160) Kirchweihfest 2015: "MEIN HAUS SOLL EIN HAUS DES GEBETES SEIN"

Jahresgedächtnis der Kirchweihe 2015 - Hochfest der Pfarrkirche Imsterberg

"MEIN HAUS SOLL EIN HAUS DES GEBETES SEIN" (Mt 21,14)

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

"Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein, ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht" (Mt 21,14), war sein Vorwurf. Diese Worte hat Christus im Jerusalemer Tempel gesprochen, nach der "Tempelreinigung". Er bestätigte die Bedeutung des Tempels und damit des Gotteshauses als sakralen Ort, wenn er mit heiligem Zorn die Tische und Stände der Händler umstieß und dem Markttreiben im Tempel ein Ende bereitete.           

"Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein." Unser Gotteshaus ist ein Haus des Gebetes. Ist es das für uns? Ein paar Mal im Jahr? Nur dann, wenn es uns nicht gut geht? An den Sonntagen? An den Feiertagen? Freilich können wir überall beten: Im Wald, auf dem Berg, im Zug, im Auto, im Bett... Die Frage ist, ob wir das tun? Gott ist so groß, dass das Gebet der Herzen ihn überall erreicht. Und trotzdem hat Gott selber uns bevorzugte Orte des Gebetes gegeben, das sind unsere Kirchen. "Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein." Denken wir heute darüber nach.

           

A) DER IN DER KIRCHE BETENDE CHRISTUS           

Wenn uns jemand sagt: "Ich denke an dich. Ich bete für dich", dann freut uns das. Wir wissen uns unterstützt, in einem Anliegen mitgetragen. Hier im Gotteshaus ist es Christus, der zu uns sagt: "Ich denke an dich! Ich bitte meinen Vater für dich!" Das ganze Leben Christi ist Gebet für uns. Dem Petrus sagt Christus: "Ich habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht erlischt" (Lk 22,32). Den Aposteln sagt er: "Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll" (Joh 14,16). Das ganze Beten Christi mündet in sein Opfer am Kreuz. Das ist sein letztes und größtes Gebet. Das Kreuzesopfer umfasst das ganze Leben Christi, das er aus Liebe zu uns am Kreuz hingibt. Das Opfer Christi am Kreuz hat uns die Gnade der Erlösung verdient. Der Hebräerbrief (zB Hebr 4,14-5,10; 7,26-28) beschreibt dieses Beten und Eintreten des Hohenpriesters Christus beim Himmlischen Vater durch sein Opfer. Wenn das Opfer Christi nicht wäre, Christus nicht für uns beten würde, wären wir verloren.           

Das Gebet Christi als OPFER benötigt einen Mittler, das ist der Priester. Das Heilige Messopfer kann nur durch die Hände des geweihten Priesters dargebracht werden. Das ist eine bleibend katholische Wahrheit. Die Altäre in unseren Kirchen sind Stätten für die Darbringung des Hl. Opfers. Das Konzil von Trient lehrt: "Derselbe, der sich selbst damals am Kreuze opferte, opfert sich jetzt [beim Hl. Messopfer] durch den Dienst der Priester; allein die Weise des Opferns ist verschieden" (*1). Das Opfer Christi wird beim Heiligen Messopfer, bei der Heiligen Wandlung, unblutig gegenwärtig.           

Eine Frucht des Opfers Christi ist seine bleibende Gegenwart im Tabernakel. Im Tabernakel ist Christus unser stiller Nachbar, der Tag und Nach über uns wacht und für uns den Vater bittet. Dieses Gebet Christi aus der Gnade des Altarssakramentes geschieht allein schon durch die Gegenwart des Altarssakramentes, der Heiligen Hostie.           

So können wir sagen: Der erste, der im Gotteshaus betet, ist niemand anderer als Christus selber. Christus betet für uns durch seine Gegenwart und sein Opfer. Christus bittet den Vater für uns. Er bittet für unser ewiges Heil und für die Anliegen unseres Lebens. In diesem Sinn sind alle Messgebete, auch das Hochgebet, an Gott Vater gerichtet. Wir beten durch Christus zum Vater.           

Das Opfer Christi, das im Heiligen Messopfer gegenwärtig wird, und die Gegenwart Christi im Tabernakel, sind eine objektive Wirklichkeit, ein Werk Gottes, unabhängig ob wir das glauben oder nicht.           

Etwas anderes ist es, das ganz persönlich im Leben zu erfahren, zu erfahren, dass das Gebet Christi uns erreicht. Wie wird uns das Beten Christi im Gotteshaus zugänglich?

