183) 3. Fastensonntag 2016: DER STUMME TEUFEL

3. Fastensonntag 2016

"IN JENER ZEIT TRIEB JESUS EINEN TEUFEL AUS, DER STUMM WAR"

DER STUMME TEUFEL

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

In der Fastenzeit stellt uns das Wort Gottes vermehrt als sonst im Kirchenjahr den geistigen Lebenskampf vor Augen. Die Grundbefindlichkeit, in der wir Menschen seit dem Sündenfall leben, ist der heilsgeschichtliche Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse. Weil wir alle an den Folgen der Erbsünde leiden, ist auch unser persönliches Leben ein geistiger Kampf.

           

In diesem Kampf haben die Werke Gottes und auch die Werke des Teufels ihre Kennzeichen. Der selige Kardinal Newman beschreibt sie so, sinngemäß wiedergegeben: Kennzeichen der Werke des Teufels sind, dass diese Werke oft mit Lärm verbunden sind, mit viel Aufsehen, mit dem Beifall der Massen... In diesem Sinn warnt Christus die Apostel: "Wehe euch, wenn euch alle Menschen loben, denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht" (Lk 6,26). Die Werke Gottes geschehen oft in Stille, unbeachtet, ohne Applaus, mit wenig menschlicher Anerkennung, unter Schwierigkeiten, Anfechtungen und Behinderungen - mit dem Kreuz verbunden, doch sie wachsen.

           

Das Wort Gottes im heutigen Evangelium zeigt uns den Teufel von einer anderen Seite her: Der sogenannte stumme Teufel: "In jener Zeit trieb Jesus einen Teufel aus, der stumm war." Wer ist der stumme Teufel? Der stumme Teufel ist ein Dämon, der uns Menschen den Mund verschließen will, um das Sprechen zu behindern oder zu blockieren. Christus hat den Mann im heutigen Evangelium vom stummen Teufel befreit - und er konnte reden.

           

Alle Versuche, dieses Ereignis rein psychologisch zu erklären, gehen an der Wahrheit Christi vorbei. Das Evangelium ist kein Märchenbuch. Jeder Beichtvater könnte über den stummen Teufel berichten, was natürlich wegen des Beichtsiegels nicht möglich ist.

           

Was hat der stumme Teufel mit unserem Leben zu tun? Unsere körperlichen Sinnesorgane sind Türen zur Seele. Was wir zB mit den Augen aufnehmen, gelangt in unsere Geistseele. Umgekehrt: Was geistig in unserer Seele vorgeht - was wir denken, empfinden, glauben, lieben - das können wir wiederum nur über die körperlichen Sinne mitteilen; wir sind keine Engel mit einer rein geistigen Natur. Der Mund ist ein wichtiges Organ, um das mitzuteilen, was in unserer Seele vorgeht. Und hier setzt der stumme Teufel an. Einige Beispiele:

           

1) Der stumme Teufel hemmt das Reden. Er will nicht, dass wir uns öffnen, uns mitteilen, dass wir sagen, was uns freut, uns belastet, uns bedrückt, usw. Das gemeinsame Gespräch kommt heute im menschlichen Bereich vielleicht oft zu kurz. Die elektronischen Medien, wenn sie verkehrt eingesetzt werden, tragen das Ihre dazu bei. Wie oft sieht man Menschen bei allen möglichen Gelegenheiten ein elektronisches Gerät bedienen. Doch das persönliche miteinander Reden wird immer schwieriger. Viele menschliche Probleme würden sich wahrscheinlich lösen, wenn man offen miteinander reden würde. In einer Beziehung ist es sicher nicht gut, um eines oberflächlichen Friedens willen alles hinzunehmen. Die Dinge beim Namen nennen, auch wenn es unangenehm ist. Sagen, was man denkt, ohne Menschenfurcht. Der Teufel ist kein Freund von Zivilcourage.

           

2) Der stumme Teufel will das Aussprechen von Schuld verhindern. Durch die Folgen der Erbsünde sind Schuld und Sünde allgemeine Lebenserfahrungen. Gott ist der beste Psychologe. Er weiß, was uns Menschen gut tut. Deshalb hat Christus uns das Bußsakrament geschenkt. Im Bußsakrament geschieht das Aussprechen von Schuld - und das Losgesprochenwerden. Manchmal tragen Menschen jahrelang oder jahrzehntelang Schuld mit sich herum und sind davon bedrückt. Das ist der stumme Teufel. Im Psalm 32 heißt es: "Solang ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, den ganzen Tag musste ich stöhnen. Denn deine Hand lag schwer auf mir bei Tag und bei Nacht; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers. Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben. (Ps 32,3-5).

           

3) Der stumme Teufel will den Lobpreis Gottes verhindern. Das kirchliche Stundengebet beginnt jeden Tag mit den Worten: "Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde." Als katholische Christen haben wir die Gnade, Gott jeden Tag loben und preisen zu dürfen: ZB ein stilles Morgen- und Abendgebet, der öffentliche und feierliche Lobpreis Gottes durch die sonntägliche Liturgie. All das will der stumme Teufel verhindern.

           

4) Uns Priestern versucht der stumme Teufel auf eine ganz eigene Art. Er will verhindern, dass wir die katholischen Grundwahrheiten, die für den Heilsweg wichtig sind, verkünden. Dazu flösst er uns gerne Menschenfurcht ein, Angst, die Gunst und Ankommen bei den Menschen zu verlieren.

           

Der stumme Teufel macht etwas vom Wesen der Dämonen bewusst. Sie wollen uns Menschen einsam machen. In der Hölle gibt es keine Gemeinschaft, da ist jeder vereinsamt. Der stumme Teufel will uns Menschen in uns selber verschließen, uns isolieren von den Grundbeziehungen, die Christus uns im Hauptgebot der Liebe gegeben hat und die uns erfüllen: Das sich öffnen und Hingeben in der Gottes- und Nächstenliebe.

           

Wie können wir vom stummen Teufel geheilt werden? Vom Teufel befreien kann Gott allein. Das hat Christus durch sein Kreuzesopfer bereits vollbracht. Wer Christus, unseren Herrn und Gott, anbetet, erfährt auch sein erlösendes Wirken. Unser notwendiges menschliches Mitwirken: ZB mit Gottes Hilfe ein offenes Gespräch führen; eine aufrichtige Beichte; zum Lobpreis Gottes die Sonntagsliturgie mitfeiern; der größte Exorzismus, den wir selbst setzen, ist die Heilige Beichte und das Heilige Messopfer. Auch jede Tat der Liebe, jede Tat des Guten, entwaffnet die Geister der Bosheit.

           

Nicht ohne Absicht enthält das Sonntagsevangelium auch den Blick auf die Gottesmutter Maria, die Christus getragen und an ihrer Brust genährt hat. Kein Mensch hat schöner und vollkommener auf das Wort Gottes gehört und es gelebt, als Maria. Wenn wir, vielleicht täglich, vor allem am Sonntag, im Heiligen Messopfer unser Leben unter das Wort Gottes und in die erlösende Gnade des Kreuzesopfers Christi stellen und versuchen, im Alltag das Hl. Messopfer zu leben, dann sind wir von Christus gehalten, geführt und behütet.

           

Maria, Mutter des Wortes, bitte für uns! Amen.

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