166) 33. Sonntag im JK 2015 - hl. Cäcilia: GOTT, ICH WILL DIR SINGEN UND SPIELEN - MUSIK ALS KUNST

33. Sonntag im JK B) 2015

"MEIN HERZ IST BEREIT, O GOTT, ICH WILL DIR SINGEN UND SPIELEN" (Ps 108,2) MUSIK ALS KUNST

Predigt von Pf. Stephan Müller bei der Cäcilienmesse der Musikkapelle Imsterberg

           

Der Psalm 108 beginnt mit den Worten: "Mein Herz ist bereit, o Gott, ich will dir singen und spielen." Liebe Gläubige! Liebe Musikanten! Zum Jahresgedächtnis der hl. Cäcilia möchte ich mit euch über die Bedeutung der Musik nachdenken.

           

Johann Sebastian Bach hat in seinem Leben viele junge Menschen in der Musik ausgebildet, ein Instrument gelehrt und in die Bedeutung der Musik eingeführt. Eine kleine Anekdote aus seinem Leben: Ein Musiker, den der anspruchsvolle Notensatz Bachs zum Schwitzen gebracht und zum Ärger verleitet hat, hat Bach vorgeworfen: "Deine Musik ist zu schwer zum Spielen!" Bach hat geantwortet: "Musik ist Kunst!" Der verärgerte Musikus: "Komponiere einfacher!" Darauf Bach: "Ich kann nicht einfacher komponieren, dann ist es keine Kunst mehr." Das war die Spannung zwischen einem Komponisten, der sein Handwerk verstand, und einem Musikanten, der unter den hohen Ansprüchen des Komponisten zu stöhnen hatte.

           

Schwierigkeitsgrade beim Musizieren wird es immer geben. Übrigens hat auch Bach einfachere Stücke komponiert. Doch ist Bach von seiner Überzeugung nicht abgegangen: Echte Musik will Kunst sein. Liebe Musikanten! Auch eure Musik ist Kunst. Ein schönes Musikstück einer Blasmusikkapelle ist etwas Kunstvolles. Die Kunst besteht zB auch darin, nicht nur zu spielen, sondern beim Spielen auch auf die anderen zu hören, damit das Ganze des Musikstücks in Harmonie erklingen kann.

           

Musik als Kunst. Es gibt die Kunst der Sprache, der Dichtung, der Malerei, der Plastik, der Bauten, des Handwerks usw. Auch die echte Musik gehört zum Bereich der Kunst.

           

Kunst hat zuallererst mit Gott zu tun. Ein Künstler ist ein Mensch mit einer besonderen Begabung. Gott hat in die Seele eines jedes Menschen verschiedene Begabungen und Talente gelegt. Ein Leben aus dem Glauben ist eine Hilfe, diese Gaben Gottes zuerst zu erkennen. Dann müssen wir sie ausgraben und entfalten. Wir Menschen haben viel mehr Begabungen, als wir meinen. Man darf nie zu schnell jemandem sagen: "Das kannst du nicht!"

           

Wie wird ein von Gott begabter Mensch ein Künstler? Die Talente haben wir von Gott erhalten. Die Entfaltung müssen wir selber leisten. Kunst will also gelernt sein. Bleiben wir bei der Musik. Ein Instrument kunstvoll zu beherrschen ist ein mühsamer Lernprozess, viele Jahre lang. Eine wertvolle Form der Selbsterziehung. Und dann muss man ständig in Übung bleiben, um nicht zu verflachen.

           

Echte Kunst zu erleben ist heute nicht einfach. Wir leben in einer Zeit des Kulturverfalls. Wir erleben einen Verfall der Kultur der Umgangsformen, des Anstands, der Tischsitten, der Kleidung, der Bildung usw. Manche Kunst ist zum Kitsch verkommen. Es geht sogar so weit, dass Kunst in das Gegenteil verkehrt wird, in Sarkasmus und Blasphemie, sogar hinein ins Dämonische.

           

Welche Bedeutung hat die echte Kunst, und damit auch die Musik?

