170) Weihnachten - Heiliger Tag 2015: WAS DURCH DIE GEBURT CHRISTI IN DER WELT ANDERS GEWORDEN IST

Heiliger Tag 2015

"EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN DEN MENSCHEN, DIE GUTEN WILLENS SIND" (Lk 2,14)

WAS DURCH DIE GEBURT CHRISTI IN DER WELT ANDERS GEWORDEN IST

Predigt von Pf. Stephan Müller in der Pfarrkirche Imsterberg

           

Ist die Welt mit der Geburt Christi anders geworden, menschlicher, liebender, friedlicher? Gegenwärtig schaut es nicht gerade rosig aus. Kriege, weltweit Menschen auf der Flucht, Christenverfolgungen, in der westlichen Welt ein Glaubensabfall von großem Ausmaß, in der Folge Süchte, Sinnleere, verborgen unter dem Mantel des Konsums, des Aktivismus, der Ablenkung usw. Papst Franziskus wird in der Weihnachtsansprache auf große Nöte unserer Zeit hinweisen. Es tut ganz gut, gerade heute auf dieses weltweite Elend aufmerksam gemacht zu werden. Vielleicht erwachen in der westlichen Welt doch manche aus ihrem geistig religiösen Tiefschlaf.

           

Ist die Welt mit der Geburt Christi anders geworden? Hat Gott einen Fehler gemacht? Hat Christus, den wir im Allerheiligsten Sakrament des Altares als Göttliches Kind anbeten, versagt? Wo ist das geblieben, was im Weihnachtsevangelium verkündet wird? Die Freude, der Friede und das Gloria vom Himmel? Spätestens der zweite Weihnachtsfeiertag mit dem Martyrium des hl. Diakons Stephanus zeigt uns die Realität. Nein, Weihnachten hat nichts zu tun mit einer menschlich heilen Welt, mit einem Paradies auf Erden, mit einem Scheinfrieden, wo die Menschen nur mehr lieb und nett sind. Dazu kommt, dass das Kind in der Krippe mit seinem göttlichen Anspruch und seiner Lehre damals wie auch heute eine Provokation darstellt.

           

Ist die Welt mit der Geburt Christi wirklich nicht anders geworden? Ist vom Himmelsglanz, der in der Heiligen Nacht über Bethlehem aufgestrahlt ist, wirklich nichts auf der Erde haften geblieben? Doch, es hat sich etwas verändert! Doch das, was anders geworden ist, kann nur der glaubende Mensch erkennen. Es ist so wie damals in Bethlehem. Die Heilige Familie war mit ihrem Geheimnis zuerst allein. Es waren keine Priester da aus Jerusalem, kein König und seine Großen, keine gesättigten Bürger von Bethlehem. Die waren zu stolz und zu bequem, nach Bethlehem zu gehen. Nur die einfachen und gläubigen Hirten sind gekommen. Diese Hirten haben vernommen, was durch das Kind in der Krippe anders geworden ist: GLORIA IN EXCELSIS DEO, ET IN TERRA PAX HOMINIBUS BONAE VOLUNTATIS - EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN DEN MENSCHEN, DIE GUTEN WILLENS SIND". Lassen auch wir uns durch die Worte der Engel aufzeigen, was durch das Göttliche Kind in der Welt anders geworden ist.

           

a) EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE. Christus hat die Ehre Gottes wieder hergestellt:

           

Diese Worte der Engel zeigen die Geburt Christi im großen Zusammenhang der Heilsgeschichte. Da ist das Werk der Schöpfung. Da ist der Mensch als Ebenbild Gottes. "Gott sah, dass es gut war" (Gen 1,25). Die ganze Schöpfung und der Mensch sind Verherrlichung Gottes. In menschlicher Sprache sagt die Offenbarung, dass Gott sich über seine Werke freut: "Der Herr freue sich seiner Werke" (Ps 104,31). Über Israel: "Er freut sich und jubelt über dich" (Zef 3,17).

           

Dann kommt der Sündenfall. Das wunderbare Werk Gottes - die Schöpfung und der Mensch als Ebenbild Gottes - wird durch die Ursünde entstellt und verwundet. Die Ehre Gottes ist verletzt. Stellen wir uns vor: Eltern haben ein kleines Kind, die Frucht ihrer Liebe. Nun kommt jemand, und misshandelt so ein kleines Kind, ermordet es. Das ist ein Angriff auf die Eltern, auf ihre Liebe, auf ihre Ehre. Oder denken wir an die mutwillige Zerstörung eines schönen Kunstwerkes, die auch ein Angriff auf die Ehre des Künstlers ist. Noch viel mehr ist das bei Gott so, dass die Sünde Gottes Liebe und Ehre angreift.

