169) 3. Adventsonntag/Gaudete 2015: WAS SOLLEN WIR ALSO TUN?

3. Adventsonntag C) 2015 – Imsterberg

Homilie: "WAS SOLLEN WIR ALSO TUN?" (Lk 3,10)

Predigt von Pf. Stephan Müller

"In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun?"

Machen wir uns zuerst die Situation bewusst. Johannes der Täufer predigt Bekehrung und Bußtaufe. Sein Auftreten setzt eine Volksbewegung in Gang. Es kommen sogar Nichtjuden - römische Soldaten. Manche sind zuerst vielleicht aus Schaulust oder Neugierde gegangen. Wie auch immer. Johannes ist der letzte Prophet des Alten Bundes. Seine Worte zünden. Johannes erweckt mit seiner Predigt eine unmittelbare Messiaserwartung. Alle auf ihn gerichteten Erwartungen weist er klar zurück. Juden und Heiden, die ihn hören, sind betroffen und erschüttert. Aus dieser Betroffenheit heraus kommt die Frage: "Was sollen wir also tun?" Die Menschen damals haben sich noch erschüttern lassen.

"Was sollen wir also tun?" Kommt das bei uns vor dass wir fragen: "Was sollen wir also tun? Was soll ich tun?" Wissen wir nicht selber, was zu tun ist? Müssen wir da andere fragen? Wissen wir wirklich alles selber? Wenn jemand krank ist, fragt er gerne den Arzt, was er konkret tun soll, damit es ihm besser geht. In manchen verzwickten Schwierigkeiten wird es auch nicht schwer zu sein, einen anderen zu fragen, einen Außenstehenden, der objektiv sieht. Wir wissen nicht alles aus uns selber heraus. Wir sind ergänzungsbedürftig. Einer der sieben Gaben des Heiligen Geistes ist die Gabe des Rates. Die Gabe des Rates besteht darin, den guten Rat eines anderen annehmen zu können, was Demut braucht, oder einem anderen einen guten Rat geben zu können, der ihm weiterhilft. Das alles betrifft noch die menschliche Ebene.

Die Frage: "Was sollen wir also tun" geht, wie mir scheint, tiefer. Sie betrifft unser Gewissen, sie betrifft unseren Weg zu Gott, die Frage nach Gut und Böse, die Frage nach dem rechten Handeln vor Gott.

Johannes der Täufer hat den Menschen damals Antworten auf ihre Frage nach dem rechten Tun gegeben. Allgemein hat Johannes auf das Teilen verwiesen. In diesem Sinn ist die Sammlung Bruder und Schwester in Not. Auch geistige Güter kann man mit anderen teilen. Dazu gehört zB Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Den Zöllner verweist er auf einen gerechten Zoll. Der Soldat soll niemanden misshandeln usw.

"Was sollen wir also tun?" Wie erhalten wir Antwort auf die tieferen Fragen? Gott spricht auf verschiedene Weise, vor allem aber durch jenen Weg, den er selber gewählt hat. Gott hat sich geoffenbart. Christus ist das Fleisch gewordene Wort Gottes, das unter uns gewohnt und zu uns gesprochen hat.

 

Wenn wir das Evangelium hören, spricht der Herr zu uns. Sehr viele Heilige haben durch das Hören oder Lesen des Evangeliums ihre Berufung gefunden: der heilige Augustinus, der hl. Antonius von Ägypten, der hl. Franziskus.

Es ist nicht immer leicht, bei der Sonntagsmesse vom Wort Gottes etwas Konkretes mitzunehmen. Wenn wir bei der Kirchtüre hinausgehen, wissen wir dann noch, was wir in der Lesung oder im Evangelium hörten, oder gar in der Predigt? Ein Don Bosco hat als Kind nach der Sonntagsmesse daheim die ganze Predigt aufsagen können, damals wurde länger gepredigt als heute. Es ist vielleicht ganz gut, wenn wir beim Hl. Messopfer nicht alles in deutscher Sprache hören, weil wir uns heute allgemein schwerer tun, etwas Gehörtes zu merken. Es wird manchmal gut sein, manche Informationsquellen abzustellen, damit für die wichtigen Informationen Platz besteht.

Das Evangelium ist, zusammen mit der Überlieferung, die Quelle der Offenbarung. Das Evangelium ist kein Moralbuch, das uns auf jede Frage Antwort gibt. Das Wort Gottes ist geistige Nahrung für die Seele, das Wort Gottes nährt den Glauben, die Hoffnung, die Liebe, auch wenn wir uns nicht alles merken können. Das Wort Gottes vermittelt uns die Grundsätze christlich/katholischen Denkens und Handelns. Es ist nicht immer und nicht für jeden ein praktischer Auftrag enthalten. Da geht es uns wie bei Johannes dem Täufer in der Wüste, wo so viele verschiedene Menschen da waren. Das Evangelium und die Predigt des Priesters hören Menschen verschiedenen Lebensalters, vom Kindergartenkind bis zu den Senioren, Menschen mit verschiedener Bildung, mit verschiedenem Lebensstand, mit verschiedenem Auffassungsvermögen usw. Da ist es nicht einfach, jeden zu erreichen. Was die Predigt betrifft: Die Predigt kann nur immer wieder die Grundsätze und Grundlehren katholischen Denkens und Handelns ansprechen, dafür Beispiele geben.

Die konkrete Frage: "Was sollen wir also tun?" muss jeder für sich selber stellen. Jeder muss die Lesung, das Sonntagsevangelium oder die Predigt für sich anwenden, das kann die Lesung, das Evangelium oder die Predigt allein nicht leisten. Nicht alles ist für jeden. Nicht jedes Detail ist für alle. Diese persönliche Konfrontation mit dem Wort Gottes, mit der Lehre der katholischen Kirche, kann niemandem abgenommen werden. Das müssen wir alle für uns persönlich vollbringen. Aus der geistlichen Fülle einer Sonntagsliturgie soll jeder das für sich persönlich mitnehmen, was für ihn gerade das richtige ist. Das ist manchmal eine Mühe, aber auch etwas Schönes.

"Was sollen wir also tun?" Ich bin überzeugt, dass ein Sakrament hier noch von größter Bedeutung ist: Die heilige Beichte. Denn bei der Beichte nehme ich mich ernst, so wie ich bin, mit meinen Begabungen und Stärken, mit meinen Fehlern und Schwächen. Wer beichtet, stellt sich der Frage nach dem rechten Tun. Wenn ich die Beichte vorbereite stelle ich mir zuerst die Frage: "Was war seit der letzen Beichte - vor einer Woche, einem Monat, einem Jahr, 10 Jahren, 20 Jahren, 30 Jahren... - mein Tun, mein Denken, mein Reden, meine Unterlassungen?" Und dann kommt von selber die Frage: "Was soll ich also tun? Herr, was ist Dein Wille?" Die regelmäßige Beichte ist die größte Hilfe, das Wort Gottes aus der Sonntagsmesse zu aktualisieren. Wer nicht mehr beichtet, stellt sich wahrscheinlich kaum mehr diese tieferen Fragen nach dem, was vor Gott recht ist, was sein Wille ist. Insofern ist das Aufgeben der Beichte ein Hauptgrund für den Verfall der Kirche. Umgekehrt: Wo ein Katholik die Gnade der Beichte wieder in sein Leben integriert, dort geht es wieder aufwärts.

Wenn ihr einen Priester fragt: "Was sollen wir also tun?" Dann würden so manche Priester das gleiche sagen: Das Sonntagsgebot ernst nehmen, auch an den gebotenen Feiertagen. Die regelmäßige hl. Beichte erlernen. Die Werktagsmesse schätzen, mit der Anbetung beginnen. Das sind Grundvollzüge, durch die sich dann auch andere Dimensionen entwickeln können.

"Was sollen wir also tun?" Ich lade uns ein, in der 3. Adventwoche in ein paar stillen Minuten darüber nachzudenken. Es rentiert sich. Amen.

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