181) 1. Fastensonntag 2016: Reihe Ehe im Plan Gottes 17): MORALISCHE BEURTEILUNG BIOMEDIZINISCHER PRAKTIKEN

1. Fastensonntag C) 2016

Reihe Ehe und Familie im Plan Gottes 17)

"VOR DEM HERRN, DEINEM GOTT, SOLLST DU DICH NIEDERWERFEN" (Lk 4,8)

MORALISCHE BEURTEILUNG BIOMEDIZINISCHER PRAKTIKEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Christus wird vom Teufel in Versuchung geführt. Was will der Versucher bezwecken? Der Teufel will Christus versuchen, ein anderer Messias zu sein als Gott Vater es wollte. Ein Messias mit weltlicher Macht, mit menschlichem Erfolg, mit oberflächlichem Beifall der Massen. Kurz: Ein Messias ohne Kreuz. Doch ohne das Kreuz gäbe es keine Erlösung. Christus ist seiner Sendung treu geblieben.

           

Wir werden vom Teufel anders versucht als Christus. Er will uns dazu verleiten, am irdischen Brot hängen zu bleiben. Wir haben ein schönes Wohnen, es geht uns gut, und wir bleiben bei dem stehen. Er will uns dazu verleiten, die Anbetung Gottes zu verlassen, das Geschöpflliche über den Schöpfer zu stellen. Er will uns dazu verleiten, falsche Macht auszuüben, dh er will uns Ich-konzentriert machen, unser Ich so zu steigern, dass wir alles von unserem Ego aus beurteilen oder gar beherrschen.

           

Wenn wir Menschen die Anbetung des Schöpfergottes verlassen geraten wir ihn Gefahr, uns selber, unsere Seelenkräfte (Verstand, freier Wille, Liebeskraft), unseren Körper und seine Fähigkeiten, unabhängig von Gott zu sehen. Das bringt uns mit der Zeit von der Führung durch die Gnade und Vorsehung Gottes zur Selbstbestimmung. Das Wesen Luzifers ist eben die Selbstbestimmung: "Ich tue was ich will! Ich gebrauche meine Fähigkeiten nach meinem Willen, nicht nach dem Willen Gottes!" Doch alles, was sich hochmütig von Gott löst, verfällt dem Tod.

           

Auch im Bereich der Weitergabe des Lebens gibt es Versuchungen, an die Stelle des Planes des Schöpfergottes die Selbstbestimmung zu setzen. Die moderne Biomedizin hat in vielen Bereichen den Weg dieser Selbstbestimmung eingeschlagen, sie hat sich von Gott und seinem Schöpfungsplan losgelöst. Das bringt viele Probleme mit sich, mit denen wir heute konfrontiert sind. Wie schon am vergangenen Sonntag angedeutet ist es wichtig, uns diesen Problemen der Biomedizin zu stellen. Einige Praktiken der Biomedizin wollen wir kurz bedenken. Das Dokument der Glaubenskongregation DONUM VITAE vermittelt uns die Lehre der Kirche. Die entsprechenden Zitate bitte ich euch daheim selbstständig zu lesen, ihr findet die Texte am Schriftenstand.

           

1) Vorgeburtliche/pränatale Diagnostik

           

Vorgeburtliche Untersuchungsmethoden am Embryo sind erlaubt, "wenn die vorgeburtliche Diagnostik das Leben und die Integrität des Embryos und des menschlichen Fötus achtet und auf dessen individuellen Schutz oder Heilung ausgerichtet ist" (Instruktion Donum vitae, I, 2). Das Leben des Kindes und der Mutter darf dabei keinen großen Risiken ausgesetzt werden.

           

Wenn eine solche vorgeburtliche Untersuchung durchgeführt wird, um eine eventuelle Behinderung des Kindes festzustellen, und um dann eine Abtreibung durchzuführen, ist eine solche Untersuchung moralisch abzulehnen, sie steht „in schwerwiegender Weise im Gegensatz zum Moralgesetz“ (Instruktion Donum vitae, I, 2) Es gibt heute Staaten, die diese vorgeburtliche Untersuchungen bei Müttern sogar unter Zwang durchführen möchten, um behinderte Kinder ebenfalls unter Zwang abzutreiben.

