174) Weihnachten, Hochfest Dreikönig 2016: DIE GABEN DER HEILIGEN DREI KÖNIGE

Hochfest Dreikönig 2016

„SIE BRACHTEN IHM GOLD, WEIHRAUCH UND MYRRHE ALS GABEN DAR"

(Mt 2,11) - DIE GABEN DER HEILIGEN DREI KÖNIGE

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Wenn wir uns auf den Weg machen, um einen lieben Menschen zu besuchen, nehmen wir gerne eine Gabe mit, ein kleines Zeichen, mit dem wir unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Bei den Heilligen Drei Königen war es ähnlich. Sie haben sich auf den Weg gemacht. Nur haben sie nicht nur einen Menschen besucht, nicht nur eine hohe Persönlichkeit, sondern GOTT. Dementsprechend haben sie sich Gedanken gemacht für sinnvolle Geschenke. Sie wollten ja nicht mit leeren Händen kommen. Das Matthäusevangelium bezeugt die Gaben, die die Heiligen Drei Könige dem Göttlichen Kind übergeben haben: "Sie brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar."

           

Die Gaben der Heiligen Drei Könige hatten zunächst einen praktischen Wert. Die Heilige Familie war arm. Es kam die Flucht nach Ägypten. Das Gold der Heiligen Drei Könige hat der Heiligen Familie wahrscheinlich das Leben und Überleben gesichert. Der Weihrauch wurde im Orient allgemein in den Häusern verwendet, auch zur Desinfektion. Aus der Myrrhe hat man Salben gegen Wunden bereitet, Betäubungsmittel gegen Schmerzen, Salbung zur Einbalsamierung eines Leichnams.

           

Mit diesem materiellen Wert kann ein Säugling nichts anfangen. Was soll ein Kleinkind mit Goldmünzen, Weihrauch und Myrrhe tun? Wir müssten sagen: "Ihr Heiligen Drei Könige. Ihr habt zwar große Mühen und Strapazen auf euch genommen. Doch mit euren Geschenken liegt ihr daneben! Völlig unpassend für ein Kind!" Doch ist es nicht so. Die Heiligen Drei Könige haben sich in der Auswahl ihrer Geschenke sehr wohl Gedanken gemacht. Ihre Gaben haben eine tiefe Symbolbedeutung. Bei uns ist es ja auch so, dass wir jemand ein Geschenk bringen, das keinen materiellen, sondern einen geistigen Wert hat.

           

Mit den drei Gaben drücken diese Männer ihre Herzenshaltung und ihre Glaubenshaltung aus. Das Wesentliche ist uns im Heiligen Text bezeugt: Die Heiligen Drei Könige haben den wahren Gott gesucht und gefunden. Sie erkennen im Kind den Messias, den Sohn Gottes, sie knien nieder und beten an. Das sind die wahren Weisen, die vor Gott ihr Knie beugen und frei geworden sind, ihn anzubeten. Auf diese Herzenshaltung, auf diese Glaubenshaltung der Heiligen Drei Könige verweisen uns ihre drei Gaben. Gold: Ihre aufrichtige Sehnsucht nach Gott, ihre Gottesliebe. Weihrauch: Ihre Haltung der Anbetung des Messias, ihre Hingabe an den Sohn Gottes. Myrrhe: Ihre seelischen Leiden und Opfer, die mit ihrem inneren und äußeren Weg zur Erkenntnis des wahren Gottes verbunden waren.

           

Noch eine Symbolbedeutung haben diese Gaben der Heiligen Drei Könige. Sie verweisen uns auf das Geheimnis des Kindes, auf das Christusgeheimnis. Ob das prophetisch war oder ob es den Heiligen Drei Königen bewusst war, steht nicht im Matthäusevangelium. Doch aus dem ganzen geschichtlichen Zusammenhang können wir schließen, dass die Heiligen Drei Könige den Kern bereits in ihrer Heimat erkannt hatten, sonst hätten sie nicht diese Gaben ausgewählt. Durch ausgewanderte Juden waren Schriften des Alten Testamentes überall im damaligen Orient bekannt. Es gab außerhalb Palästinas jüdische Siedlungen mit dem Synagogengottesdienst. Auch aus den Heidenvölkern gab es Bekehrungen zum Judentum, also zum Glauben Israels. Diese bekehrten Heiden nannte man Proselyten. Sie haben am Synagogengottesdienst teilgenommen und dadurch die Heiligen Schriften des Alten Bundes gekannt. Die Propheten haben das Königtum des Messias vorausgesagt, die Gottheit und auch das Leiden. Wir können annehmen, dass die Heiligen Drei Könige - wie die gläubigen Juden - um diese prophetischen Dimensionen des erwarteten Messias gewusst haben. Denn ihre drei Gaben beziehen sich darauf:

           

< Das Gold verweist auf das Königtum Christi. Gold ist die Farbe des Himmels. Gott Jahwe ist im Alten Bund König seines Volkes Israel. In vielen Psalmen beten die Israeliten - und wir heute noch - zu Gott als unserem König (zB Ps 74,12). Die Heiligen Drei Könige schenken Gold. Sie drücken damit aus, dass das Kind in der Krippe ein Königskind ist. Es hat die königliche Würde und Hoheit Gottes.

           

< Der Weihrauch verweist auf die Gottheit Christi. Der Weihrauch ist ein Zeichen der Anbetung Gottes. In den alten heidnischen Religionen wurde den Göttern als Zeichen der Anbetung Weihrauch geopfert, auch in den heidnischen Tempeln des alten Rom war das so. Das Volk Israel hat Gott als Zeichen der Anbetung Weihrauch geopfert. Im Jerusalemer Tempel gab es den Rauchopferaltar. Ein Priester hat darauf täglich zur Anbetung Gottes Weihrauch aufsteigen lassen. Die Heiligen Drei Könige schenken Weihrauch. Sie drücken damit aus, dass das Kind in der Krippe Gott ist, vor dem sie sich anbetend niederwerfen.

           

< Die bittere Myrrhe verweist auf das Leiden und den Tod Christi. Die Heiligen Drei Könige schenken Myrrhe. Sie drücken damit das Geheimnis des Leidens aus. Der Messias wird leiden und sterben. So hatte es zB der Prophet Jesaja in seinen Liedern vom leidenden Gottesknecht vorausgesagt.

           

"Sie brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar." Die Heiligen Drei Könige drücken mit diesen Gaben ihre Herzens- und Glaubenshaltung aus. Sie verweisen mit diesen Gaben auf das Christusgeheimnis.

           

Die Heiligen Drei Könige erinnern auch uns, mit Gaben zum Göttlichen Kind zu kommen. Glaube bedeutet ja nicht nur ein passives Genießen von unserer Seite her. Glaube hat auch zu tun mit unserem Beitrag, unserem inneren Geben, unserem Zusammenwirken mit der Gnade Gottes. Welche Gaben können wir dem Göttlichen Kind schenken?

           

Schenken wir dem Göttlichen Kind das Gold unserer Liebe, der Hingabe unseres Herzens; das Gold der Treue zB in der Mitfeier der Sonntagsmesse. Das Gold des Glaubens.

           

Schenken wir dem Göttlichen Kind den Weihrauch unserer Anbetung. Wir können Christus die Eucharistische Anbetung schenken, vor dem Tabernakel, vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Wir können Christus die Anbetung des Lebens schenken, indem wir Gott im Alltag immer wieder den Vorrang geben vor den weltlichen Dingen. Die bewusste Anbetung Gottes ist eine große Hilfe, den modernen Göttern unserer Zeit zu widerstehen.

           

Schenken wir dem Göttlichen Kind die Myrrhe unserer Mühen, Leiden und Opfer, die mit dem Leben verbunden sind.

           

Die Heiligen Drei Könige haben in den Zeichen ihrer Gaben sich selber Christus geschenkt. Und doch sind sie die wahren Beschenkten geworden. Denn wir können Gott nichts geben, was er von uns brauchen würde. Er ist in sich selbst unendlich selig. Doch ist er Mensch geworden, um uns beschenken.

           

Ihr Heiligen Drei Könige! Ihr edlen, aufrichtigen, vornehmen und doch so demütigen Männer. Helft uns, eurem Beispiel zu folgen.

           

Christus ist uns erschienen. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.

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