180) Aschermittwoch 2016: DIGITALES FASTEN

Aschermittwoch, 10.2.2016

"ORDNET EIN HEILIGES FASTEN AN" (JOEL 2,15)

DIGITALES FASTEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

In Einheit mit der Kirche treten wir heute in die heilige Fastenzeit ein. In der ersten Lesung sagt uns das Wort Gottes durch den Propheten Joel: "Ordnet ein heiliges Fasten an!" Die Fastenzeit ist eine Einrichtung, die Gott seinem Volk geschenkt hat. Christus hat mit seinem 40tägigen Fasten in der Wüste die Bedeutung dieser Zeit bestätigt und geheiligt. Wir alle wissen, dass das Fasten verschiedenste Dimensionen hat. Das klassische Fasten betrifft den Körper. Im Evangelium spricht Christus die alte Dreiheit Gebet - Fasten - Werke der Barmherzigkeit an. Jeder kann sich fragen, was für ihn persönlich gerade das Wichtige ist.

           

Wir wollen heute nur eine Form des Fastens aufgreifen: digitales Fasten, also der Bereich der Bildschirmmedien und des Internets. Das ist ein Bereich, der nicht nur für Jugendliche gilt, sondern auch für Erwachsene und Senioren. Mit diesen Medien ist eine ungeheure Herausforderung auf uns zugekommen.

           

Der Umgang mit den elektronischen Medien erfordert eine besondere Wachsamkeit. Wir können nicht wahl- und ziellos die modernen Medien gebrauchen. In diesen Medien werden wir mit Gut und Böse, mit Gott und mit dem Teufel, mit dem Himmel und mit der Hölle konfrontiert. Deshalb brauchen wir auch den Einsatz unseres Gewissens. Ein gebildetes Gewissen hilft uns Gut und Böse zu unterscheiden, das Böse zu meiden, den Weg des Guten zu gehen. Kinder lernen schon früh den Gebrauch dieser Medien. Hefen wir ihnen auch, ihr Gewissen aufzubauen, damit sie mit den Medien sinnvoll umgehen können.

           

Einige Aspekte zu den digitalen Medien und einem digitalen Fasten:

           

- Stichwort: Mediensucht

Die Bildschirmmedien und das Internet haben auch zu einer neuen Form von Sucht geführt. Aus einer Statistik über die Mediensucht in Österreich: Durchschnittlich 524 Minuten, also knapp neun Stunden, verbringen die Österreicher täglich mit Medien. Am Wochenende sind die 14-29-Jährigen sogar durchschnittlich 320 Minuten, also mehr als fünf Stunden am Tag online (Quelle: htttp://futurezone.at, 17.11.2015). Statistiken dürfen wir nicht unbedingt absolut nehmen, doch dass diese Umfrage im Bereich der Medien nicht weit daneben liegt, können wir uns gut vorstellen. Im Gegensatz dazu: Eine Stunde Sonntagsmesse oder die Zeit der Predigt soll ein Problem sein?

           

- Stichwort: Räuber der Zeit

Die elektronischen Medien nehmen, wie nicht nur Statistiken belegen, viel Zeit in Anspruch. Man verliert viel Zeit, die Gott uns für etwas anderes geschenkt hat, zB zum Vollbringen guter Werke. Denken wir im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit an die sieben geistigen und die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit.

           

- Stichwort: geistige Mülldeponie

Die elektronischen Medien sind oft voll gestopft mit Werken der Finsternis: Rohheit der Sprache und der Umgangsformen, Mord, sexuelle Zügellosigkeit, Okkultismus, usw. Ein Mensch, der zu viel mit diesen Medien lebt, stopft seine Seele voll mit geistigem Müll und nicht selten mit gefährlichen Inhalten. Dieser geistige Müll führt zu geistigen Vergiftungs- und Lähmungserscheinungen, dh die Seele wird immer schwerfälliger, das Gute zu tun, sich zu den höheren und geistigen Werten, sich zu Gott zu erheben.

           

- Stichwort: Plattform der Gewalt

Die elektronischen Medien, auch manche Medienspiele für Kinder, beinhalten viel Gewalt. 1980 enthielten über 50 % der Fernsehsendungen in Deutschland Gewalt, heute sind es 80 %. Es ist erwiesen, dass gezeigte Gewalt zu neuer Gewalt verleitet. Eine Statistik aus den USA über Fernsehen und Gewalt ist erschreckend. (Zitiert in Junge Freiheit).

           

- Stichwort: Informationsüberflutung

Durch die elektronischen Medien ist die ganze Welt miteinander vernetzt. Kleinste Nachrichten gehen um den ganzen Globus. Auf diese Weise erhalten wir täglich eine Flut von Nachrichten aus aller Welt. Es wird uns vorgemacht, wir müssten alles wissen und sofort wissen, was in der Welt vor sich geht. Müssen wir wirklich alles wissen? Wir sind doch nicht Gott, der alles überblickt und alles weiß. Durch die Informationsüberflutung wird unser Geist von vielen Informationen in Beschlag genommen. Die Seele kommt nicht leicht mehr zur inneren Ruhe und Besonnenheit, Haltungen, die für ein Nachdenken und kluges Entscheiden so wichtig sind. Wer meint, er könne nicht ohne tägliche Nachrichten leben, kann versuchen, einmal bewusst auf solche Informationen verzichten, sie zB nur ein Mal in der Woche an sich heranlassen. Wer das tut wird erfahren, dass er Informationen dann viel differenzierter beurteilt. Die wichtigste Nachricht ist übrigens die wöchentliche Gute Nachricht vom Himmel: Das Sonntagsevangelium!

           

- Stichwort: Reizüberflutung

Durch die elektronischen Medien geschieht eine Überreizung der Sinne, das führt zu einem geschädigten Gefühlshaushalt. Wer seine Sinne, zB Augen und Ohren, ständig reizt und strapaziert, kann nicht mehr gesund fühlen.

           

Die Litanei der Gefahren und Schäden der elektronischen Medien könnte fortgeführt werden. Ich denke es ist uns bewusst, warum ein digitales Fasten heilsam sein kann. Es geht nicht um das totale Abschalten (was manchmal vielleicht gut wäre), viele sind ja auch beruflich darauf angewiesen. Es geht beim digitalen Fasten um:

           

a) Unser inneres Verhältnis zu den Bildschirmmedien und dem Internet: Das kann jeder nur für sich selber beurteilen: Beherrsche ich diese Medien, oder werde ich von ihnen beherrscht? Mediensucht kann nur durch Enthaltung geheilt werden. Auch dazu ist die hl. Beichte eine große Hilfe.

b) Es geht um das äußere Maß: Das Zuviel oder Schädliche zurückschneiden. Sich hier ein wenig "Gewalt antun" ist ein gutes Mittel zur Willensstärkung und Selbstdisziplin, das sind wertvolle Tugenden.

           

c) Es geht um das innere frei werden für Gott, die geistigen Güter, und auch für die Menschen: Eine Werktagsmesse, das Hören und Bedenken des Wortes Gottes, das Beten des Kreuzweges, in Ruhe daheim die Osterbeichte vorbereiten, Zeit für die Mitmenschen, ein Gespräch usw. Wer innerlich frei ist, ist auch wieder innerlich hörfähig, auch auf Gott hin.

           

Digitales Fasten. Die rechte innere Distanz zu den elektronischen Medien, das Maßhalten im äußeren Gebrauch und die sinnvolle Nutzung sind eine Voraussetzung, um in der heutigen Zeit zuerst ein menschliches und dann ein geistliche Leben führen zu können.

           

Maria, Mater Dolorosa, hilf uns, in dieser Fastenzeit unser menschliches und geistliches Leben zu erneuern. Amen.

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