156) 20. Sonntag im JK B) 2015: DIE MESSOPFERLEHRE DES KONZILS VON TRIENT: 3) DIE HL. MESSE, DAS OPFER CHRISTI

20. Sonntag im Jahreskreis B) 2015

"ICH GEBE ES HIN FÜR DAS LEBEN DER WELT" (Joh 6,51)

DIE MESSOPFERLEHRE DES KONZILS VON TRIENT

3) Die Heilige Messe, das  Opfer Christi

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

"Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch. Ich gebe es hin für das Leben der Welt." Christus führt uns mit diesen Worten zum Geheimnis seines Opfers. Christus sagt, dass er sein Fleisch, also sein Leben, hingibt. Das ist das Opfer. Die Hingabe in der Liebe. Christus liebt uns so sehr, dass er sich für uns hingegeben hat, für uns am Kreuz gestorben ist. Das ist sein Opfer für das Leben der Welt. Durch sein Kreuzesopfer hat Christus uns erlöst von der Sünde, vom ewigen Tod und von den Dämonen. So beschreibt der Glaube die Frucht des Kreuzesopfers Christi. Überhaupt leben wir Menschen von der Hingabe der anderen. Die Hingabe Christi am Kreuz hat solch einen Wert, dass die ganze Welt davon lebt. Auch wir.

           

Das Opfer Christi am Kreuz hat sozusagen eine innere Seite, das ist seine Liebe, das Geben seiner selbst, und eine äußere Seite, die Hingabe seines Leibes, also sein blutiges Sterben am Kreuz. Das Opfer Christi ist durch den Opferkult des Alten Testamentes vorbereitet, in den Schriften des Neuen Testamentes klar ausgesprochen, durch die Theologie der Kirche vertieft und entfaltet.

           

Nach der Lehre unseres katholischen Glaubens ist die Heilige Messe das Opfer Christi. Das ist der Kern der Heiligen Messe, deshalb der Begriff Messopfer. Die Reformatoren haben die Heilige Messe als Opfer geleugnet, sie haben vielleicht gar nicht verstanden oder nicht verstehen wollen, worum es geht. Es ist auch wirklich nicht einfach zu verstehen. Da ist das Kreuzesopfer am Karfreitag. Das Messopfer von vielen Priestern an vielen Altären der Welt. Das Opfer der Kirche. Ist die Heilige Messe ein neues Opfer? Muss Christus nochmals sterben? Wie geht das zusammen? usw. Das Konzil von Trient klärte diese Fragen und bestätigte den Opfercharakter der Hl. Messe. Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert aus den Dekreten des Trienter Konzils:     

           

KKK 1366: Die Eucharistie ist also ein Opfer, denn sie stellt das Opfer des Kreuzes dar (und macht es dadurch gegenwärtig), ist dessen Gedächtnis und wendet dessen Frucht zu: Christus „hat zwar sich selbst ein für allemal auf dem Altar des Kreuzes durch den eintretenden Tod Gott, dem Vater opfern wollen [Vgl. Hebr 7,27], um für jene [die Menschen] ewige Erlösung zu wirken; weil jedoch sein Priestertum durch den Tod nicht ausgelöscht werden sollte [Vgl. Hebr 7,24.], hat er beim Letzten Abendmahle, ‚in der Nacht, da er verraten wurde‘ (1 Kor 11,23), seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares (wie es die Natur des Menschen erfordert) Opfer hinterlassen, durch das jenes blutige [Opfer], das einmal am Kreuz dargebracht werden sollte, vergegenwärtigt wird, sein Gedächtnis bis zum Ende der Zeit fortdauern und dessen heilbringende Kraft für die Vergebung der Sünden, die von uns täglich begangen werden, zugewandt werden sollte" (K. v. Trient: DS 1740).

           

KKK 1367: Das Opfer Christi und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer: „Denn die Opfergabe ist ein und dieselbe; derselbe, der sich selbst damals am Kreuze opferte, opfert jetzt durch den Dienst der Priester; allein die Weise des Opferns ist verschieden". „In diesem göttlichen Opfer, das in der Messe vollzogen wird, [ist] jener selbe Christus enthalten und [wird] unblutig geopfert ... der auf dem Altar des Kreuzes ein für allemal sich selbst blutig opferte" (K. v. Trient: DS 1743).

           

Hier wird der heiligste Bereich unseres Glaubens angesprochen.

           

a) Beim Hl. Messopfer wird das Kreuzesopfer dargestellt. Durch äußere Zeichen wird auf das unsichtbare Opfer Christi verwiesen:

           

- Bei oder auf jedem Altar muss sich ein Kreuz befinden. Das Kreuz kennzeichnet den Altar als Opferstätte.

- Ein Zeichen für das Opfer ist die Doppelkonsekration. Brot und Wein werden getrennt      verwandelt. Die Trennung von Fleisch und Blut Christi ist ein Zeichen für  den Tod. Wenn sich das Blut vom Körper trennt, tritt der Tod ein.

