151) 12. Sonntag im JK B) 2015: MENSCHLICHE PANIK UND GÖTTLICHE GELASSENHEIT

12. Sonntag im Jahreskreis B) 2015

Predigt von Pf. Stephan Müller

"PLÖTZLICH ERHOB SICH EIN HEFTIGER WIRBELSTURM" (Mk 4,37)

MENSCHLICHE PANIK UND GÖTTLICHE GELASSENHEIT

           

Sturm auf dem See Genezareth. Ein Fischerboot, das nicht sturmtauglich ist. Das Boot füllt sich mit Wasser. Die Apostel geraten in Todesangst. Christus liegt im Boot auf einem Kissen und schläft. „Meister, kümmert es Dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Zwei große Gegensätze erleben wir hier: Menschliche Panik und göttliche Gelassenheit.

           

Menschliche Panik ist verständlich. Es braucht gar nicht viel dazu; es muss kein Brand und kein Erdbeben sein, dass Menschen den Boden unter ihren Füßen verlieren und unberechenbar reagieren.

           

Bei Christus ist das anders. Das Boot droht unterzugehen, und der Herr schläft seelenruhig. Warum auch nicht? Was sollten die Elemente, die der Schöpfergott erschaffen hat, dem Schöpfergott anhaben können? Was sollten die Wogen des Galiläischen Meeres dem schaden können, der in seiner göttlichen Hoheit vor den Augen der entsetzten Jünger über diese Wogen gegangen ist? Nein, die Elemente der Welt können dem nicht schaden, „durch den und auf den hin sie geschaffen sind“ (Kol 1,16).

           

Die Apostel und auch wir sind nur Menschen. Wir sind an die Naturgesetze gebunden. Wir sind den Verwundungen, die durch die Ursünde über die Schöpfung gekommen sind, ausgeliefert. Erst vor kurzem sind wir erschrocken über die Naturgewalten, die in einem Nachbardorf so viel Schaden angerichtet haben. Nein, wir haben keine göttliche Gelassenheit vor den Stürmen, auch wenn wir uns in Sicherheit wiegen, vielleicht manchmal zu viel.

           

Es gibt die Stürme außerhalb des Bootes unseres eigenen Lebens: Der größte Sturm ist der heilgsgeschichtliche Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis. Es gibt den Sturm gegen Christus als Sohn Gottes und seinen Anspruch, einziger Erlöser und einziger Weg zum Heil zu sein. Ohnmächtig erleben wir, wie dieser Sturm in manchen Ländern und Gebieten die christlichen Wurzeln fast vollständig ausreißt. Denken wir zB an Syrien. Ein irakischer Erzbischof sagte über die Christen im Nordirak: "Sie haben alles verloren, weil sie ihren Glauben bewahrt haben" (Zitat aus: Tagespost, 11.6.20165, Seite 1).

           

In den Ländern Westeuropas herrscht – noch? – Stille. Die „Ruhe vor dem Sturm?“ Und doch gibt es auch bei uns in Westeuropa einen Sturm. Es ist ein Sturm, der, ohne dass es so recht wahrgenommen wird, in ganzen Ländern und Gebieten – Tirol nicht ausgenommen – den Glauben und das kirchliche Leben zu Fall bringt. Denkende Menschen nehmen wahr, von welcher Seite die entstehende religiöse Leere ausgefüllt wird.

           

Es gibt die Wellen, die in das Boot des eigenen Lebens schlagen und uns zum kentern bringen wollen. Auch für den Glaubenden ist das Leben oft ein Kampf. Menschen leiden, kämpfen, kapitulieren, fangen wieder neu an… Wie geht es uns selbst mit den Stürmen der Zeit und den Wellen im eigenen Boot? Was können wir tun?

           

-         Christus liegt im Boot und schläft. Das ist ein Zeichen dafür, dass er bei uns ist. Das Boot ist auch ein Symbol für die Kirche. Der Herr ist bei uns, auch wenn es manchmal so aussieht, als ob er schlafen würde.

-         Göttliche Gelassenheit bringen wir wahrscheinlich schwer zustande. Manche Heilige hatten sie.

-         „Schöpfen!“ Die Apostel werden eine Zeit lang kräftig Wasser aus dem Boot geschöpft haben. Doch sie konnten sich aus eigener Anstrengung retten.

-         „Not lehrt beten!“, sagt der Volksmund. Die Apostel haben in ihrer Todesangst zum Herrn um Hilfe geschrien: Und der Herr hat geholfen. Rufen auch wir den Herrn an: „Christus hilf mir! Rette mich!“ Und Er wird helfen!

-         „Schweig und sei still!“Es gibt Stürme, denen nur die göttliche Macht Christi Einhalt gebieten kann. Deshalb brauchen wir ihn.

           

Christus hört nicht auf, mit seiner göttlichen Vollmacht das „Schweig, sei still!“ über die Stürme der Zeit und die Stürme in der Kirche zu sprechen. Er spricht dieses Machtwort besonders durch das Heilige Messopfer an jedem Sonntag, an jedem Tag. Wer sich durch die Sonntagsmesse – wie die Apostel im Boot – hinter den gebietenden Christus stellt, steht in seinem Windschatten, in seinem Schutz. Es ist unbegreiflich, welche Segensquelle uns durch das sonntägliche Hl. Messopfer geschenkt ist. Ebenso unbegreiflich ist es, wie so viele Katholiken daran vorbei leben. Doch geht es den Menschen, die in den Stürmen des Lebens den Herrgott, der den Stürmen gebietet, nicht haben, wirklich gut? Wie dankbar dürfen wir sein!

           

Der größte Sturm, der Sturm der Heilsgeschichte zwischen Gut und Böse, ist von Christus bereits am Kreuz entschieden. Das Lamm hat gesiegt. Hier beginnt für uns die menschliche Gelassenheit. Wenn wir mit dem Blick auf Christus leben – der Blick auf das Kreuz, der Blick auf das Lamm der Apokalypse, das geschlachtet ward und durch seine Wunden gesiegt hat, dann können wir gelassen sein. Die menschliche Gelassenheit kommt aus dem Glauben. „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ Das sagt der Herr auch zu uns.

           

Herr, schenke uns die Gelassenheit, die aus dem Glauben kommt. Wir sehen nur die kleinen und großen Stürme und Nöte des Augenblicks. Du aber siehst alles und trägst alles, vom Anfang der Zeit bis zu ihrem Ende. Du willst und wirst uns immer neu helfen und durch Dein göttliches Machtwort die Stürme zum schweigen bringen. Maria, Mutter der christlichen Hoffnung, erbitte uns die Tugend der Gelassenheit. Amen.

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