150) Herz Jesu Sonntag 2015: Reihe Ehe im Plan Gottes 15) JA ZUM LEBEN - JA ZU GOTT

Reihe Ehe und Familie im Plan Gottes 15) Herz Jesu Sonntag 2015

Predigt von Pfarrer Stephan Müller

HERZ JESU: JA ZUM LEBEN - JA ZU GOTT

 

Heute steht das Herz Jesu im Mittelpunkt. Als göttliches Herz schlägt das Herz Jesu seit

Ewigkeit im Geheimnis des Dreifaltigen Gottes. Als menschliches Herz hat das Herz Jesu sein Dasein aus Maria genommen, bei der Menschwerdung vom Heiligen Geist gebildet.

 

Das Herz Jesu hat uns auch für das Grundverständnis der Ehe und Familie wichtiges zu sagen. Das gott-menschliche Herz Jesu kommt aus der Liebe des himmlischen Vaters und aus der Liebe einer menschlichen Mutter. Es gäbe kein Herz Jesu, wenn nicht die Mutter gewesen wäre, die für das Kind offen war. Bei der Verkündigung erleben wir es: Die Gottesmutter war offen für das Kind, das ihr der Erzengel nach dem Plan Gottes verheißen hat, und Maria war offen für Gott. Maria sagt JA zum menschlichen Leben - in ihrem Fall das Kind als Messias und Sohn Gottes - und Maria sagt JA zu Gott: "Ich bin die Magd des Herrn" (Lk 1,38). Ja zum Leben und Ja zu Gott, das liegt auf der gleichen Linie. Das ist sogar austauschbar.

 

Als katholische Kirche ist uns das hohe Ideal der Ehe anvertraut, so wie es von Gott kommt: Die Einheit der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die Fruchtbarkeit und die Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen und vollzogenen Ehe bis zum Tod.

 

Wo wir Christen - und allgemein wir Menschen - für die Ehe nicht mehr den Schöpfungsplan Gottes erkennen oder anerkennen, wird die Ehe und Familie manipuliert, noch mehr, geraten die Ehe und Familie und damit die Gesellschaft in große Gefahr. Wo wir als Kirche diese hohen Werte der Ehe nicht mehr anstreben, entsteht ein Hohlraum. Dieser Hohlraum wird dann von anderen Haltungen vereinnahmt, von Fehlhaltungen. In unserer Zeit sind es die Überbetonung der Lust und die Verhütung, Abtreibung, neuerdings die Genderideologie.

 

Gehen wir auf einen Bereich genauer ein. Das Heiligste Herz Jesu gibt es nur, weil eine menschliche Mutter da war, Maria, die für das Kind und für Gott offen war. Die Verhütungsmentalität - durch die Pille und andere Mittel - ist eine verneinende Haltung zum Kind, und damit zum Leben. Frauen, junge Frauen, welche im Anliegen der Verhütung die Pille nehmen, bauen in sich eine verneinende Haltung zum Leben auf. Ganz abgesehen davon, dass manche Pillen auch eine abtreibende Wirkung haben. Wer in seinem Herzen und seinem Verhalten eine verneinende Haltung zum Leben - zum Kind - aufbaut, baut gleichzeitig eine verneinende Haltung zu Gott auf. Wer in der Verhütungsmentalität steckt, wird sich mit Gott und der Kirche schwer tun, weil er innerlich blockiert ist.

 

Diese Gedanken scheinen Euch vielleicht ungewöhnlich. Und doch ist das eine versteckte Wurzel der Probleme unserer Zeit: Die verneinende Haltung zum Kind und daraus entstehend die verneinende Haltung zu Gott. Wir müssen über das sprechen und nachdenken.

 

Im Europaparlament in Brüssel wurde am Dienstag dieser Woche (9. Juni 2015) eine Entschließung verabschiedet, die genau in diese Richtung geht: "<Sichere und legale Abtreibung und Verhütung>, die Verknüpfung von Entwicklungshilfe mit Abtreibungspropaganda, mehr Sexualerziehung in Schulen [konkret bedeutet das Verführung zur Früh-Sexualität], den Kampf gegen sogenannte <stereotype Geschlechterrollen und traditionelle Strukturen> [das ist die Gender Ideologie] sowie eine Änderung des Arbeits- und des Familienrechts zugunsten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen" (Zitat aus der Tagespost, 11.6.2015, Seite 1). Da kommen von Seiten der EU-Politik große Probleme auf uns zu. Die Haltungen, die da propagiert werden, sind gegen das Leben, gegen das Kind, und damit direkt gegen Gott und die Kirche gerichtet. Auf der Grundlage solcher Haltungen kann in unserer Gesellschaft die Ehe und Familie nicht bestehen, auch nicht der Glaube oder eine öffentliche Gottesverehrung.

 

Bei Debatten über die Krise der Kirche wird das meist übersehen: Ein neues Ja zu Gott ist nur möglich auf einer guten menschlichen Basis: Das Ja zum Leben, das Ja zum Kind. Das ist auch die Chance, die wir haben: Wo Eltern Ja sagen zum Leben, zum Kind, haben sie mit dem Kind bereits Gott in ihrer Mitte aufgenommen. In einer solchen Familie kann eine gläubige Atmosphäre entstehen, in welcher der Glaube, die Gebote Gottes und das Leben mit der Kirche vermittelt werden kann.

 

Mit christlich-biblischen Vokabeln ist es so zu sagen: Wir brauchen die Überwindung der Verhütungsmentalität, wir brauchen die Tugenden der Reinheit und Keuschheit. Es braucht die Keuschheit vor der Ehe, es braucht die Keuschheit in der Ehe. Hier gilt das Wort Christi aus der Bergpredigt: "Selig, die reinen Herzens sind, sie werden Gott schauen!" (Mt 5,8) Mit diesen Tugenden, mit wahrhaft christlichen Ehen und Familien kann und wird der Glaube in unserer Heimat wieder zunehmen.

 

Das Heiligste Herz Jesu hilft uns, den Weg des wahren Liebens zu gehen, so wie es unsere Vorfahren getan haben. Im alten Tirol, in früheren Zeiten, waren einige Gebiete besonders bekannt wegen des Kinderreichtums. Der Kinderreichtum führte zu einem starken Glauben. Freilich gab es auch früher Probleme. Ich möchte nicht eine vergangene Zeit glorifizieren. Es gab zB Hungersnöte, es gab die Schwabenkinder usw. Der heutige Mensch ist nicht mehr so belastbar, das Umfeld für Kindererziehung ist schwieriger geworden. Doch die Grundhaltung zum Leben und zum Kind ist wichtig.

 

Das Heiligste Herz Jesu heilt die Wunden, die sich Menschen im Bereich der Liebe zuziehen. Das Herz Jesu steht offen in der Heiligen Beichte und im Heiligen Messopfer.

 

Das Heiligste Herz Jesu ist uns geschenkt durch Maria, die Ja gesagt hat zum Leben und zu Gott. Maria, Muttergottes, hilf uns, in Deine Lebens- und Glaubenshaltung hineinzuwachsen. Hilf uns, besonders unseren christlichen Eheleuten, Ja zu sagen zum Leben, zum Kind. Lehre uns verstehen, dass das Ja zum Leben zum Ja zu Gott führt.

 

Heiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser! Wir vertrauen auf Dich! Amen.

 

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