163) 28. Sonntag im Jahreskreis B 2015: "WAS MUSS ICH TUN?" GRUNDFRAGEN DES LEBENS

28. Sonntag im JK B) 2015

„WAS MUSS ICH TUN?“ (Mk 10,17) GRUNDFRAGEN DES LEBENS

Predigt von Pf. Stephan Müller

Ein Mann fragt Christus: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Der Apostel Matthäus (in Mt 19,22) erwähnt, dass er jung war. Die Frage nach dem rechten Tun beschäftigt den Menschen - wenn sein Gewissen nicht abgestumpft ist, besonders jedoch junge Menschen. Es ist etwas Schönes zu erleben, wie Jugendliche diese Frage nach dem rechten Tun bewegt. Jeder Priester, der Jugendbeichten hört, wird das bestätigen. Im Tiefsten ist es die Suche nach dem Wahren, Guten und Schönem. Dieses Suchen nach dem Richtigen äußert sich bei Jugendlichen zB in Fragen: Wo stecken meine Talente, was sind meine Aufgaben, wo soll ich einmal meinen Platz haben, wie werde ich glücklich? Katholisch gesprochen: „Was ist meine Lebensberufung? Wo will Gott mich haben?“

Wenn dieses natürliche Suchen des Jugendalters in ein gläubiges Umfeld eingebettet ist, in eine praktizierende katholische Familie, in ein Leben mit der Pfarrgemeinde, kommt ein junger Mensch normalerweise auch auf den Kern: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Kinder und Jugendliche sind von Natur aus offen für Gott, für den Glauben und die Kirche. Wenn sie nicht von Erwachsenen schädlich beeinflusst oder verdorben werden, kann die Gnade Gottes bei ihnen gut ansetzen.

Eltern und Erzieher, denen junge Menschen anvertraut sind, tragen eine große Verantwortung. Fragen wir uns: Werden Jugendliche von Eltern, Erziehern, Verwandten, Bekannten, Nachbarn usw. in ihrem Suchen ernst genommen? Erhalten sie klare Antworten? Erhalten sie christlich-katholische Antworten? Werden sie im Stich gelassen? Werden sie mit materiellen Gütern abgespeist, anstatt dass ihnen Zeit und Zuwendung geschenkt wird? Was im kirchlichen Bereich noch schlimmer ist: Hören Kinder und Jugendliche von Eltern und Erziehern Kritik über die Kirche, Kritik über die Priester? Es gibt natürlich berechtigte Kritik: Es gab und es gibt Missstände in der Kirche, dh im Leben einzelner Glieder der Kirche, Geistlicher und Laien. Solche Dinge gehören mit jungen Menschen auch thematisiert, dass sie damit umgehen lernen. Es gibt jedoch auch sündhafte Kritik: Wenn Eltern und Erzieher die Kirche (Priester, Laien) kritisieren, weil zB Priester die Grundsätze des katholischen Glaubens und der Moral lehren, versündigen sie sich an den jungen Menschen, sie verbauen ihnen den Zugang zum Glauben und zur Kirche.

Christus verweist im heutigen Evangelium den jungen Mann auf die 10 Gebote Gottes. Der Mann kann Christus antworten: „Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt“(Mk 10,20). Dieser junge Mensch kann sich glücklich schätzen. Er hat eine Familie, er hat Eltern, die ihm die Tugend der Gottesfrucht gelehrt hatten, den Weg der 10 Gebote Gottes. Dass er an Gott glaubt, dass er den Namen Gottes nicht verunehrt, dass er den Sabbat heiligt, brauchte Christus gar nicht erwähnen, das war einem frommen Juden aus Israel selbstverständlich. Lernen unsere Kinder in unseren Familien den Weg der 10 Gebote Gottes? Lernen sie am Beispiel der Eltern den Glaubensweg? Lernen sie das Morgen- und Abendgebet, das Tischgebet? Lernen sie, das Sonntagsgebot zu halten, Freude zu haben an der Sonntagsmesse? Der Blick in die Kirchenbänke unseres Landes zeigt, dass Gottesfurcht und Gottesliebe aus unserem Land schwinden. Wo die Gottesfurcht schwindet, schwindet auch die Weisheit. Davon handelt die heutige Lesung. Wir brauchen die Gabe der Weisheit, um auf unsere Grundfragen die rechten Antworten zu finden. Wo Kinder die Gottesfurcht lernen, schenkt Gott die Gabe der Weisheit. Wo die Gottesfurcht fehlt, kommen Unordnung und Verwundungen in allen Lebensbereichen. Die Heilige Schrift lehrt: „Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, den Glaubenden ist sie angeboren“ (Sir 1,14).

