157) Maria Himmelfahrt 2015: ÜBER DIE DER GOTTESMUTTER GESCHULDETE VEREHRUNG

Hochfest Maria Himmelfahrt 2015

"SIEHE, VON NUN AN PREISEN MICH SELIG ALLE GESCHLECHTER" (Lk 1,48) ÜBER DIE DER GOTTESMUTTER GESCHULDETE VEREHRUNG

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

"Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!" Diese Worte der Muttergottes, bei der Heimsuchung im Haus Elisabeths gesprochen, sind eine Prophezeiung. Maria hat vorausgesagt, dass alle Geschlechter der Erde sie lobpreisen werden, bis zum Ende der Zeit. Niemals hätte Maria von sich aus so etwas sagen können. Wenn ein Mensch von sich aus sagen würde: „Mich werden einmal die Menschen der ganzen Welt ehren, bis ans Ende der Welt – wir würden uns an den Kopf greifen, das wäre der Gipfel vom Hochmut.

           

Wir spüren, dass Maria das Magnificat im Heiligen Geist spricht. Vielleicht ist Maria nachher selber erschrocken, als ihr bewusst geworden ist, was sie da gesagt hat. Wie können wir diese Prophezeiung im Leben Mariens einordnen? Gleich im nächsten Satz gibt Maria die Antwort: „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan!“ Hier spüren wir die Demut Mariens. Alles bezieht sie auf Gott, alle Ehre lenkt sie auf Gott hin. Maria hat nicht die Meinung, dass sie selber groß ist oder sie selber Großes geleistet hätte. Nein! Sie sagt: „Der Mächtige - GOTT - hat Großes an mir getan! Hier denkt sie im Besonderen an das vorausgegangene Wunder der jungfräulichen Empfängnis Christi.

           

„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“ Von Anfang an hat sich die Kirche bemüht, dieses Wort zu erfüllen. Die Kirche inspiriert sich am Gruß, den Gott Vater durch den Mund des Engels bei der Verkündigung an Maria gerichtet hat: „Sei gegrüßt, du Gnadenvolle!“ Dann ist es Elisabeth, die den Gruß des Engels weiterführt: „Du bist gebenedeit – gesegnet und auserwählt – unter den Frauen. Gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ Dann dauert es nicht lange, und eine Frau aus dem Volk ruft Christus zu: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen, deren Brust dich genährt hat“ (Lk 11,27).

           

Manchmal wird der Kirche vorgeworfen, dass wir Katholiken Maria anbeten. Das stimmt natürlich nicht. Die Anbetung gebührt Gott allein. Anbetung bedeutet ja vollkommene Hingabe und Unterwerfung. Nur dem Dreifaltigen Gott geben wir den Kult der Anbetung. Die Heiligen werden nur geehrt und verehrt. Der Muttergottes jedoch wird von der Kirche eine besondere Verehrung entgegengebracht. Die Marienverehrung und das hohe Marienlob der Kirche geht nicht von Sentimentalität aus. Das Marienlob der Kirche gründet im Erkennen all des Großen, das Gott an Maria getan hat. Das ist zuerst die Gottesmutterschaft und alle anderen Gnaden, die Gott Maria geschenkt hat, von der Unbefleckten Empfängnis bis zu ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel.

           

Worin besteht das Besondere der katholischen Marienverehrung?

           

Wer Christus sucht und liebt, wird diejenige nicht übergehen, die ihn uns geschenkt hat. Katholisches Marienlob bedeutet, zur Muttergottes eine besondere und innige Beziehung zu haben, sie in besonderer Weise als Mutter zu ehren, ihr zu vertrauen als der Mittlerin aller Gnaden. Katholische Marienliebe ist zart und innig, aber auch stark und tätig. Eine "katholische Seele" weiß, was sie der Mutter des Herrn alles verdankt. Wie jede menschliche Beziehung muss auch die Beziehung zur Muttergottes gepflegt werden, damit dieses innige Vertrauensverhältnis zur Muttergottes auch wachsen und zur Christusliebe hinführt.

