177) 3. Sonntag im Jahreskreis C) 2016: DIE HL. TAUFE, DAS GROSSE SAKRAMENT DER BEFREIUNG

3. Sonntag im JK C) 2015

"Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde" (Lk 4,18)

DIE HL. TAUFE, DAS GROSSE SAKRAMENT DER BEFREIUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

Die erste Predigt, die Jesus Christus in Nazareth gehalten hat, ist wie die Kundgabe seines Pastoralprogramms. Christus sagt, was sein Herzensanliegen ist. Er ist von Gott Vater gesandt, die Frohe Botschaft zu verkünden, den Gefangenen die Entlassung, den Blinden das Augenlicht, den Zerschlagenen die Freiheit. Das alles zusammen ist das Gnadenjahr des Herrn.

Vieles davon hat Christus wörtlich erfüllt. Doch alle diese Taten sind auch Zeichen für etwas Tieferes. Am deutlichsten merken wir das beim Wort: "Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde." Christus ist nie in die Gefängnisse gegangen, um die Inhaftierten herauszuholen. Das hätte ihm große Schwierigkeit mit der Römischen Behörde eingebracht. Die Entlassung, die Christus verkündet, gilt nicht Inhaftierten von Gefängnissen. Die Entlassung gilt Menschen in geistig-seelischer Gefangenschaft. Es gibt mehrere Formen einer Gefangenschaft der Seele, einige bedeutende machen wir uns kurz bewusst:

- die Erbschuld ist eine Gefangenschaft, die alle Menschen betrifft

- Folgen der Erbschuld binden uns, zB der Egoismus an uns selber

- die willentlich begangene persönliche Sünde führt in eine seelische Gefangenschaft, dh der

   Mensch kann nicht mehr klar erkennen, kann sich nicht mehr recht entfalten, er ist belastet,

   kann sich nicht mehr richtig freuen...

- im Bereich des Okkultismus gibt es Einflüsse der Dämonen, die Menschen binden

- es gibt negative Einflüsse von bösen Menschen, wie zB Verfluchungen, Verwünschungen

- ein Mensch kann auch von Schwierigkeiten und Problemen des Lebens wie gefangen sein

- die letzte Gefangenschaft, die der Mensch erleidet, ist der Tod und das Grab

Das alles sind Formen von Gefangenschaften der Seele. Diesen Gefangenschaften setzt Christus ein Ende. Er verkündet die Freiheit, dh die Erlösung. Und dies ist viel mehr, als von einem körperlichen Übel geheilt zu werden. Die ganzen Krankenheilungen des Herrn sind ein Zeichen für die eigentliche Heilung der Seele durch die Erlösung des Sohnes Gottes.

Wie oft haben sich im Lauf der Geschichte Politiker als Befreier der Menschen ausgegeben, sich damit an die Stelle Gottes gesetzt und ganze Völker ins Elend geführt. Wir bekennen: Christus ist der wahre, größte und einzige Befreier aller Zeiten. Er führt uns Menschen heraus aus allen geistig-seelischen Gefangenschaften, er führt uns in die wahre Freiheit, in die Freiheit der Kinder Gottes. Diese Freiheit ist die Frucht seines Leidens und Sterbens. Der Apostel Petrus erinnert uns daran, dass wir durch das Blut Jesu Christi erlöst und befreit sind (1 Petr 1,19).

Wer schon als Kleinkind getauft und durch gläubige Eltern in den Glauben hineingeführt wurde, dem ist vielleicht nicht so bewusst, wie groß dieses Geschenk ist, weil die Seele sozusagen immer in dieser Freiheit der Kinder Gottes atmen und leben konnte. Wer sich aus dem Heidentum zu Christus bekehrt, der erfährt den Unterschied zu seinem früheren unerlösten Leben viel intensiver. Heute geben auch Konvertiten aus anderen Religionen Zeugnis von dieser Erfahrung der Freiheit und der Liebe, die sie durch die Bekehrung zum wahren Glauben, zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, empfangen haben.

Wie werden wir frei im Sinn Christi? Wir können uns nicht wie Münchhausen selber aus dem Sumpf ziehen. Christus ist auch heute der große Befreier; er befreit aus allen geistig-seelischen Gefangenschaften, die alten und die modernen Gefangenschaften. Der hl. Apostel Johannes lehrt im Prolog seines Evangeliums: "Allen aber, die ihn [Christus] aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden" (Joh 1,12) Christus macht alle frei, die ihn aufnehmen. Wir nehmen Christus auf durch den Glauben und die Sakramente der Kirche. Durch die Kirche führt Christus uns zur inneren Freiheit.

