164) Hochfest Allerheiligen, 1.11. 2015: ICH GLAUBE AN DIE GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN

Hochfest Allerheiligen 2015

„ICH GLAUBE AN DIE GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN“ (CREDO)

Predigt von Pf. Stephan Müller

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten wir: "Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen." Das ist der Inhalt des heutigen Feiertages. Das Bekenntnis zur Gemeinschaft der Heiligen gehört zum Credo, zum Abschnitt, in dem wir das Geheimnis der Kirche bekennen (9. Artikel des Credo): die eine, heilige, katholische und Apostolische Kirche. Das Bekenntnis zur Gemeinschaft der Heiligen ist sozusagen die Anwendung der Kirche in unserem Leben.

Was bedeutet Gemeinschaft der Heiligen?

1) Gemeinschaft der Heiligen bedeutet Verbundenheit der Getauften in Gott. Der Apostel Paulus erklärt das Geheimnis der Kirche mit dem Bild vom menschlichen Leib: der eine Leib, die vielen Glieder. Bei Gemeinschaften zB in Sport, Beruf und Freizeit sind Menschen durch gemeinsame Interessen miteinander verbunden. Die Verbundenheit der Glieder der Kirche ist tiefer, es ist eine Verbundenheit in Gott und durch Gott. Das Band dieser Verbundenheit ist die Taufgnade und der Glaube. Diese Verbundenheit umfasst alle Stände der Kirche: Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, alle. Die Verbundenheit der Getauften reicht auch über die Grenze des Todes und der Zeit hinaus: Die Verbundenheit der leidenden Kirche: die Armen Seelen; der streitende Kirche: wir auf Erden; der triumphierende Kirche: die Heiligen des Himmels. Der besondere Ort, wo diese Verbundenheit der Getauften lebendig oder uns zugänglich wird, ist der Altar, dh das Hl. Messopfer. Das Opfer Christi umfasst alle drei genannten Dimensionen der Kirche, alle Stände der Kirche, auch die Vergangenheit und Zukunft. Durch das Hl. Messopfer nimmt Christus uns in diese Gemeinschaft hinein. Ein Detail: Den Verstorbenen am nächsten sind wir nicht am Grab, sondern am Altar.

2) Gemeinschaft der Heiligen bedeutet Austausch des Lebens und der Liebe. Gerade das paulinische Bild von der Kirche als Leib Christi macht uns das bewusst. Beim menschlichen Körper hat jedes Organ für den ganzen Körper eine Bedeutung. Auch in der Kirche ist es so, positiv und negativ. Paulus sagt: "Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit. Wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm" (1 Kor 12,26). Konkret bedeutet das auch: was ein Einzelner in der Kirche an Gutem tut, das kommt allen zu gute. Die Kirche hat in der Lehre von der Gemeinschaft der Kirche immer auch den Auftrag für das soziale Verhalten erkannt. Gemeinschaft der Heiligen bedeutet konkret auch füreinander sorgen, materielle und geistige Güter miteinander teilen. Im Vater unser lehrt uns Christus beten: "Unser tägliches Brot gib uns heute". Wir beten nicht: "Mein tägliches Brot gib mir heute". Paulus sagt: "Tut allen Gutes, besonders aber denen, die mit euch im Glauben verbunden sind" (vgl. Gal 6,10).

3) Gemeinschaft der Heiligen bedeutet Teilhabe an den Gütern der Kirche. Die Güter der Kirche sind nicht so sehr materielle. Ein Gotteshaus gehört allen. Die Sakralkunst im Gotteshaus ist nicht mit Geld aufzuwiegen, auch wenn wir zum Renovieren und Erhalten Geld benötigen. Das sind geistige Güter, die allen gehören. Zu den geistigen Gütern der Kirche gehören: das Glaubenszeugnis der Heiligen, unserer Vorfahren, die Lehre der Kirchenväter, die Spiritualität und Lehre der Heiligen aller Epochen. Das alles sind Güter der Kirche, die uns allen zugänglich sind - wenn wir sie nützen.

4) Gemeinschaft der Heiligen bedeutet Teilhabe an den Verdiensten der Kirche. Mit den Verdiensten der Kirche ist der sogenannte Gnadenschatz der Kirche gemeint, der thesaurus Ecclesiae. Das sind die Verdienste des Lebens Christi, des Leidens Christi, die Verdienste der Muttergottes, der Märtyrer, der Heiligen, dazu gehören auch die Verdienste unserer gläubigen Vorfahren.

Mit der Kirche zu leben ist ein großes Geschenk für unser Leben, hat viele positive Folgen, wir erhalten Anteil an den geistigen Gütern und Verdiensten der Kirche. Auch nicht mehr mit der Kirche zu leben hat Folgen, negative Folgen, für die Zeit und für die Ewigkeit. Konkret wird die Gemeinschaft der Heiligen für uns beim Hl. Messopfer, vor allem am Sonntag. Da ist es Christus selber, der diese Gemeinschaft schafft, bestärkt, vertieft.

Unser Leben vollzieht sich in Gemeinschaft. Für sich allein kann man sich nicht richtig entfalten, kann man nicht abgeschliffen werden. Gott hat uns Menschen auf Gemeinschaft hin erschaffen. Erst recht gilt das von der Gemeinschaft der Kirche. Glauben kann niemand für sich alleine. Glauben im Sinn Christi ist nur möglich durch Gemeinschaft, durch Mitglauben und Glauben lernen in Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, eben in Gemeinschaft der Heiligen.

"Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen."

  • Verbundenheit der Getauften in Gott.
  • Austausch des Lebens und der Liebe.
  • Teilhabe an den geistigen Gütern der Kirche.
  • Teilhabe an  den Verdiensten der Kirche.

Möge der heutige Feiertag, der Blick auf die Heiligen im Himmel, uns bestärken, das Geheimnis der Kirche zu leben, davon für die Zeit und für die Ewigkeit zu profitieren. Bitten wir, dass in unserer westlichen Welt die vielen Katholiken, die nicht mehr mit der Kirche leben, wieder erkennen, wie wichtig, ja wie lebensnotwendig dieses Leben mit der Kirche ist, mit der Gemeinschaft der Heiligen. Amen.

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