172) Weihnachten - Hochfest der Gottesgebärerin 1. Jänner 2016: UNSER HIMMLISCHER VATER , EIN GOTT DES SEGENS

Neujahr 2016 – Hochfest der Gottesgebärerin Maria

"DER HERR SEGNE DICH UND BEHÜTE DICH" (Num 6,24)

UNSER HIMMLISCHER VATER, EIN GOTT DES SEGENS

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Das erste Wort Gottes, das uns die Kirche am Beginn des neuen bürgerlichen Jahres mit auf den Weg gibt, ist ein Wort des Segens: "Der Herr segne dich und behüte dich." Moses empfängt von Gott einen Auftrag. Er soll seinen Bruder Aaron auffordern, das Volk Israel zu segnen. Aaron war der erste Priester des Alten Bundes. Die Priester des Alten Bundes sollen den Israeliten den Segen Gottes vermitteln.

           

Unsere Vorfahren haben gerne gesagt: "An Gottes Segen ist alles gelegen!" Gehen wir mit dem Segen Gottes und im Vertrauen auf den Segen Gottes in das neue Jahr hinein. Bedenken wir das Geschenk des Segens.

           

Was ist der Segen Gottes? Der Segen Gottes bedeutet vor dem Sündenfall eine Gnade, die den Menschen als Ebenbild Gottes an der Lebensfülle Gottes teilhaben lässt. In diesem Sinn begegnen wir in der Genesis dem Ursegen über die Stammeltern. Nach dem Sündenfall hört Gott nicht auf, den Menschen zu segnen. Im Segen des Aaron heißt es sehr schön, dass Gott uns sein Antlitz zuwendet: Seine Güte, seine Hilfe, seine Nähe, seinen Beistand, seinen Schutz. Der Segen Gottes ist nach dem Sündenfall wie eine Arznei, die Gott schenkt. Der Segen Gottes besteht in den vielen Gnaden, die uns im irdischen Leben helfen und zum ewigen Leben führen. Heilsgeschichtlich ist der Segen Gottes auch eine Gnade, mit der Gott das Unheil und das Dämonische, das durch die Ursünde über die Welt gekommen ist, bannt und unser Leben schützt. Die Fülle des Segens Gottes hat Christus uns durch seine Geburt und seinen Erlösertod erschlossen. ER ist der Segen des himmlischen Vaters schlechthin. Wir können zusammenfassend sagen: Der Gott der Offenbarung ist der Gott des Segens. Schauen wir ein wenig in die Heilige Schrift, wo und wie Gott Vater uns segnet, welche Segensquellen er uns geschenkt hat. Die Heilige Schrift zeigt uns auch, welche Grundhaltungen von unserer Seite notwendig sind, Grundhaltungen, mit denen wir sozusagen die Segensquellen öffnen, die Gott uns gegeben hat.

           

1) Der erste Segen, den der himmlische Vater spendet ist, wie schon angedeutet, der Segen der Fruchtbarkeit über die Stammeltern: "Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehret euch" (Gen 1,28). Hier wird uns gezeigt, dass die Elternschaft ein Segen ist, dass die Kinder ein Segen sind. Im Zeitalter der Verhütung, der Verneinung oder Ablehnung der Fruchtbarkeit, der Kinder, ist das eine sehr aktuelle Segensquelle. Christliche Eltern, die sich der Gabe der Fruchtbarkeit öffnen, die für den Segen der Kinder offen sind, haben eine große Segensquelle des Schöpfergottes geöffnet. Durch die Fruchtbarkeit, durch die Kinder, ist der Segen Gottes bei ihnen. Der Volksmund bringt das mit den Worten zum Ausdruck: "Wo kleine Kinder sind, ist doppelt Gottes Segen!"

