005) Christi Himmelfahrt 2009: Aufbau der Kirche durch Christus und uns Menschen

Predigtreihe über die Kirche 5) Hochfest Christi Himmelfahrt 5. 2009 – Pfarrkirche Imsterberg

 

„Wir sind Gottes Mitarbeiter“(1 Kor 3,9).

ÜBER DEN AUFBAU DER KIRCHE DURCH CHRISTUS UND UNSERE MITARBEIT

 

Mit Hilfe des heiligen Paulus haben wir bisher mehr die göttliche Dimension der Kirche betrachtet. Gerade diese übernatürlichen Dimensionen werden in der gegenwärtigen Zeit- und Kirchensituation zu wenig erkannt. Die Kirche wird zu viel auf die menschlichen und gesellschaftlichen Dimensionen reduziert. Das ist die Ursache für viele Schwierigkeiten mit der Kirche.

 

Selbstverständlich sieht der Apostel Paulus in der Kirche auch die Gemeinschaft aller Getauften. Und selbstverständlich ist das auch unser Bewusstsein: Nachdem wir Jesus Christus in der Kirche erkennen, seine verborgene Gegenwart und sein Wirken, gehören auch wir zur Kirche. Ja, wir dürfen in diesem Sinn sogar sagen: WIR sind die Kirche – durch und mit dem Herrn. Jeder Einzelne von uns ist Kirche und ein Glied der Kirche. Jeder von uns macht Kirche sichtbar und erlebbar.

 

Bei unserem heutigen letzten Betrachtungsthema geht es um die Frage: Wie wird die Kirche aufgebaut? Wie wächst die Kirche? Paulus hat uns gelehrt, in Jesus Christus das Haupt der Kirche zu sehen. Dieses paulinische Bild vom Haupt sagt uns: Christus hat den absoluten Vorrang in der Kirche. Als Kirche können wir nicht leben ohne das Haupt Jesus Christus. Das Bild vom Haupt sagt uns, dass die Kirche zuerst und vor allem durch Jesus Christus aufgebaut wird. Die Kirche lebt allein von der Gnade Christi. Im Zentrum des kirchlichen Lebens stehen deshalb die 7 Sakramente. Herzmitte und Lebensquelle der Kirche ist die Eucharistie, das Hl. Messopfer. Die Kirche wird vor allem von der Eucharistie her aufgebaut. Papst Johannes Paul II. hat diese Tatsache mit einer eigenen Enzyklika aufgezeigt: „Ecclesia de Eucharistia“ aus dem Jahr 2003: Die Kirche lebt und wächst aus der Eucharistie. Deswegen sind die sonntägliche Messfeiern und die Sakramente so wichtig, weil wir von Christus Leben und Gnade empfangen. Ohne Sakramente und ohne Sonntag gibt es kein kirchliches Leben.

 

Das Festgeheimnis von Christi Himmelfahrt, das wir heute feiern, will uns gerade auch das bewusst machen: Jesus geht in den Himmel ein, er kehrt zum Vater zurück und setzt sich „zur Rechten Gottes“(Mk 16,19). „Zur Rechten Gottes sitzen“ ist ein Bild das sagen will: Im Himmel ist Jesus nicht untätig. Im Gegenteil. Vom Himmel her übt Jesus seine Königsherrschaft aus: Vom Himmel her ist Jesus das Haupt seiner Kirche. Ihm ist alle Macht gegeben „im Himmel und auf Erden“(Mt ……….) Vom Himmel her lenkt Jesus seine Kirche und baut sie auf.

 

Wenn wir diesen Aufbau der Kirche durch Christus festhalten, drängt sich sogleich ein weiterer Gesichtspunkt auf: Der Aufbau der Kirche durch uns Menschen. Weil auch wir Menschen Kirche sind, wird Kirche natürlich auch durch uns aufgebaut. Wir wollen es richtig verstehen: Christus baut die Kirche. Wir Menschen dürfen mit aufbauen. Paulus sagt es so: „Wir sind Gottes Mitarbeiter“(1 Kor 3,9). Gerade auch diese menschliche Dimension können wir im Leben des Apostels Paulus so schön erleben. Einerseits war sich Paulus bewusst, dass in der Kirche alles Gnade ist: „Meine Gnade genügt dir“(2 Kor 12,9), sagt ihm der Herr. Andererseits hat er gewusst, wie sehr der menschliche Einsatz zum Aufbau der Kirche notwendig ist. Er selber hat dafür das beste Beispiel gegeben. Denken wir an seine drei Missionsreisen und an seine Briefe, die von seinem unermüdlichen Einsatz und seiner Aufbauarbeit Zeugnis geben.

 

Wie geht der Aufbau der Kirche vor sich? Wir unterscheiden den inneren und den äußeren Aufbau der Kirche. Es sind zwei verschiedene Bereiche, die aber ineinander übergehen.

a) Der äußere Aufbau der Kirche

 

Den äußeren Bereich der Kirche aufzubauen, ist für uns greifbarer. Das Äußere ist konkret, wir können etwas sehen. Z.B.: Das Gotteshaus schmücken, der Pfarrbrief, ein Pfarrfest, ein Krankenbesuch, die Caritas-Sammlung, ein Taufgespräch, ein Vortrag, der Aufbau der pfarrlichen Seelsorgestrukturen… Paulus berichtet einiges von diesem äußeren Bereich der Kirche: Er organisiert die kirchlichen Strukturen, setzt Priester in den Gemeinden ein (Apg 14,23), er hält überall Predigten, er veranstaltet eine soziale Sammlung für die Armen in Jerusalem (1 Kor 16), dazwischen übt er seinen Beruf als Zeltmacher aus (Apg 20,34), auch um der Kirche willen. Alle diese äußeren Bereiche sind aber nicht Selbstzweck. Sie dienen einem geistlichen Ziel, nämlich dem inneren Aufbau der Kirche.

 

b) Der innere Aufbau der Kirche

 

Alles, was wir in der Kirche äußerlich tun, will die Kirche innerlich aufbauen. Was ist das Innere? Es ist der Aufbau von Glaube, Hoffnung und Liebe - zu Gott hin, der Aufbau der Einheit mit dem Dreifaltigen Gott. Dazu gehört wesentlich auch der Aufbau der menschlichen Gemeinschaft, dass wir Menschen in Gott zueinander finden und verbunden sind. Kurz: Unser Wachsen und Reifen in der Gottes- und Nächstenliebe, damit wir so den Weg zum ewigen Heil finden.

 

Die Lebendigkeit der Kirche hängt nicht davon ab, wie viel Papier gedruckt wird, wie viele Gremien, Diskussionen und äußere Aktionen es gibt, sondern wie tief und stark wir in Glaube, Hoffnung und Liebe sind, wie tief wir mit Gott und untereinander verbunden sind. Jesus sagt einmal: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben finden“(Lk 18,8)? Wird der Herr, wenn er wiederkommt, in seiner Kirche – z.B. in unseren Wohlstandsländern - noch Glauben finden, oder nur mehr Papier, Organisation und Strukturen, die nicht mehr von katholischem Glaubens- und Gnadenleben erfüllt sind? Doch „der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“(Joh 6,63).

 

Lassen wir uns zum Abschluss von Paulus noch einige Anregungen für den Mitaufbau der Kirche geben:

 

a) Paulus lehrt uns zuerst das Gebet zum Aufbau der Kirche. In seinen Briefen ruft er die Gemeinden immer wieder zum Gebet: „Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist“(Eph 6,18). Die Kirche kann nur von betenden Menschen aufgebaut werden. Deshalb hat das persönliche und gemeinsame Gebet, auch die Werktagsmessen, Eucharistische Anbetung, Rosenkranz, Andachten usw. große Bedeutung. Die Fruchtbarkeit von unseren Taten in der Kirche hängt davon ab, wie sehr wir beten, d.h. wie sehr wir mit Gott verbunden sind. Denken wir an das Gleichnis vom Weinstock und den Reben: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“(Joh 15,5).

 

b) Paulus spricht ausführlich von den Charismen (z.B. in 1 Kor 12). Charismen sind Gnadengaben Gottes zum Aufbau der Kirche. In der heutigen 2. Lesung spricht Paulus über diese Charismen zu uns: „Aber jeder von uns empfing die Gnade in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt hat. Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi“(Eph 4,11-12). Jeder Getaufte hat persönliche Begabungen und Talente bekommen. Wir wollen immer wieder bereit sein, unsere Talente in den Dienst der Kirche zu stellen, uns zur Verfügung zu stellen.