           

2) Forschungen und Experimente mit menschlichen Embryonen

           

Dies ist ein sehr trauriges und tragisches Kapitel der Gegenwart. Menschliche Embryonen werden durch künstliche Befruchtung im Labor hergestellt und als Forschungsmatereal missbraucht. Eine andere Quelle der Embryonenverwertung sind die Abtreibungskliniken. In den USA hat 2015 der Plannet Parrentod Skandal für Entsetzen gesorgt. Plannet Parrentod ist in den USA der größte Abtreibungsbetreiber. Eine Ermittlung hat ans Licht gebracht, dass Plannet Parrentod mit Organen abgetriebener Embryonen und Föten Handel treibt. (Quelle dieser Information: Jugend für das Leben/Österreich). Der US-Kongress hat auf diesen Skandal hin die Streichung aller öffentlichen Mittel für Planned Parenthod beschlossen. Der Präsident hat dagegen sein Veto eingelegt. Im Repräsentantenhaus fand sich nicht die erforderlich Mehrheit um das Veto zu überstimmen. (Nachricht aus: www.kath.net, 5.2.2016) Übrigens: Der deutsche Ableger der International Planned Parenthood Association ist "pro familia".

           

Hier spricht das Lehramt der Kirche wiederum sehr klar:

           

"Keine Zielsetzung, auch wenn sie als solche ehrenwert ist, wie die Voraussicht eines Nutzens für die Wissenschaft, für andere menschliche Wesen oder für die Gesellschaft, kann in irgendeiner Weise Experimente mit noch lebenden Embryonen oder Föten rechtfertigen, seien sie nun lebensfähig oder nicht, im Mutterleib oder außerhalb von ihm. [...]

     Den menschlichen Embryo oder den Fötus als Gegenstand oder Mittel für Experimente zu benutzen, stellt ein Verbrechen gegen deren Würde als menschliche Wesen dar, denen dasselbe Recht auf Achtung wie dem schon geborenen Kind und jeder menschlichen Person zusteht. [...]

     Die Achtung vor der Würde des menschlichen Wesens schließt jede Art von experimenteller Manipulation oder Verwertung des menschlichen Embryos aus. Die Praxis, menschliche Embryonen in vivo oder in vitro für experimentelle oder kommerzielle Zwecke am Leben zu erhalten, steht in völligem Widerspruch zur menschlichen Würde. [...]

     Die Leichen menschlicher Embryonen und Föten, seien sie nun vorsätzlich abgetrieben oder nicht, müssen geachtet werden wie die sterblichen Überreste von anderen menschlichen Wesen" (Instruktion Donum vitae, I, 4)

           

Der Handel und die Forschung mit menschlichen Embryonen, also mit Kleinstindern, können wir ohne Übertreibung als dämonische Praktiken bezeichnen. Christus warnt: "Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten" (Mt 18,10)!

           

3) künstliche Befruchtung außerhalb des menschlichen Zeugungsaktes

           

Sterilität und der unerfüllte Wunsch nach einem Kind ist meist ein Leid für Eheleute. Die Biomedizin hat verschiedenste Methoden einer Befruchtung außerhalb des Mutterschoßes, also eine Befruchtung ohne die eheliche Vereinigung von Mann und Frau, entwickelt. Auch hier ist die Lehre der katholischen Kirche sehr klar:

           

"Nur die Achtung vor dem Band, das zwischen den Sinngehalten des ehelichen Aktes besteht, und die Achtung vor der Einheit des menschlichen Wesens gestatten eine der Würde der Person entsprechende Fortpflanzung. In seinem einmaligen und unwiederholbaren Ursprung muß das Kind in seiner personalen Würde gleich denen geachtet und anerkannt werden, die ihm das Leben schenken. Die menschliche Person muß in die Zeichen der Einheit und der Liebe ihrer Eltern aufgenommen werden; die Zeugung eines Kindes muß deshalb die Frucht gegenseitiger Schenkung sein, die sich im ehelichen Akt verwirklicht, in dem die Eheleute – als Diener und nicht als Herren – am Werk der Schöpfer-Liebe teilnehmen. Der Ursprung einer menschlichen Person ist in Wirklichkeit Ergebnis einer Schenkung. Der Empfangene muß die Frucht der Liebe seiner Eltern sein. Er kann nicht als Produkt eines Eingriffs medizinischer Techniken gewollt oder empfangen werden: Dies würde bedeuten, ihn zum Objekt einer wissenschaftlichen Technologie zu erniedrigen. Niemand darf das Auf-die-Welt-Kommen eines Kindes den Bedingungen technischer Effizienz unterwerfen, die nach den Maßstäben von Kontrolle und Beherrschung bewertet werden. Die moralische Bedeutung des Bandes, das zwischen den Sinngehalten des ehelichen Aktes und zwischen den Gütern der Ehe besteht, die Einheit des menschlichen Wesens und die Würde seines Ursprungs erfordern, daß die Zeugung einer menschlichen Person als Frucht des spezifisch ehelichen Aktes der Liebe zwischen den Eheleuten angestrebt werden muß. Es zeigt sich also, welch große Wichtigkeit das Band, das zwischen Fortpflanzung und ehelichem Akt besteht, auf anthropologischem und moralischem Gebiet hat, und so erklärt sich die Position des Lehramts bezüglich der homologen künstlichen Befruchtung" (Instruktion Donum vitae, II, B, 3).

