186) Gründonnerstag 2016: IN DIE BLUTSVERWANDTSCHAFT MTI CHRISTUS EINTRETEN

"DIESER KELCH IST DER NEUE BUND IN MEINEM BLUT" (1 Kor 11, 25)

IN DIE BLUTSVERWANDSCHAFT MIT JESUS CHRISTUS EINTRETEN

Predigt von Pf. Stephan Müller bei der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, 24.3.2016

           

Der hl. Apostel Paulus gibt uns heute in der Lesung ein Zeugnis. Er sagt, dass er das Eucharistische Geheimnis - das Heilige Messopfer - vom Herrn empfangen hat. Sein Leben mit der Kirche hat dieses Eucharistische Geheimnis in seinem Leben dann vertieft und entfaltet, doch er betont, es vom Herrn zu haben. Was Paulus von Christus empfangen hat, das hat er dann seinen Gemeinden, seinen Gläubigen, überliefert: "Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe" (1 Kor 11,23), schreibt er den Katholiken in Korinth. Was hier Paulus sagt, gilt für die gesamte Kirche. Was die Kirche vom Herrn empfangen hat, das hat sie überliefert. Und so sind die beiden Abschiedsgeschenke Christi vom Gründonnerstag Abend bis zum heutigen Tag weitergegeben worden: Das Allerheiligste Sakrament des Altares und das Sakrament der Priesterweihe.

           

Schauen wir mit dem heiligen Paulus auf das Eucharistische Geheimnis. Er beschreibt es unter anderem so: "Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut." Damit wir das verstehen, müssen wir die ursprüngliche Bedeutung der Worte der Heiligen Schrift kennen. "Einen Bund herstellen" hat in Israel bedeutet, in eine fremde Blutsverwandtschaft eintreten. Blutsverwandtschaft bedeutete in Israel innige Gemeinschaft, Vertrautheit, Freundschaft, Einheit, Friede. Blutsverwandtschaft stiftete auch eine Rechtsgemeinschaft. Die beiden Partner waren "Brüder aus demselben Fleisch und Bein". Heute noch haben orientalische Familien ein intensiveres Bewusstsein von Bund und Blutsverwandtschaft als in unserer gegenwärtigen Kultur.

           

Wenn wir das wissen, können wir ahnen, was bei der Einsetzung der Eucharistie geschehen ist, wenn Christus sagt: "Das ist der neue Bund in meinem Blut". Und wir können ahnen, was sich seither immer neu vollzieht, wenn das Heilige Messopfer gefeiert wird.

           

Ein großer Theologe unserer Tage sagt es so: "Durch Jesu Menschwerdung, durch sein vergossenes Blut, sind wir in eine ganz reale Blutsverwandtschaft mit Jesus und so mit Gott selbst hineingezogen. Das Blut Jesu ist seine Liebe, in der göttliches und menschliches Leben eins geworden sind" (Benedikt XVI. bei der Homilie am Gründonnerstag 2009). Hier wird uns erklärt, wie diese Blutsverwandtschaft mit Christus zustande kommt: Zuerst durch die Menschwerdung, da ist Christus uns ganz nahe gekommen, da hat er uns zu seinen Blutsverwandten gemacht. Das Altarssakrament ist der Neue Bund im Fleisch und Blut Christi. Durch das Heilige Messopfer und die Heilige Kommunion wird diese Blutsverwandtschaft sozusagen dem einzelnen Menschen geschenkt und entfaltet. Wer an der Heiligen Wandlung innerlich gläubig teilnimmt, wer würdig kommuniziert - im Stand der Gnade, der nimmt das Blut Christi in seine Adern auf, der wird von Christus in die Gemeinschaft mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit hinein genommen.

           

Wo wir als Katholiken diese Gnade empfangen, sind wir für Gott nicht mehr Fremde. Paulus beschreibt das im Epheserbrief: "Damals [als Heiden] wart ihr von Christus getrennt, der Gemeinde Israels fremd und von dem Bund der Verheißung ausgeschlossen; ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt. Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen" (Eph 2,12-13).

