179) 5. Sonntag im JK C) 2016: Reihe Ehe im Plan Gottes 16): MENSCHL. GRUNDEINSICHTEN - BIOMEDIZIN

5. Sonntag im Jahreskreis C)

Reihe Ehe und Familie im Plan Gottes 16)

"GOTT, UNSER VATER, WIR SIND DEIN EIGENTUM" (Tagesgebet)

ANTHROPOLOGISCHE GRUNDEINSICHTEN ZUR BEURTEILUNG DER

MODERNEN BIOMEDIZIN

                                         Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Das heutige Tagesgebet beginnt mit den Worten: "Gott, unser Vater, wir sind dein Eigentum." Das sind schlichte Worte mit einem tiefen Inhalt. Der Mensch hat sich nicht selbst ins Dasein gesetzt. Unser Leben ist ein Geschenk Gottes. Wir sind Gottes Eigentum, weil Gott unser Schöpfer und Vater ist, der das menschliche Leben in Liebe erdacht und geschaffen hat. Wir sind Gottes Eigentum, weil der Sohn Gottes uns erlöst hat. Der hl. Paulus erinnert uns, dass wir durch die Erlösung Gottes Eigentum geworden sind (Eph 1,14) und nicht mehr uns selber gehören (1 Kor 6,19). Das heutige Wort Gottes führt uns noch einen Schritt weiter. Wir hören von der Berufung des Propheten Jesaja, des hl. Paulus und des hl. Petrus. Gott hat uns auch eine ganz persönliche Lebensaufgabe, eine Lebensberufung, zugedacht. Deshalb ist eine Grundhaltung des Christen, immer nach dem Willen Gottes zu fragen. Es macht uns glücklich, wenn wir uns in Liebe und Freiheit auf den Plan Gottes einlassen.

           

In diesem katholischen Grundverständnis des menschlichen Lebens, das in der heutigen Sonntagsliturgie angesprochen wird, ist auch der Bereich Ehe und Familie verwurzelt. Weil wir Gottes Eigentum sind, ist im Bereich der Weitergabe des Lebens nicht alles sittlich gut, was medizinisch möglich ist; nicht alles entspricht dem Schöpfungsplan Gottes.

           

Berühren wir heute den umfassenden Bereich der Biomedizin. Es geht um das beginnende menschlichen Leben und um die Art und Weise der Weitergabe des Lebens. Wir werden heute immer öfter mit Fragen und Problemen in diesem Bereich konfrontiert, deshalb sollten wir zumindest im Grundsätzlichen Bescheid wissen. Denn im Bereich der Biomedizin sind Entwicklungen im Gange, die uns als Katholiken nicht neutral und gleichgültig lassen dürfen. Dazu kommt, dass in diesem Bereich die staatlichen Gesetze dem beginnenden menschlichen Leben oft keinen Schutz mehr geben. Ein Katholik, der im Staat das Wahlrecht hat, soll immer auch darauf achten, wie eine Partei zur Ehe, Familie und zum Leben steht. Wir werden sonst durch die hohe Staatspolitik immer mehr unter die Räuber geraten.

           

Die Kongregation für die Glaubenslehre hat im Jahr 1987 im Auftrag von Papst Johannes Paul II. zu einigen grundlegenden Fragen der Biomedizin Stellung bezogen. Es handelt sich um ein sehr wichtiges Dokument des kirchlichen Lehramtes. Schon der Name ist bezeichnend: "DONUM VITAE - DAS GESCHENK DES LEBENS": "Instruktion der Kongregation für die Glaubenlehre über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung." Dieses Glaubensdokument ist eine große Hilfe für alle Menschen guten Willens, die Würde des beginnenden menschlichen Lebens zu erkennen und zu schützen. Uns Katholiken vermittelt dieses Dokument die immer gültigen Grundsätze des katholischen Glaubens und der aus dem Glauben kommenden Moral. Mit diesen Grundsätzen sind wir in der Lage, die aktuellen Fragen und Probleme der Biomedizin zu beurteilen, dies nennen wir Bioehtik. Es geht konkret um den Schutz des menschlichen Lebens im Anfangsstadium, um die pränatale/vorgeburtliche Diagnostik, um Abtreibung, um künstliche Befruchtung. In all diesen Bereichen gibt es in der Biomedizin viele Fehlentwicklungen, schwere Verletzungen der menschlichen Person und der menschlichen Würde. Es geht um Handlungen, die zu moralischer Schuld und zu Folgen von Schuld führen.

