152) 14. Sonntag im Jk B) 2015: VERNUNFTGEMÄSSES GLAUBEN UND BETEN FÜHRT ZUM HEILENDEN CHRISTUS

14. Sonntag im Jahreskreis B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

"ER KONNTE DORT KEIN WUNDER TUN" (Mk 6,5). VERNUNFTGEMÄSSES GLAUBEN UDN BETEN FÜHRT ZUM HEILENDEN CHRISTUS

           

Wir sind es von Christus gewohnt, dass er heilt und Wunder wirkt. Das hat er auch oft getan. Gott wirkt Wunder, mehr als wir sehen. Sehen wir heute von den Wundern in der Schöpfung ab. Bleiben wir beim menschlichen Bereich. Es gibt Krankenheilungen, die Ärzte nicht erklären können; es gibt außergewöhnliches Eingreifen in das Leben von Menschen, um uns zu schützen, zu helfen usw. Solche Wunder Gottes an uns Menschen fallen normalerweise nicht einfach so vom Himmel. Gott wirkt dort Wunder, wo wir Menschen GLAUBEN.

           

Das heutige Sonntagsevangelium zeigt uns, dass es auch anders war. "Und er konnte dort kein Wunder tun.  Weil die Landsleute Christi in Nazareth nicht geglaubt haben. Die Reaktion Christi: "Und er wunderte sich über ihren Unglauben" (Mk 6,5). Er geht weg und lehrt in anderen Dörfern. Wo Christus keinen Glauben findet, geht er weg. Mit ihm geht der Segen, mit ihm geht das Leben. Was bleibt, wenn Gott von uns geht?

           

Auch wir suchen in unseren Anliegen Hilfe. Und ganz sicher will der Herr uns genauso helfen wie damals seinen Landsleuten. Wie heilt Christus heute? Was erwartet der Herr von uns? Das heutige Evangelium gibt eine klare Antwort: Gott erwartet unseren Glauben! Wie soll unser Glauben und Beten ausschauen, damit es uns zum heilenden Christus führt?

           

a) Brauchen wir, um recht zu glauben und zu beten, "charismatisch" geprägte Heilungsgottesdienste? Braucht es besonders begnadete Priester oder Gläubige mit einem Heilungscharisma? Um auf diese Frage auch zu antworten: Nein.  Heilige, die solche Charismen hatten, haben nie ein Aufsehen gemacht. Im Gegenteil, sie wollten alle Sensation vermeiden. Der hl. Pfarrer von Ars hat alle Wunder, die Gott durch ihn wirkte, der hl. Philomena zugeschoben. Vor kurzem habe ich eine Dokumentation gesehen von einem sehr fragwürdigen "Gottesdienst". Unter lautem Schreien wurde da Gott aufgefordert, welche Krankheiten er heilen soll, der betreffende Priester hatte ein guruhaftes Auftreten, die mitfeiernden Gläubigen waren emotional entgleist, hysterisch, jeder hat jedem die Hand aufgelegt, von einer vom Heiligen Geist erfüllten Ordnung der katholischen Liturgie war nicht viel zu erkennen. Auffallend ist, dass solche Gottesdienste meistens nicht in Gotteshäusern stattfinden, sondern in Hallen. Nur ein Wenig kann hier angedeutet werden.

           

Nur nebenbei: Wir sollten nicht von Heilungs- oder Segnungsgottesdienst sprechen. Diese Formulierung wird der objektiven Größe des Hl. Messopfers nicht gerecht. Es gibt nicht einen "Heilungs"-Gottesdienst, "Kranken"-Gottesdienst, "Familien"-Gottesdienst, "Jugend"-Gottesdienst usw. Es gibt nur das Heilige Messopfer als die Quelle aller Gnade, das Heilige Messopfer, in dem wir für bestimmte Menschen und bestimmte Anliegen besonders beten. Doch kann die Heilige Messe für nichts und für niemanden vereinnahmt werden. Jede Hl. Messe muss offen sein für jeden. Wir dürfen Gott auch nicht mit Geschrei, Getue und vielen Worten unsere Bitten aufschwatzen, nach dem Motto: "Je mehr wir schreien, je stärker unsere Emotionen sind, desto mehr Chance haben wir, dass Gott uns erhört." Wir dürfen Gott auch nicht vorschreiben, wann und wie er jemanden heilt.

           

b) Christlich-katholisch Glauben und Beten besteht nicht aus Gefühl und emotionaler Erregung, sondern aus Vernunft und Wille. Das Dogma des katholischen Glaubens ist vernunftgemäß. Wenn Gott uns schöne Gefühle gibt, dürfen wir sie gerne annehmen. Doch das gehört nicht zum Wesen. Wir können die heiligen Lehren unseres Glaubens mit der Vernunft durchdenken und überprüfen. Der Glaube kennt in sich keinen Widerspruch. Manche Religionen oder Sekten sind in ihrer Lehre in sich widersprüchlich. Das ist der katholische Glaube nicht. Natürlich übersteigt der Glaube unser Fassungsvermögen. Doch er ist vernunftgemäß.          

