153) 15. Sonntag im JK B) 2015: APOSTOLISCHE VERFASSUNG DER KIRCHE UND EUCHARISTIE

15. Sonntag im Jahreskreis B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

"DIE ZWÖLF" (Mk 6,7)

EUCHARISTIE UND APOSTOLISCHE VERFASSUNG DER KIRCHE

           

Wenn ein Haus gebaut wird, wird zuerst ein gutes Fundament gelegt. Je höher ein Haus wird, desto tiefer und stabiler müssen die Fundamente sein. Christus hat auch das Haus seiner Kirche auf einem festen Fundament gebaut. Dieses Fundament ist das apostolische Amt.

Im heutigen Evangelium ist von den Zwölf die Rede: "In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich" (Mk 6,7). Im griechischen Urtext heißt es ein paar Verse vorher, in Mk 3,14: "Und er schuf Zwölf". Das verwendete Zeitwort steht nur zwei Mal in der Heiligen Schrift: Im Schöpfungsbericht der Genesis, wo es heißt: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (Gen 1,1). Die zweite Stelle ist jene im Markusevangelium: "Er schuf Zwölf." Die Exegeten der Heiligen Schrift sehen in der Verwendung dieser Formulierung er schuf eine tiefe Bedeutung. Christus hat mit der Berufung der Apostel nicht einfach Menschen um sich gesammelt, wie zB ein Lehrer seine Schüler. Mit der Berufung der Apostel hat Christus etwas ganz Neues nicht nur getan, sondern erschaffen: Das apostolische Amt, die apostolische Verfassung der Kirche. So wie Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen hat, und damit die Welt ein Schöpfungswerk Gottes ist, so hat Gott - Christus, der Sohn Gottes - das apostolische Amt der Kirche erschaffen, das es vorher nicht gegeben hat. Wie in der Genesis atmet dieser Text etwas von der Feierlichkeit und Besonderheit eines neuen Werkes Gottes.

1) Christus hat seine Kirche auf dem Fundament der Zwölf Apostel gebaut, dh auf dem Apostelamt, das er geschaffen hat. Das Apostolische Amt entfaltet sich in den drei Weihestufen: Bischöfe, Priester, Diakone. Einen besonderen Stellenwert hat das Petrusamt. Denn zu Petrus hat Christus ausdrücklich noch gesagt: "Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen" (Mt 16,18). Das apostolische Amt beinhaltet das Lehramt: Die Apostel haben die Offenbarung empfangen. Sie ist mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen. Das Hirtenamt: Die Leitungsvollmacht. Das Priesteramt: Die Spendung der Sakramente. Von diesem Amt her nennen wir die Kirche apostolisch. Im Katechismus lesen wir darüber: "Die Kirche ist apostolisch. Sie ist auf feste Grundlagen gebaut: auf die zwölf Apostel des Lammes (Offb 21,14); sie ist unzerstörbar; [Vgl. Mt 16,18] sie ist unfehlbar in der Wahrheit gehalten; Christus leitet sie durch Petrus und die anderen Apostel, die in ihren Nachfolgern dem Papst und dem Bischofskollegium, bei ihr sind" (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 869).

Ihr kennt das Lied "Ein Haus voll Glorie schauet". Der Urtext dieses Liedes wurde vor einigen Jahrzehnten verändert. In der zweiten Strophe heißt es: "Die Kirche ist erbauet, auf Jesus Christ allein!" Diese Formulierung trifft nicht den katholischen Glauben. Die Kirche ist eben nicht auf Christus allein gebaut, sondern auch auf dem Fundament der zwölf Apostel.

2) Damit das Apostelamt der Kirche erhalten bleibt, hat Christus die Kirche mit der apostolischen Sukzession ausgestattet. Dh das Weiheamt, das Christus den Apostel übergeben hat, wurde in der katholischen Kirche bis zum heutigen Tag ununterbrochen weitergegeben. Das Konzil von Trient und das 2. Vatikanische Konzil bekräftigen diese apostolische Sukzession (2. Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 20; siehe unten). Diese Weitergabe der Weihe geschieht, wie schon zur Zeit der Apostel, durch Gebet und Handauflegung. Ein Beispiel: Am 28. Juni hat unser Herr Bischof in der Domkirche die Priesterweihe gespendet. Er selber steht in der apostolischen Sukzession und hat die Gnade der Weihe an Priester weitergegeben.

3) Mit der apostolischen Sukzession verbunden ist die gültige Feier der Sakramente, vor allem das Heilige Messopfer. Durch die apostolische Sukzession ist uns das Geschenk des Heiligen Messopfers und der Sakramente erhalten geblieben. Eine gültige Feier der Heiligen Messe gibt es nur dort, wo die gültige Bischofs- und Priesterweihe vorhanden ist. Wenn ein Laie die Wandlungsworte spricht, geschieht... nichts! Wenn Frauen, die zu "Priesterinnen" "geweiht" wurden - solche Weihen sind ja nicht gültig -, die Wandlungsworte sprechen, geschieht... nichts! Brot bleibt Brot, Wein bleibt Wein. Das Opfer Christi wird nicht gegenwärtig!

Papst Johannes Paul II. lehrt in seiner Enzyklika Ecclesia de Eucharistia: "Der Dienst der Priester, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, macht in der von Christus bestimmten Heilsordnung deutlich, daß die von ihnen gefeierte Eucharistie eine Gabe ist, die auf radikale Weise die Vollmacht der Gemeinde überragt. Das priesterliche Dienstamt ist unersetzlich, um die eucharistische Konsekration gültig an das Kreuzesopfer und an das Letzte Abendmahl zu binden" (Ecclesia de Eucharistia, aus Abschnitt 29).

4) Die Apostolische Sukzession und damit die gültige Feier des Hl. Messopfers ist bei allen Gemeinschaften, die aus der Reformation kommen - Luther, Calvin, Zwingli, Heinrich VII. in England - verloren gegangen. Die Reformatoren haben das Weiheamt abgelehnt.

Nach reformatorischen Verständnis kommt alle geistliche Vollmacht von unten, aus der Gemeinde selber heraus. Deshalb kann zB ein evangelischer Pastor von der Gemeinde ein- oder auch abgesetzt werden. Nach katholischem Glauben kommt alle geistliche und sakramentale Vollmacht von oben, von Gott, hierarchisch vermittelt, durch die apostolische Sukzession. Der Priester wird nicht von der Gemeinde gewählt und eingesetzt, sondern von Gott berufen, von der Kirche geweiht und eingesetzt.

Johannes Paul II. lehrt dies mit folgenden Worten: "Die Gemeinde, die zur Feier der Eucharistie zusammenkommt, bedarf unbedingt eines geweihten Priesters, der sie leitet, um wirklich eucharistische Versammlung sein zu können. Die Gemeinde kann sich aber nicht selbst einen geweihten Amtsträger geben. Dieser ist eine Gabe, die die Gemeinde durch die auf die Apostel zurückgehende Sukzession der Bischöfe empfängt. Es ist nämlich der Bischof, der durch das Sakrament der Weihe einen neuen Priester bestellt und ihm die Vollmacht überträgt, die Eucharistie zu feiern. Daher kann »das eucharistische Geheimnis in keiner Gemeinde gefeiert werden, es sei denn durch die Hände eines geweihten Priesters" (Ecclesia de Eucharistia, aus Abschnitt 29).

Das Verständnis der apostolischen Verfassung der Kirche ist für unsere katholische Identität von äußerster Wichtigkeit. Hier besteht auch sehr viel Verwirrung und Unkenntnis. Es hat auch konkrete praktische Auswirkungen. Versuchen wir abschließend, einiges in knappen Sätzen zusammenzufassen.

< Die Kirche ist apostolisch. "Er schuf Zwölf." Christus hat das Weiheamt geschaffen und den Apostel anvertraut. Es gibt keine Kirche ohne Papst, Bischöfe und Priester.

< Die Gemeinschaften der Reformation sind nicht Kirche im eigentlichen Sinn, weil sie das Weiheamt aufgegeben haben. Die katholische Kirche nennt sie kirchliche Gemeinschaften, aber nicht Kirche (Johannes Paul II. Erklärung Dominus Jesus, 6.8.2000).

< Die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen besitzen die apostolische Sukzession. Das Weiheamt wurde bis heute gültig weitergegeben.

< Eine gültige Hl. Messe kann nur ein gültig geweihter katholischer oder orthodoxer Priester feiern.

< Folgedessen: Ein Katholik kann das Sonntagsgebot nur mit einem gültigen Messopfer erfüllen, das ist ein katholischer oder orthodoxer Gottesdienst. Wer zB in Griechenland Urlaub macht, kann das Sonntagsgebot mit einem dortigen Orthodoxen Gottesdienst erfüllen, auch bei den nicht mit Rom unierten orthodoxen Kirchen.

< Es gibt ökumenische Gebetsgottesdienste, Gebet um die Einheit der Christen. Doch es gibt keine Interzelebration: Ein katholischer Priester darf nicht mit einem Pastor der evangelischen Gemeinschaft katholisch Eucharistie feiern, weil der gemeinsame Glaube über das Weiheamt und die Eucharistie nicht gegeben ist. Auch umgekehrt.

