185) Passionssonntag 2016: Reihe Ehe/Familie im Plan Gottes 18) EHE AUF PROBE - FREIE VERBINDUNGEN

5. Fastensonntag 2016

Reihe Ehe im Plan Gottes 18)

"NUN, WAS SAGST DU?" (Joh 8,5) - EHE AUF PROBE und FREIE VERBINDUNGEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Christus und die Ehebrecherin. Diese Begebenheit zeigt uns, wie Christus zum Menschen steht, der gegen das Gebot Gottes gesündigt hat, und zum Gebot Gottes.

           

Christus weiß, dass wir Menschen im Bereich der menschliche Liebe sehr verletzbar sind. Wie Christus mit der Ehebrecherin umgeht ist eine Offenbarung der Liebe des Herzens Jesu. Christus will nicht den Tod eines Menschen. Er will die Vergebung Gottes schenken, er will ins Leben zurückführen, einen neuen Anfang ermöglichen. Auch heute!

           

Christus hat die Gebote Gottes nicht aufgehoben. Er sagte es auch: "Ich bin nicht gekommen um aufzuheben, sondern um zu erfüllen" (Mt 5,17). Die Erfüllung des Gebotes ist das Leben in der Liebe. Durch den Neuen Bund am Kreuz wird die Ehe ein Sakrament, noch heiliger als im Paradies. Christus hat auch die Sünde nicht aufgehoben und auch nicht relativiert. Er sagt: "Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!" (Joh 6,11).

           

Dieses Evangelium wirft ein Licht auf die gesamte christlich-katholische Ehelehre. Die Kirche will das Heilige der Ehe hochhalten, so wie Christus es getan hat. Die Kirche will uns auch das Erbarmen Gottes vermitteln, wenn sich Menschen im Bereich der Ehe verfehlen.

           

In unsere Besinnungsreihe über die Ehe und Familie haben wir einen Bereich noch nicht angesprochen: die sogenannten irregulären Situationen. Irregulär bedeutet hier außerhalb der Regel, außerhalb der göttlichen Ordnung. Es geht um Lebensformen und Praktiken, die also mit dem Gebot Gottes, mit dem Schöpfungsplan Gottes, nicht übereinstimmen.

           

In der Vertiefung der christlichen Ehelehre haben wir schon öfter auf FAMILIARIS CONSORTIO Bezug genommen. Ein sehr grundlegendes kirchliches Lehrschreiben zu Ehe und Familie. Papst Johannes Paul II. geht darin auf die irregulären Situationen ein. Zwei davon möchte ich heute ansprechen. Es geht hier um den Kernbereich des Gebotes Gottes. Wenn jemand in der Kirche - zB der Papst, Bischöfe, Priester, Eltern, gläubige Laien, Professoren usw. - über diese Bereiche sprechen, dann nicht um jemand anzuklagen. Wir sollen als katholische Christen erkennen, was im Bereich der Ehe dem Schöpfungsplan Gottes entspricht bzw. was mit diesem Schöpfungsplan nicht vereinbar ist. Die Ehe muss wieder als etwas Heiliges erkannt werden. Wie sollte ansonsten die jetzige Gesellschaft und auch die Kirche bei uns eine gute Zukunft haben?

           

1) DIE EHE AUF PROBE (Johannes Paul II., FAMILIARIS CONSORTIO, Abschnitt 80)

           

Eine erste irreguläre Situation ist das, was man "Ehe auf Probe" nennt. Viele möchten sie heute rechtfertigen und ihr einen gewissen Wert beimessen. Aber schon die bloße menschliche Vernunft spricht gegen sie; zeigt sie doch, wie wenig überzeugend es ist, ein "Experiment" anzustellen, wo es um menschliche Personen geht, deren Würde verlangt, daß sie für immer und ausschließlich das Ziel liebender Hingabe sind, ohne jegliche zeitliche oder sonstige Begrenzung.

           

[Anmerkung: Probieren kann man zB ein Gerät, aber nicht einen Menschen. Man kann auch nicht auf Probe lieben. Man kann die Ehe nicht "proben".]