Der große "Befreiungsschlag", mit dem Christus uns in die Freiheit der Kinder Gottes versetzt, ist die heilige Taufe. Christus vergleicht sein Wirken in der Taufe mit einem neu geboren werden, also mit dem Empfang eines neuen Lebens, so der Herr beim Nikodemusgespräch (Joh 3,5-7). Der hl. Paulus sagt über die Wirkung der hl. Taufe: "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden" (2 Kor 5,17). In seinen Taufkatechesen im Römerbrief bringt Paulus noch einen Vergleich: Getauft werden bedeutet, mit Christus gleichsam begraben werden und zu neuem Leben auferstehen (Röm 6,3-8). In den Taufbrunnen hinein steigt der "alter Adam" mit seinen geistig-seelischen Gefangenschaften. Aus der Taufe heraus steigt ein neuer Mensch, innerlich zu einer neuen Schöpfung gemacht.

Wer nach der hl. Taufe in geistig-seelische Gefangenschaften hineingeraten ist, erlangt den großen "Befreiungsschlag Christi" durch die hl. Beichte. Die Beichte befreit von allem, was die Taufgnade blockiert oder behindert.

Die Kirche fasst die Lehre der Heiligen Schrift und der Überlieferung zusammen und beschreibt die übergroße Gnade hl. Taufe (aus dem Catechismus Romanus des Konzils von Trient, vom Katechismus der Katholischen Kirche in Artikel 978 zitiert):

 

a) Die Taufe tilgt jede Schuld und Sünde, die Erbschuld und die persönlichen Sünden.

b) Die Taufe tilgt alle Folgen der Sünden, die sogenannten Sündenstrafen; es bleibt nicht zurück, was noch zu büßen oder zu heilen wäre.

c) Die Taufgnade tilgt auch jede Form von Schuld, die durch Abstammung an einem Menschen haften kann. Es gibt für einen Getauften keine Ahnen- oder Vorfahrenschuld. Das alles ist durch die hl. Taufe getilgt. Stammbaumheilung, Heilungsgebete um Befreiung von Vorfahrenschuld sind nicht nur ein schwerer Unfug, sondern eine Sünde gegen den Glauben.

d) Belassen hat Gott uns nach der Taufe nur die Konkupiszenz, sie ist keine Schuld, sondern eine Schwachheit, die uns zum Kampf und Tugendstreben gegeben ist.

Die Reformatoren des 16. Jh. sagen: Nach der hl. Taufe ist der Mensch Heiliger/Geheiligter und Sünder zugleich, nur schaut Gott nicht hin auf das Sündige. Der katholische Glaube lehrt, dass die hl. Taufe eine vollkommene innere Neugestaltung des Menschen bewirkt, es bleibt keine Sünde oder Strafe zurück. Der Catechismus Romanus sagt es so: Bei den in der hl. Taufe "Wiedergeborenen hasst Gott nichts mehr, weil nichts Verdammenswertes in denen ist, welche wahrhaft mit Christus durch die Taufe in den Tod begraben sind;" die Getauften sind "unschuldig, makellos, rein unsträflich und Lieblinge Gottes geworden" (Cat. Rom 2,2,42). Wer also nach der hl. Taufe stirbt, darf sogleich in die Ewige Anschauung Gottes eingehen.

Das Katechismus Romanus des Konzils von Trient sagt noch etwas Interessantes dazu. Die Taufgnade befreit natürlich nicht von den bürgerlichen Strafen, die ein weltliches Gericht wegen Vergehen verhängt, auch nicht von der Todesstrafe, das liegt ja nicht in der Zuständigkeit der Kirche. Doch, so der Katechismus des Konzils von Trient, "müsste man die Gottesfurcht und Frömmigkeit jener Fürsten gar sehr loben, welche den Schuldigen auch diese Strafe [die Todesstrafe] nachließen und schenkten, damit die Ehre Gottes in seinen Sakramenten noch glänzender erscheine" (Katechismus Romanus 2,2,46). In einer Zeit – dem 16. Jahrhundert - wo überall die Todesstrafe praktiziert wurde, hat der Heilige Stuhl in Rom sich dafür ausgesprochen, aufgrund der Taufgnade zur Ehre Gottes von der Todesstrafe abzusehen.

In der Taufgnade hat uns Gott alles geschenkt und grundgelegt, was wir für unser christliches Leben und den Aufbau des ewigen Lebens brauchen. Nur dürfen wir keine Taufscheinkatholiken sein, dann nützt uns die Taufe nichts. Mit jeder Sonntagsmesse knüpfen wir an die Taufgnade an, um als Lieblinge Gottes in der Freiheit der Kinder Gottes weiter zu wachsen. Amen.

Anhang

Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 978:

„Wenn wir zum ersten Mal den Glauben bekennen und in der heiligen Taufe abgewaschen werden, wird uns die Vergebung so reichlich geschenkt, daß keinerlei Schuld - sei es, daß sie durch die Abstammung an uns haftet, sei es, daß wir etwas durch eigenen Willen unterlassen oder getan haben zu tilgen und keinerlei Strafe zu verbüßen bleibt. Jedoch wird niemand durch die Taufgnade von aller Schwachheit der Natur befreit; vielmehr hat jeder gegen die Regungen der Begierlichkeit, welche uns unablässig zu Sünden anregt, zu kämpfen (Catechismus Romanus 1,11,3)".

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok