167) 2. Adventsonntag 2015: BEREITET DEM HERRN DEN WEG

2. Adventsonntag C) 2015 – Imsterberg

Homilie: JEDE SCHLUCHT SOLL AUFGEFÜLLT WERDEN, JEDER BERG UND HÜGEL SICH SENKEN“(Lk 3,5) ZUVIEL UND ZUWENIG IM LEBEN

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Johannes der Täufer ruft uns heute auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Wir erkennen in seinen Worten zwei Vorgänge: Von uns aus gesehen: Das Wegbereiten. Von Gott aus gesehen: Das Schenken des Heils. Wir müssen etwas tun und Gott tut etwas - so kommt das Heil. Es wäre zu schön für uns, wenn alles der Herr machen würde. Martin Luther lehrte: "Sola gratia - allein die Gnade!" Der katholische Glaube sieht es anders: Gott wirkt mit seiner Gnade, er vollbringt seinen Teil und wir müssen unseren Teil beitragen. Gott handelt nie ohne uns oder gegen uns. Das Heilswirken Gottes fordert immer unser freies menschliches Mitwirken, unseren Beitrag.

           

Gott will uns Menschen das Heil sehen lassen, wie es heute formuliert ist. Heil ist ein zentraler katholischer Begriff. Das Heil besteht in der Vergebung der Sünden, im neuen Leben der Gnade, im Frieden des Herzens, die Freude der Erlösung. Heil meint alle Gnaden Gottes für unser Leben, für unsere Standespflichten. Heil meint alle Hilfen Gottes für die Sorgen und Nöte unseres Lebens. Das Heil hat letztlich einen Namen: Christus, dh der Gesalbte, Messias. Jesus, dh Erlöser/Retter.

           

Gott will uns Menschen das Heil schenken. Die Frage ist, ob wir bereit sind, das Heil, Christus, aufzunehmen? Wie kommen wir zu Heilserfahrungen? Die Grundlage ist die Taufgnade, die uns die Erlösung geschenkt hat. Nach der Taufe sind es die Schritte der Bekehrung und des Glaubens, die uns das Heil bringen. So sagt es heute Johannes der Täufer. So sagt es Christus bei seiner ersten Predigt in Nazareth: "Kehrt um, und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15).

           

Johannes der Täufer verwendet im heutigen Evangelium ein Bild aus dem Heiligen Land. Im Heiligen Land ist die Wüste Juda voller Schluchten und Hügel. Diese Wüstenlandschaft soll sozusagen zu einer ebenen Straße werden für den Einzug des Messias: „Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken.“ Johannes knüpft mit dieses Bild bei den Propheten an. Im übertragenen Sinn wollen wir Christus eine ebene Straße bereiten, damit er mit seinem Heil kommen kann. „Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken.“ Dieses Wort stellt uns vor die Frage: Was ist in meinem Leben wie ein Berg oder wie eine Schlucht? Dh was ist in meinem Leben zuviel oder zuwenig vorhanden und dadurch ein Hindernis für den Herrn, ein Hindernis für sein Kommen, für seine Gnade?

           

Schluchten und Täler - das Zuwenig im Leben:

           

Fragen wir uns: Was ist in meinem Leben unterentwickelt? Papst Benedikt sprach in seiner Enzyklika CARITAS IN VERITATE von der „materiellen Überentwicklung“ der Wohlstandländer mit der gleichzeitigen „moralischen Unterentwicklung“. Wo der materielle Wohlstand herrscht, breitet sich oft eine Unterentwicklung des Herzens, des Gewissens und der Moral aus. Das sind „Schluchten und Täler“, von denen Johannes spricht. Manchmal fehlt es in unserem Leben am täglichen Gebet, am beständigen Gebet, an der Treue im Sonntagsgebot. Manchmal fehlt es an Zeit und Interesse für unsere Mitmenschen.

           

Berge und Hügel - das Zuviel im Leben:

           

Fragen wir uns: Was ist in meinem Leben überentwickelt? Es gibt das Zuviel z.B. an Medienkonsum. Wie viel Stunden am Tag verbringen Menschen oft nutzlos vor dem Fernseher, vor dem Computer? Wie viele Tage und Nächte verbringen manche für Freizeit, Sport und Vereine? In der Sprache der Propheten sind die Berge und Hügel auch ein Bild für die Sünde. Berge und Hügel abtragen bedeutet, unsere Sünden und Unterlassungen des Guten abtragen. Im Stundenbuch hat das Wort Gottes für diejenigen, die ihre Sünden beichten, eine große Verheißung gegeben: "Wäre eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee" (Jes 1,18). Wer in der Gnade lebt, wird durch die hl. Beichte tiefer und stärker.

           

Schluchten auffüllen. Berge und Hügel abtragen. Dem Herrn den Weg bereiten. Sich für das Heil bereiten. Wie schaffen wir das? Unser Leben ist eigentlich eine ständige Baustelle. Ich meine nicht die Gesundheitspflege und die berufliche Weiterbildung usw. Das sind natürlich auch ständige Baustellen. Genauso gilt das für den inneren Menschen, für die Seele. Unsere Gesellschaft vergisst vor lauter Materialismus die unsterbliche Seele und ihre Ansprüche. An der Lebensbaustelle innerer Mensch, Tugend, Heiligkeit, Zuviel oder Zuwenig ist immer etwas zu tun. So bleiben wir lebendig. Wer nicht mehr an sich arbeitet, fällt zurück. Stillstand ist Rückschritt.

           

Schluchten auffüllen. Berge und Hügel abtragen. Dem Herrn den Weg bereiten. Sich für das Heil bereiten. Eigentlich haben wir es als Katholiken gut. Bei dieser Arbeit kommt uns Christus sehr entgegen. Wir haben das Bußsakrament. Die meiste Arbeit leistet Christus im Bußsakrament für uns. Das hat er uns am Kreuz durch sein Kostbares Blut verdient. Das hat er für uns bereits geleistet. Wir haben nur die Arbeit des Hinbringens, des Aussprechens und Aufdeckens. Bringen wir die Schluchten des Zuwenig, die Berge und Hügel des Zuviel in der Beichte zu Christus. Die Beichte ist DAS Sakrament, um mit Christus zusammen die Schluchten aufzufüllen, die Berge und Hügel abzutragen. Wer das erkennt, erfasst, wie sehr wir mit der hl. Beichte beschenkt sind, wie sehr die hl. Beichte notwendig ist, sich für die großen Feste der Erlösung zu bereiten. Die Beichte ist DAS Sakrament für die Lebensbaustelle unseres inneren Menschen. Leben wir mit dieser Gnade!

           

Liebe Gläubige! Eine gesegnete zweite Adventwoche! Ein gutes Arbeiten auf der Lebensbaustelle inner Mensch. Amen.


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok