176) 2. Sonntag im Jahreskreis C) 2016: GÖTTLICHER WEIN AUS DEM HERZEN JESU

2. Sonntag im JK C 2016

"ALS DER WEIN AUSGING" (Joh 2,1-11)

GÖTTLICHER WEIN AUS DEM HERZEN JESU

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

Eines der Kennzeichen der Werke Gottes ist die Fülle, sogar die Überfülle. Denken wir daran, welche Fülle an Fruchtbarkeit und Segen der Schöpfergott zB in die Natur hineingelegt hat. Auch im Bereich der Übernatur wirkt Gott in Fülle und Überfülle. Auch bei der Hochzeit von Kana erleben wir es. Christus vollbringt sein erstes öffentliches Wunder. Christus ist im Geben nicht knausrig. Der Apostel Johannes schildert es sehr genau, er hat es ja als Zeuge miterlebt. 6 Wasserkrüge stehen zur Verfügung. Ein Krug fasst je zwei bis drei Metreten, heißt es im Urtext, das sind umgerechnet ca. 100 Liter, im Gesamten also etwa 600 Liter Wein. Christus schenkt, wie es Gott eigen ist, in Fülle, im Übermaß. Johannes nennt die Wunder Christi Zeichen. Dh die Wunder Christi sind nicht nur geschichtliche Ereignisse, sie sind auch Zeichen, mit denen uns Gott etwas sagen will. Lassen wir diese Zeichen der Hochzeit von Kana ein wenig zu uns sprechen.

Da ist das Zeichen des Weines. Der Wein ist ein Zeichen für die Liebe, für die menschliche und Göttliche Liebe. Das Weinwunder ist ein Zeichen für den Göttlichen Wein, der aus dem Herzen Jesu kommt. Der Göttliche Wein, das ist das Übermaß der Güte und Barmherzigkeit des Herzens Jesu. Das Weinwunder von Kana verweist auf den Göttlichen Wein des Kostbaren Blutes, das Christus am Kreuz für unsere Erlösung vergossen hat. Bei der Hl. Wandlung wird der Göttliche Wein des Blutes Christi am Altar gegenwärtig, um die Schöpfung zu erhalten, um uns Menschen die Gnaden der Erlösung zu vermitteln.

Auch die Hochzeit ist ein Zeichen. Christus hat sein erstes Wunder sicher nicht zufällig bei einer Hochzeit vollbracht, am Beginn einer menschlichen Ehe und Familie. Er hat sein öffentliches Wirken mit dem Besuch eines frisch vermählten Ehepaares begonnen. Eine Hochzeit ist ein Zeichen für das Glück und die Erfüllung, die wir Menschen in der Liebe suchen, in der Erfahrung des Liebens und des geliebt Werdens.

Sind die Ehe und damit die menschlichen Formen echter Liebe wirklich so tiefe Liebeserfüllungen für uns? Wie es tatsächlich bestellt ist, zeigt uns die kleine Feststellung schon ganz am Beginn der Hochzeit von Kana: "Als der Wein ausging." Eine peinliche Situation für das Brautpaar, denn bei einer orientalischen Hochzeit, die eine Woche dauerte, wo das ganze Dorf und jeder Durchreisende eingeladen war, hätte dies das Ende der Feier bedeutet. "Als der Wein ausging." Das ist ein Zeichen für den unerlösten Zustand des Menschen. Der Mensch, der nicht erlöst ist, ist gleichsam wie abgeschnitten vom Göttlichen Wein aus dem Herzen Jesu, er hat keinen Zugang zur Quelle der Erlösung, die Gott selber ist. Das ist der Zustand, den wir Erbsünde nennen. Die Erbsünde ist die versteckte Wurzel für so viele Übel in der Welt. Nach der hl. Taufe, die die Erbsünde tilgt, ist es die Konkupiszenz, die zur Sünde geneigte menschliche Natur, die uns zu schaffen macht, die uns immer wieder den Göttlichen Wein verwässern oder nehmen will. Die Sünde, die aus der Konkupiszenz hervorgeht, wenn sie willentlich begangen wird, können wir auch als einen Mangel an Liebe bezeichnen.

