161) 25. Sonntag im Jk B) 2015: Messopferlehre des Konzils von Trient 6) DIE LEHRVERURTEILUNGEN

25. Sonntag im JK B) 2015

DIE MESSOPFERLEHRE DES KONZILS VON TRIENT

6) DIE LEHRVERURTEILUNGEN UND IHRE BEDEUTUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Ausgehend von den Sonntagsevangelien im heurigen August haben wir uns mit der Messopferlehre des Konzils von Trient befasst. Ich danke Euch für die Mühe des Mitdenkens bei diesen Katechesen. Das Konzil von Trient beschließt die Lehre über das Altarssakrament mit den sogenannten Lehrverurteilungen. Es handelt sich um Zurückweisungen von Lehren, die mit dem katholischen Eucharistieglauben nicht vereinbar sind. Mit diesem Thema beschließen wir die Katechesenreihe über das Hl. Messopfer.           

Noch etwas Wissenswertes für uns. Es war niemand geringerer als Papst Franziskus, der uns bestärkt hat, uns mit dem Konzil von Trient zu befassen. 2013 wurde in Trient feierlich der 450. Jahrestag des Abschlusses des Konzils von Trient begangen. Zu diesem Jubiläum hat Papst Franziskus eine festliche Botschaft verkündet, darin schrieb er unter anderem folgendes:

           

"Da der 450. Jahrestag des Abschlusses des Konzils von Trient herannaht, ziemt es der Kirche, sich mit bereitwilligem und aufmerksamem Eifer der fruchtbaren Lehre zu erinnern, die aus jenem in der Region Tirol durchgeführten Konzil hervorging. In der Tat hat die Kirche seit jeher aus gutem Grund daran festgehalten, die Dekrete und Ratschlüsse jenes Konzils einzuhalten und zu beachten, da doch die Konzilsväter sich mit größter Sorgfalt jenen äußerst ernsten Gegenstände und Fragen gewidmet hatten, die damals aufgekommen waren, damit der katholische Glaube deutlicher und besser verständlich werde. Vom Heiligen Geist sicher angeleitet und geführt war es ihr großes Anliegen, das Depositum [Glaubensgut] der heiligen christlichen Lehre nicht nur zu bewahren, sondern der Menschheit verständlicher zu machen, damit das heilbringende Werk des Herrn über den ganzen Erdkreis verbreitet und das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet werde" (*1).

           

Inhaltlich setzt diese Predigt bei den Sonntagsevangelien im August an, bei der Eucharistischen Predigt Christi. "Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank" (Joh 6,55). Hören wir zuerst die Kanones der Lehrverurteilungen, dann wollen wir nach ihrer Bedeutung für unsere Zeit.           

"Weil es aber nicht genügt, die Wahrheit zu sagen, ohne dass die Irrtümer aufgedeckt und zurückgewiesen werden, beschloss das heilige Konzil, folgende Kanones anzufügen, damit alle, nachdem sie schon die katholische Lehre kennengelernt haben, auch innewerden, vor welchen Häresien sie sich vorsehen müssen.          

Kan. 1. Wer leugnet, dass im Sakrament der heiligsten Eucharistie wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten ist, vielmehr sagt, er sei lediglich wie in einem Zeichen bzw. Abbild oder der Wirkkraft nach in ihm: der sei mit dem Anathema belegt.          

Kan. 2. Wer sagt, im hochheiligen Sakrament der Eucharistie verbliebe zusammen mit dem Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus die Substanz des Brotes und des Weines, und jene wunderbare und einzigartige Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in den Leib und der ganzen Substanz des Weines in das Blut, wobei lediglich die Gestalten von Brot und Wein bleiben, leugnet - und zwar nennt die katholische Kirche diese Wandlung sehr treffend Wesensverwandlung - :der sei mit dem Anathema belegt.           

Kan. 3. Wer leugnet, dass im ehrwürdigen Sakrament der Eucharistie unter jeder der beiden Gestalten und - nach erfolgter Trennung - unter den einzelnen Teilen jeder Gestalt der ganze Christus enthalten ist: der sei mit dem Anathema belegt.           

Kan. 4: Wer sagt, nach erfolgter Konsekration sei im wunderbaren Sakrament der Eucharistie nicht der Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus, sondern nur beim Gebrauch, wenn er genossen wird, nicht aber davor oder danach, und in den Hostien bzw. den konsekrierten Teilchen, die nach der Kommunion aufbewahrt werden bzw. übrigbleiben, verbleibe nicht der wahre Leib des Herrn: der sei mit dem Anathema belegt.           

Kan 5. Wer sagt, die hauptsächliche Frucht der heiligsten Eucharistie sei die Vergebung der Sünden, oder aus ihr gingen keine anderen Wirkungen hervor: der sei mit dem Anathema belegt.           

Kan. 6. Wer sagt, im heiligen Sakrament der Eucharistie sei Christus, der einziggeborene Sohn Gottes, nicht auch mit dem äußeren Kult der Gottesverehrung anzubeten und daher weder durch eine besondere festliche Feier zu verehren noch gemäß der lobenswerten und allgemeinen Sitte und Gepflogenheit der heiligen Kirche in Prozessionen feierlich herumzutragen, oder nicht öffentlich dem Volk vor Augen zu stellen, damit er angebet werde, und seine Anbeter seien Götzendiener: der sei mit dem Anathema belegt.

Kan 7. Wer sagt, es sei nicht erlaubt, die heilige Eucharistie an einem heiligem Ort aufzubewahren, sondern sie müsse sogleich nach der Konsekration den Anwesenden ausgeteilt werden; oder es sei nicht erlaubt, dass sie ehrenvoll zu den Kranken gebracht werde: der sei mit dem Anathema belegt.          