Die Kirche ihrerseits kann einem solchen Ehemodell aus weiteren, ihr eigenen Motiven nicht zustimmen, die sich aus ihrem Glauben herleiten. Die leibliche Hingabe in der geschlechtlichen Begegnung ist ja ein Realsymbol für die Hingabe der ganzen Person; eine solche Hingabe kann aber in der gegenwärtigen Heilsordnung nur aus der Kraft der übernatürlichen Liebe, wie Christus sie schenkt, wahrhaft verwirklicht werden. Ferner ist die Ehe zwischen zwei Getauften auch ein Realsymbol für die Einheit zwischen Christus und seiner Kirche, eine Einheit, die nicht zeitlich begrenzt ist oder nur "auf Probe" gilt, sondern ewige Treue bedeutet. Zwischen zwei Getauften kann es deshalb nur einen unauflöslichen Ehebund geben.

 

[Anmerkung: Leiblich/geschlechtliche Begegnung ist Ausdruck der Ganzhingabe. Die Ganzhingabe ist nicht echt, wenn sie nur zeitlich begrenzt oder "auf Probe" gilt.]

           

           

Die geschilderte Situation kann normalerweise nur überwunden werden, wenn die menschliche Person von Kindheit an mit der Hilfe der Gnade Christi und ohne Ängstlichkeit dazu erzogen wurde, die aufkeimende Begierde zu beherrschen und zu den Mitmenschen Beziehungen echter Liebe aufzunehmen. Dahin gelangt man nicht ohne wahre Erziehung zu solcher Liebe und zum rechten Gebrauch der Sexualität. Diese Erziehung muß so sein, daß sie die menschliche Person in all ihren Dimensionen und darum auch in ihrer Leiblichkeit einführt in die Fülle des Mysteriums Christi.

           

[Anmerkung: Es ist uns Menschen eine Hilfe, wenn wir früh lernen, mit unserer Geschlechtlichkeit umzugehen, die Tugend der Keuschheit erstreben. Christus gibt uns hier eine große Hilfe durch die Sakramente. Wer zB in der Jugendzeit mit dem Sonntag und mit den Sakramenten lebt, bereitet sich dadurch schon gut vor für eine spätere Ehe.]

           

           

Es wird sehr nützlich sein, den Ursachen des Phänomens der Ehe auf Probe nachzugehen, auch in psychologischer und soziologischer Hinsicht, um eine angemessene Therapie zu finden.

           

[Anmerkung: Eine Schwierigkeit unserer Zeit ist eine mangelnde Bindungsfähigkeit. Man tut sich schwer, eine feste und dauerhafte Bindung einzugehen. Aus der Psychologie wissen wir, dass die Bindung der Kinder in den ersten Lebensjahren an die Eltern, vor allem an die Mutter, sehr wichtig ist für die spätere Beziehungs- und Bindungsfähigkeit. Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren nicht viele soziale Kontakte, sondern vor allem eine enge Bindung an die Eltern.]

           

           

2) FREIE VERBINGUNGEN (Johannes Paul II. FAMILIARIS CONSORTIO, Abschnitt 81)

Hier handelt es sich um Verbindungen ohne jegliches öffentlich anerkanntes institutionelles Band, sei es zivilrechtlich oder religiös. Diese Erscheinung, der wir immer häufiger begegnen, muß gleichfalls die Aufmerksamkeit der Seelsorger auf sich ziehen, auch deshalb, weil ihr die verschiedensten Ursachen zugrundeliegen können und ein Einwirken auf diese die Folgen vielleicht zu begrenzen vermag.

