154) 18. Sonntag im JK B) 2015: DIE MESSOPFERLEHRE DES KONZILS VON TRIENT 1) WAHRE GEGENWART CHRISTI

18. Sonntag im Jahreskreis B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

"Ich bin das lebendige Brot" (Joh 6,35)

DIE MESSOPFERLEHRE DES KONZILS VON TRIENT

1. Teil: Die wahre Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie

"Ich bin das lebendige Brot." Der vergangene Sonntag stellte uns die Brotvermehrung vor Augen. Das war der Auftakt, das große Zeichen, das Christus dann in der Eucharistischen Predigt entfaltet hat, um die Einsetzung der Eucharistie am Gründonnerstag vorzubereiten. Wir hören jetzt im August bei den Sonntagsevangelien diese erhabenen Worte Christi aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums.

Stellen wir uns eine Rose vor, die noch ganz in der Knospe geschlossen ist, man sieht noch nicht, wie die entfaltete Blüte aussieht. Dann entfaltet sich die Rose zu ihrer vollen Blüte und Schönheit, man sieht die einzelnen Blätter, die sich geordnet aneinander fügen. Die Eucharistie könnten wir mit so einer Rose vergleichen. Christus hat die "Eucharistische Rose" beim letzten Abendmahl gestiftet, dort war sie noch geschlossen, doch alles, was sich später entfalten sollte, war schon enthalten und grundgelegt. Nicht die Kirche hat diese "Eucharistische Rose" gemacht. Die Kirche hat bei ihrer Entfaltung mitgewirkt, sie hat geordnet, geregelt, gereinigt... Im Laufe der Kirchengeschichte ist diese "Eucharistische Rose" immer mehr aufgeblüht und zur Entfaltung gekommen - die Entfaltung des Eucharistischen Geheimnisses. Diese Entfaltung des Eucharistischen Glaubens geschah durch die Kirchenväter, durch die Kirchenlehrer und Heiligen der Jahrhunderte, durch das Gläubige katholische Volk. Auch Spannungen und Schwierigkeiten durch Irrlehren haben indirekt zur Entfaltung beigetragen. Bei diesen Schwierigkeiten gab es ein Ringen der Kirche, wie der Eucharistische Glaube beschaffen ist, wie das Altarssakrament zu glauben und zu feiern ist.

Eine sehr schwierige Epoche war die Zeit der Reformation nach 1517. Der Reformation voraus gingen natürlich Missstände in der Kirche. Die Reformation selber brachte dann Auflehnung gegen die Kirche, Ablehnung der Kirche, Verwirrung, Spaltungen, unsagbares Leid und Elend für die Länder Europas. Im 16. Jahrhundert führten die religiösen Auseinandersetzungen zum 30jährigen Krieg in Europa.

Das Konzil von Trient ist zusammengetreten, um das zu prüfen und zu klären, was von den Reformatoren angefochten war, was unklar und verworren war in Bezug auf die Glaubenslehre und das Altarssakrament. In Trient, im alten historischen Tirol, ist das Konzil zusammengetreten, in mehreren Phasen, von 1545 bis 1563, um im Bereich des Glaubens Klarheit zu schaffen. Kardinal Brandmüller hatte bei einem Festakt zur Erinnerung an das Konzil von Trient gesagt: "Das Licht des Konzils von Trient leuchtet für alle Zeiten". Das Konzil von Trient hat so viel Segen gebracht für die Kirche, für die Kultur des Abendlandes, dass die Zeitepoche, die Jahrhunderte nach Trient, die tridentinische Epoche genannt wird.

Warum ich das heute sage? "Ich bin das Brot des Lebens!" Das Allerheiligste Altarssakrament. wenn es um das Altarssakrament geht, um die wesentlichen Grundwahrheiten des Altarssakramentes, wird von der Kirche meist auf das Trientner Konzil Bezug genommen. Das gilt für das 2. Vatikanische Konzil, für den Katechismus der Katholischen Kirche, für Enzykliken, zB Ecclesia de Eucharistia von Johannes Paul II. Bei den großen Eucharistischen Dogmen wird deshalb so gerne auf Trient Bezug genommen, weil dort die grundlegenden Wahrheiten geklärt und formuliert wurden.

Christus sagt uns heute: "Müht euch nicht ab für die Speise die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt, und die der Menschensohn euch geben wird" (Joh 6,27). Die Speise, die verdirbt, ist allgemein das Irdische, alles, was wir nicht mitnehmen können aus dieser Welt. Wir sollen uns mühen um die Speise, die Gott uns gibt. Die Speise, die Gott uns gegeben hat, ist die Eucharistie, das Altarssakrament, darum sollen wir uns mühen: dass wir die Eucharistische Rose sehen, erkennen, aus ihren Gnaden leben und unsere Seele ernähren.

Im August, wenn diese tiefen Schriftstellen aus dem Johannesevangelium verkündet werden, wollen wir uns mühen um das Altarssakrament. Es gibt Katholiken, die Privatoffenbarungen überbewerten, doch den Glauben zu wenig kennen. Ich möchte Euch einladen, dass wir zu dieser reinen Quelle gehen, zur Lehre der Kirche, wie sie die Väter der Kirche in Trient über das Allerheiligste Altarssakrament formuliert haben.

Aus dem Vorwort zu den Dekreten des Konzils von Trient über das Sakrament der Eucharistie. Das Konzil von Trient will:

- den überlieferten und wahren Glauben darlegen

- auf die großen Nöte und Verwirrungen der Reformation ein Heilmittel geben

- Spaltung in der Kirche überwinden und Einheit im Glauben schaffen

- die Häresien über die Eucharistie markieren, damit sie überwunden werden können

"Auch wenn sich das hochheilige und allgemeine Konzil von Trient ... nicht ohne die besondere Führung und Leitung des Heiligen Geistes zu dem Zweck versammelt hat, die wahre und alte Lehre über den Glauben und die Sakramente darzulegen und für alle Häresien und andere äußerst schwerwiegende Unannehmlichkeiten, von denen die Kirche Gottes heute elend geplagt und in viele verschiedene Teile zerspalten wird, ein Heilmittel beizubringen, so hat sie doch schon von Anfang an vor allem beabsichtigt, das Unkraut verabscheuungs-würdiger Irrtümer und Spaltungen mit Stumpf und Stiel auszureißen, die der feindliche Mensch in diesen unseren unheilvollen Zeiten in Glaubenslehre, Gebrauch und Verehrung der hochheiligen Eucharistie aussäte (vgl. Mt 13,25), die unser Erlöser ansonsten in seiner Kirche als Zeichen ihrer Einheit und Leibe hinterließ, durch die alle Christen nach seinem Willen untereinander verbunden und verknüpft sein sollen."

Aus Kapitel I: Die wirkliche Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus im heiligsten Sakrament der Eucharistie

Das Konzil von Trient betont zuerst den göttlichen Ursprung der Eucharistie:

- die wahre Gegenwart Christi im Altarssakrament

- durch Gottes Allmacht kann Christus zugleich im Himmel und im Altarssakrament an vielen

Orten dieser Welt sein

- das Altarssakrament wurde am Gründonnerstag von Christus eingesetzt

"Zu Beginn lehrt das heilige Konzil und bekennt offen und ehrlich, dass im segensreichen Sakrament der heiligen Eucharistie nach der Konsekration [der Heiligen Wandlung] von Brot und Wein unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und Mensch wahrhaft, wirklich und substanzhaft (Kan. 1) unter der Gestalt jener sinnenfältigen Dinge [Brot und Wein] enthalten ist. Es widerstreitet sich nämlich nicht, dass eben unser Erlöser entsprechend der natürlichen Daseinsweise immer zur Rechten des Vaters in dem Himmel sitzt, und dass er nichtsdestoweniger an vielen anderen Orten in seiner Substanz sakramental gegenwärtig bei uns ist, in einer Daseinsweise, die wir zwar kaum mit Worten ausdrücken können, von der wir jedoch mit Hilfe der durch den Glauben erleuchteten Überlegung erfassen können und unerschütterlich glauben müssen, dass sie Gott möglich ist (verg. Mt 19,26; Lk 18,27)."

"So haben nämlich alle unsere Vorfahren, die in der wahren Kirche Christi lebten und die über dieses heiligste Sakrament Erörterungen anstellten, ganz offen bekannt, dass unser Erlöser dieses so wunderbare Sakrament beim letzten Abendmahl eingesetzt hat, als er nach der Segnung von Brot und Wein mit klaren und deutlichen Worten bezeugte, dass er ihnen seinen eigenen Leib und sein Blut hingebe; da diese Worte, die von den heiligen Evangelisten berichtet (vgl. Mt 26,26-29; Mk 14, 22-25; Lk 22,19f) und später vom heiligen Paulus wiederholt wurden (vgl. 1 Kor 11,24f), jene eigentümliche Bedeutung an den Tag legen, in der sie von den Vätern verstanden wurden, ist es fürwahr eine höchst abscheuliche Niederträchtigkeit, wenn sie von bestimmten streitsüchtigen und verdorbenen Menschen gegen die allgemeine Auffassung der Kirche zu erdichteten und bildhaften Redweisen verdreht werden, in denen die Wahrheit des Fleisches und des Blutes Christi geleugnet wird; als <Säule und Stütze der Wahrheit> hat sie [die Kirche] diese von gottlosen Menschen ausgedachten Erdichtungen als satanisch verabscheut und immer mit dankbarem und gedenkendem Herzen diese ganz vorzügliche Wohltat Christi anerkannt."

Hochgelobt und angebetet sei ohne End, Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament. Amen.

 

Zitate: aus Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herder Verlag 1991, Seite 527-529

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