Kan 8. Wer sagt, man esse den in der Eucharistie dargereichten Christus nur geistlich und nicht auch sakramental und wirklich: der sei mit dem Anathema belegt.           

Kan. 9. Wer leugnet, dass alle und jeder einzelne Christgläubige beiderlei Geschlechts, sobald sie in die Jahre der Unterscheidung gekommen sind, gehalten sind, in jedem Jahr wenigstens an Ostern gemäß dem Gebot der heiligen Mutter Kirche zu kommunizieren: der sei mit dem Anathema belegt.           

Kan. 10. Wer sagt, es sei dem zelebrierenden Priester nicht erlaubt, sich selbst die Kommunion zu reichen: de sei mit dem Anathema belegt.           

Kan. 11. Wer sagt, allein der Glaube sei eine hinreichende Vorbereitung für den Genuss des Sakramentes der heiligsten Eucharistie: der sei mit dem Anathema belegt.           

Und damit ein so großes Sakrament nicht unwürdig und daher zum Tod und zur Verurteilung genossen werde, bestimmt und erklärt dieses heilige Konzil, dass diejenigen, die das Bewusstsein einer Todsünde niederdrückt, so sehr sie sich auch für reuevoll halten, sofern ein Beichtvater verfügbar ist, notwendig eine sakramentale Beichte vorausschicken müssen.           

Wer sich aber untersteht, das Gegenteil zu lehren, zu predigen, bzw. hartnäckig zu behaupten oder auch in der öffentlichen Diskussion zu verteidigen, soll eben dadurch exkommuniziert sein." (*2)

           

Die Kirche weist hier Lehren zurück, die mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind. Wer diese falschen Lehren vertritt, ist mit dem Anathema belegt, das ist die Exkommunikation. Dh die betreffenden Katholiken schließen sich durch Ablehnung der katholischen Glaubenslehre selber aus der Gemeinschaft der Kirche aus.            

Was bedeuten diese Lehrverurteilungen für unsere Zeit?           

1) Die Kirche mit ihrem Lehramt behandelt das Allerheiligste Altarssakrament mit einer besonderen liebenden Wachsamkeit. Gott schenkt uns durch die Kirche die Göttliche Offenbarung, vollständig und unverfälscht. Diese Lehrverurteilungen wollen Klarheit schaffen und helfen, uns die Gnade des Altarssakramentes vollständig und unverfälscht zu erhalten. Es geht um das Herz der Kirche, ihre Lebensquelle, den Herrn selber. Wo die Wahrheit über das Altarssakrament nicht mehr gebührend beachtet wird oder sich Irrlehren ausbreiten, kann die Kirche so krank und vergiftet werden, dass sie sich auflöst. - Auch wir wollen der Eucharistie in unserem persönlichen Leben eine besondere Liebe und Wachsamkeit widmen. Auch in unserem persönlichen Leben soll sich die Wahrheit über das Altarssakrament vollständig und unverfälscht entfalten.

           

2) Die Lehrverurteilungen von Trient sind eine Abgrenzung und Warnung gegenüber der Irrlehre. Die Kirche handelt hier wie gute Eltern in der Erziehung. Eltern werden ihre Kinder positiv auf gute Werte, Grundhaltungen und Tugenden hinweisen, sie fördern. Doch werden Eltern ihre Kinder auch vor manchen schädlichen Dingen warnen. ZB beim Pilzsuchen vor den giftigen Pilzen, vor Drogeneinnahme usw. So ähnlich warnt die Kirche vor manchen Irrlehren, die ein Gift sind, das den Glauben in der Seele zu Tode bringen kann.

           

3) Wir leben in einer Zeit des Relativismus. Eine objektive von Gott geoffenbarte Wahrheit wird von vielen abgelehnt. Papst Benedikt sprach oft von der "Diktatur des Relativismus". Papst Franziskus sagte mehrmals ganz dasselbe (*3). In einer solchen Situation ist es für die Kirche wichtig, Abgrenzungen zu machen. Das werden manche als untolerant oder unökumenisch auslegen. Menschliche Toleranz muss es immer geben. Aber es gibt im Glauben der Kirche keine dogmatische Toleranz gegenüber dem Irrtum. Christus ist die ewige Wahrheit. Es kann nicht etwas gleichzeitig wahr und falsch sein. Die Lehrverurteilungen von Trient machen uns bewusst: Es ist nicht gleichgültig, was wir als Katholiken glauben. Wo katholisch drauf steht, muss auch katholisch drin sein. Wir können annehmen, dass früher oder später innerhalb der Kirche eine "Scheidung der Geister" kommen wird. Nur derjenige wird auf Dauer in der katholischen Kirche verbleiben wollen, der wirklich auch die katholische Lehre annehmen will. Beten wir darum, dass die Schönheit und Tiefe der katholischen Lehre wieder erkannt wird. (*4)

           

4) Diese Lehrverurteilungen gelten heute noch und sind sehr aktuell. Es gibt Katholiken - zB Professoren, Bischöfe, Priester und Laien - auf die heute die Lehrverurteilungen von Trient zutreffen, die also direkte oder indirekte Häretiker sind, die sich also selbst aus der Kirche ausgeschlossen haben. Für diese beten wir um die Gnade der Umkehr.

           

Sehen wir die Messopferlehre des Konzils von Trient als eine Einladung, immer mehr in die Tiefe und Schönheit des Altarssakramentes hineinzuwachsen, um viele Gnaden für unser Leben und unser Seelenheil zu erlangen, und auch als Aufruf, mutige Zeugen für den Eucharistischen Christus zu sein, vor allem durch unsere eifrige Mitfeier des Heiligen Messopfers.

           

Hochgelobt und angebetet sei ohne End, Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament. Amen.

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