           

Gott ist Geist und wir können ihn nicht direkt wahrnehmen. Weil uns der Herrgott mit Sinnen ausgestattet hat, sind die Sinne ein Hilfsmittel, um das Geistige, die übernatürliche Welt, wahrzunehmen und auszudrücken. Die Schönheit der Kunst - ein Bild, ein Bauwerk, ein Musikstück, ein schönes Gotteshaus - lässt uns staunen und Gott erahnen. Mit Hilfe der Kunst können wir der Gegenwart Gottes innewerden. Wenn nicht ein Mensch sich das Gespür für echte Kultur kaputt gemacht hat, ist das so.           

Echte Kunst ist ein Spiegel der Schönheit, Wahrheit und Liebe Gottes. Diese Bereiche hängen innerlich zusammen, sind austauschbar. Liebe ist Wahrheit. Wahrheit ist Liebe. Wahrheit ist Schönheit. Gott selber hat uns das Vorbild für diesen Zusammenhang gegeben: Die Schönheit der Schöpfung, wenn die Menschen sie nicht zerstören. Die Sacralkunst im Gotteshaus, die Sacralmusik muss - unabhängig von der Stilrichtung - den Charakter der Schönheit haben, weil diese Kunst etwas von der Schönheit Gottes widerspiegeln will.

           

Es gibt auch das Gegenteil. Die Gottlosigkeit und die Werke des Teufels tragen das Kleid der Hässlichkeit, der Zerstörung, des Chaos. Der Teufel kennt keine Liebe, keine Wahrheit, keine Schönheit. Deshalb sind seine Werke hässlich. Insofern sind der heute propagierten "Freiheit der Kunst" klare Grenzen gesetzt. Dies gilt besonders für den Gottesdienst und das Gotteshaus, aber auch für das Weltliche.

           

Echte Kunst hat einen Auftrag für unser Leben. Die Welt ist seit dem Sündenfall belastet von Leid und Elend, vom Tod gezeichnet. Im Salve Regina wird die Welt das "Tal der Tränen" genannt. Echte Kunst bringt Schönheit, Trost, Freude und Hoffnung in die Welt und in unser Leben. Und das aus dem Grund, weil echte Kunst einen Gottesbezug in sich hat. Und Gott ist die Quelle des Lebens, der Schönheit, des Trostes, der Freude und der Hoffnung.

           

Kunst hat Auswirkungen für unser Leben. Die perverse, blasphemische und dämonische Kunst übt negative Einflüsse aus, zieht den Menschen nach unten, entfesselt Grobheit und Gewalt usw., echte Kunst hat positive Auswirkungen. Sie hat die Kraft uns innerlich zu erheben, uns zu motivieren, uns zum Guten anzuspornen, ja sogar uns auf Gott zu verweisen. Es gibt immer wieder auch Menschen, die durch Kunst, auch durch Musik, zum wahren Glauben und zu Gott finden.

           

Liebe Musikanten! Ich wünsche euch viel Freude beim Musizieren, an der Gemeinschaft. Ich wünsche euch, auch den hohen Anspruch der Musik zu verstehen: Musik als Kunst, die einen tiefen Gottesbezug hat und einen Auftrag für unsere Seelen.

           

Vergelt‘s Gott für die Ausrückungen im Leben der Pfarre. Ich möchte euch auch einladen, bei kirchlichen Ausrückungen das Hl. Messopfer in der Kirche mitzufeiern. Das wird euch helfen, diesen inneren Anspruch der echten Musik, die auf Gott bezogen ist, nicht zu verlieren bzw. wieder zu finden.

           

Vergelts´ Gott besonders auch unserem Organisten Franz, der trotz seines Alters das ganze Jahr über, meist zwei Mal am Sonntag, die Orgel, die Königin der Instrumente, erklingen lässt.

           

"MEIN HERZ IST BEREIT, O GOTT, ICH WILL DIR SINGEN UND SPIELEN!"

           

Heilige Cäcilia, Jungfrau und Märtyrerin, bitte für uns! Amen

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