Der Wein ist ein Zeichen der Liebe, der menschlichen und der göttlichen Liebe. Die Sehnsucht des Herzen nach der Liebe ist groß. Das hat der Schöpfergott uns ins Herz gelegt. Wie kann diese Sehnsucht gestillt werden? Es braucht beides, den Wein der menschlichen und der göttlichen Liebe. Der Wein der menschlichen Liebe allein ist zuwenig für uns. Das Menschliche reicht nicht aus, um den Durst nach Liebe im Herzen zu stillen. Jede Form der menschlichen Liebe, vor allem die eheliche Liebe, muss gebunden sein an die Göttliche Liebe, muss immer wieder neu genährt werden aus dem Urquell der Liebe, der Gott allein ist. Um beim Bild von Kana zu bleiben: Der menschliche Wein der Liebe geht sehr bald aus, wenn er nicht regelmäßig aufgefüllt wird mit dem Göttlichen Wein aus dem Herzen Jesu. Dieses "Nachfüllen" geschieht durch das gemeinsame Gebet, durch hl. Beichte, durch die Sonntagsmesse... Wenn wir zum Hl. Messopfer kommen, bringen wir große Gefäße mit... ein tiefes und weites Herz. Der hl. Pfarrer von Ars sagte einmal bei der Predigt: "Euer Herz ist eng. Das Gebet macht es weit."

Ich sage den Brautpaaren bei der Ehevorbereitung gerne auch in etwa folgenden Gedanken: Ihr dürft voneinander nicht zu viel und nicht alles erwarten. Vor allem darf ein Ehepartner vom anderen nicht das erwarten, was nur Gott geben kann. Damit bringt man den Ehepartner nicht nur in Stress, sondern in eine Überforderung. Wenn in der ehelichen Liebe die Göttliche Liebe keine Bedeutung hat, wird die göttliche Dimension auf das Menschliche übertragen, vielleicht unbewusst, und das geht nicht, weil dann ein Mensch gleichsam zu Gott gemacht wird. Das ist auch eine Ursache für Krisen, dass sozusagen der Göttliche Wein nicht mehr von Gott empfangen wird, sondern von einem Menschen erwartet wird, der ihn nicht geben kann.

Wer hat in Kana die schmerzliche Situation - den fehlenden Wein - als erstes bemerkt? Es war die Gottesmutter Maria. Maria war frei von der Erbsünde, immer in der Gnade und Liebe Gottes. Deshalb hatte sie diesen tiefen Blick für das Herz, das ganz feine Gespür für die Regungen der göttlichen und menschlichen Liebe. Ihre Worte in Kana: "Was er euch sagt, das tut!" Christus hat ihrer Bitte nicht widerstehen können. Maria hat durch ihren Glauben das Weinwunder in die Wege geleitet. Maria hat die Quelle des Göttlichen Weines für uns zum Fließen gebracht.

Wie können wir diesen Göttlichen Wein aus dem Herzen Jesu empfangen und trinken? Auch dafür gibt uns der Bericht des Johannes ein Zeichen. Christus hat nicht die leeren Weinkrüge aufgefüllt. Er hat die Diener geheißen, die großen Wasserkrüge zu füllen, die für die Reinigung bestimmt waren. Das bedeutet: Den Göttlichen Wein aus dem Herzen Jesu können nur jene aufnehmen, die ihr Herz dafür reinigen. Das Herz reinigen heißt umkehren von den Sünden, Buße tun; Buße bedeutet Besserung des Lebens.

Die Hochzeit von Kana lenkt unsere Gedanken abschließend auf das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen hat. Christus zeigt uns mit seinem Weinwunder das Übermaß seiner Güte und Barmherzigkeit. Und Christus zeigt uns den Weg, wie wir den Göttlichen Wein aus seinem Herzen aufnehmen können: Durch Umkehr und Buße. Genau das tun wir beim Empfang des Bußsakramentes. So können wir sagen: Das Heilige Jahr ist eine Einladung, vor allem durch die hl. Beichte den Göttlichen Wein aus dem Herzen Jesu zu trinken - seine Güte und Barmherzigkeit Gottes zu erkennen und zu erlangen. Und dann selber an anderen Barmherzigkeit zu üben.

Maria, Mutter der schönen Liebe, führe uns zur Quelle des Göttlichen Weines, dem Herzen deines Sohnes. Amen.

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