 

Freilich trifft es in einer Pfarre immer wieder die gleichen Gläubigen. Die Kirche lebt von denen, die treu sind, die immer wieder zu einem mehr bereit sind. Diese Dienste können nicht bezahlt werden. Aber es gibt einen besonderen Lohn für Einsatz und Treue, den Gott in der Ewigkeit geben wird. Im Himmel werden nicht alle das gleiche Maß der Glückseeligkeit haben. Jeder wird auch den besonderen Lohn erhalten für die Mühe, die er aufgewendet hat. Paulus sagt dazu: „Wer pflanzt und wer begießt: beide arbeiten am gleichen Werk, jeder aber erhält seinen besonderen Lohn, je nach der Mühe, die er aufgewendet hat“(1 Kor 3,8). Es gibt also im Himmel einen besonderen Lohn, entsprechend der Mühe, die jemand für die Gottes- und Nächstenliebe und für die Kirche aufgewendet hat.

c) Paulus macht uns auch auf den Wert des Leidens aufmerksam. Im Kolosserbrief schreibt er: „In meinem irdischen Leben ergänze ich das, was an den Leiden Christi noch fehlt“(Kol 1,24). Paulus will nicht sagen, dass das Leiden Christi unvollkommen war. Er will sagen, dass wir mit unseren Lebenskreuzen, mit unseren Leiden und Opfern mitwirken dürfen an der Rettung der Seelen. Das ist eine Frohbotschaft für jeden Kranken und Leidenden. Jeder Kranke kann sein Leiden mit Christus vereinigen, es annehmen, und so fruchtbar machen für den inneren Aufbau der Kirche, für die Rettung der Seelen.

 

Danken wir dem Herrn aus ganzem Herzen, dass er uns in seine Kirche gerufen hat. Lieben wir die Kirche. Versuchen wir, an unserem Platz sie aufzubauen, sie zu stärken und zum Strahlen zu bringen. Amen.

 

In Maria und den Heiligen

das wahre Antlitz der Kirche entdecken

 

Die Kirche lebt in den Menschen, und wer die Kirche kennenlernen, ihr Geheimnis verstehen will, muss die Menschen betrachten, die ihre Botschaft, ihr Geheimnis gelebt und leben. Deshalb spreche ich seit längerer Zeit in den Mittwochskatechesen von Personen, von denen wir lernen können, was die Kirche ist.

 

Heute möchte ich über Ambrosius Autpertus sprechen (…) Für unsere Zeit können wir in Ambrosius Autpertus eine Persönlichkeit sehen, die in einer Zeit starker politischer Instrumentalisierung der Kirche gelebt hat, in einer Zeit, in der Nationalismus und Tribalismus das Antlitz der Kirche entstellt hatten. Aber er verstand es, inmitten all dieser Schwierigkeiten, die auch wir kennen, das wahre Antlitz der Kirche in Maria, in den Heiligen zu entdecken. Und so vermochte er zu begreifen, was es heißt, katholisch zu sein, Christ zu sein, aus dem Wort Gottes zu leben, in diesen Abgrund einzutreten und so das Geheimnis der Muttergottes zu leben: dem Wort Gottes neues Leben zu schenken, in der heutigen Zeit dem Wort Gottes das eigene Fleisch anzubieten. Und mit seinem ganzen theologischen Wissen, mit der Tiefe seiner Wissenschaft vermochte Autpertus zu begreifen, dass mit der einfachen theologischen Forschung Gott nicht erkannt werden kann, wie er wirklich ist. Nur die Liebe erreicht ihn. Hören wir diese Botschaft und beten wir zum Herrn, dass er uns helfe, das Geheimnis der Kirche heute, in dieser unserer Zeit zu leben.

 

Papst Benedikt XVI.

aus der Katechese über den hl. Kirchenvater Ambrosius Autpertus (8.Jh.)

Mittwoch, 22. April 2009

 

Die göttliche Schönheit der Kirche entdecken

 

Die Liturgie im Bewusstsein der Gegenwart Gottes zu feiern, mit jener Würde und Schönheit, die ein wenig von seinem Glanz sehen lässt, ist die Verpflichtung jedes Christen, der in seinem Glauben gebildet ist.

 

Gerade hinsichtlich der Kirche neigen wir Menschen dazu, vor allem die Sünden, das Negative zu sehen; aber mit der Hilfe des Glaubens, der uns befähigt, auf echte Weise zu sehen, können wir auch heute und immer in ihr die göttliche Schönheit entdecken.

 

In der Kirche wird Gott gegenwärtig, bietet er sich uns in der Heiligen Eucharistie an und bleibt anwesend für die Anbetung. In der Kirche spricht Gott mit uns, in der Kirche „geht Gott mit uns“, wie der hl. Germanus sagt. In der Kirche empfangen wir die Vergebung Gottes und lernen wir, zu vergeben.

 

Bitten wir Gott, dass er uns lehre, in der Kirche seine Gegenwart, seine Schönheit zu sehen, seine Gegenwart in der Welt zu sehen und dass er uns helfe, dass auch wir sein Licht durchscheinen lassen.

 

Papst Benedikt XVI.

Aus der Katechese über den hl. Germanus von Konstantinopel (8.Jh.)

Mittwoch, 29. April 2009

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.