Was die Kirche glaubt, das betet sie. So ist auch der Gottesdienst der Kirche vernunftgemäß. Die Liturgie der Kirche ist in ihrer ganzen Tradition vernunftgemäß. Der Gottesdienst ist klar aufgebaut und geordnet. Die Gebete sind klar und geordnet. Die Kirche hat bei ihrem Beten die Hände nie über den Kopf hinausgehoben - auch nicht bei der Orantenhaltung des Priesters am Altar - der menschliche Körper und Geist darf nicht über die Vernunft hinausgehen. Ja, noch mehr: Der Gottesdienst der Kirche spiegelt die hierarchische Verfassung der Kirche. Der Heilige Geist, der mit der Kirche zusammen die Liturgie hervorgebracht hat, ist der Geist der Ordnung. Alle Unordnung in der Liturgie ist nicht vom Heiligen Geist. Der Ungeist ist der Geist der Unordnung. Diabolos heißt Durcheinanderwerfer. Im Zustand der Erregung sollen wir zB keine Entscheidungen treffen und keine früheren Entscheidungen widerrufen, weil wir in solchen Situationen nicht über eine klare Vernunft und einen bewussten Willen verfügen.

           

c) Unser Beten braucht nicht besondere Textgebete. Manchmal sagt jemand über irgend ein konkret formuliertes Gebet: "Das ist ein besonders kräftiges Gebet! Das musst du beten! Das ist eine besonders kräftige Novene...!" Ein Unsinn! Freilich gibt es Gebete, welche die Kirche oder die Heiligen immer empfohlen haben, wie zB allen voran das Heilige Messopfer, dann das Vater unser, die Psalmen, der Rosenkranz... Das kräftigste Gebet ist jenes, das aus dem gläubigsten Herzen kommt, aus einem starken Gottvertrauen. Der Zöllner betet still hinten im Tempel: "Gott, sei mir Sünder gnädig" (Lk 18,13) und sein Gebet wurde sofort erhört, sagt Christus. In Worte gefasste Gebete der Kirche und der Heiligen haben in der Tradition immer klare und kernige Inhalte, keine schwammigen oder nichts sagenden Aussagen. Dise Gebete wollen uns eine Hilfe sein, um beim Beten den Glauben der Kirche zu atmen.

           

d) Bleiben wir noch kurz bei dieser Thematik: Vernunftgemäßes Glauben und Beten. Die heutige erste Lesung schildert die Berufung des Propheten Ezechiel. Ezechiel hat bei seiner Berufung eine gewaltige Vision. Doch den Willen Gottes erkennt Ezechiel in seinem Inneren: "Es kam der Geist in mich" (Ez 1,2), erzählt er. Gott und der Heilige Geist ist Geist, sein Wirken ist geistiger Art. Der Heilige Geist wirkt nicht ein emotionales Entgleisen und aus der Fassung geraten. Thomas von Aquin lehrt: "Gott ist nicht in der Erregung." Der Heilige Geist wirkt ein inneres Erkennen und verstehen.

           

Noch ein Detail ist für uns aufschlussreich. Zwei Mal erwähnt der Prophet das Stehen: "Stell dich auf deine Füße, ich will mit dir reden" (Ez 1,1). Der Geist "kam in mich und stellte mich auf die Füße" (Ez 1,2). Der Heilige Geist ist derjenige, der uns auf die Füße stellt, der uns aufrichtet und nicht zu Boden wirft. Das ist die Nüchternheit des Glaubens und Betens. Die Muttergottes ist bei ihrer Berufung durch den Engel sicher nicht mit lallender Zungenrede am Boden gelegen. Sie ist wahrscheinlich gestanden oder gekniet. Jedenfalls war sie voll bei Vernunft, weil sie mitdenkt und mit ihrem Willen entscheidet. Das sind Grundgesetze von katholisch Glauben und katholisch Beten. Wo diese Grundgesetze im katholischen Bereich nicht mehr beachtet werden, geschieht nicht nur Entfernung von Christus und der Kirche, es wird auch dem Ungeist die Tür geöffnet, der dann mit dem Heiligen Geist verwechselt wird.

           

Manche Gottesdienste mit kleinen oder größeren Gruppen mit dieser Problematik, die ich hier anspreche, sind im Grunde genommen sehr ich-konzentriert, eine Form von Esoterik, dh von Selbsterlösung durch eigenes Tun. Christliche Erlösung geschieht nicht durch das eigene Tun und Leisten, sondern durch das demütige Annehmen der Erlösungsgnaden durch die Vermittlung der Kirche in den Sakramenten, durch den Glauben. Wer wöchentlich mit der Sonntagsmesse lebt, wächst in dieses wahre Glauben und Beten hinein.

           

Wenn wir sagen Glauben, dann meinen wir also nicht Gefühl und Erregung, wir meinen jenen Glauben, den Gott uns geoffenbart hat, den die Kirche uns verbürgt und als Dogma betet. Wenn wir sagen Glauben, dann meinen wir einen Glauben, der sich im Leben nach den 10 Geboten Gottes bewährt. Das erwartet Christus von uns. Das vernunftgemäße Glauben und Beten führt auch heute zum heilenden Christus. Maria, Mutter und Urbild des Glaubens, bitte für uns. Amen.

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