- Gott braucht nicht unsere Leistung, unsere Aktivität oder Kreativität. Es führt von Gott weg, wenn wir dem Wort Gottes irgendwelche Texte vorziehen; wenn wir statt auf Gott zu schauen und Gott zu ehren mit Selbstgemachtem um uns selber kreisen. Gott benötigt nicht unsere "Werke". Vielmehr sollen wir uns bemühen, die Werke, die Gott für uns vollbracht hat, zu erkennen und zu schätzen.

- Es braucht unseren Glauben, demütig und schlicht wie ein Kind müssen wir glauben. Einen anderen Zugang zum Opfer Christi gibt es nicht.

- Sicher braucht es auch unsere Anstrengung, in das Heilige Messopfer hineinzuwachsen. Eine Grundhaltung ist die Hingabe des Herzens. Man kann ermüdet sein, mit Sorgen beschäftigt... Doch wenn wir in der Hingabe drinnen sind, tun wir das Wesentlichste. Durch das Heilige Messopfer haben wir die Möglichkeit, uns selber und alles, was unser Leben ausmacht, an das Kreuzesopfer zu binden.

- Es gilt der Vorrang des Handelns Gottes vor unserem Handeln. Wir dürfen so denken: Wenn ich zum Heiligen Messopfer komme, dann komme ich zum Opfer Christi, das einen unendlichen Wert hat. Wenn ich zum Tabernakel komme, komme ich zu Christus, der da ist und für mich betet. Und ich darf Christus an mir wirken und handeln lassen. Das braucht nicht viele Worte, nicht viel Kopfdenken, sondern Akte der Liebe, Hingabe, ein offenes Herz, Vertrauen... Ist das nicht wunderbar! Wenn Christus für mich betet, dann tut er etwas für mich. Er tut etwas für die Gesundheit meines Leibes, für das Heil meiner Seele, für meine Anliegen... Ich muss ihn nur machen lassen.

- Manchmal sagt jemand: "Das Latein oder Englisch oder Französisch bei der Hl. Messe verstehe ich nicht!" Wer so denkt, hat noch nicht begriffen, worum es geht.

           

Dann sind es wir Menschen, die diesen Ort zu einem Ort des Gebetes machen. Wie beten wir?

 

2) DAS ÖFFENTLICHE UND FEIERLICHE GEBET DER KIRCHE           

Im Gotteshaus kommen wir als lebendige Kirche zusammen, um öffentlich Gott zu loben, zu bitten und zu danken. An Sonn- und Feiertagen geschieht unser Beten in einer festlichen Weise. Die Messgebete werden meist gesungen. Wir singen gemeinsam, es spielt die Orgel, manchmal singt ein Chor... Das festliche Singen braucht auch unser persönliches Mittun: Das Gotteslob in die Hand nehmen, die Lieder aufschlagen und kräftig mitsingen. An den Sonn- und Feiertagen soll sich erfüllen, was im Exsultet steht: "Töne wieder, heilige Halle, von des Volkes mächtigem Jubel." Der gemeinsame festliche Gottesdienst hat eine große Kraft. Er verleiht dem Sonntag und Feiertag Glanz und Freude.

           

3) DAS STILLE GEBET DES HERZENS           

Alles öffentliche und gemeinsame Beten wäre zu wenig, wenn nicht auch unser Herz mitschwingt. Die überlieferte Liturgie hat Zeiten für das persönliche Gebet: die Stille während der Opferung, die Kanonstille... Das Gebet des Herzens kennt viele Ausdrucksformen: Gott sein Herz ausschütten, loben, bitten, danken, vor Gott still werden, einfach da sein, vor dem Tabernakel, vor dem ausgesetzten Allerheiligsten... Denken wir auch daran, dass Gebet keine Einbahnstraße ist. Gebet bedeutet nicht, dass wir Menschen ständig reden. Gebet bedeutet auch hören auf Gott. "Rede Herr, dein Diener hört".           

"Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein." Christus, wir danken Dir. Du bist im Tabernakel hier und betest für uns. Du betest für uns durch Dein Opfer, das gegenwärtig wird. Schenke uns die Frucht Deines Gebetes und Deines Opfers, schenke uns alles, was wir für unser Leben und unser ewiges Heil brauchen. Hilf uns, in unseren Anliegen. Erfülle uns mit Freude, an diesem Ort Dein Lob zu singen und in der Stille Dir unser Herz zu öffnen, damit Du es mit deinen Gnaden und mit Deiner Gegenwart erfüllen kannst.

           

Hochgelobt und angebetet sei ohne End, Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament. Amen.

           

(*) Zitat: Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herder Verlag 1991, Seite 563

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