182) 2. Fastensonntag 2016: VERKLÄRTES SEIN

2. Fastensonntag C)

"SEIN GEWAND WURDE LEUCHTEND WEISS" (Lk 9,28) - VERKLÄRTES SEIN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Christus ist der Gottmensch. Bei der Menschwerdung hat Christus seine göttliche Natur mit der menschlichen Natur vereinigt - unvermischt, ungetrennt, ungeteilt; so sagt es das Dogma der hypostatischen Union. Die menschliche Natur Christi war von Anfang an vergöttlicht. Es brauchte da keine nachträgliche Verwandlung mehr. Nur hat Christus seit der Menschwerdung diesen seinen Göttlichen Glanz verborgen, vor allem bei seinem Leiden - und zwar bis zur Auferstehung. Warum? Wir können es nicht ertragen, in die Sonne, das ungeschaffene Licht, zu schauen. Erst recht kann kein sterblicher Mensch auf Erden es ertragen, das ungeschaffene Licht, das Göttliche Licht Christi zu schauen.

           

Was geschieht auf dem Tabor? Auf dem Berg der Verklärung lässt Christus den Göttlichen Glanz aus seiner Menschennatur aufleuchten. Die Evangelien bezeugen, was die drei Apostel erleben. Der Apostel Matthäus sagt es deutlicher als Lukas: "Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht" (Mt 17,2). Die Apostel erleben die Verklärung als Spannung zwischen Furcht und Freude. Einerseits erschrecken sie. Matthäus erwähnt, dass sie sich aus Angst mit dem Gesicht zu Boden werfen. Hier spüren wir, dass ein sündiger Mensch auf Erden den Glanz Gottes wirklich kaum ertragen kann. Auch bei anderen Menschen bewirkt das Licht Gottes ein Erschrecken: Der Prophet Jesaja bei seiner Berufung, der Apostel Petrus beim wunderbaren Fischfang, der Apostel Paulus bei seiner Bekehrung vor Damaskus. Nur die Muttergottes erschrickt nicht vor dem Licht Gottes bei der Verkündigung. Sie erschrickt nur vor der Anrede Gnadenvolle. An dem erkennen wir, wie sehr Maria durch die Gnade mit Gott vertraut war. Zurück zum Tabor. Die drei Jünger erschrecken einerseits und andererseits erfahren sie tiefes seelisches Glück, inneren Frieden. Das sehen wir am Verhalten des Petrus. Er will drei Hütten bauen, dh er will diese wunderschöne Erfahrung festhalten, er will, dass das so bleibt.

           

Die Verklärung Christi auf dem Tabor zeigt uns zwei Dinge: Sie ist Offenbarung der Gottheit Christi. Und sie zeigt uns auch das Ziel, das Gott der Menschennatur bereitet hat: Die Menschennatur ist von Gott dazu berufen, vergöttlicht zu werden. In der zweiten Lesung spricht Paulus diese Vergöttlichung an: Wir erwarten den wiederkommenden Christus als Retter, der "unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes" (Phil 3, 20-21).

           

Das christliche Leben können wir auch ganz von der Verklärung Christi her sehen. Christliches Leben ist ein verklärtes Sein. Mit anderen Worten: Christliches Leben ist ein Leben, in das Gott verwandelnd und verklärend eingreift. Das geschieht durch die Gnade der heiligen Sakramente.

           

Durch die Erbsünde ist die menschliche Seele auf Erden heimatlos und orientierungslos. Die Menschennatur wird durch die hl. Taufe vergöttlicht, der göttlichen Natur teilhaftig. Die hl. Taufe stellt eine Beziehung zu den drei Göttlichen Personen her. Durch die hl. Taufe kann der Mensch von Innen heraus beten: "Vater unser im Himmel".

           

Die hl. Firmung ist die Vollendung der Taufgnade. Durch die hl. Firmung werden die geistigen Fähigkeiten der Seele - Verstand, freier Wille, Liebeskraft - gestärkt, um aus dem Glauben heraus übernatürlich denken und handeln zu können.

           

Im Allerheiligsten Altarssakrament verwandelt Christus durch den Priester Brot und Wein, um unsere Seele übernatürlich zu ernähren. Der Sonntag ist ein Eucharistischer Tag. Ein Katholik, der den Sonntag heiligt, empfängt am Sonntag einen göttlichen Glanz, der die ganze Arbeitswoche überstrahlt.

           

Im hl. Sakrament der Buße verklärt und verwandelt Christus unsere menschlichen Erfahrungen von Schuld und Sünde. Im Bußsakrament legt Christus den göttlichen Glanz seiner Barmherzigen Liebe in die Seele, die Sünde wird nicht nur weggenommen, sondern von der Wurzel her geheilt.

           

In der hl. Krankensalbung legt Christus auf unsere leidvollen Erfahrungen seelischer und körperlicher Krankheiten einen göttlichen Glanz. Unsere menschlichen Leiden sind nicht mehr verminderte Lebensqualität, sondern Vereinigung mit dem erlösenden Kreuz Christi.

           

Im hl. Sakrament der Ehe legt Christus auf die menschliche Liebe von Mann und Frau den Glanz seiner Gottheit.

           

Durch das Sakrament der hl. Priesterweihe legt Christus auf einen Menschen, der menschlich auch schwach und sündig ist, den göttlichen Glanz seiner Priesterwürde, damit der Priester in den Sakramenten in Persona Christi handeln kann.

           

Wenn wir das so betrachten, können wir ohne Übertreibung sagen: Christliches Leben ist ein verklärtes Sein. Christlich leben bedeutet, wie die drei Apostel immer wieder aufsteigen zum Berg der Verklärung, von Christus göttlichen Glanz, göttliches Leben empfangen, und so verwandelt und erneuert zu werden. Zum Berg der Verklärung aufsteigen bedeutet, zum gläubigen, würdigen und fruchtbaren Empfang der Sakramente aufsteigen. Ich denke wir begreifen, wie sehr im Zentrum des christlich-katholischen Lebens die Sakramente stehen.

           

Wenn wir Menschen unser Sein nicht von Christus verklären lassen, wird unser Sein immer mehr irdisch und weltlich, immer weniger Himmelsglanz liegt über einem rein irdisch weltlichen Leben. Der hl. Pfarrer von Ars hat das Leben solcher Menschen mit den Maulwürfen verglichen, die unter der Erde dahin graben und den Glanz der Sonne nicht kennen. Der hl. Paulus hat uns in der Lesung gesagt, dass es solche Maulwurfmenschen durchaus auch unter Getauften zu finden gibt. Ganz nüchtern sagt er von solchen Christen, sie sind Feinde des Kreuzes Christi, ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch (Phil 3,18-19).

           

Sehen wir die Fastenzeit als eine Einladung des Herrn, zum Berg der Verklärung aufzusteigen, zum gläubigen, würdigen und fruchtbaren Empfang der hl. Sakramente, um unser Sein von Christus verklären und vergöttlichen zu lassen. Wie schön ein solches verklärtes Sein ist, erfährt jeder, der sich auf den Weg zum Tabor aufmacht. Amen.

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