Eltern und Erzieher haben hier eine große Aufgabe. Sie müssen Kindern und jungen Menschen auch den Sinn der 10 Gebote Gottes erschließen. Niemand soll sagen, das sei überholt. Christus hat oft von der Bedeutung der Gebote gesprochen. Es wird wohl kaum Erzieher geben, die nur mit Ge- oder Verboten arbeiten, ohne eine Sinnerschließung. Erwachsene können nur dann den Sinn der Gebote erschließen, wenn sie selbst das Gebot Gottes als etwas Kostbares und Unverzichtbares erleben. Das Gebot Gottes schafft und schützt die Grundwerte unsers Lebens. Das Gebot Gottes schafft einen geschützten Lebensraum, in dem sich unser Leben entfalten kann. Das Gebot engt nicht ein, sondern macht frei. Das Gebot Gottes bindet an den Gott des Bundes; wer sich an Gott bindet, erlangt die innere Freiheit, er wird frei, auch den modernen Verlockungen und Zwängen widerstehen zu können, zB den Zwängen der Mode, der Meinung der Mehrheit, der Medien, der Masse, der Süchte usw. Die Herausforderungen, die auf Europa zukommen, brauchen Christen und Katholiken, die durch die Gebote Gottes zur Weisheit und zur inneren Freiheit gelangt sind.

Bis zu dieser Stelle des Sonntagsevangeliums sind Dinge angesprochen, die uns alle angehen, Grundfragen und Heilsfragen für das Leben und das ewige Leben. Jetzt beginnt ein Gespräch, wo es um diesen konkreten jungen Mann geht. „Und weil er ihn liebte.“ Christus sieht ihn mit den Augen seiner Liebe an. Sein Blick geht in das innerste Herz. Jeder, der diesen Blick der Liebe erhalten hat, weiß um das. „Weil er ihn liebte.“ Der Evangelist Markus legt Wert darauf, das zu erwähnen, um das folgende zu bestärken: „Eines fehlt dir noch“(Mk 10,21). Die Betonung liegt auf dir: „Eines fehlt dir noch!“ „Verkaufe, was du hast … dann komm, und folge mir nach.“ In der Auslegung der Kirche spricht Christus hier eine Berufung aus. Dieser konkrete Mann wird berufen. Jede Berufung kommt aus der Liebe Christi. Nur diese Erfahrung der Liebe gibt die Kraft, dem Ruf Christi zu folgen, sich auf das Abenteuer mit Christus einzulassen. Wie gesagt, hier handelt es sich um eine persönliche Berufung. Nicht von jedem ist verlangt, alles zu verkaufen und Christus im engeren Sinn nachzufolgen.

Mit der Antwort auf den Ruf Christi ist es nicht so einfach. Was über den jungen Mann erzählt wird, gilt wieder für alle: „Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen“ (Mk 10,22). Christus nachfolgen ist nicht unbedingt einfach. So manches hindert uns. Der betreffende Mann hatte nur ein Hindernis, es war sein großes Vermögen. Dass der Wohlstand der westlichen Welt den Glauben behindert, erleben wir, obwohl das nicht unbedingt so sein müsste.

Wie ist es mit unserer Antwort auf den Ruf Christi? Es gibt Schwierigkeiten, die in uns liegen. Es gibt Schwierigkeiten, die von anderen kommen. Es gibt Schwierigkeiten, die nur so ausschauen, aber keine sind. Der selige Kardinal Newman sagt: "999 Schwierigkeiten machen noch kein Hindernis aus. Wir aber machen oft aus einer Schwierigkeit 999 Hindernisse." Mit der Gnade Gottes und der nötigen menschlichen Anstrengung lassen sich alle Schwierigkeiten und sogar Hindernisse überwinden. "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern" (Ps 18,30).

Was muss ich tun? Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Grundfragen – nicht nur junger Menschen. Herr, hilf uns, durch ein Leben in Gottesfurcht, in der Heilsordnung Deiner Gebote, frei und glücklich zu werden! Schenke uns die Gaben des Heiligen Geistes, die Gabe der Weisheit, dass wir erkennen, was recht ist und zu dir führt. Maria, Sitz der Weisheit, bitte für uns. Amen.

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