178) 4. Sonntag im JK C) 2016: ABLEHNUNG CHRISTI UND MARIA VOM SCHRECKEN

4. Sonntag im Jahreskreis C) 2016

"SIE BRACHTEN JESUS AN DEN ABHANG DES BERGES ...

UND WOLLTEN IHN HINABSTÜRZEN" (Lk 4,29)

ABLEHNUNG CHRISTI UND MARIA VOM SCHRECKEN

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

In Nazareth gibt es auf der Anhöhe der Stadt eine kleine Kapelle, die an einen tiefen seelischen Schmerz der Muttergottes erinnert, die Kapelle MARIA VOM SCHRECKEN. Heute ist diese Kapelle in ein kirchliches Altersheim eingebaut, das man dort errichtet hat. Ich war selbst einmal dort. Diese Kapelle erinnert an das Ereignis, das im heutigen Evangelium berichtet wird. Maria muss mit Todesschrecken erleben, dass die Bewohner von Nazareth ihren Sohn in der Synagoge voller Hass ablehnen und ihn töten wollen. Dieses Ereignis war für Maria so leidvoll, dass es wert wäre, zu den Sieben Schmerzen Mariens als Achter Schmerz dazugefügt zu werden. Von diesem Tag an hatte die Muttergottes in Nazareth kein leichtes Dasein mehr. Sie hat auch später diesen Ort verlassen. Sie wurde vom Apostel Johannes zu sich genommen und lebte in Jerusalem bzw. in Ephesus.

           

Auch für den Herrn selber war das sicher ein tiefer Schmerz. Die Menschen in Nazareth, wo er fast 30 Jahre lebte, waren ihm ans Herz gewachsen. Ausgerechnet von ihnen musste er das erfahren.

           

Was ist da in Nazareth geschehen? Zuerst sind von seiner Predigt alle begeistert: "Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete" (Lk 4,22). Bis hierher geht es gut. Dann schwenkt die Stimmung um. "Ist das nicht der Sohn Josefs" (Lk 4,22)? Das ist ein Zeichen dafür, dass die Leute Christus weiterhin nur menschlich gesehen haben: "Der Sohn Josefs. Den kennen wir ja schon lange. Was will der? Was macht der aus sich selber? Was erlaubt sich der...?"

           

Wie konnte die anfängliche Begeisterung zu einer so radikalen Ablehnung werden? Christus ist bei seinem öffentlichen Wirken nicht einfach als gewöhnlicher Mensch aufgetreten, als "Sohn der Maria", als "Sohn des Josef", der er nicht war (Lk 4,22). Christus hat mit Worten und mit Wundern verkündet, dass er der Messias ist. In der Synagoge von Nazareth sagt er wie selbstverständlich, dass sich die Messiasverheißungen des Propheten Jesaja an ihm erfüllen. Jesus ist als Christus aufgetreten, als der Gesalbte/der Messias des Herrn; natürlich schon menschlich, doch mit göttlicher Vollmacht, mit Hoheit und Würde. Es sieht so aus, dass die Leute von Nazareth diese Wende von Jesus, dem "Sohn Josefs" hin zu Christus, dem Messias, nicht mitgemacht haben oder nicht mitmachen wollen. In der Folge haben sie Christus nicht geglaubt. Der hl. Evangelist Markus erwähnt, dass Christus sich über den Unglauben seiner Landsleute in Nazareth gewundert hat und dort keine Wunder wirken konnte (Mk 6,6). Der hl. Evangelist Lukas beschreibt die Situation ausführlicher. Die Situation ist eskaliert, die Männer in der Synagoge waren voll Wut, sind handgreiflich geworden und wollten den Herrn lynchen.

           

Was kann dieses Ereignis in Nazareth uns sagen?

           

Überall, wo er das Evangelium verkündet, sind die Menschen vor die Entscheidung gestellt. Das war immer so. Auch heute. Wer mit Christus, dem Sohn Gottes, seiner Heilslehre, konfrontiert wird, steht vor der Entscheidung, ob er zu Christus Ja oder Nein sagt.

           

Christus und seine Heilslehre, kurz: das Kreuz, ist von Anfang an auch auf Widerstand und Ablehnung gestoßen. Denken wir an die Flucht der Hl. Familie nach Ägypten. Der Herr hat die Apostel auf die Ablehnung vorbereitet. Bei den Abschiedsreden sagt er zu ihnen: "Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten" (Joh 15,29). Hier sagt Christus den Aposteln und den Priestern aller Zeiten: Ein Priester wird die Freuden der geistigen Vaterschaft erfahren, wo Menschen das Wort Christi annehmen. Ein Priester wird aber auch das Schicksal seines Meisters teilen: Unverständnis, manchmal auch Hass und Ablehnung, bis hin zum Martyrium.