           

Die Engel singen nun vor den Hirten von Bethlehem: Ehre sei Gott in der Höhe. Das bedeutet: Durch Christus wurde die Ehre Gottes wieder hergestellt. Gott hat sein wunderbares Werk der Schöpfung und den Menschen als Ebenbild Gottes wieder erneuert. Wodurch? Durch die Menschwerdung. In der Menschwerdung hat der Sohn Gottes die in der Sünde gefallene Menschennatur angenommen, mit seiner göttlichen Natur vereinigt. Das ist das Christusgeheimnis der hypostatischen Union: Christus hat die göttliche Natur, die er von Ewigkeit her hat, mit der menschliche Natur, die er in der Zeit aus der Jungfrau Maria angenommen hat, in sich, in seiner Person, vereint; er ist wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person. Dadurch hat Christus die Erlösung der Menschennatur vollzogen. Gott selber hat das Wunderwerk Mensch als Ebenbild Gottes durch die Menschwerdung wieder hergestellt. In diesem Sinn betet die Kirche heute: Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und - durch die Menschwerdung und Erlösung - noch wunderbarer wieder hergestellt. Die Ehre Gottes ist wieder hergestellt.

           

b) UND FRIEDE AUF ERDEN. Christus hat den Frieden Gottes gebracht:

           

- Durch die Ursünde bestand Unfriede zwischen Gott und der gefallenen Menschennatur. Die Menschwerdung Christi hat zwischen Gott und der Menschennatur Frieden gestiftet.

- Die Ursünde hat den Menschen von Gott getrennt und den Menschen den inneren Frieden genommen. Das Göttliche Kind hat den Frieden Gottes in die Welt gebracht. Mit dem Erlösungsopfer am Kreuz vollendet Christus den Frieden der Erlösung. Der innere Friede des Herzens.

- Das Göttliche Kind hat den Frieden Gottes auch der Schöpfung zurückgebracht. Das ist in der Natur erfahrbar.

           

c) DIE GUTEN WILLENS SIND. Christus lädt uns ein, die Erlösung anzunehmen.

           

Christus stellt die Ehre Gottes wieder her. Er bringt den Frieden Gottes und die Erlösung. Die Erlösung ist objektiv vollzogen. Die Tür zum Himmel steht offen. Hindurchgehen muss der Mensch selber. Erlösung bedeutet nicht, dass die ganze Menschheit bereits in den Himmel hinein erlöst ist. Das wäre eine Zwangsbeglückung. Dann bräuchten wir keine Kirche und keine Sakramente mehr. Doch Liebe kann nicht erzwungen werden. Liebe ist nur in Freiheit möglich. Auch Gott zwingt seine Liebe nicht auf. Die Erlösung ist eine Gnade, die Christus uns durch seine Geburt, sein Leben, sein Leiden und seinen Opfertod verdient hat. Die Erlösung ist die große weihnachtliche und österliche Gnade, die Gott uns Menschen anbietet.

           

Diese Worte der Engel - DIE GUTEN WILLENS SIND - sind ein Auftrag für uns Menschen. Es gibt Menschen, die einen bösen Willen haben. Auch an solche Menschen ergeht die Weihnachtsbotschaft, dass sie sich bekehren zum guten Willen. Die Worte der Engel richten sich ausdrücklich an die Menschen guten Willens. Das ist die Einladung Gottes, durch guten Willen die Erlösungsgnaden anzunehmen. Das Sakrament der Erlösung ist zuerst die Hl. Taufe, für die Sünden nach der Taufe die Hl. Beichte. Die Erlösungsgnade macht uns Menschen zu Kindern Gottes, sie stellt das Ebenbild Gottes in uns wieder her. Der hl. Paulus sagt: "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden" (Röm 5,17). Uns allen ist bewusst, dass die Taufe erst der Anfang war. Ein Leben lang dürfen wir, durch ein Gehen mit der Kirche und den hl. Sakramenten, in die Erlösung hineinwachsen. Den alten Adam in uns auszuheilen, ist ein immer neues Ringen, ein immer wieder neu beginnen.

           

Ist die Welt mit der Geburt Christi anders geworden? JA! Das göttliche Kind hat die Ehre Gottes wieder hergestellt. Das Göttliche Kind hat den Frieden Gottes auf die Erde gebracht. Das Göttliche Kind hat, verbunden mit dem Kreuzesopfer, die Erlösung vollzogen. Christus lädt uns ein, uns mit guten Willen die Erlösungsgnaden anzueignen. Wo wir Menschen neue Schöpfung werden, diesen Weg gehen, wird doch auch in der konkreten Welt etwas anders. Zuerst wird unser Herz neu. Und durch das neue Herz dürfen wir auch beitragen, dass auch die konkrete Welt anders wird. Es wird nicht alles Elend aufhören, aber es wird gelindert, das Gesetz der Vergeltung hört auf, Feindschaften werden überwunden usw. Wir dürfen dazu beitragen, dass durch unsere Güte und Liebe Menschen auch die Güte und Liebe Gottes erkennen, näher zu Gott finden.

           

EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN DEN MENSCHEN, DIE GUTEN WILLENS SIND. - Christus ist uns geboren, kommt, lasset uns anbeten. Amen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok