürlich nicht unwichtig, doch gehört das für uns nicht zum Wesen der Ehe. Die drei wesentlichen Inhalte der christlich-katholischen Ehe werden vom Staat nicht vertreten. Konkret: Der Staat hat die Einheit der Ehe aufgegeben, die Ehe ist nicht mehr ausschließlich eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau. Für den Staat ist die Ehe nicht mehr unauflöslich, sondern eben trennbar, es gibt die Scheidung. Für den Staat ist die Ehe nicht mehr gebunden an die Weitergabe des Lebens. Die Kirche kann eine rein zivile Trauung von Katholiken nicht anerkennen, weil mit einer rein zivilen Trauung die Inhalte der christlich/katholischen Ehe nicht mehr gegeben sind. Es ist wichtig, das zu verstehen.

           

Johannes Paul II. sagt abschließend zu diesem Punkt in FAMILIARIS CONSORTIO:

           

Die Pastoral wird die Notwendigkeit einer Übereinstimmung zwischen der Lebenswahl und dem Glauben, den man bekennt, verständlich zu machen suchen und möglichst bemüht sein, diese Menschen dahin zu bringen, ihre eigene Situation im Licht christlicher Grundsätze in Ordnung zu bringen. Obwohl man ihnen mit viel Liebe begegnen und sie zur Teilnahme am Leben ihrer Gemeinden einladen wird, können sie von den Hirten der Kirche leider nicht zu den Sakramenten zugelassen werden.

           

Was ist uns hier gesagt?

           

Glaube und Leben gehören zusammen. Wenn jemand sagt: "Ich bin ein Christ!" Dann muss derjenige auch bemüht sein, seine Lebensführung christlich zu gestalten, nach den christlichen Grundsätzen. Das gilt auch für die Ehe. Wenn wir da und dort Schwierigkeiten haben, hilft uns das Erbarmen Gottes. Helfen wir uns auch gegenseitig, christlich zu leben. Doch geben wir die christlichen Grundsätze nicht auf.

           

Die Seelsorge ist aufgerufen, die Unordnung im Bereich der Ehe aufzuklären. Es wird helfen, die irregulären Ehesituationen zu thematisieren, auch in den Familien. Die Seelsorger sollen Hilfestellungen geben, damit Katholiken irregulär Ehesituationen überwinden, und das Leben nach den Grundsätzen des Glaubens in Ordnung bringen. Mit einfachen Worten: Wer kirchlich heiraten kann, wer dazu frei ist, der soll in Gottvertrauen diesen Schritt tun. Das Ehesakrament ist ein großes Geschenk des Herrn.

           

Johannes Paul II. zeigt auch die allgemeine Sakramentenordnung der Kirche auf: Katholiken die nur zivil getraut sind, können nicht zu den Sakramenten gehen, dh auch nicht zur Heiligen Kommunion. Eine einfache Erklärung: Man kann nicht JA sagen zu Christus in der Heiligen Kommunion und gleichzeitig NEIN sagen zu Christus im Ehesakrament. Das ist ein Widerspruch.

           

"Folge mir nach!" Beten wir, dass Priester, Eheleute und wir alle immer mehr Christus nachfolgen. Amen.

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