< Zur Interkommunion: Ein Katholik darf bei einem Gottesdienst/Abendmahlsfeier zB eines protestantischen oder anglikanischen Gottesdienstes nicht kommunizieren, und umgekehrt, weil der gemeinsame Glaube über das Weiheamt und die Eucharistie nicht gegeben ist.

Johannes Paul II. lehrt das mit folgenden Worten: "Deshalb müssen die katholischen Gläubigen bei allem Respekt vor den religiösen Überzeugungen ihrer getrennten Brüder und Schwestern der Kommunion fernbleiben, die bei ihren Feiern ausgeteilt wird, damit sie nicht einer zweideutigen Auffassung über das Wesen der Eucharistie Vorschub leisten und so die Pflicht versäumen, für die Wahrheit klar Zeugnis abzulegen. [...] Es ist auch nicht gestattet, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische
Wortgottesdienste, durch gemeinsame Gebetstreffen mit Christen, die den genannten kirchlichen Gemeinschaften angehören, oder durch die Teilnahme an ihren liturgischen Feiern zu ersetzen" (Johannes Paul II. Ecclesia de Eucharistia, aus Abschnitt 30).

Die apostolische Verfassung der Kirche gehört zu den göttlichen Elementen der Kirche. Christus hat darüber prophezeit, dass sie die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden. Wer auch immer gegen die apostolische Verfassung der Kirche angeht, wird im Glauben Schiffbruch erleiden und am Eckstein Christus zu Fall kommen (Lk 2,34).

"Und er schuf Zwölf." Ein äußeres Zeichen für die apostolische Verfassung der Kirche sind in jeder katholischen Pfarrkirche die 12 Apostellichter. Danken wir Christus für das, was er da gestiftet hat und für die Gnaden, die wir dadurch erhalten. Bewahren wir diesen Glauben. Amen.

Ergänzung zum persönlichen Nachlesen:

Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt über die apostolische Sukzession

(Konstitution Lumen gentium, Abschnitt 20):

Jene göttliche Sendung, die Christus den Aposteln anvertraut hat, wird bis zum Ende der Welt dauern (vgl. Mt 28,20). Denn das Evangelium, das sie zu überliefern haben, ist für alle Zeiten der Ursprung jedweden Lebens für die Kirche. Aus diesem Grunde trugen die Apostel in dieser hierarchisch geordneten Gesellschaft für die Bestellung von Nachfolgern Sorge.

Sie hatten nämlich nicht bloß verschiedene Helfer im Dienstamt, sondern übertrugen, damit die ihnen anvertraute Sendung nach ihrem Tod weitergehe, gleichsam nach Art eines Testaments ihren unmittelbaren Mitarbeitern die Aufgabe, das von ihnen begonnene Werk zu vollenden und zu kräftigen. Sie legten ihnen ans Herz, achtzuhaben auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist sie gesetzt habe, die Kirche Gottes zu weiden (vgl. Apg 20,28). Deshalb bestellten sie solche Männer und gaben dann Anordnung, daß nach ihrem Hingang andere bewährte Männer ihr Dienstamt übernähmen. Unter den verschiedenen Dienstämtern, die so von den ersten Zeiten her in der Kirche ausgeübt werden, nimmt nach dem Zeugnis der Überlieferung das Amt derer einen hervorragenden Platz ein, die zum Bischofsamt bestellt sind. So wird nach dem Zeugnis des heiligen Irenäus durch die von den Aposteln eingesetzten Bischöfe und deren Nachfolger bis zu uns hin die apostolische Überlieferung in der ganzen Welt kundgemacht und bewahrt.

Die Bischöfe haben also das Dienstamt in der Gemeinschaft zusammen mit ihren Helfern, den Priestern und den Diakonen, übernommen. An Gottes Stelle stehen sie der Herde vor, deren Hirten sie sind, als Lehrer in der Unterweisung, als Priester im heiligen Kult, als Diener in der Leitung. Wie aber das Amt fortdauern sollte, das vom Herrn ausschließlich dem Petrus, dem ersten der Apostel, übertragen wurde und auf seinen Nachfolger übergehen sollte, so dauert auch das Amt der Apostel, die Kirche zu weiden, fort und muß von der heiligen Ordnung der Bischöfe immerdar ausgeübt werden. Aus diesem Grunde lehrt die Heilige Synode, daß die Bischöfe aufgrund göttlicher Einsetzung an die Stelle der Apostel als Hirten der Kirche getreten sind. Wer sie hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus und ihn, der Christus gesandt hat (vgl. Lk 10,16).

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