           

Manche halten sich aus wirtschaftlichen, kulturellen oder religiösen Schwierigkeiten zu solchen freien Verbindungen gleichsam genötigt, weil sie bei Eingehen einer regulären Ehe Schaden zu befürchten hätten, den Verlust wirtschaftlicher Vorteile, Diskriminierungen usw. Bei anderen hingegen begegnet man einer Haltung der Verachtung, des Protestes oder der Ablehnung gegenüber der Gesellschaft, der Familie als Institution, der gesellschaftlich-politischen Ordnung oder einer Haltung, die nur auf Lebensgenuß ausgeht. Wieder andere werden dazu getrieben durch äußerste Unwissenheit und Armut, manchmal infolge wirklich ungerechter Verhältnisse oder auch durch eine gewisse seelische Unreife, die sie mit Unsicherheit und Furcht vor einer dauerhaften und endgültigen Bindung erfüllt. In einigen Ländern sehen überlieferte Sitten eine wirkliche Ehe erst nach einer Zeit gemeinsamen Lebens und nach der Geburt des ersten Kindes vor.

Jedes dieser Elemente stellt die Kirche vor schwierige pastorale Probleme, und zwar wegen der ernsten Folgen, die sich daraus ergeben sowohl in religiös-sittlicher Hinsicht (Verlust der religiösen Bedeutung der Ehe im Licht des Bundes Gottes mit seinem Volk, Fehlen der sakramentalen Gnade, schweres Ärgernis) als auch in sozialer Hinsicht (Zerstörung des Familienbegriffs, Schwächung des Sinnes für Treue auch gegenüber der Gesellschaft, mögliche seelische Schäden bei den Kindern, zunehmender Egoismus).

           

Seelsorger und kirchliche Gemeinschaft werden bemüht sein, solche Situationen und deren konkrete Ursachen Fall für Fall kennenzulernen; diskret und taktvoll mit denen, die zusammenleben, Kontakt aufzunehmen, mit geduldiger Aufklärung, liebevoller Ermahnung und dem Zeugnis christlich gelebter Familie darauf hinzuwirken, daß ihnen der Weg gebahnt werde, ihre Situation zu ordnen. Vor allem sollte man sich jedoch darum bemühen, solchen Erscheinungen vorzubeugen, indem man in der ganzen sittlichen und religiösen Erziehung der Jugend den Sinn für Treue pflegt, ihr die Bedingungen und Strukturen erklärt, welche einer solchen Treue förderlich sind, ohne die es keine wahre Freiheit gibt, und sie im geistlichen Reifen fördert sowie ihr die reiche menschliche und übernatürliche Wirklichkeit des Ehesakramentes erschließt.

           

Das Volk Gottes möge auch auf die Träger öffentlicher Verantwortung einwirken; sie sollen sich diesen Tendenzen mit ihren zersetzenden Wirkungen auf die Gesellschaft und ihren Schäden für die Würde, Sicherheit und das Wohl der einzelnen Bürger entschieden widersetzen; sie sollen sich bemühen, daß die öffentliche Meinung nicht zu einer Unterbewertung der Bedeutung der Institution von Ehe und Familie verleitet werde. Da in vielen Gegenden die jungen Menschen wegen äußerster Armut infolge ungerechter oder unzureichender sozio-ökonomischer Strukturen nicht heiraten können, wie es sich gebührt, müssen die Gesellschaften und jene, die öffentliche Verantwortung tragen, die legitime Ehe durch eine Reihe von sozialen und politischen Maßnahmen fördern, indem sie den familiengerechten Lohn sichern, Vorkehrungen für ein familiengerechtes Wohnen treffen und entsprechende Arbeits- und Lebensmöglichkeiten schaffen.

           

Liebe Pfarrfamilie! Es ist zuwenig, diese Lehre nur ein Mal in der Kirche zu verlesen und ein paar Anmerkungen zu machen. Liebe Eltern! Diejenigen von Euch, die Jugendliche in der Familie haben, möchte ich einladen, im Familienkreis mit euren jungen Menschen über diese Themen zu sprechen. Lest die Worte aus FAMILIARIS CONSORTIO nochmals nach (sie sind am Schriftenstand aufgelegt), redet offen darüber, versucht, unseren Jugendlichen die christlich-katholischen Grundsätze zu erschließen.

           

Maria, Königin der Familie, bitte für uns. Amen.

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