- Der Name Hostie  heißt übersetzt Opfer.

- In der traditionellen Liturgie macht der Priester nach der Heiligen Wandlung mehrere Kreuzzeichen über Fleisch und Blut Christi, diese Kreuzzeichen verweisen auf das Opfer.

- Nach dem Hochgebet rufen wir den Herrn als Lamm Gottes an, das sich für uns      "schlachten" hat lassen.           

Nach dem Agnus Dei wird ein Partikel der Heiligen Hostie, also des Leibes Christi, in den Kelch mit dem Kostbaren Blut gesenkt. Fleisch und Blut vereinigen sich. Das ist ein Symbol für die Auferstehung Christi, mit der uns die Heilige Messe verbindet.

           

b) Beim Hl. Messopfer wird das Kreuzesopfer gegenwärtig.

           

Das Kreuzesopfer auf Golgota und das Hl. Messopfer sind identisch, ein und dasselbe Opfer. Nur die Art der Darbringung ist verschieden. Das Kreuzesopfer war blutig, das Hl. Messopfer ist unblutig. Frank Duff, der Gründer der Legio Mariä, erklärt den Zusammenhang Kreuzesopfer von Golgota und Hl. Messopfer mit folgenden Worten: „Die Hl. Messe ist das göttliche Mittel, die Distanz von 2000 Jahren zu überbrücken, die uns vom Zeitpunkt der Kreuzigung trennt. Sie bringt Kalvaria in unserer Mitte, oder anders gesagt, sie bringt uns zu dem Ort und Augenblick des wirklichen Opfers Christi. Durch die Hl. Messe nehmen wir teil an dieser Wirklichkeit; wir sind dort, zusammen mit Maria, Seiner Mutter und Johannes und all den anderen… Alle Messen treffen sich in Kalvaria, so wie alle Sonnenstrahlen ihre Mitte in der Sonne finden. So ist es auch bei der heiligen Messe: als der Herr am Kreuz hing, ruhten seine Augen zugleich auf jedem, der eine Hl Messe besucht oder je besucht hat.“ (*)

           

c) Beim Hl. Messopfer wird uns die Frucht des Kreuzesopfers zugewendet.

           

Was Christus aus Liebe zu uns getan hat, was er uns am Kreuz verdient und erworben hat, ist uns heute zugänglich, wir können heute davon profitieren, wir können uns heute die Erlösungsgnaden aneignen, wir können heute Gnade für Leib und Seele empfangen. Von dem her können wir sagen: Es gibt nichts Größeres als das Opfer Christi. Es gibt nichts Größeres als das Hl. Messopfer, es hat einen unendlichen Wert. Das Konzil von Trient nennt das Hl. Messopfer ein göttliches Opfer, ein reines Opfer: "Und dies ist nun jenes reine Opfer, das durch keine Unwürdigkeit oder Schlechtigkeit derer, die es darbringen [die Priester], verunreinigt werden kann" (**) Bei der Hl. Messe hat das Wirken Gottes den Vorrang: Kein Priester kann den objektiven Wert des Hl. Messopfers beeinträchtigen, vorausgesetzt, dass es gültig und nach der Ordnung der Kirche dargebracht wird. Entscheidend ist auch nicht, ob der Priester jung oder alt ist, ob er im menschlichen Sinn gut oder weniger gut predigen kann. Der Priester tritt an den Altar, um das Hl. Opfer darzubringen, damit durch ihn Christus handelt und uns die Früchte des Kreuzesopfers schenken kann.

           

Der heilige P. Pio trug 50 Jahre lang die Wundmale Christi an seinem Körper, die Stigmata. Das Leben von P. Pio ist eine einzige Predigt über das Geheimnis des Kreuzesopfers. Gott hat uns diesen Heiligen sicher auch geschenkt, um uns auf das Heilige Messopfer hinzuweisen. Alles Erklären kommt bei der Hl. Messe an die Grenzen. Wir können vor diesem Wunder der Hl. Wandlung und des Opfers Christi nur mehr staunen, niederknien, anbeten, schweigen. P. Pio hat den unendlichen Wert der Hl. Messe ausdrücken wollen, wenn er sagt: „Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen als ohne Hl. Messe“. P. Pio stand etwa um 2:00 Uhr in der früh auf, und hat sich dann drei Stunden lang mit stillem Gebet auf die Zelebration vorbereitet. Danach war die Danksagung. Möge der hl. Pater Pio uns helfen, den Wert und die Bedeutung der Heiligen Messe als Opfer Christi wieder mehr zu erkennen und zu schätzen.

           

Hochgelobt und angebetet sei ohne End, Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament. Amen.

(*) Robert Bradshaw, Fank Duff, S. 176

           

(**) Zitate: aus Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herder Verlag 1991, Seite 562

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