           

Durch das Heilige Messopfer in die Blutsverwandtschaft mit Christus eintreten. Konkret bedeutet das:

           

- Christus will uns in seine Gemeinschaft hineinziehen. Die Gemeinschaft mit Christus macht alles Menschliche erst richtig schön und tief. Katholisches Leben besteht in einer Lebens- und Liebesgemeinschaft mit Christus. Wer mit dem Herrn in Blutsverwandtschaft lebt, orientiert sich an seinem Denken, an seinen Worten, an seinen Taten. Denken wir an die Seligpreisungen und die Bergpredigt.   

- Christus will uns die Gnaden der Erlösung schenken, den Frieden der Erlösung.

- Die Blutsverwandtschaft mit Christus hat auch eine Auswirkung auf uns untereinander. Sie macht uns einander zugehörig. Wir bilden die Familie der Kirche. Wir tragen Verantwortung füreinander.

           

Das Sakrament der Eucharistie, das Christus beim Letzten Abendmahl eingesetzt hat, ist für die Kirche so grundlegend und existentiell, dass es ohne dieses Sakrament keine Kirche gibt. Ohne das Heilige Messopfer, ohne den Kelch des Neuen Bundes in seinem Blut, können wir keine Blutsverwandten Christi werden und auch nicht bleiben. Verstehen wir, warum wir die sonntägliche Heilige Messe zum Leben und Überleben benötigen? Verstehen wir, warum das Heilige Messopfer auch an Werktagen so wertvoll für uns ist?

           

Christus hat uns das Heilige Messopfer und die Heilige Kommunion geschenkt. Es ist ein Geschenk im eigentlichen Sinn, dh wir haben kein "Recht" darauf. Als Menschen haben wir vor Gott überhaupt keine Rechte, die wir einfordern könnten. Wir haben auch nicht ein "Recht" auf die Heilige Messe oder auf die Heilige Kommunion. Ein Katholik, der kein Interesse an der Blutsverwandtschaft mit Christus und an einer christlichen Lebensführung hat - das sind gegenwärtig sehr viele - für den gelten beim Kommunionempfang die Worte des Völkerapostels Paulus aus der heutigen Lesung, und das gilt für uns alle, von den kirchlichen Amtsträgern bis zum einzelnen Gläubigen, auch für mich: "Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn... Er zieht sich das Gericht zu" (aus 1 Kor 11,27-29).

           

Bei den Abschiedsreden sagte der Herr die Worte: "Sehnlichst habe ich danach verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu halten, bevor ich leide" (Lk 22,15). Haben wir Sehnsucht nach diesem großen Sakrament der Eucharistie? Nach der Sonntagsmesse? Nach der Werktagsmesse? Nach einer stillen Eucharistischen Anbetung? Ein Besuch beim Tabernakel, wenn man am Friedhof ist? Haben wir Sehnsucht danach, in die Blutsverwandtschaft mit Christus immer mehr hineinzuwachsen? Oder ist das alles in uns erstorben?

           

Das Leben in der heutigen Gesellschaft bewirkt fast von selbst, dass wir uns von der Blutsverwandtschaft mit dem Herrn entfremden, uns von Ihm innerlich und äußerlich entfernen. Das Blut Christi, das wir durch die Gnade der hl. Sakramente in unsere Seele aufnehmen, wird durch unser Leben in der heutigen entchristlichten Gesellschaft sehr leicht und sehr schnell verdünnt, es verflüchtigt sich. So gewinnt in der Seele und im praktischen Leben eine oberflächliche Verwandtschaft mit der Welt die Oberhand. Auch deshalb, dass wir nicht in die Verwandtschaft mit der Welt - ins Heidentum - zurückfallen, brauchen wir den Kelch des Neuen Bundes im Blut Christi - das Hl. Messopfer. Um ein Bild zu verwenden. Wir brauchen immer wieder und regelmäßig für unsere Seele eine Bluttransfusion, eine neue Aufnahme des Göttlichen Blutes Christi durch das Heilige Messopfer. Wir brauchen immer wieder und regelmäßig auch eine Blutdialyse, eine Reinigung unseres Menschlichen Blutes durch das Göttliche Blut unseres Erlösers im Sakrament der Buße.

           

"Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blut." Herr, Du schenkst uns im Heiligen Messopfer Dein Leben, Dich selbst. Durchdringe uns mit Deiner Liebe. Du willst uns in die Blutsgemeinschaft mit Dir hinein nehmen und uns untereinander in Dir verbinden. Hilf uns, die Größe dieses Geheimnisses immer mehr zu verstehen und danach zu handeln. Amen.

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