           

Wo die Kirche verweltlicht ist, vor allem in unserer westlichen Welt, ist das Evangelium Christi nicht unbedingt der große Renner. Seien wir uns ehrlich. Es geht in unseren Pfarrgemeinden, wo noch Priester sind, letztlich nicht um die Länge einer Predigt. Es geht um den Inhalt. Manches will man, wie es scheint, nicht mehr gerne hören, weil es das Denken und Handeln der heutigen Menschen in Frage stellt. Die großen Herausforderungen sind die katholische Ehelehre, die Lehre über das Allerheiligste Altarsakrament, die 10 Gebote Gottes, das Sich- Beugen des Menschen vor der Größe Gottes. Ein Katholik, der in seinem Verhalten auch nur mit einem Bereich der Lehre Christi auf Kriegsfuß ist, wird mit einem katholischen Gottesdienst nicht gut zurechtkommen. Er wird mit dem Hl. Messopfer erst dann eine richtige Freude haben, und den inneren Frieden finden, wenn er sich bekehrt, dh wenn er die Heilslehre Christi aufrichtig bejaht. Wer gegen die Predigt der Kirche - vorausgesetzt dass katholisch gepredigt wird - immer wieder aufmurrt, kann das als Signal sehen, dass in seinem Herzen oder seinem Leben etwas mit dem Glauben nicht übereinstimmt. Einem solchen Dilemma kann man nur durch eine aufrichtige Bekehrung, sprich Beichte, herauskommen. Am hilfreichsten wären ignatianische Exerzitien.

           

Wie können wir mit dieser Situation umgehen? Schauen wir auf den Herrn, was ER getan hat.

           

Christus hat in Nazareth nichts von seinem Messias-Anspruch zurückgenommen. Auch später nicht. Am Ende seines Lebens war er so beliebt, dass er am Kreuz endete. Doch er konnte am Kreuz noch beten: "Es ist vollbracht" (Joh 19,30). Er ist aus Liebe zu uns unser Erlöser geworden. Nach dem Beispiel Christi darf auch die Kirche nichts von der Heilslehre Christi zurücknehmen, keine Abstriche machen. Wo die Kirche, also wir, Christus und seiner Lehre treu sind, werden wir vom Herrn gesegnet. Wo die Kirche die Heilslehre Christi nicht mehr beachtet, sich, wie Paulus einmal sagt, "andere Lehrer sucht" und andere Lehren selber macht, die "den Ohren schmeicheln" (2 Tim 4,3), wird sie schlicht und einfach zugrunde gehen.

           

In Nazareth ist Christus abgelehnt worden. Seine Reaktion: "Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg" (Lk 4,30). Was da geschehen ist, ist ein Gerichtsereignis. Wer die Heilslehre Christi ablehnt, lehnt Christus ab. Wo Christus geht, geht das Heil, das Leben, die Hoffnung... und es kommt das Unheil, das Elend: "Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag" (Joh 12,48). Hier sind die Weherufe Christi über die Galiläischen Städte aktuell (Mt 11,20-24). Was wir in der westlichen Kirche erleben, ist wie ein "Selbstgericht" der Menschen.

           

In der jetzigen Zeit- und Kirchensituation ist unser Herr Jesus Christus mit seinem Anspruch manchmal ein "Störenfried", so wie in Nazareth. Deshalb ist auch der Priester manchmal ein unbeliebter "Störenfried", ein Stachel im Fleisch der heutigen Gesellschaft, auch in der Kirche. Doch gerade darin liegt auch eine Chance: Die Heilslehre Christi bringt uns in eine innere Spannung - Lehre und Leben. Auch wir Priester erfahren diese Spannung, weil wir schwache Menschen sind und dem priesterlichen Anspruch Christi hinten nach hinken. Ein Katholik kann dieser Spannung ausweichen, indem man sich von Christus, vom Hl. Messopfer, entfernt, dann muss man die Folgen tragen. Man kann diese Spannung aber auch aushalten, das ist dann ein heilsamer Seelenschmerz; diese Spannung nimmt immer mehr ab, die Freude wird immer größer, je mehr wir in das Leben mit Christus hineinwachsen. Und man kann sich auch von dieser Spannung anspornen lassen.

           

Maria vom Schrecken! Hilf uns, dass wir Christus nie ablehnen, sondern ihn immer neu aufnehmen als unseren Erlöser. Hilf uns, uns von der Heilslehre Christi herausfordern zu lassen, um daran zu wachsen und zu reifen, und schon hier auf Erden den inneren Frieden finden und einmal das ewige Heil erlangen. Amen.

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