           

2) Der zweite Segen des himmlischen Vaters, den uns die Offenbarung zeigt, ist der Segen über den siebten Schöpfungstag: "Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte" (Gen 2,3). Im Judentum ist der siebte Tag der Sabbat. Der Sabbat war im Gedenken an den Schöpfergott ein Tag der Ruhe und des Gebetes. Das ist das dritte Gebot Gottes. Christus hat durch die Auferstehung das dritte Gebot an den Sonntag gebunden. Der alttestamentliche Inhalt ist geblieben, der Dank für das Werk der Schöpfung. Dazugekommen ist die Feier und der Dank für die Neuschöpfung, für die Erlösung. Die Sonntagsheiligung ist ein Gebot Gottes und zugleich ein Gebot der Kirche. Am Werktag ist von Gott die Arbeit gesegnet. Am Sonntag ist von Gott die Ruhe gesegnet. Viele Dinge regeln sich von selber, kommen von selber zu einer Lösung, zu einer Heilung, wenn das Sonntagsgebot gelebt wird. Wo die Katholiken das Sonntagsgebot treu leben, entfaltet sich der Glaube.

           

3) Ein weiterer Segen des himmlischen Vaters begegnet uns zur Zeit der Sintflut bei Noach und dem Bund Gottes mit Noach. Gott sagt über Noach: "Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus, denn ich habe gesehen, dass du unter deinen Zeitgenossen vor mir gerecht bist" (Gen 7,1). Nach der Rettung des Noach und seiner Familie folgt ein Segen: "Dann segnete Gott Noach und seine Söhne" (Gen 9,1). Der Segen über Noach ist der Segen Gottes über einen Mann und eine Familie, die gerecht war, wie die Bibel sagt. Gerecht bedeutet im Alten Testament das, was das Neue Testament mit heilig beschreibt. Noach war mit seiner Familie gottesfürchtig. Diese Menschen haben den allgemeinen religiösen und moralischen Verfall der Zeitgenossen nicht mitgemacht. Das bedeutet für uns: Das Bemühen um Heiligkeit, also um Gottesfurcht, um Treue zu den Geboten Gottes, wird von Gott gesegnet, erschließt den Segen Gottes.

           

4) Noch einmal begegnet uns der himmlische Vater als segnender Gott. Der Segen über Abraham. "Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein" (Gen 12,1-2). Was bedeutet das für uns? Mit Abraham ist uns ein Mensch vor Augen gestellt, der auf Gottes Wort hört und das tut, was Gott sagt. Das heißt glauben. Das hat ihm den reichen Segen Gottes geöffnet. Ein Katholik, der auf Gottes Wort hört und tut, was Gott sagt, der öffnet sich der Quelle des Segens Gottes. Christus sagt: "Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes " (Joh 8,47).

           

5) In der heutigen Lesung wird der Priester Aaron von Gott selber zum Vermittler des Segens Gottes eingesetzt. Noch viel mehr ist der Priester Christi ein Vermittler des Segens Gottes. Der Priester darf den Segen Christi den Menschen spenden. Es ist etwas Schönes und Heiliges, als Priester den Menschen den Segen Gottes zu spenden. Die Gläubigen sollen keine Bedenken haben, in ihren Anliegen den Priester um den Segen zu bitten.

           

Wir könnten noch weitere Segenshandlungen des himmlischen Vaters bedenken. Es würde heute zu weit führen. Wir wollen abschließend noch auf diejenige blicken, der dieser Tag geweiht ist, die Gottesgebärerin Maria. Aller Segenswirken Gottes verdichtet sich in Maria. In diesem Sinn spricht Elisabeth, vom Heiligen Geist erleuchtet, bei der Heimsuchung: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen auf Erden und gesegnet ist die Frucht deines Leibes" (Lk 1,42). In Maria ist der Segen der Jungfräulichkeit, der Segen der Mutterschaft, der Segen der Gottesfurcht eines Noach, der Segen des Glaubens wie bei Abraham, der Segen des Hohenpriesters Jesus Christus, weil Maria ihn, den fleischgewordenen Segen des Vaters, in ihrem Schoß getragen und geboren hat. Weil Maria vom himmlischen Vater so gesegnet wurde, ist sie für uns im Neuen Bund die große Segensvermittlerin. Dh es bringt uns Segen, Hilfe und Gnade, mit der Muttergottes zu leben, sie zu lieben, sie zu achten, zu ihr zu beten.

           

Die Nöte der Zeit und die Nöte der Kirche sind groß. Noch größer ist der Segen Gottes. An uns liegt es, an diesen Segensquellen nicht vorbei zu leben, sondern durch unseren Glauben und unsere Taten die Segensquellen zu öffnen, die der himmlische Vater uns geschenkt hat.

           

Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib. Amen.

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