           

Mit einfachen Worten wird hier gesagt: Jede Form einer künstlichen Befruchtung außerhalb des menschlichen Zeugungsaktes ist moralisch abzulehnen. In diesem Verständnis sind alle Techniken der Biomedizin zu einer künstlichen Befruchtung enthalten. Auch die Leihmutterschaft ist abzulehnen. Weiter brauchen wir nicht ins Detail zu gehen, wie in Donum vitae. Die Gründe für die Ablehnung dieser Praktiken haben wir verstanden: Das christlich/katholische Menschenverständnis: Die Weitergabe des Lebens muss nach dem Schöpfungsplan Gottes in der ehelichen Vereinigung geschehen. Die Einheit der Person.

           

Die Kirche erwähnt noch einen Grund, warum die Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Befruchtung) abzulehnen ist: Der Mensch macht sich zum Herrn über Leben und Tod, das ist der Gipfel des Hochmut. Es ist wie das Greifen der Stammeltern im Paradies nach dem Baum des Lebens. Dieser Griff nach dem Geheimnis des Lebens ist ihnen nicht gelungen. Im Gegenteil. Die Strafe war der Verlust des Lebens, der leibliche und ewige Tod. Wo der Mensch Leben erschaffen will, macht er sich selber zu Gott, was natürlich nicht möglich ist. "Hochmut kommt vor dem Fall" (Spr 16,18).

           

Das Lehramt der Kirche sagt es uns so:

           

"Die Verbindung zwischen der Befruchtung in vitro und der frei gewollten Vernichtung menschlicher Embryonen bestätigt sich allzu häufig. Das ist bezeichnend: Mit diesen Verfahren, deren Zielsetzungen scheinbar entgegengesetzt sind, werden das Leben und der Tod den Entscheidungen des Menschen unterworfen, der sich so selbst zum Herrn über Leben und Tod nach Belieben macht. Diese Dynamik von Gewalt und Herrschaft kann gerade bei denen unbemerkt bleiben, die sie benutzen wollen und sich ihr dabei unterwerfen. Die in Erinnerung gebrachten Fakten und die kalte Logik, die sie verbindet, müssen für ein moralisches Urteil über die FIVET (In-vitro-Befruchtung und Embryoübertragung) in die Überlegungen einbezogen werden: Die Abtreibungsmentalität, die sie möglich gemacht hat, führt so – ob man will oder nicht – zu einer Herrschaft des Menschen über Leben und Tod von seinesgleichen, die zu einer radikalen Erbauslese werden kann. Doch derartige Mißbräuche entbinden nicht von einer vertieften und weitergehenden ethischen Reflexion über die künstlichen Fortpflanzungstechniken" (Instruktion Donum vitae, II)

           

4) Moral und staatliche Gesetzgebung

Der Heilige Stuhl macht darauf aufmerksam, dass die neuen technologischen Möglichkeiten auf dem Gebiet der Biomedizin das Eingreifen des staatlichen Gesetzgebers benötigt. Ein unkontrollierte Anwendung solcher Techniken könnte "zu unvorhersehbaren und schädlichen Folgen für die staatliche Gesellschaft führen" (Instruktion Donum vitae, III).

           

"In verschiedenen Staaten haben einige Gesetze die direkte Beseitigung Unschuldiger gestattet: In dem Augenblick, in dem ein positives Gesetz eine Kategorie von Menschen des Schutzes beraubt, den die zivile Gesetzgebung ihnen gewähren muß, leugnet der Staat die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Wenn die Staatsmacht sich nicht in den Dienst der Rechte jedes Bürgers stellt, und in besonderer Weise dessen, der am schwächsten ist, dann werden die Grundmauern des Rechtsstaates untergraben." [...]