           

Das 2. Vatikanische Konzil spricht auch von den "Pflichten der erlösten Menschen gegenüber der Gottesgebärerin, der Mutter Christi und der Mutter der Menschen" (Lumen gentium 54). Unsere Zeit ist es nicht mehr gewohnt, im Bereich der Liebe von Pflichten zu reden. Doch Liebe zu Gott und Liebe zu Menschen besteht nicht einfach aus Willkür, aus Lust und Laune, aus Gefühlen und Stimmung, mit Rechten und Forderungen, aus Genießen. Liebe hat auch mit Pflichten zu tun. Ehepartner, die sich im Heiligen Sakrament der Ehe aneinander binden, haben gegenseitige Pflichten. Kinder, die ihren Eltern das Leben verdanken, haben Pflichten gegenüber ihren Eltern. Auch Gott gegenüber haben wir Pflichten, weil wir ihm das Leben verdanken. Der Kirche gegenüber haben wir Pflichten, weil sie die Mutter ist, die uns zum ewigen Leben geboren hat. Auch der Muttergottes gegenüber haben wir Pflichten, weil wir ihr Christus, den Erlöser, verdanken.

           

Die Pflichten der Liebe zu erfüllen, ist für den, der in der heiligmachenden Gnade lebt, etwas Schönes. Es ist schön, für Menschen zu sorgen, die man liebt. Es ist schön, die Gebote Gottes zu halten, wenn wir Gott lieben. Es ist schön, die Pflichten gegenüber der Muttergottes wahrzunehmen, wenn wir sie lieben. Wo in der Kirche die Muttergottes nicht mehr gebührend geehrt wird, wird das kirchliche Leben kühl, seelenlos, steril, da fehlt die Herzenswärme, es bleibt vieles unfruchtbar. Wo in der Kirche die Muttergottes gebührend geehrt und geliebt wird, erwächst aus der Marienverehrung fester Christusglaube und Christusliebe. Insofern ist die Marienverehrung auch ein Gradmesser dafür, wie es in der Kirche allgemein und bei uns einzelnen Katholiken mit dem Glauben bestellt ist.

           

„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“ Wie erfüllt die Kirche diese Prophezeiung? Wie erfüllt die Kirche ihre Pflichten gegenüber der Gottesmutter? Die Kirche hat im Lauf der Jahrhunderte der Muttergottes sozusagen einen wunderschönen Blumenstrauß der Liebe und Dankbarkeit gebunden, aus dem schönsten, was die Schöpfung Gottes und wir Menschen zu bieten haben:

          

- das älteste Mariengebet, das AVE MARIA, aus dem Gruß des Engels und der Elisabeth

- das Gebet "Unter deinen Schutz und Schirm" aus dem 2. Jahrhundert

- die vielen Marienfeste im Kirchenjahr

- der Marienmonat Mai, der Rosenkranzmonat Oktober

- das Rosenkranzgebet

- der Samstag jeder Woche ist der wöchentliche Muttergottestag mit eigener Marienmesse

- am Samstag haben wir Priester im Brevier ein eigenes Marienoffizium

- zur Zeit der Türkenkriege entstand der drei Mal tägliche Angelus

- die vielen kleinen und großen Muttergotteskirchen auf der ganzen Welt

- die vielen Gnadenbilder der Muttergottes

- unzählige Marienlieder, von den einfachen Liedern des gläubigen Volkes bis zum

kunstvollen Magnificat von Johann Sebastian Bach

           

„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“ Auch wir wollen in unserem persönlichen Leben beitragen, diese Verheißung in die Tat umsetzen. Am einfachsten geht es, wenn wir in das eintreten, was in der katholischen Kirche im Laufe der Jahrhunderte gewachsen ist. Besonders einladen möchte ich Euch, den wöchentlichen Muttergottessamstag wieder zu halten mit dem Rosenkranz und dem Hl. Messopfer am Samstag in der Frühe. Vor allem aber wollen wir bei der Muttergottes in die Schule des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe gehen.

           

Wer die Muttergottes ehrt, wird von ihr gesegnet, von ihr geformt, von ihr mit allen nötigen Gnaden beschenkt. Jedes Marienlob ist jedoch im Letzten auf Gott hin ausgerichtet, wird zum Lobpreis und zur Anbetung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, dem die Ehre sei in Ewigkeit. Amen.

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