           

Die vielen heiklen Probleme der modernen Biomedizin sind nur zu klären, wenn wir ein angemessenes Verständnis der Menschennatur haben (Donum vitae, Einführung, 3). Wir sollen wissen: "Wer bin ich als Menschen?" um zu erkennen: "Wie kann ich mit meinem Menschsein umgehen?" Zuerst sind zwei grundlegende Einsichten in das Geschenk des menschlichen Lebens von Bedeutung. Um diese Einsichten geht es uns heute.

           

a) Der Mensch ist eine Einheit aus Leib und Seele

           

"Nur in der Richtung ihrer wahren Natur kann sich die menschliche Person als <geeinte Ganzheit> (9) verwirklichen: Nun ist diese Natur aber zugleich leiblich und geistig. Kraft seiner substantiellen Vereinigung mit einer Geistseele kann der menschliche Leib nicht nur als ein Gefüge von Geweben, Organen und Funktionen angesehen noch auf gleiche Weise wie der Tierkörper bewertet werden, denn er ist konstitutiver Teil der Person, die sich durch ihn manifestiert und ausdrückt. [...] Johannes Paul II. bekräftigte vor dem Weltärztebund in aller Deutlichkeit: <Jeder Mensch besteht in seiner unwiederholbaren Einmaligkeit nicht nur aus Geist, sondern auch aus Leib. So berührt man im Leib und durch den Leib die Person als solche in ihrer konkreten Wirklichkeit. Die Würde des Menschen achten bedeutet demzufolge, diese Identität des aus Leib und Seele einen Menschen (corpore et anima unus) zu wahren>"

(Instruktion Donum vitae, Einführung, 3)

           

Mit einfachen Worten gesagt heißt das: Der Mensch ist eine Einheit aus Leib und Seele. Der Mensch ist nicht aus "Teilen" zusammengesetzt, mit denen wir nach Belieben wie bei einem Roboter herummontieren können.

           

Dazu kommt: Der Mensch hat aufgrund der unsterblichen Geistseele, die unmittelbar vom Schöpfergott im Augenblick der Zeugung geschaffen ist, die Würde der Person, und zwar vom ersten Augenblick der Empfängnis an. Der Leib und alle Organe des Körpers haben Teil an dieser Würde der Person. Was wir mit unserem Körper und seinen Organen tun oder daran tun lassen, muss mit der Würde der Person vereinbar sein.

           

b) Die Weitergabe des Lebens ist an den menschlichen Zeugungsakt gebunden

           

"Im Vergleich mit der Weitergabe der anderen Lebensformen im Universum hat die Weitergabe des menschlichen Lebens ihre Einzigartigkeit, die sich aus der Einzigartigkeit der Person selbst ableitet. <Die Weitergabe des menschlichen Lebens ist von Natur aus einem personalen und bewußten Akt anvertraut und als solcher den heiligsten Gesetzen Gottes unterstellt. Diese Gesetze sind unveränderlich und unverletzlich; niemand darf sie mißachten und übertreten. Darum darf man keine Mittel gebrauchen und keinen Methoden folgen, die bei der pflanzlichen und tierischen Fortpflanzung erlaubt sein können.> (Johannes XXIII. Mater et magistra)" (Instruktion Donum vitae, Einführung, 4)

           

"Das Kind hat ein Recht darauf, innerhalb der Ehe empfangen, ausgetragen, auf die Welt gebracht und erzogen zu werden: Gerade durch die sichere und anerkannte Beziehung zu den eigenen Eltern kann es seine eigene Identität entdecken und menschlich heranreifen. Die Eltern finden im Kind eine Bestätigung und Ergänzung ihrer gegenseitigen Hingabe: Es ist der lebendige Widerschein ihrer Liebe, das bleibende Zeichen ihrer ehelichen Gemeinschaft, die lebendige und unauflösliche Einheit ihres Vater- und Mutterseins" (Instruktion Donum vitae, II, A, 1).

           

Mit einfachen Worten: Die Weitergabe des menschlichen Lebens hat der Schöpfergott an den Zeugungsakt von Mann und Frau gebunden. Nach der katholischen Ehelehre soll der Zeugungsakt innerhalb der Ehe stattfinden.

           

Diese beiden anthropologisch/menschlichen Grundeinsichten (die leib-seelische Einheit des Menschen, die Verbindung des Zeugungsaktes und der Weitergabe des Lebens) geben uns die moralischen Maßstäbe zur Beurteilung der heutigen Biomedizinischen Fragen und Probleme.

           

Gott, unser Vater, wir sind Dein Eigentum. Auch im heiligen Bereich der Weitergabe des Lebens sind wir Gottes Eigentum. Wenn wir im Willen Gottes leben, geht es uns gut. Maria, Mutter des Lebens, bitte für uns. Amen.

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