     "Das Gesetz darf nicht dulden – im Gegenteil, es muß ausdrücklich verbieten –, daß menschliche Wesen, und seien sie auch im embryonalen Stadium, als Versuchsobjekte behandelt, verstümmelt oder zerstört werden mit dem Vorwand, sie seien überflüssig oder unfähig, sich normal zu entwickeln. Die politische Autorität ist gehalten, der Institution der Familie, auf der die Gesellschaft gründet, den rechtlichen Schutz zu garantieren, auf den sie ein Anrecht hat." [...]

     "Da sie der Familie Stütze gewähren muß, muß die Gesetzgebung zudem die Embryo-Banken, die Besamung post mortem und die „Ersatzmutterschaft“ verbieten. Es gehört zu den Pflichten der öffentlichen Autorität, dafür zu sorgen, daß das staatliche Gesetz in all dem, was die Rechte des Menschen, des menschlichen Lebens und der Institution der Familie betrifft, nach den grundlegenden Regeln des moralischen Gesetzes ausgerichtet ist. Die Politiker müssen sich durch ihr Einwirken auf die öffentliche Meinung einsetzen, in diesen entscheidenden Punkten die weitestmögliche Übereinstimmung in der Gesellschaft zu erreichen und diese dort zu bestärken, wo sie geschwächt zu werden oder abzunehmen droht."

     "In keinem Lebensbereich darf das staatliche Gesetz an die Stelle des Gewissens treten." (Instruktion Donum vitae, III).

           

5) Jedes Kind ist in Geschenk Gottes

           

"Obwohl die Art und Weise, in der die menschliche Empfängnis in der FIVET herbeigeführt wird, nicht gebilligt werden kann, muß man doch jedes Kind, das auf die Welt kommt, als lebendiges Geschenk der göttlichen Güte annehmen und mit Liebe aufziehen" (Instruktion Donum vitae, II, B, 5)

           

6) Sterilisation

           

Das Gegenteil der künstlicher Befruchtung ist die bewusste Verhinderung der Befruchtung durch Sterilisation. Der Glaube sieht in der Sterilisation eine Selbstverstümmelung des Körpers, das ist eine schwerer moralische Verfehlung gegen das 5. Gebot Gottes.

                                              

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Wir dürfen sehr dankbar sein, dass die Kirche uns durch das Licht der Offenbarung eine so klare Erkenntnis des Menschen und seiner Würde gibt. Wir haben die Aufgabe, diese Wahrheit über den Menschen zu bezeugen. Dazu einige abschließende Impulse:

           

Die Sünden gegen des beginnende menschliche Leben, die Kleinstkinder, sind himmelschreiend. Das soll uns bestärken, das Heilige Messopfer auch als das große Sühnopfer für die Sünden unserer Zeit zu sehen und zu schätzen.

           

Wieviel Schutz und Segen hätten die Staaten, wenn sie auf die Lehre der Kirche hören würden.

           

Ein Mensch, der sich im Bereich der Weitergabe des Lebens an den Schöpfungsplan Gottes hält, gibt damit Gott die Ehre und betet Gott an. Wo immer ein Mensch Gott anbetet, wird das Reich Luzifers zurückgedrängt und der Menschheit der Segen Gottes zugewendet.

           

Überhaupt ist ein Mensch, der sich an die Gebote Gottes bindet, mit der Kirche lebt, dem Leben dient, ein großer Segen für die Welt. Auch ihr seid ein Segen! Es ist wichtig, den Sünden gegen das Leben die Einsatz für das Leben entgegenzustellen. Johannes sagt: "Das Licht leuchtet in der Finsternis" (Joh 1,5).

           

In diesem Sinn können wir an ein Gedicht von Reinhold Schneider (1903-1958) denken, der 1936 angesichts der aufziehenden Finsternis des Nationalsozialismus geschrieben hat:

           

"Allein den Betern kann es noch gelingen - Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten

Und diese Welt den richtenden Gewalten - Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,

Was sie erneuern, über Nacht veralten, Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,

Indes im Dom die Beter sich verhüllen, Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt

Und in den Tiefen, die kein Aug' entschleiert, Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen."

           

Maria, Mutter des Lebens, hilf uns, als treue Kinder der Kirche Gottes dem Leben zu dienen. Amen.

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